Ressort Sport

Jochen Mayer, Ressortchef Sport

Jochen Mayer, Ressortchef Sport

Er ist hier der Chef

Ich bin Journalist geworden, weil ich nicht mein Leben auf dem Sportplatz verbringen wollte. Eine Arbeit mit Sport sollte es schon sein. Sieben Jahren auf der Sportschule in Leipzig hatten mich geprägt. Die meisten meiner Mitschüler wechselten nahtlos ins Sportstudium. Ich probierte mich im Volontariat bei der LVZ und kam auf den Geschmack. Die andere Seite hat ihre Reize. Sportredakteure arbeiten wie Athleten. Sie können sich auch ausreizen, ausprobieren, austoben: Tempo ist bei der Zeitungsarbeit gefragt, schnelles Reagieren, Teamfähigkeit, Ausdauer, Instinkt, die richtige Planung und Taktik. Über die Medien lassen sich die Reize des Sports verkaufen und damit auch die Werte. Vielleicht habe ich auf diese Art mehr Leute erreicht als wenn ich mich einst für ein Sportstudium entschieden hätte.

 Zur SZ gekommen bin ich so: Eine Einsatzkommission regelte nach dem Studium alle Stellenbesetzungen. Ich wollte nach Berlin, da glaubte ich die besten Möglichkeiten für die Sportberichterstattung zu finden. Doch Berlin blieb tabu. Dresden und SZ lautete die Offerte. Was ich damals nicht ahnte: Es war eine Lebensentscheidung. Nach einem Jahr in Riesa kam ich in den SZ-Sport. 

Das mag ich an meinem Job: Kein Tag ist wie der andere. Und immer passiert etwas Unvorhergesehenes, Unplanbares, Überraschendes. Was vormittags noch der Aufreger des Tages war, der detailliert erzählt werden will, der kann am Abend schon zur Kurznachricht geschrumpft sein. Aber am spannendsten sind die Begegnungen mit besonderen Menschen, die einen ungewöhnlichen Lebensweg wagen, die ihre Träume leben, die nach Großem greifen, die Perfektion suchen. Reizvoll ist der Job, weil jede Ausgabe neuen kreativen Spielraum bietet. Da es immer wieder neue Formen und Formate gibt, wird es nie langweilig.  Und im Team entstehen neue Sichten, Ideen, Projekte.

Ein typischer Arbeitstag sieht bei mir so aus: Zeitungen lesen: Was machen die anderen? Agenturen filzen: Was war bisher los, was wird noch wo los sein? Rumtelefonieren: Die einen wollen was, von anderen will ich was. Planen mit den Kollegen: Was könnte in der nächsten Ausgabe wie groß wo stehen? Mittagssitzung: Haben wir einen Anreißer für Seite 1, einen Blickpunkt für Seite 4? Müssen wir uns absprechen mit der Stadtredaktion, mit der Politik, mit der Wirtschaft, mit den Panoramaseiten-Machern? Zeitungseinschätzung: Was hätten wir besser machen können? Gab es gute Ideen, überraschende Formen? Der Extrakt aus der Mittagsrunde ist in unserer internen Sportsitzung Thema. Im Detail reden wir über die Tagesausgabe, kritisch. Und wir gehen unsere Seiten für die aktuelle Produktion durch – wer macht was? Dazwischen Telefonate, Internetrecherche, Agenturabfrage. 16 Uhr stehe ich mit im Newsroom: letzte Themen-Absprache aller Ressorts. Danach wird getextet, an den Sportseiten gefeilt, nach den besten Fotos gesucht, reagiert und umgebaut, um neue Nachrichten zu platzieren. Die Seite wandelt sich, während die ersten schon gedruckt werden – dank unserem Blattmacher. Da habe ich Feierabend, oft genug mit etwas Sport im Fernsehen. 

Das war meine bisher beste „Story“:  Eine Harbig-Serie kurz nach der Wende. Da kamen seine Tochter, seine Schwester, seine Nichte und einige Weggefährten zu Wort. Sie zeichneten ein menschliches Bild vom Dresdner Weltrekordläufer. Harbig war zu DDR-Zeiten still und leise eine unerwünschte Person geworden. Hochemotional war Dynamos Abschied aus der 1. Fußball-Bundesliga. Gelohnt haben sich die Kraftakte 1996 und 2004 mit jeweils ganzseitigen Serien „100 Jahre Olympia“ und „Von Athen nach Athen“. Jede Woche eine Seite, jede Woche ein Olympia-Ausrichter – meist mit Sachsen.

