X Wege in den Journalismus: der Journalistik-Student

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Ein Lokalredakteur arbeitet anders als ein Blattmacher. Moderatoren sprechen, was Reporter erfahren. Und ein Onliner macht irgendwie alles auf einmal. Jeder von ihnen hat einen eigenen Weg in den Journalismus gefunden. Wir haben fünf Journalisten-Typen entdeckt. Teil Vier: Fabian Schröder.

Onlineredakteur, Videojournalist und Communitymanager. Drei Schlagworte, die meinen Job bei der Sächsischen Zeitung umreißen. Seit Dezember 2012 gehe ich diesen Tätigkeiten hier in Dresden nach – in der Stadt meiner Herkunft. Der Weg von hier bis hierher zurück führte über viele Stationen. Er dauerte siebeneinhalb Jahre, kostete neben Nerven eine Stange Geld und hat sich trotzdem voll gelohnt.

Nun aber der Reihe nach: Journalist werden? Diese Frage stellte ich mir 2005 kurz nachdem ich auf der US-Airbase in Ramstein einen Wachdienst über Weihnachten absolvierte. Es gibt wirklich angenehmere Aufenthaltsorte während der Feiertage. Statt Wohnzimmer, Gänsebraten und Familie gab es Checkpoints, Cheeseburger und Irak-Heimkehrer. Für mich war diese Zeit hart, führte aber zu einer Erkenntnis: Das willst du nicht werden! Ich verwarf mein Ziel, eine Laufbahn bei der Bundeswehr einzuschlagen. Einziges Problem: Mit Plan-B hatte ich mich noch gar nicht befasst.

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Fabian Schröder          Fotos: B. Veltzke

Der Gedanke daran, vielleicht einmal Spielanalysen auf der Pressetribüne eines Fußballstadions zu tippen, war noch nicht ausgereift, da entdeckte ich eine Anzeige in der SZ. Die Management Akademie Riesa, kurz „Marie“, warb darin mit einem neuen Studienkonzept für Sportjournalisten. Eine praxisnahe, moderne, medienübergreifende und individuelle Lehrmethode wurde angepriesen. Interessant! Die Sache hatte nur einen Haken: Es handelte sich um ein Privatstudium, das in drei Jahren rund 20.000 Euro kosten sollte. Baff! Ein Darlehen musste her, schnellstmöglich.

Monatsraten statt Semesterbeiträge

Ich, inzwischen 19 Jahre alt, aber kein bisschen kreditwürdig, brauchte einen Partner. Meine Eltern sprangen ein und unterstützten mich trotz der großen Summe. Statt überschaubarer Semesterbeiträge an einer staatlichen Uni zahlten wir happige Monatsraten an die „Marie“ und tilgten zusätzlich einen verzinsten Studienkredit.

Das Risiko, viel Geld zu verlieren, war groß. Zwei nicht bestandene Prüfungen und der Traum wäre zerplatzt wie eine Seifenblase – und hätte drei Menschen in eine private Finanzkrise gestürzt. Um es abzukürzen: Es war ein Mal brenzlig, hatte aber für alle ein Happy End.

Nur die Praxis schult

Das Studium hielt alles, was es versprach. Ich erlernte das journalistische Handwerk für Web und Print, drehte Videos, nahm Radiobeiträge auf und wurde in einer zwölfköpfigen Studiengruppe individuell gefördert. Die für meine jetzige Arbeit entscheidenden Erfahrungen sammelte ich allerdings während diverser Praktika. Dank der damals guten Verbindungen der „Marie“ zu Medienpartnern konnte ich mir Praxiseinheiten nach Maß zusammenstellen.

Mich reizten vor allem Online und Hörfunk. Deshalb entschied ich mich in zwei von drei großen Praxiszeiträumen für Angebote, die genau diese beiden Bereiche verbanden. So arbeitete ich ein Semester lang beim FC Sachsen Leipzig als Reporter für das Internet-Fanradio Leutzscher Welle. Heim- und Auswärtsspiele des Vereins moderierte ich zusammen mit einem Kollegen. Schon bei der ersten Übertragung waren wir ein gutes Duo – und mir der Leipziger Fußball vertraut. Ich hatte mich mit dem Club auseinandergesetzt und vor meinem Sendestart viele Hintergrundgespräche geführt. In dieser Zeit lernte ich drei wichtige Lektionen des journalistischen Arbeitens:

  • Erstens: Sei niemals verlegen.
  • Zweitens: Sei immer informiert.
  • Drittens: Bist du es mal nicht, sei interessiert.

 

Vom Studium direkt in den Job

Das Studium war ein auf drei Jahre zugeschnittenes Programm, an dessen Ende der Bachelor of Arts stand. Prüfungen bedeuteten nicht gleich Stress. Es kam eher auf die konstante Leistungsbereitschaft in der Praxis an. Rückblickend hat sich diese Ausbildungsmethode für mich bewährt: Über mein zweites längeres Praktikum, das ich Anfang 2009 bei Radio Schleswig-Holstein (R.SH) von der Radioholding Regiocast absolvierte, ebnete sich der Weg zum ersten Job.

Bei R.SH begleitete ich das Tagesprogramm und setzte mich stark bei Onlinethemen ein. In allen Bereichen konnte ich schon sendefähige Inhalte abliefern. Das Umschalten zwischen verschiedenen Kanälen war für mich keine Hürde und zugleich ein Alleinstellungsmerkmal. Schließlich war man in dem Haus entweder Onliner, Nachrichtenredakteur oder Moderator – jedoch nicht alles auf einmal.

Passend zu dieser Erfahrung schrieb ich im Sommer des gleichen Jahres beim Bayerischen Rundfunk in München meine Bachelorarbeit. Sie war der erste Teil eines ARD-Forschungsprojekts über crossmediales Arbeiten in Fernsehen, Hörfunk und Internet beim heutigen Jugendformat BR Puls. Trotz des Schreibens an dieser Abschlussarbeit hielt ich weiter Verbindung nach Kiel und bot mich für ein Volontariat in der Onlineredaktion der Regiocast-Gruppe an. Ich bekam den Job, wurde zum Redakteur und lernte noch etwas: Als Journalist sollte man Kontakte nicht nur sammeln wie Paninibilder, sondern pflegen wie ein Scheckheft.

