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“Fakten allein erzählen keine Geschichten”

Foto: Nikolai Schmidt

                                   Foto: Nikolai Schmidt

Volontäre stellen sich vor: David Berndt (32) ist seit Juli bei der Sächsichen Zeitung. Vorher hat er in der Lokalredaktion Görlitz und für verschiedene Radioprojekte gearbeitet. Für die Ausbildung hat er das “Großstadtleben” in Leipzig beendet und ist in die Oberlausitz zurückgekehrt.

Klick gemacht hat es, … als ich in der Schule gemerkt habe, wie spannend das Spiel mit der Sprache ist. Dazu kommen meine vielfältigen Interessen von Literatur und  Zeitgeschichte über Fußball bis hin zu regionalen Themen. All das gibt es in Tageszeitungen. Deswegen ist die SZ für mich der ideale Ort, um meiner Neugier freien Lauf zu lassen und dabei immer wieder vom Alltag überrascht zu werden. Auch wenn mein Weg zur Zeitung ein wenig länger war und ich wahrscheinlich als Quereinsteiger gelte.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, dass … „Blattmachen“ so viel Spaß machen kann. Zurzeit bin ich in Dresden im Ressort Politik/Wirtschaft und kümmere ich mich regelmäßig um bestimmte Seiten. Das bedeutet, Texte zu redigieren, Bilder zu suchen und mit einer Bildunterschrift zu versehen, Agenturmeldungen auszuwählen und auf die richtige Länge zu bringen und die passenden Überschriften und Untertitel zu schreiben. Da sind wir wieder beim Thema Spiel mit der Sprache.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen, … Ich wäre nur Zeitungsleser, aber nicht auch Zeitungsmacher.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft… Natürlich habe ich meine persönlichen Lieblingsgeschichten. Aber ich erinnere mich eher an bestimmte Szenen oder an charakteristische Personen. Das kann zum Beispiel eine Sitzung im Stadt- oder Gemeinderat sein. Dort geht es oft sehr emotional zu und die Tagesordnung wird schnell mal zur Nebensache. Das ist manchmal anstrengend, weil zeitraubend, aber dafür spannend und unterhaltsam. Da erfährt man mindestens genauso viel über die Stimmung und Atmosphäre in Stadt oder Dorf XY wie durch die nüchternen Beschlussfassungen. Und dann gibt es Menschen, die einfach eine interessante Geschichte erzählen, die man „nur“ noch aufschreiben muss.

Ich bin Spezialist für…  Menschen, weniger für Fakten. Letztere sind natürlich notwendig, erzählen allein aber keine Geschichte.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt… als ich immer wieder ins kalte Wasser geworfen wurde. Egal in welcher Redaktion. Zwar unter Anleitung, aber doch immer mit großer Verantwortung, die mich eher beflügelt als gehemmt hat.

Es gibt was Neues

Ab heute findest Du hier auch Angebote für Jobs und Praktika. Siehe oben!

Von einem Abenteuer zum nächsten

Volontäre stellen sich vor: Frances Scholz hatte in der Wirtschaft schon einen sicheren Job. Doch ein Praktikum brachte alles ins Wanken.

 

Klick gemacht hat es, …

erst spät, nämlich nach meinem Wirtschaftsstudium, als ich schon zwei Jahre im Bereich Marketing arbeitete. Mein damaliger Chef hatte die Idee, eine Mitarbeiterzeitung für alle Kollegen zu gestalten. Layout, Bilder, News, – all das musste neben der normalen Arbeit noch gemacht werden. Aber es machte mir viel Spaß und so kam ich auf die Idee,  mal zu sehen, ob Schreiben nicht auch hauptberuflich was für mich wäre. Also beschloss ich, mich um ein Praktikum bei der SZ in Bautzen zu bewerben. Das war ein großes Risiko. Schließlich war ich im Prinzip mit allem fertig. Habe im England, Amerika und Deutschland studiert und hatte einen sicheren Job. Ich bin eben nicht den geraden Weg gegangen, sondern habe mich trotz gut bezahltem Job noch mal als Praktikantin bei der SZ beworben. Das hat sich ausgezahlt, denn nach kurzer Zeit wusste ich: Zeitung machen ist genau das, was ich will. Nach drei Monaten Praktikum arbeitete ich als freie Journalistin weiter in der Bautzener Lokalredaktion und bin nun im neuen Jahr nahtlos in das Volontariat übergegangen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, … 

dass Lokaljournalismus so spannend und vielfältig sein kann. Jeden Tag erlebt man etwas Neues.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen, …

