Meißen

Peter Anderson, Lokalchef Meißen

Peter Anderson, Lokalchef Meißen

Er ist hier der Chef

Als junger Student habe ich 1996 meine ersten Artikel für die Sächsische Zeitung in meiner Heimatstadt Radebeul geschrieben. Es war für mich sehr beeindruckend, das am Vortag Geschriebene dann plötzlich im Zeitungsformat in der Hand halten zu können. Jedes Wort habe ich abgewogen und jeden Artikel fünfmal gelesen. Wenn heute der Schlendrian im Alltag einzureißen droht, rufe ich mir diese Ehrfurcht vor dem Medium Zeitung gern in Erinnerung. Was in der Zeitung steht, das stimmt und muss richtig sein. Die Wahrheit! Diesen Anspruch haben bis heute viele Leser. Deshalb tragen wir eine große Verantwortung.

Zur SZ bin ich gekommen, als mein erster Arbeitgeber in Berlin nach knapp einem Jahr Insolvenz angemeldet hat. Da war ich dankbar für das Angebot, nach sieben Jahren Weltenbummelei als freier Mitarbeiter in die Heimat zurückkehren zu können. Seitdem fahre ich 245 von 250 Arbeitstagen im Jahr gern in die Redaktion. Gerade die Arbeit in einer Lokalredaktion gibt mir fast jeden Tag die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen, zu erfahren. Für uns Journalisten öffnen sich Türen, die sonst verschlossen bleiben. Beim letzten Elbehochwasser konnte ich mit einem Boot zu einem eingeschlossenen Haus übersetzen. Ich habe in Eiseskälte Silvesterkarpfen gefischt und bin Hunderte Meter in die Tiefe in einen alten Stollen eingefahren. Die Themen für gute Geschichten liegen in einer Region wie dem Meißner Land vor der Tür. Wir haben den Wein, die Albrechtsburg und natürlich unser echtes Meissener. Die Entwicklung der Manufaktur kritisch zu begleiten, ist mir in den vergangenen Jahren besonders wichtig geworden, weil ich merke, wie stark die Sachsen mit diesem Unternehmen verbunden sind.

Die SZ-Redaktion in Meißen

Die SZ-Redaktion in Meißen

Das ist die SZ-Mannschaft
in Meißen

Immer wieder spannend: So läuft ein typischer Redaktionstag in Meißen ab:

9.30 Uhr Als Chef Peter Anderson seine Zeitungen aus dem Sekretariat holt, hält ihm Sekretärin Kerstin Geyer fünf Zettel unter diese Nase. „Fünf Leute sind schon hier gewesen und haben die Meißner SZ abonniert. Sie waren total begeistert von der gestrigen Ausgabe mit der Geschichte zum Unesco-Welterbe-Titel für Meißen.“

10 Uhr Ein Angler ruft direkt vom Elbufer an und will uns den ersten über einen Meter langen Lachs zeigen, der seit fast siebzig Jahren aus dem Fluss gezogen wurde. Sofort macht sich Peter Anderson mit Fotografin Claudia Hübschmann auf den Weg. Ihr gelingen spektakuläre Aufnahmen mit dem sehr fotogenen, jungen Angler. Im Hintergrund wird die Albrechtsburg durch einen wunderbaren Wolkenhimmel von einigen Sonnenstrahlen mystisch angestrahlt.

11.15 Uhr Unser Meißen-Redakteur Harald Daßler kommt in die Redaktion gestürmt. Er hat erfahren, dass die Schauspieler Axel Prahl und Jan Josef Liefers mit ihrem ARD-Tatort nicht länger in Münster bleiben wollen. Stattdessen möchten sie den Krimi künftig in Meißen ansiedeln und stehen für ein Exklusiv-Interview noch heute bereit. Wir sagen Liefers und Prahl zu unter der Bedingung, dass sie sofort die Meißner SZ abonnieren.