Der Wechsel zur Zeitung

Insgesamt blieb ich dreieinhalb Jahre beim Radio und arbeitete für die Sender R.SH, delta radio, Radio NORA (alle Kiel), Radio PSR, R.SA (beide Leipzig), Radio Bob (Kassel) und auch für das mittlerweile eingestellte Fußballradio 90elf. Viel Radio also. Doch mein Fokus lag nicht nur auf Wortbeiträgen, für die ich wegen meiner sächsischen Herkunft eine Sprecherausbildung durchlief. Ich war Onliner durch und durch.

Der Wechsel zur Sächsischen Zeitung Ende 2012 war für mich kein harter Schnitt. Auch in meinem neuen Job bin ich Onlineredakteur und habe ähnliche Aufgaben. Die einzigen Unterschiede: Die SZ hat einen höheren journalistischen Anspruch als Privatradios. Statt über Leipziger Fußball schreibe ich endlich über Dynamo. Und ich habe mit 26 Jahren einen festen Job in meiner Heimatstadt Dresden gefunden. Besser hätte es nicht laufen können.

x-Wege in den Journalismus: der Journalistenschüler

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Stefan Becker hat sich in seinem ersten Praktikum im Fettnäpfchen-Weitsprung geübt. Danach ist er auf eine Journalistenschule gegangen. Für ihn “vielleicht die Schule fürs Leben”. Nummer Drei in der Serie “x Wege in den Journalismus”: der Journalistenschüler.

“Verdammt”, fluchte der baumlange Chef vom Dienst, “bist Du völlig verrückt geworden?” Ich sah das durchaus differenzierter, doch nach dem Vulkanausbruch des geliebten Vorgesetzten schien es, als würde meine sagenhafte Karriere bei der Zeitung schon nach vier kläglichen Wochen wieder enden. Bei einer Reportage über ein Schützenfest in Bielefeld hatte ich gleich so ziemlich alles falsch gemacht, was man in der Kürze der Zeit überhaupt falsch machen konnte:

Da ich mich stundenlang inmitten einer rotgesichtigen, beleibten, alkoholisierten wie bewaffneten Bagage befand, notierte ich einfach nur das, was um mich herum geschah. Es bedurfte keiner Übertreibungen, das gebotene Geballer war gespickt mit absurden Momenten. Einfach großartig. Weniger ist aber manchmal mehr. Wenn im allgemeinen Gekreische und Getöse zwischen Schießplatz und Festzelt, wahrscheinlich ungewollt, Dekolletés verrutschen und Hände auf Hintern prallen, so lässt sich das natürlich auch dezent umschreiben oder galant übersehen.

Fettnäpfchen-Weitsprung

Der zweite Fauxpas bestand darin, dass ich keine Ahnung hatte, mit oder für wen ich eigentlich arbeitete. Rein menschlich betrachtet. So erfuhr ich dann auf die harte Tour,  dass der Chef vom Dienst selbst als hochdekorierter Schütze herumkommandierte und knietief in diesem Brauchtum steckte. Dumm gelaufen und die Dummheit war allein mein Verdienst, kein Fatalismus: Vorher fragen, Vorlieben und Aversionen der Kollegen erforschen und den Fallstricken des Berufsalltags elegant entkommen.

Stefan Becker Fotos: B. Veltzke

Stefan Becker                  Fotos: B. Veltzke

Der Anlass für die beinahe Herzattacke bestand aber im fast fatalen dritten Fehler: Das Manuskript hatte ich ins Fach für redigierte Texte geworfen. Damals gab’s das noch. Die Aktion war keine Absicht, nur hätte die Schusseligkeit fast zur lokalen Katastrophe geführt. Weil der Chef vom Dienst allerdings offensichtlich wissen wollte, was der Becker da verbockt hat, bei seinen Schützen, machte er sich auf die Suche nach der Geschichte und den Rest habe ich ja gerade erzählt.

Und was sagt uns das nun? Journalisten sind auch nur Menschen, mit ihren Stärken und Schwächen, ihren Befindlichkeiten und Vorurteilen. Dass es ihnen trotzdem jeden Tag wieder gelingt, den geschätzten Mitbürgern die Großartigkeiten und Abgründe dieser Welt ein Stück näher zu bringen, liegt letztendlich am kollegialen Miteinander.

Hart und hoffentlich herzlich

Dabei kann es allerdings im Ton durchaus einmal etwas rauer zugehen. Wer diesen Job ernsthaft machen möchte, sollte keine Mimose sein, muss lernen, negative Kritik zu vertragen und darf auf keinen Fall gleich alles persönlich nehmen. Der Beruf verlangt eine gewisse Härte, auch gegen sich selbst.

Mir widerfuhr diese Härte samt Herzlichkeit auf der Journalistenschule von Henri-Nannen in Hamburg. Wer dort aufschlägt, denken viele, könne so richtig gut mit Worten  und hätte es voll darauf. Das denken meist die, die sich nicht bewerben, weil sie von sich denken, ihnen fehle es an Talent oder Sprachgefühl oder was auch immer und deswegen hätten sie sowieso keine Chance – oh, wie doof ist das denn! Darum möchte ich in diesem Blog einen bescheidenen Wunsch äußern: Wer diesen Beruf ernsthaft erlernen will, sollte sich solange bei allen Schulen bewerben, bis sie oder er endlich genommen wird. Basta.

Es lohnt sich. Diese Erfahrungen und Erlebnisse lassen sich nirgendwo sonst in so komprimierter Form machen. Die Dichte der Dozenten, alles sprachgeprüfte Praktiker, bietet keine Uni und kein klassisches Volontariat. Dem einen oder anderen wird es komisch vorkommen, nach Studium oder Beruf plötzlich wieder in einer Schule zu sitzen; Manuskripte in den Händen haltend, die manchmal mehr farbige Symbole und kryptische Zeichen und Striche zählen, als der zu redigierende Text an Buchstaben besitzt: Ich habe Beweise dafür. In dem Moment möchte das ramponierte Ego laut protestieren, und sein angeborenes Recht auf den eigenen Stil einfordern.