Ich würde wahrscheinlich in Spanien arbeiten. Dort hatte ich auch schon während meines Studiums bei einem Unternehmen im Produktmanagement gearbeitet. Den Arbeitsvertrag hatte ich schon in der Tasche.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft…

Es gibt so viele tolle Geschichten, an die ich mich oft erinnere. Vor allem die, bei denen ich selber auch mal etwas für die SZ ausprobieren und testen durfte. Zum Beispiel als ich bei den Bautzener Flugtagen in einer Antonov 2 mitfliegen durfte. Oder als ich auf der Auto-Cross-Strecke Matschenberg bei Cunewalde  auf dem Beifahrersitz eines Rennfahrers saß und sieben Runden durch den Schlamm gedriftet bin. Aber auch Geschichten, die ans Herz gehen, wie die Spende für ein unheilbar krankes kleines Mädchen aus Bautzen, beschäftigen einen. Ich frage mich immer noch, wie es ihr wohl jetzt gerade geht.

Ich bin Spezialist für…

Porträts. Ich interessiere mich einfach dafür, was andere Leute machen. Das war auch schon vor meinem Praktikum bei der SZ so. Ich finde es spannend, was die Menschen antreibt und warum ihnen das Spaß macht, was sie tun. Es gibt so viele interessante Menschen. Ihre Geschichte zu erzählen, finde ich einfach wahnsinnig toll und aufregend.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt …

Als ich gleich an meinem ersten Praktikumstag bei der SZ den Marketing- und Presseverantwortlichen der Arbeitsagentur Bautzen interviewen musste. Mein Chef hat mich ins kalte Wasser geworfen und das war gut so. Ich bin einfach unvoreingenommen und ohne Erwartungen dahin und habe mein Bestes gegeben. Das war total aufregend und für mich stand schon nach dem ersten Tag fest, dass ich bei der SZ bleiben möchte. Man erlebt bei der SZ eben immer wieder Dinge, die man im „normalen“ Leben wohl nie machen würde. Das macht die Arbeit so spannend und abwechslungsreich.

Besucherrekord bei der Karrieremesse

28.000 Besucher zählten die Organisatoren bei der Karriere Start in Dresden. Viele davon schauten am Messestand der DD+V Mediengruppe vorbei.

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Nach dem Ausstellerrekord hat die Bildungs- und Jobmesse bei ihrer 15. Auflage auch den Besucherrekord geknackt.  “Wir hatten Zehntausende junge, aktive, interessierte Leute hier auf der Messe, wir haben die Zukunft der Region gesehen“, sagt Roland Zwerenz vom Veranstalter Ortec. Einer der 384 Aussteller war die DD+V Mediengruppe. Am Stand in Halle 2 stellten Auszubildende den Berufsalltag vor, Volontäre der Sächsischen Zeitung erzählten, wie man Journalist wird und Ansprechpartner aus der Personalabteilung beantworteten Fragen zu freien Stellen.

Am Freitag haben sich viele Schüler am Messestand informiert, wie man sich bei der Schüler-SZ oder in einem Praktikum ausprobieren kann. Am Wochenende nutzten einige Hochschulabsolventen auch die Gelegenheit, ihre Bewerbungsmappe für das Volontariat abzugeben. Prominenten Besuch gab es auch von Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth, die Oliver Radtke, Vorsitzender der Geschäftsleitung der DD+V, begrüßte.