Die SZ-Sportredaktion

Die SZ-Sportredaktion

Das ist die Sportredaktion

Wir sind ein Mehr-Generationen-Team. Senior  ist Uwe Wicher (60), Tino Meyer (32) als unser Jüngster könnte sein Sohn sein. Dazwischen decken wir viele Altersklassen ab: Jochen Mayer (58), Sven Geisler (45),  Berthold Neumann (56), Maik Schwert (40), Daniel Klein (38). Als fester freier Mitarbeiter betreut Alexander Hiller (37) den Dresdner Lokalsport.

Wie und wo arbeiten wir? Wie: aktuell und schnell, informativ und hintergründig. Wo: nah an Dynamo Dresden, dicht an den lokalen Sportgrößen, neugierig bei den Großereignissen in der Region. Wir sind vor Ort oder telefonieren mit den Leuten vor Ort. Wir suchen im Internet oder grasen in den Agenturen nach Geschichten. Wir stöbern in allen möglichen Zeitungen und nutzen Funk wie Fernsehen. Wir gehen Gerüchten nach und fahnden nach Erklärungen für alles aus der Welt des Sports. Die lassen wir uns nicht eingrenzen auf den Wettkampfsport. Wir mögen es bunt. Sachsens Olympiasportler sind – im Sommer wie Winter – unser Thema. Aber auch das Abenteuer hat seinen Platz. Wir versuchen herauszubekommen, worin der Kitzel und Reiz besteht, was Menschen zu ungewöhnlichen Leistungen treibt. Jeder im SZ-Sport hat seine Sportarten, jeder kann sich einbringen. Wir bearbeiten aber auch die weißen Flecken im Sport. Zum Beispiel mit der Serie: Sachsens unbekannte Meister. Ein typischer Wochentag beginnt mit zwei weißen Seiten. Das Phänomen aller Zeitungsseiten: Bis zum Druck passiert in der Welt des Sports genau so viel, wie auf unsere Seiten geht. Dazwischen wird diskutiert, geplant, gezweifelt, nach Kompromissen gesucht. Was klingt nach der besten Geschichte? Was könnte die meisten Leser interessieren? Was ist der spannendste Stoff? Solche Themen  bekommen den besten Platz. Und auf alle Ereignisse am Tag muss reagiert werden – bis in die späte Nacht. Manchmal nur als Resultat, manchmal als Nachricht, manchmal entstehen ganze Seiten neu. Unser Blattmacher kann bis Mitternacht die Seiten aktualisieren.

Worüber berichten wir? Eine Zugnummer ist Fußball, das belegen alle Umfragen. Dynamo Dresden interessiert in guten wie in schlechten Zeiten. Deshalb vergeht auch kaum ein Tag ohne Geschichten, Hintergründe, Personalien, Problemstücke, Porträts, Interviews, Übersichten über den Zweitligisten mit dem enormen Zuschauerzuspruch. Sven Geisler, Daniel Klein und Tino Meyer sind auf ständiger Suche nach neuen Dynamo-Einblicken. Sie berichten von den Spielen aktuell und umfangreich, liefern bereits mit dem Schlusspfiff Analysen und Spielernoten. Das trifft auch auf die wichtigsten Auswahlauftritte zu. Der SZ-Sport war bei allen Fußball-Welt- und Europameisterschaften seit 1992 dabei, berichtete über Stars und Sternstunden, über Aufreger und Enttäuschungen. Aufregend ist Zeitungsarbeit immer. Zuletzt rätselten wir mit Dynamo-Torhüter Eilhoff, warum er so viele Gegentore bekommt. Wir stellten Dresdens neuen Stürmerstar Pote vor. Und waren auf der Suche nach Vettels Erfolgsformel. Warum trat Handball-Bundestrainer Heiner Brand zurück? Es klärte sich im Interview. Der Internationale Sportgerichtshof kippte eine Dopingregel für Olympia. Wir erklärten die Konsequenzen für Claudia Pechstein. Längst gehört ein Minimum an Sportrecht, Sportmedizin, Sportmarketing zum Handwerkszeug in einer Sportredaktion. Etwas Sportwissenschaft sollte auch dabei sein. Und Liebe zum Sport sowieso.

So erreichst du die Sport-Redaktion:

Du willst ein Praktikum in der Sport-Redaktion machen, als freier Mitarbeiter schreiben oder du hast einfach nur eine Frage? Dann schreib’ der Redaktion einfach eine Mail oder ruf an:

Telefon: (0351) 4864 2322
Mail: sz.sport@dd-v.de

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