Fegen für den Frieden

Doch mit dem persönlichen Stil ist das so eine Sache. Wer darauf pocht, sollte sich einen Besen kaufen – der besitzt auch Stiel. Die nächste Aufgabe bestünde dann darin, mit dem Besen einen Platz zu fegen. Das dauert, bereitet ein paar Blasen an den Fingern und nach einem Windstoß beginnt die Arbeit im ungünstigsten Fall von vorn. Wie gesagt, der Job taugt nur bedingt für Mimosen, stattdessen sollte er zum Teamwork ermuntern. Kollegen besitzen auch brillante Ideen und jeder seinen eigenen Schwung um Texte zu hübschen. Nur Mut.  

Die Journalisten-Schulen vermitteln zudem die schicksten Praktika, da sie diversen Medienkonzernen nahestehen. In den Monaten beim Spiegel oder Stern, bei Bild, Focus oder RTL lernt der Novize, wie Print, TV, Radio oder Internet von großem Format produziert wird und siehe da – die kochen auch nur mit Wasser. Allerdings in ziemlich großen Töpfen und flankiert von einigen Meister-Köchen.

Wem das zusagt, der kämpft um seinen Platz in der ersten Liga. Wen dort manches vielleicht doch abschreckt, der sucht sich eben etwas anderes. Mit einem Know-how, das auf keinen Fall schadet und mit Kontakten, die ebenfalls helfen können. Journalisten-Schulen sind bestimmt nichts für jeden, aber jede oder jeder, die/der mit dem Gedanken an eine Bewerbung kokettiert, sollte das unbedingt durchziehen. Es lohnt sich immer.

PS: Ich war so ein Landei in meiner ostwestfälischen Provinz, dass ich damals von den Schulen nicht einmal gehört hatte. Eine liebe Praktikantin aus der großen Stadt trug mir die Kunde zu und dann ging aber die Post ab, gerade so am Einsendeschluss vorbei geschrammt – verdammtes Glück gehabt. Ihr aber, geneigte Leser, ihr wisst nun um die Existenz dieser Schulen und so legt bitte los. Viel Erfolg!

http://de.wikipedia.org/wiki/Journalistenschule#Liste_von_Journalistenschulen

x-Wege in den Journalismus: die Fachjournalistin

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 Ein Onliner arbeitet anders als ein Lokalreporter, ein Hauptstadt-Korrespondent anders als ein Radiomoderator. Weil jeder etwas anderes drauf haben muss, gibt es so verschiedene Wege in den Beruf. Auch ins Haus der Presse haben es Journalisten auf ganz unterschiedliche Weise geschafft. Wir haben uns auf die Suche gemacht und fünf Typen entdeckt. Nummer Zwei: Nora Miethke, die “Volkswirtin vom Dienst”.

Schon in der 7. Klasse stand für mich fest, ich will Journalistin werden. In der DDR war das nicht so einfach. Man musste vor dem Studium ein Volontariat bei einer Zeitung machen, die einen dann zum Studium nach Leipzig delegierte. Ich hatte Glück und bestand die Eignungsprüfung für ein Volontariat bei der überregionalen Zeitung “Neue Zeit”, musste jedoch nach dem Abitur ein Jahr auf den Beginn der Ausbildung warten. In dieser Zeit fiel die Mauer. Plötzlich standen mir die Unipforten offen. Doch statt gleich zu studieren, entschied ich mich, erst einmal das zweijährige Volontariat zu absolvieren, um zu sehen, ob das wirklich der richtige Beruf für mich ist.

In meiner Fantasie sah ich mich später Filmrezensionen und Theaterkritiken schreiben. Ich wollte Theaterwissenschaften oder Germanistik studieren. Die Ausbildung bei der Neuen Zeit zeigte mir jedoch, dass mir die leichte feuilletonistische Feder fehlte. Ich empfand mich als zu rational, zu nüchtern. Nun war guter Rat teuer. Was studieren, um später journalistisch arbeiten zu können? Geschichte? Politik? Auf einem Volontärstreffen der FAZ (die Neue Zeit gehörte dem FAZ-Verlag) riet mir der Chefjustiziar des Verlags: “Denken Sie doch mal über ein Studium der Volkswirtschaft nach. Das beinhaltet wirtschaftliche, politische und rechtliche Aspekte – eine super Grundlage für den Beruf. “Kurz zuvor war ich in meiner letzten Volontärsstation, der Wirtschaftsredaktion, mit den Worten begrüßt worden: “Wir wissen, dass sie nicht gern zu uns kommen. Aber keine Angst, sie müssen keine Bilanzen lesen.” Zwei Woche später kam ich in die Redaktion und erstaunte meine Wirtschaftskollegen mit der Ankündigung, nun Volkswirtschaft studieren zu wollen.

Nora Miethke Fotos: B.Veltzke

Nora Miethke                      Fotos: B.Veltzke

Ich habe die Entscheidung nie bereut. Man lernt die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu analysieren, die hinter vielen politischen wie privaten Entscheidungen stecken, welche Verhaltensmuster sie bei Menschen und Unternehmen auslösen können – wie etwa aktuell den Zusammenhang zwischen niedrigen Zinsen und dem Run auf Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser. Man erhält eine Ahnung von internationalen Wirtschaftsbeziehungen, lernt die Regel- und Anreizsysteme in der Wirtschafts- und Sozialpolitik kennen, versteht am Ende, warum die Marktwirtschaft besser funktioniert als die Planwirtschaft, aber der Markt nicht immer alles allein richten kann.

Während ich im Herbst 1999 nach meinem Uniabschluss am Schreiben von Bewerbungen saß, rief eines Tages ein ehemaliger Kommilitone an, der im Verlag der Sächsischen Zeitung arbeitete. “Nora, die SZ sucht dringend Wirtschaftsredakteure. Ich weiß, der Internationale Währungsfonds taucht nicht auf der Titelseite auf, aber bewirb dich doch mal”, forderte er mich auf. Auf der Fahrt nach Dresden zum Bewerbungsgespräch überlegte ich mir nur die Antworten auf zwei Fragen: Warum will ich zur SZ? – und – Warum will ich nach Dresden? Auf die Frage, was ich von der Steuerreform von Bundesfinanzminister Hans Eichel hielte, sagte ich damals ehrlich, dass ich das Reformpapier noch nicht gelesen habe. Es war einen Tag zuvor veröffentlicht worden. Es schadete mir nicht. Ich bekam die Stelle und begann am 1. Dezember 1999 meinen Job als Wirtschaftsredakteurin in der Sächsischen Zeitung.