Viel Betrieb war auch in der Fotoecke. Dort konnten sich die Besucher durch eine „SZ-Titelseite“ fotografieren lassen. Michael Schmidt von Pukmedia hat 805 Bilder ausgedruckt. “Von den interessierten Jugendlichen gab es in diesem Jahr mehr”, sagt Schmidt. “Einige wollten kein Foto, sondern Bewerbungsinfos.”

Im Blickfeld des Angeklagten

Julia Lachmann (22) war als Praktikantin acht Wochen für die Dresdner Stadtredaktion unterwegs. Ihr letzter Tag, erzählt sie, war zugleich der spannendste:

Julia_Lachmann

Kurz vor neun Uhr morgens wartet der Gerichtsreporter Alexander Schneider schon vor dem Dresdner Amtsgericht auf mich. Zusammen gehen wir an den Sicherheitsbeauftragten vorbei, ein paar Schritte zum Schwarzen Brett. Auf verschiedenen Zetteln stehen die wichtigsten Stichwörter und Abkürzungen zu allen möglichen Prozessen: Worum es bei den jeweils anstehenden Gerichtsverhandlungen geht, wie lang der Prozess dauern soll und in welchem Saal sie stattfindet.

Nachdem Alexander Schneider mir alle Abkürzungen entschlüsselt hat, laufen wir zu einer Verhandlung. Da es sich bei diesem Fall schon um den zweiten Teil handelt, hat er mir einen Abend zuvor Artikel aus dem Archiv darüber gegeben. Damals wurde die Sitzung vertagt, weil der zuständige Richter in der Zeit verstarb. Damals wie heute geht es um einen Untreue-Fall in Tirol. Die Angeklagte war als Kassiererin an einer Tankstelle angestellt. Ihre Aufgabe war es, zur Tatzeit das eingenommene Geld zu einem Tresor zu bringen. Dort kam es aber nie an.

Ich bin ein wenig aufgeregt, als wir in der ersten Reihe Platz nehmen, um die Geschehnisse bestmöglich zu verfolgen. Die Angeklagte zeigt während des gesamten Prozesses nicht ein einziges Mal ihr Gesicht. Sie sitzt schräg zum Richter gerichtet und ihre gefärbten, blonden Haare sind mit Absicht so gelegt, dass wir sie nicht erkennen können. Wir schreiben alle wichtigen Informationen mit und gehen nach dem Urteil aus dem Saal.

Kein Kleinkrimineller auf der Anklagebank

Was ich nicht weiß, Alexander Schneider hat schon einen weiteren Prozess, der bereits läuft, im Auge. Wir rennen sofort zum nächsten Gerichtssaal. Dieser ist viel größer, weil es sich um einen schwerwiegenderen Prozess handelt. Als wir uns wieder einmal in die erste Reihe setzen, wird mir klar, dass auf der Anklagebank kein Kleinkrimineller sitzt. Er trägt Handschellen und zwei Polizisten bewachen ihn. Wie sich herausstellt, handelt es sich beim Angeklagten um einen Messerstecher. Dieser wurde nur aufgrund eines Tschechienausfluges überführt. Der Mann wollte nach seiner Tat nicht fliehen, sondern sich dort harte Drogen beschaffen. Auf den Weg dahin kam er bei einer Autobahn auf die falsche Fahrbahn. Er war also plötzlich als Geisterfahrer unterwegs.

Die zuständigen Polizeibeamten wurden auf ihn aufmerksam und verfolgten ihn. Als sie es schafften, diesen Mann zu fangen, wussten sie noch nichts von seiner schrecklichen Tat. Er hatte zuvor einen Mann bei sich zu Hause niedergestochen, weil dieser wohl eine Affäre mit seiner Frau hatte. Er setzte die Polizisten darüber nicht in Kenntnis und blieb stattdessen ganz normal. Seine blutverschmierten Klamotten erklärte er mit einer angeblich harmlosen Schlägerei. Als die Beamten aber auch einige Messer auf dem Beifahrersitz seines Autos sahen, verhafteten sie ihn.