13.25 Uhr Gerichtsreporter Jürgen Müller kehrt von seinem ersten Termin zurück. Nebenbei hat ihm auf dem Gericht ein ihm gewogener Polizist erzählt, dass der Meißner Polizei ein entscheidender Schlag gegen eine Porzellan-Fälscher-Bande gelungen ist. Wir wollen uns diese Geschichte allerdings aufheben, da wir für die morgige Ausgabe bereits genügend tolle Themen in der Zeitung haben.

16.30 Uhr Aus dem Zimmer der Gestalter kommen unser Layouter Erik Gasch und der für den Klosterbezirk Altzella zuständige Redakteur Dieter Hanke zu mir. Sie haben mehrere Stunden an einem innovativen Layout für den Bericht über die Eröffnung des Kulturhauses Sachsenhof in Nossen gebastelt. Das Ergebnis ihrer Arbeit, macht mich sprachlos. Die Seite hat überregionales Niveau.

19 Uhr Auf Peter Andersons Telefon-Display erscheint der Name der Sekretärin des Chefredakteurs. „Ich verbinde Sie mit dem Chef“, sagt sie. Peter Anderson wird nicht unbedingt wohler. Der Chef allerdings ist des Lobes voll. Mit überschwänglichen Worten bedankt er sich für die Arbeit der Lokalredaktion Meißen und stellt als Prämie einen Betriebsausflug nach London in Aussicht.

Das ist typisch für die Region:

Meißen ist ein Sonderfall. Wer den Stadtnamen als Internet-Adresse eingibt, landet nicht auf der Stadtseite, sondern auf den Seiten der Porzellan-Manufaktur Meissen. Das „echte Meissener“ hat die Stadt in der Welt bekannt gemacht. Stadt und Unternehmen verschmelzen im Netz scheinbar zu einer Einheit. Auch unserer Zeitung liefert die „Manu“ fast jede Woche ein Thema. Mal ist es das Unternehmen selbst, über dessen Zukunft diskutiert wird. Dann wieder kehren nach dem Krieg gestohlene Meissener Vasen nach Sachsen zurück. Mit „Meissen“ in der Überschrift gehen im Internet regelmäßig die Klickzahlen nach oben.

In Meißen immer wieder über Meissener zu schreiben, birgt die Gefahr, die Themen in der Region, im Umland zu übersehen. In Sachsens Kornkammer – der Lommatzscher Pflege – gibt es in den letzten Jahren Anzeichen dafür, dass die Flucht junger Leute vom Land ein Ende haben könnte. Es gibt etliche Beispiele von jungen Familien, die in umgekehrter Richtung aus der hektischen Stadt in die friedliche, hügelige Landschaft der Lommatzscher Pflege gezogen sind. Hier habe sie Platz für ihre Kinder, finden sie Ruhe. Eine Chance für den ländlichen Raum.

Ganz anders geht es der Gemeinde Klipphausen an der Autobahn A 4. Hier platzen die Gewerbegebiete aus allen Nähten. Die Ansiedlungswünsche der Firmen sind kaum zu erfüllen. Es lockt die Nähe zu Dresden und die günstige Anbindung über die Autobahn. Nicht alle sehen das mit Wohlgefallen. Schielt die Gemeinde zu sehr auf die Gewerbesteuereinnahmen? Verliert sie ihren dörflichen Charakter?

An Themen ist im Meißner SZ-Gebiet kein Mangel. Sie liegen auf der Straße. Man muss sie sich nur auf den Schreibtisch holen. Das ist spannende, tägliche Entdeckerarbeit.

So erreichst du die Meißner Redaktion:

Du willst ein Praktikum in der Redaktion in Meißen machen, als freier Mitarbeiter schreiben oder du hast einfach nur eine Frage? Dann schreib’ der Redaktion einfach eine Mail oder ruf an:

Telefon: (03521) 4104 5510
Mail: sz.meissen@dd-v.de

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