Heute bin ich stellvertretende Ressortleiterin für die Wirtschaft. Meine wichtigsten Aufgaben sind Blattmachen (Planen, Texte redigieren, ab und zu Seitenproduktion) und schreiben. Der überwiegende Teil meiner Arbeitszeit geht für die organisatorische Arbeit drauf. Ich wähle aus der Fülle Informationen die wichtigsten für unsere Leser aus – nach Aktualität, regionalem Bezug und Relevanz für ihr Leben. Wegen des begrenzten Platzes besteht die Hauptaufgabe am Tag darin, zu entscheiden, welche Nachrichten bleiben auf den Wirtschaftsseiten, welche fliegen raus.

Beim Schreiben bin ich oft die “Volkswirtin vom Dienst”. Ich muss zum Beispiel die Ergebnisse der Euro-Rettungsgipfel, die aktuelle Konjunktur- oder Inflationsentwicklung oder die Bankenkrise kommentieren und in Hintergrundartikeln erklären.

Die Berichterstattung über die europäische Schuldenkrise ist derzeit einer meiner Schwerpunkte. In einem Wirtschaftsressort mit vier Redakteuren können wir uns aber nicht nur mit unseren Spezialthemen beschäftigen, sondern müssen uns ständig und schnell in neue Themen einarbeiten – von der Energiewende bis zur Datenflatrate der Deutschen Telekom. Da hilft mir mein Volkswirtschaftsstudium sehr, die oft komplexen Sachverhalte und wirtschaftlichen Zusammenhänge dahinter zu verstehen. Dabei muss man nicht nur die Zusammenhänge von Angebot und Nachfrage kennen, sondern auch die unterschiedlichen Interessen in Unternehmen von Vorständen, Betriebsräten, Kunden und Mitarbeitern bzw. in der Politik von Politikern, Gewerkschaftern und Lobbyisten recherchieren und auch Bilanzen prüfen.

Das ist alles ganz schön viel. Da hilft nur, so oft wie möglich rausgehen aus der Redaktion: Firmen besuchen und sich selbst ein Bild machen, Fachtagungen besuchen, um das eigene Wissen mit neuem Input aufzufrischen und viel lesen in Wirtschaftsbüchern, Fachjournalen und anderen Zeitungen. Denn meistens wiederholt sich alles und so stellt sich im Laufe der Jahre auch eine gewisse Routine ein.

Meinen Zugang zum Journalismus über ein Fachstudium würde ich wieder so wählen. Denn sich während der Arbeit Fachwissen anzueignen, ist sehr mühsam und meistens fehlt im Redaktionsalltag die Zeit dazu.

X-Wege in den Journalismus: der Quereinsteiger

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Er hat auf dem Bau gearbeitet, Politik studiert und mit 31 Jahren sein erstes Praktikum bei der Zeitung gemacht. Nummer Eins der Serie: Tobias Wolf der Quereinsteiger.

Ich könnte mit dem Satz anfangen: Eigentlich wollte ich schon immer Journalist werden. Aber ehrlich: Ich hatte keine Ahnung. Zwar liebte ich immer das Schreiben, bastelte als 10-Jähriger mal ein Kinderbuch, das nur meine Mutter sehen durfte und las als Lehrling einer Handwerksfirma später den SPIEGEL auf der Baustelle, als meine Kollegen die Blätter mit den großen Buchstaben in der Hand hielten. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, irgendwann selbst für andere zu schreiben. Ich hatte nicht mal gepeilt, dass ich der einzige unter den Kollegen war, der so etwas las. Einem Bauleiter fiel das auf. Er sprach mich darauf an. Ob ich wirklich auf dem Bau arbeiten  wolle, ein Leben lang? Ich wusste keine Antwort. Mein Weg in den Journalismus war also ein wenig länger, auch wenn sich die Baustellen-Szene als Ich-weiß-jetzt-was-ich-will-Moment ziemlich cool anhören würde.

Jahre nach einer planlosen Jugend (Realschule, gerade so geschafft) holte ich das Abi nach, während ich tagsüber als Hausmeister Mülltonnen leerte und den Hof fegte. Dann studierte ich Politikwissenschaften. Weil es Spaß machte. An BWL oder so etwas wäre ich sicher grandios gescheitert. Selbst als Abendstudent konnte ich mir nicht vorstellen, einmal Journalist zu werden. Auch wenn ich manchmal davon träumte. Für den Reporterberuf das falsche Fach gewählt zu haben und dazu völlig talentfrei zu sein, war ein Glaubenssatz.

Bis zu dem Praktikum im Sommer 2009 bei der SZ in Pirna. Ohne Ahnung von einer Lokalredaktion. Dazu Angst, in einem unbekannten Umfeld Themen zu finden. Aber nach einem Gerichtsreport in der ersten Woche ließ ich mir von einer Kaufhausdetektivin erzählen, wie das so läuft in ihrem Job. Sie war als Zeugin beim Prozess gegen einen Dieb. Eine spannende Geschichte, die auch in Dresden erschien. Da setzte dann ein, was der Ich-wusste-schon-immer-dass-ich-Journalist-werde-Typ wohl sein erstes Mal nennt: Ein ziemlich geiles Gefühl, gelesen zu werden. Ich war ja mit 31 schon deutlich älter als die anderen Praktikanten und musste ein bisschen erwachsener tun, im Inneren war ich unglaublich stolz.