Interviews mit Zeugen und Anwälten

Während ich das alles im Gerichtssaal mitbekomme und mir den Täter angucke, schaut er zugleich mich an – mir ist ein wenig komisch zumute. Aber plötzlich fällt das Wort “Pause” und schon ist Alexander Schneider schon rausgerannt. Ich rannte also schnellstens hinter ihm her. Denn man führt während der Pausen Interviews mit Zeugen und Anwälten, um als Journalist jegliche Information zu bekommen, um einen fehlerfreien und informativen Artikel schreiben zu können.

Nachdem wir also während der Pause mit allen wichtigen Leuten gesprochen haben, fahren wir zur Redaktion. Dort darf ich dann den gesamten Artikel über den Untreu-Fall in Tirol schreiben. Dies ist nicht nur mein letzter Praktikumstag, nein, zugleich auch der aufregendste.

Witzigstes Bewerbungsfoto gesucht

Messe

Direkt mit Auszubildenden und Personalreferenten der DD+V Mediengruppe ins Gespräch kommen, kannst du vom 18. bis 20. Januar auf der Karriere Start. Das ist eine Bildungs- und Jobmesse, die bereits zum 15. Mal in Dresden stattfindet.  Bei unserer Fotoaktion kannst du kostenlos dein witzigstes Bewerbungsfoto schießen lassen. Außerdem erfährst du an unserem Stand in Halle 2 auch mehr zu journalist-werden.de.

Insgesamt beantworten mehr als 370 Aussteller aus ganz Sachsen  Fragen rund um Ausbildung, Studium, Beruf oder Jobs. Außerdem gibt es viele kostenfreie Zusatzangebote wie zum Beispiel Berufsinteressentest, Bewerbungsmappencheck oder Infos zu Auslandsaufenthalten. 

Die Messe ist am Freitag von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro für Schüler, Studenten, Arbeitslose, Zivildienstleistende. Alle Informationen unter www.messe-karrierestart.de

Gleich für mehrere Seiten Material

Wie ein Beitrag entsteht: Julia Vanessa Bewerunge hat im Sommer zwei Monate in der Stadtredaktion Dresden gearbeitet. Die 20-Jährige ist Stipendiatin des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) und erzählt, wie ein Praktikumstag aussehen kann. 

9.30 Uhr         Mit einer Tasse Tee und der aktuellen Ausgabe der SZ mache ich mich auf den Weg an meinen Schreibtisch. Dort blättere ich durch die Seiten, auf der Suche nach interessanten Artikeln. Auch im Internet überfliege ich kurz die Neuigkeiten bei den überregionalen Zeitungen.

10.00 Uhr       Heute habe ich einen Termin im Kunstdepot Lapidarium in der alten Zionskirche. Über die Schätze, die dort gelagert werden, soll ich einen Aufmacher schreiben. Ich habe die Geschichte der Dresdner Kirche und herausragende Werke der Kunstsammlung aus Quellen der Stadt und der Gemeinde schon zusammengetragen. Bevor ich mich mit einem Experten vor Ort treffe, gehe ich den möglichen Gesprächsverlauf im Kopf durch. Welche Themenfelder sind wichtig? Was wäre besonders interessant? Ich beschließe nach drei verschiedenen Kunstschätzen zu fragen, die sich nicht nur epochal, sondern auch stilistisch unterscheiden. So kann ich die Bandbreite der Sammlung am besten hervorheben.

11.00 Uhr       Schon eine halbe Stunde vor dem Termin treffe ich an der Zionskirche ein. Da bleibt genügend Zeit, um mir Gelände und Gebäude anzuschauen und so ein Gefühl für die Atmosphäre vor Ort zu bekommen.  Wie reagieren Passanten auf das Gebäude? Welche Assoziationen habe ich, wenn ich die runde Kirche mit den zerstörten Skulpturen und Einschusslöchern in der Fassade sehe? Bereits mit zwei beschriebenen Seiten mache ich mich auf den Weg zu meinem Gesprächspartner.