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Tobias Wolf                     Fotos: B. Veltzke

Ich durfte wieder ins Gericht, dazu Nachrichten und Porträts schreiben. Und hatte immer mehr Spaß daran. Zu dieser Zeit war Endspurt im Landtagswahlkampf 2009. Die rechtsextreme NPD hatte die Sächsische Schweiz mit ihren widerlichen Wahlplakaten zugespamt. Ich stieß auf eine Bürgerinitiative, die den Braunen bunte Plakate entgegensetzen wollte, schrieb einen Aufmacher und einen Kommentar, der aus heutiger Sicht noch härter hätte ausfallen müssen. Es war meine erste Seite Eins im Lokalteil. Hatte ich kurz vorher Feuer gefangen, brannte die Flamme jetzt lichterloh. Nach Leserbriefen und Anrufen, die wegen der NPD-Sache kamen, war klar: Ich kann etwas bewegen und den Nerv anderer Menschen treffen. Als Praktikant. Irgendwie fühlte sich das richtig an. Aber einen Job in einer Redaktion bekommen? Naja, immerhin hatte ich in vier Wochen Pirna knapp 30 Artikel geschrieben.

Monate später kam ich wieder zur SZ. Diesmal nach Dresden. Ich landete in der Stadtredaktion, wo mir mein Chef und Betreuer Peter am ersten Tag einen Packen Themen hinlegte und sagte: „Du wirst das schon schaffen.“ Jeder Praktikant bekommt das zu hören. Als über Weihnachten ein Redakteur ausfiel, sollte ich dessen Seite im Lokalteil übernehmen. Ich war nicht sicher, ob das gut gehen würde. Peter zerpflückte meine Texte bei seinen sprachlichen Korrekturen. Ich dachte, ich versaue es. Doch alles klappte.

Nach dem Praktikum schrieb ich meine Diplomarbeit und für Zeilenhonorar einige Texte pro Monat, bis Peter fragte, ob ich ihn im Urlaub vertreten wolle – drei Wochen lang. Das war im Sommer 2010. Sein Gebiet Dresden-Ost kannte ich ja. Zwar unsicher, schaffte ich das irgendwie und merkte: Ich will nichts anderes mehr machen. Im Jahr zuvor unvorstellbar. Ich bräuchte mir keine Sorgen nach dem Studium zu machen, versprach Peter. Er hielt Wort. Im Herbst bekam ich eine Stelle als freier Mitarbeiter. Für den Osten der Stadt bin ich nun Experte.

Mit der Zeit bekommt man Kontakte, um immer am Puls der Region zu sein. Oder um schnell an wichtige Informationen zu kommen. Auch wenn ich inzwischen vieles kenne, ist jeder Tag  spannend. Weil immer wieder etwas passiert, immer wieder interessante Menschen auftauchen. Dazu  der Nervenkitzel, wenn ich einer heißen Geschichte auf der Spur bin oder zufällig dazukomme, wenn die Polizei einen Schleuserbus umstellt.

Offene Augen, Neugier und manchmal ein kleines bisschen Naivität sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Reporter braucht. Es darf keine Scheu geben, auch nicht vor Menschen die unangenehm sind. Wie die Nazis, die jedes Jahr am 13. Februar hirnlose Parolen herausschreien, während Tausende Gegendemonstranten sie übertönen. Dann ist  Geduld gefragt, die Stunden in der Kälte zu überstehen. Bei solchen Einsätzen ist es oft weit nach Mitternacht, wenn die Tastatur  die Finger wärmt, während die letzten Worte in den Artikel fließen – manchmal nur Minuten bevor die Zeitung für den nächsten Tag in Druck geht. Die Online-Nachrichten sind da längst raus.

Auch wenn der Beruf viel Zeit und manchmal Nerven beansprucht – ich kann mir keinen anderen mehr vorstellen. Ich bin angekommen. Mein Chef ist immer noch derselbe wie im Praktikum. Heute gibt er mir oft seine Artikel zur Korrektur. Und manchmal muss ich an den Bauleiter von damals denken. Irgendwie hat er recht gehabt. Hätte ich noch ein Leben vor mir, würde ich fast alles nochmal genauso machen, nur etwas schneller. Denn Journalist zu sein, fühlt sich wie eine Berufung an, nicht wie ein Beruf.

Jugendpresse Sachsen – Ansprechpartner für Nachwuchsjournalisten

JPS-Logo-VsNJ-reinJournalist-werden.de hat einen neuen Kooperationspartner: die Jugendpresse Sachsen.  Christiane Scholz erklärt, was die Organisation, für die sie arbeitet, alles macht.

Man wird nicht als Journalist geboren. Neugierig, aufgeschlossen und interessiert sollte man schon sein, alles andere muss man eben lernen. Die flotte Schreibe genauso wie die Hartnäckigkeit beim Interviewen oder die Fähigkeit, ein Thema gut und verständlich zu vermitteln.

An diesem Punkt setzen wir von der Jugendpresse Sachsen an. Schülerzeitungsredakteure, Jugendmedienmacher, junge Journalisten und Studierenden haben sich zusammengeschlossen, um sich gegenseitig auf dem Weg zum „richtigen“ Journalisten zu unterstützen.

Dafür organisieren wir Seminare und Workshops zu den unterschiedlichsten Themen, fahren mit unserer mobilen Medienakademie von Schule zu Schule, bringen auf Pressekonferenzen und in Erzählcafés junge Journalisten mit Politikern und Prominenten zusammen und lassen sie auf Recherchefahrten hinter die Kulissen der politischen Betriebe in Berlin und Brüssel blicken.

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Foto: Robert Weinhold/Jugendpresse Sachsen

Den Mitgliedern, die regelmäßig journalistisch arbeiten, stellen wir auch den Jugend-Presseausweis aus, der schon vielen Nachwuchsjournalisten Türen geöffnet hat. Er wird von den großen deutschen Journalistenverbänden DJU und DJV anerkannt und ist ein wichtiges Hilfsmittel bei der Recherche von Informationen aus erster Hand.

Einmal im Jahr verleihen wir zusammen mit dem sächsischen Kultusministerium den Sächsischen Jugendjournalistenpreis, welcher journalistisches Engagement in der Schule würdigt und die besten Schülerzeitungen und Nachwuchsjournalisten Sachsens auszeichnet.

Schülerzeitungen sind ein wesentliches Element demokratischer Schulkultur. Die gilt es zu erhalten und zu fördern.

Kontakt: http://www.jugendpresse-sachsen.de/ und jps@jugendpresse.de

Spezialistin für “alles, was feinfühlig erzählt werden muss”

Volontäre stellen sich voBewerbung1 SW Onliner: Dominique Bielmeier (27) ist seit Oktober SZ-Volontärin. Vorher hat sie an der Uni Leipzig Journalistik studiert, ein wenig Radio gemacht und unter anderem für die Campusredaktion der Leipziger Volkszeitung geschrieben. Für die Ausbildung hat sie ihr geliebtes Leipzig verlassen und ist mit 20 Bücherkisten in eine Dachgeschosswohnung in der Neustadt gezogen.

Klick gemacht hat es, als … ich mit drei Jahren von einem Plakat das Wort „Zeppelin“ vorgelesen habe – und meine Familie damit verblüffte. Menschen mit Sprache zu verblüffen ist seitdem mein erklärtes Ziel. Und eine gewisse Begeisterung für Luftschiffe ist auch geblieben.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, dass … ich mal keine Lust mehr haben könnte, vor dem Bildschirm zu sitzen.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen: Ich wäre der Literatur treu geblieben, nach England gezogen und hätte an einer Uni Literaturwissenschaft gelehrt. Nachts hätte ich am großen englischen Gesellschaftsroman geschrieben.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft: Für mein allererstes Interview für ein Stadtmagazin musste ich gleich mit der Band Madsen reden, die ich ziemlich toll fand. Das war auf dem Umsonst & Draußen Festival in Würzburg und an dem Tag waren es fast 40 Grad. Nachdem ich ihnen klar gemacht hatte, wer ich bin und was ich will, wurde es ein lustiges Gespräch darüber, wie wichtig es ist, im Sommer genügend Eis zu essen. Ein paar brauchbare Sätze waren aber auch dabei.

Ich bin eine Spezialistin für… alles, was feinfühlig erzählt werden muss.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt,… als man mir ein großes Büro mit Blick über Dresden gegeben hat – und vom ersten Tag an genug Freiraum, um mich auszuprobieren.

Journalismus – eine brotlose Kunst?

Es gibt keine gute oder schlechte Kunst, denn das liegt immer im Auge des Betrachters. Dumm nur, wenn es gar keine Betrachter gibt – das kann kein Künstler wollen. Journalisten sind allesamt auch Künstler und natürlich wollen sie, dass ihre Kunst Beachtung findet. Der Maler kann sich in die Galerie stellen und den Besuchern beim Studieren seiner Bilder zuschauen, deren Gespräche belauschen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Aber wie erfahren Journalisten, ob ihre Kunst von den Betrachtern überhaupt wahrgenommen wird und wie sie bei ihnen ankommt?

Mit Lesewert. Das ist eine im Lesewert_Screenshot 18.10.2013Dresdner Druck- und Verlagshaus eigens für die Sächsische Zeitung entwickelte Messmethode. Das Prinzip ist ganz einfach: Der Leser liest seine Zeitung genau wie bisher auch. Immer, wenn er mit einem Artikel fertig ist, erfasst er kurz mit einem Scanstift vom Format eines Textmarkers die Zeile des Artikels, an der er aufgehört hat zu lesen. Diese gescannte Textzeile wird über eine Funkverbindung an ein Handy und vom Handy an die Redaktion geschickt, wo sie dem Artikel in der Zeitung wieder zugeordnet wird. So erfahren die Redakteure von Hunderten Lesern sowohl welche Artikel diese gelesenScannerset Lesewert haben als auch wie sehr sie der Text interessiert hat. So entsteht für jeden Zeitungsartikel ein Lesewert.

Bei vielen Themen haben Redakteure ihre Erfahrungswerte und werden vom Leser darin bestätigt. Aber es gibt immer wieder spannende Überraschungen, welche Themen die Leser interessieren. Das Ziel ist es, vom Leser zu lernen und die Zeitung noch stärker nach dessen Interessen zu gestalten. So werden besonders interessante Themen beispielsweise am nächsten Tag fortgesetzt und ihnen mehr Platz im Blatt gegeben. Die Methode ersetzt nie die Kreativität des Künstlers, denn gemessen werden kann natürlich nur, was in der Zeitung steht. Aber Lesewert hilft, die Zeitung für die Leser noch interessanter und relevanter zu machen. Und ganz nebenbei freuen sich Journalisten natürlich, mit ihrer Arbeit täglich noch mehr Leser zu erreichen.

In der Kunst liegt nicht nur die SchönhDenni_RM29324eit im Auge des Betrachters, sondern auch ihr Wert. Eine relevante Zeitung, ist es dem Leser wert, sie Tag für Tag zu lesen und für Qualitätsjournalismus, der Leserinteressen ernstnimmt, Geld zu bezahlen. Damit ist Lesewert ein Hilfsmittel, die Zukunft der Zeitung zu sichern, denn Journalismus ist definitiv keine brotlose Kunst.

 Von Denni Klein

“Lasst euch nicht verrückt machen”

Elblandreporterin Anna Hoben Foto: Claudia HübschmannGroße Ehre für unsere SZ-Elblandreporterin Anna Hoben: Das Medium Magazin wählte sie in diesem Jahr auf die Liste der 30 herausragenden Nachwuchstalente im Journalismus im Alter bis 30 Jahre. Wir haben mit ihr über ihre Ausbildung, ihre Arbeit und die Zukunft des Journalismus gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch, Anna, zu dieser tollen Auszeichnung. Wie hast du erfahren, dass du in diesem Jahr zu den „Top 30 bis 30“ gehörst?
Es kam eine Mail von der Redaktion des Medium Magazins, über die ich mich sehr gefreut habe. Jemand hat mich wohl für diese Liste vorgeschlagen, und es hat geklappt.

Aber beginnen wir am Anfang. Wann hast du festgestellt, dass du Journalistin werden möchtest?
Geschrieben habe ich immer schon gern. Als ich elf oder zwölf war, gab es in meiner Heimatstadt Friedrichshafen während eines Kulturfestivals einen journalistischen Workshop für Kinder, der hat meine Begeisterung geweckt. Als Reporter hinter die Kulissen zu schauen, das fand ich toll. Nach dem Abitur fing ich bei der Schwäbischen Zeitung als Praktikantin an und wurde danach freie Mitarbeiterin. Ich schrieb über Konzerte, Kleingartenvereine und viele 90. Geburtstage. Und Goldene Hochzeiten.