12.00 Uhr       In zwei Stunden zeigt mir ein Mitarbeiter der Stadt das Gebäude. Er hat alte Fotografien mitgebracht, um mir zu zeigen, wie der Zustand vor und nach dem Zweiten Weltkrieg aussah. Es ist ein sehr angenehmer Termin, da er sich gut auf das Gespräch vorbereitet hat und als Leiter des Kunstdepots mit der Materie vertraut ist. Meine Fragen kann er alle beantworten. Er versucht mir sogar noch Flyer und Prospekte mitzugeben, sodass ich am Ende wahrscheinlich mehrere Seiten füllen könnte. Jede Ecke des Gebäudes zeigt er mir, auch draußen führt er mich herum: zu alten Brückenpfeilern und einer großen Sammlung von Holztüren. Während ich die alten Kirchentreppen hochsteige oder zwischen enormen Regalen Reliefstücke betrachte, überlege ich, welche Stücke ich für im Text beschreiben möchte. Welche von ihnen eignen sich fürs Foto und welche haben auch eine interessante Geschichte?

 15.30 Uhr       Mit vielen Informationen kehre ich zurück in die Redaktion. Wieder gehe ich meine Notizen durch und ordne sie. Außerdem organisiere ich einen Fotografen, der die von mir ausgewählten Stücke und eine Gesamtansicht der Sammlung fotografieren soll. Den Aufmacher schreibe ich direkt in ein Seitenlayout und drucke ihn aus. Bevor er auf die offizielle Seite gestellt wird, schaut sich einer der Mitarbeiter den Artikel an und gibt mir Feedback dazu. Nachdem ich den Text überarbeitet habe, gehe ich mit den Fotos zu den Layoutern. Sie stellen Text und Bildmaterial auf die Seite.

17.00 Uhr       In der Konferenz der Dresdner Stadtredaktion werden zuerst die Überschriften gemeinsam angeschaut. Sind sie interessant? Ziehen sie den Leser wirklich in den Text oder schrecken sie ihn eher ab? Sind alle Überschriften besprochen, wird die übernächste Ausgabe geplant.

18.00 Uhr       Ein letzter Blick auf die Terminplanung für den nächsten Tag, dann packe ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg nach Hause.

 

Den Alltag unter die Lupe nehmen

Antje Ritter hat als Praktikantin sechs Wochen in der Radebeuler Redaktion gearbeitet. In der Zeit traf sie einen Eishockeyprofi, drei indianische Häuptlinge und nervöse Interviewpartner.

„Wer sich nur an Schreibkurse und Lehrbücher über das Schreiben hält, begreift das Wesentliche nicht: Schreiben ist zu Papier gebrachtes Leben“, schreibt Paolo Coelho in seinem neuesten Roman „Aleph“. Wie Recht der brasilianische Schriftsteller hat, zeigte sich bei meiner Arbeit in der Radebeuler Lokalredaktion. Sechs Wochen lang nahm ich direkt am Leben der Mitmenschen teil und war so nah am Geschehen wie beinahe nirgendwo anders.

Den aufregendsten Tag zu benennen, ist daher unmöglich, denn jede Geschichte birgt etwas Einmaliges. Da wäre mein Interview mit einem kanadischen Eishockeyprofi, der in Radebeul sein Zuhause gefunden hat, als auch der Eintrag von drei indianischen Häuptlingen ins Goldene Buch der Stadt oder der restaurierte Schlussstein am Weinberg „Goldener Wagen“. Nervös war ich beinahe vor jedem Termin, da man nie weiß, was genau gleich passieren wird. Sind meine Fragen richtig ausgearbeitet, übersehe ich auch nichts oder werde ich mir alles richtig notieren? All dies sind Überlegungen, die sich in der Gedankenwelt kurz vorher breitmachen. Aber zum Glück sind die Mitarbeiter der Lokalredaktion in Radebeul liebenswerte und hilfsbereite Leute, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite standen, sei es bei technischen Fragen, wie man einen Artikel im System anlegt oder wie Sätze besser formuliert werden können, damit der Inhalt besser vermittelt wird. Wenn dann das fertige Werk in der Zeitung abgedruckt ist und man es in seinen Händen hält, ist das Gefühl von Stolz schon in der Brust zu spüren.