Das volle Programm also. Was hast du sonst noch gemacht, bevor du Elblandreporterin bei der SZ wurdest?
Ich habe in Konstanz Germanistik und Anglistik/Amerikanistik studiert und ein Jahr in den USA verbracht. Parallel zum Studium absolvierte ich am ifp (Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses) in München eine journalistische Ausbildung, mit Praktika bei verschiedenen Zeitungen, beim NDR und ZDF. Bei der Sächsischen Zeitung war ich dann zwei Jahre lang Volontärin, bevor ich als Regionalreporterin fürs Elbland übernommen wurde.

Welche Geschichten liegen dir besonders am Herzen?
Generell mag ich die Geschichten, bei denen ich das Gefühl habe, dass ich einen roten Faden gefunden und sie gut erzählt habe. Zum Beispiel „Das geteilte Dorf“ über eine Gemeinde, die durch die Elbe getrennt ist – ohne ordentliche Fährverbindung, ohne Brücke – und inzwischen bitter zerstritten. Oder „Es muss richtig schön glänzen“, eine Reportage über ein Pärchen beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Aber natürlich auch Geschichten, die etwas bewegen, wie die über einen Stadtrat, der im Internet gegen Ausländer gehetzt hatte. Er ist danach zurückgetreten.

Inwieweit macht es für dich bei deiner Arbeit einen Unterschied, ob du in einer Metropole wie Berlin arbeitest oder in einer eher kleinen Stadt wie Meißen?
Das kann ich schlecht beurteilen, weil ich noch nie länger zum Beispiel in Berlin gearbeitet habe. Ich mag aber das Bodenständige an der Arbeit in der Kleinstadt, und dass ich sehr direkte Rückmeldungen bekomme.

Die Auflagen der Zeitungen gehen stark zurück, Redaktionen werden geschlossen, Personal abgebaut. Hast du es jemals bereut, Journalistin geworden zu sein?
Nein. Ich glaube nicht, dass Journalismus in Zukunft durch Blogs, Facebook und Twitter ersetzt werden. Im Gegenteil: Das, was wir tun – informieren, sortieren, einordnen – wird meiner Meinung nach umso wichtiger, je schneller ungeordnete Informationen auf uns einprasseln. Guter Journalismus wird sich immer eine Plattform suchen. Der Wandel der Medienbranche bringt auch viel Spannendes hervor, zum Beispiel ganz neue Erzählformen im Internet.

Gibt es auch Dinge, die dir an dem Beruf nicht so gut gefallen?
Eigentlich nicht. Manchmal würde ich mich nur gern intensiver mit einem Thema beschäftigen.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
Weiter lernen und machen. Die Stelle als Regionalreporterin ist im Moment ein Traumjob für mich. Längerfristig habe ich noch nicht geplant. Schön wäre es, auch in Zukunft als Reporterin arbeiten zu können oder irgendwann wieder über Kulturthemen zu schreiben. 

Was ist dein Tipp für alle Nachwuchsjournalisten?
Ich würde dazu raten, sich nicht verrückt machen zu lassen von den Krisenmeldungen aus der Branche. Ansonsten: Praxiserfahrung sammeln, viel ausprobieren, neugierig, offen und selbstkritisch bleiben.

 Die Fragen stellte Marco Henkel

“Fakten allein erzählen keine Geschichten”

Foto: Nikolai Schmidt

                                   Foto: Nikolai Schmidt

Volontäre stellen sich vor: David Berndt (32) ist seit Juli bei der Sächsichen Zeitung. Vorher hat er in der Lokalredaktion Görlitz und für verschiedene Radioprojekte gearbeitet. Für die Ausbildung hat er das “Großstadtleben” in Leipzig beendet und ist in die Oberlausitz zurückgekehrt.

Klick gemacht hat es, … als ich in der Schule gemerkt habe, wie spannend das Spiel mit der Sprache ist. Dazu kommen meine vielfältigen Interessen von Literatur und  Zeitgeschichte über Fußball bis hin zu regionalen Themen. All das gibt es in Tageszeitungen. Deswegen ist die SZ für mich der ideale Ort, um meiner Neugier freien Lauf zu lassen und dabei immer wieder vom Alltag überrascht zu werden. Auch wenn mein Weg zur Zeitung ein wenig länger war und ich wahrscheinlich als Quereinsteiger gelte.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, dass … „Blattmachen“ so viel Spaß machen kann. Zurzeit bin ich in Dresden im Ressort Politik/Wirtschaft und kümmere ich mich regelmäßig um bestimmte Seiten. Das bedeutet, Texte zu redigieren, Bilder zu suchen und mit einer Bildunterschrift zu versehen, Agenturmeldungen auszuwählen und auf die richtige Länge zu bringen und die passenden Überschriften und Untertitel zu schreiben. Da sind wir wieder beim Thema Spiel mit der Sprache.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen, … Ich wäre nur Zeitungsleser, aber nicht auch Zeitungsmacher.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft… Natürlich habe ich meine persönlichen Lieblingsgeschichten. Aber ich erinnere mich eher an bestimmte Szenen oder an charakteristische Personen. Das kann zum Beispiel eine Sitzung im Stadt- oder Gemeinderat sein. Dort geht es oft sehr emotional zu und die Tagesordnung wird schnell mal zur Nebensache. Das ist manchmal anstrengend, weil zeitraubend, aber dafür spannend und unterhaltsam. Da erfährt man mindestens genauso viel über die Stimmung und Atmosphäre in Stadt oder Dorf XY wie durch die nüchternen Beschlussfassungen. Und dann gibt es Menschen, die einfach eine interessante Geschichte erzählen, die man „nur“ noch aufschreiben muss.

Ich bin Spezialist für…  Menschen, weniger für Fakten. Letztere sind natürlich notwendig, erzählen allein aber keine Geschichte.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt… als ich immer wieder ins kalte Wasser geworfen wurde. Egal in welcher Redaktion. Zwar unter Anleitung, aber doch immer mit großer Verantwortung, die mich eher beflügelt als gehemmt hat.

„Das perfekte Bild muss mich überraschen“

Neben Print- und Onlinejournalisten arbeiten bei der SZ auch Fotografen und Fotojournalisten. Ihr Chef ist seit vergangenem Jahr Veit Hengst. Volontärin Frances Scholz sprach mit ihm über seinen Weg zum Fotochef, seinen Arbeitsalltag und was ein gutes Foto eigentlich ausmacht.

Veit Hengst ist der Fotochef der SZ.   Foto: Achim Liebsch

Hallo Veit. Du bist  seit 2012 der Fotochef der SZ. Wie wird man das?

Wie man es wird weiß ich nicht. Aber ich habe mich hier beworben.

Und was hast du davor schon alles gemacht?

Angefangen habe ich 1998 als Fotopraktikant bei der SZ.  Danach kam dann die ganze Tippel-Tappel-Tour von Praktikanten zum freien Fotografen. Aber ich bin einfach hartnäckig dran geblieben, habe alle Gelegenheiten zum fotografieren genutzt. 2002 bewarb ich mich in der Stadtredaktion Dresden und wurde schließlich Pauschalist.  Nebenbei betreute ich immer Magazine. Also das Augusto-Magazin oder das Plusz-Magazin der SZ. Damals gab es auch noch das Sächsische Schweiz Magazin. Dafür habe ich auch fotografiert.

Und wie ging es dann weiter?

Dann wurde hier im Haus das Projekt SZ am Sonntag entwickelt und da habe ich mir gedacht, das wäre was. Ich habe mich als Fotoredakteur beworben und die Stelle bekommen. Damals war dieser Job schon nahe dran, an dem was ich heute mache. Allerdings wurde die Sonntagszeitung 2005 eingestellt und ich habe mich in Hamburg bei der Financial Times Deutschland beworben. Dort habe ich sieben Jahre als freier Fotoredakteur gearbeitet. Irgendwann wollte ich wieder nach Dresden zurück. Ich habe immer viel gearbeitet und mit hohem Anspruch. Ich wollte meine Erfahrung bei der SZ neu einbringen. Ich kenne das Haus und die Leute und kann mit ihnen gut. Damals wie heute.

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei als Fotochef aus?

Die wesentlichen Punkte sind immer gleich. Das erste was ich mache, wenn ich früh ins Haus komme, ist, dass ich mich mit Kathrin Schäfer treffe. Das ist die Sekretärin für die Fotoredaktion. Sie kümmert sich um die ganzen Abläufe im Hintergrund. Also die Honorierung, Diensteinteilung von Fotografen, Organisation von Aushilfen. Sie ist eigentlich der gute Geist der Fotoredaktion. Auch Marco Klinger unser Rechercheur ist wichtig. Ohne die Organisation der beiden ginge es nicht. Um auf die Frage zurück zu kommen, geht es bei mir früh erst mal los mit ganz viel Organisation. Rechnungen abzeichnen, Lokalausgaben anschauen, Zeitung lesen, Onlineportale checken, was so läuft. Die ganzen Agenturen durchschauen, was es neues gibt. Damit ich weiß, welche Möglichkeiten ich habe Titeloptiken vorzuschlagen. Es ist wichtig zu wissen was in der Welt passiert. Daraus ziehe ich die Informationen, die ich brauche um in die Sitzung zu gehen. Halb elf haben wir die Vorplanungssitzung. Da werden die wesentlichen Eckpunkte besprochen, was die Themen und die Fotos betrifft. Um zwölf gibt es eine große Runde. Da wird das Finetunning gemacht.

Und danach?

Kann ich erste Fotoaufträge rausgeben, kann erste Absprachen mit den Fotografen treffen und kann mich um organisatorische Sachen kümmern. Aber ich kann auch mal zwischendurch einen Kaffee trinken.

Warum ist dieser Job dein Traumberuf?

Erst mal arbeite ich gerne im Journalismus, weil ich gerne der erste bin der was Neues erfährt. Ich bin ziemlich neugierig. Und außerdem ist die Fotografie ein sehr effektiver Weg, etwas herzustellen, was schön ist. Dinge, die in sich perfekt sind.

Was macht für dich das perfekte Bild aus?

Ich habe vorhin gerade an einem Zehn-Punkte-Plan gearbeitet, der den Producern in den Lokalredaktionen helfen soll bei der Auswahl der Bilder, die die Fotografen täglich ins System spielen. Das perfekte Bild ist in jedem Fall ein Bild, das mich überrascht. Mich überraschen aber nur Bilder, die bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllen. Also fototechnische Belange müssen gegeben sein. Zum Beispiel ein Porträt muss ein knacke scharfes Bild sein. Die Kontraste müssen stimmen. Der Hintergrund muss gut gewählt sein. Der Kamerastandort muss passen. Das sind die Grundlagen. Ein überraschendes Bild kann ein witziges Motiv sein, oder eine sehr ungewöhnliche Perspektive oder perfekte Umsetzung mit Kunstlicht. Die optischen Ansprüche werden immer höher. Nicht desto trotz halte ich es für wichtiger am Motiv , quasi am Inhalt zu arbeiten. Deshalb ist vor allem die Idee hinter dem Bild wichtig. Man muss ein gutes Bild sehen.

Hast du ein Lieblingsbild? Was ist darauf zu sehen?

Ich habe viele. Mein letztes Lieblingsbild war ein Foto von Thomas Kretschel, was er von einem Kanuten aus Dresden gemacht hat. Er hat das Kajak auf die Tartanbahn gestellt und einfach auf eine wirklich überraschende Art ein Thema aufgefasst, wo ich nur sagen kann:  „Hey, das ist richtig großes Kino.“

Was rätst du jungen Fotografen, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen?

Ich rate dazu sich auf eine lange Durststrecke einzustellen. Denn bis man gut fotografiert setzt erst mal voraus, dass man ein Talent dafür hat. Das ist so. Und man muss einen langen Atem haben, weil man braucht mindestens zehn Jahre bis man das so verinnerlicht hat, das man mit dem Medium Fotografie so spielen kann, dass man die ganzen Nuancen die es braucht um ein gutes Foto zu machen, wirklich abspulen kann. Und selbst dann gelingt es nicht immer sofort. Man braucht Geduld.

Das Gespräch führte: Frances Scholz

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