Zur SZ bin ich durch eine Initiativbewerbung gekommen. Bereits während meines Studiums der Klassischen Archäologie absolvierte ich ein Praktikum bei einer Tageszeitung und arbeitete dort als freie Mitarbeiterin.  Das Beschreiben von Gegebenheiten und das genaue Studieren von Objekten helfen mir sehr im journalistischen Alltag. So achtet man oft auf bei Terminen auf Dinge, die nicht offensichtlich ins Auge fallen. Sei es das Tonnengewölbe in einer Kirche oder das nervöse Zappeln des Interviewpartners.

Gleich am ersten Tag zum Termin

Einstieg übers Praktikum: Wie kann ich mich bewerben? Was erwartet mich? Wie kann  es danach weitergehen? Antworten gibt’s am Beispiel der Döbelner Lokalredaktion.

Wie ein Praktikum in einer Lokalredaktion der SZ ablaufen kann, erklären die Redaktionsleiterin des Döbelner Anzeigers, Elke Görlitz und Praktikantin Michelle Hillebrand. Die 15-Jährige vom Johann-Mathesius-Gymnasium  hat in der neunten Klasse in der Redaktion gearbeitet.

Wen wir für ein Praktikum suchen:

Schüler oder Studenten, die nicht nur ihre Zeit absitzen, sondern wirklich etwas über unser Handwerk lernen wollen.

Welche Eigenschaften ich als Praktikantin mitbringe:

Ich schreibe gern und interessiere mich dafür, wie ein Tag in einer Zeitungsredaktion abläuft. Da erfährt man schließlich als Erster, was gerade los ist.

Wie du zu einem Praktikum bei uns kommst:

Terminlich sind wir sehr flexibel, Voraussetzung ist eigentlich nur, dass ein Arbeitsplatz frei ist – und das ist meistens so. Die Praktika dauern meist 14 Tage. Melde dich am besten persönlich. Denn manche schicken auch die Eltern vor, das macht allerdings nicht den besten Eindruck. Also anrufen oder mailen oder eine schriftliche Bewerbung schicken und um einen Termin für ein Vorstellungsgespräch bitten.

Wie ich beim Döbelner Anzeiger beworben habe:

Für mich war relativ schnell klar, dass ich mein Praktikum in der 9. Klasse bei einer Zeitung mache, weil ich später Journalistin werden möchte. Deshalb habe ich mir einfach die Telefonnummern einiger Zeitungen in der Nähe besorgt. Zuerst habe ich in der Redaktion nachgefragt, ob ein Praktikum prinzipiell möglich wäre. Dann habe ich Frau Görlitz meinen Lebenslauf und meine Bewerbung geschickt. Ein paar Tage später hat sie mich dann zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Davor war ich ziemlich aufgeregt. Aber ich hätte mir gar keine Sorgen machen müssen. Frau Görlitz war total nett. Im Großen und Ganzen ging es nur darum, warum ich mich für ein Praktikum bei der Zeitung interessiere und was ich mir so darunter vorstelle.

Was die Praktikanten bei uns lernen können:

Erst einmal, dass Zeitungmachen wirklich harte Arbeit ist. Man braucht einen klugen Kopf, muss neugierig und hartnäckig sein, auf die Menschen zugehen können und sich nicht einschüchtern lassen. Denn erst wer genug interessante Informationen gesammelt hat, kann sie auch spannend aufschreiben. Und auch das lernen die Praktikanten bei uns.

Wie mein Praktikum gelaufen ist:

Ich durfte gleich am ersten Tag zu einem Termin bei der Schuldenberatung in Döbeln mitgehen und dann einfach „drauf-los-schreiben“. An den nächsten Tagen war ich dann einige Male bei Verhandlungen im Amtsgericht. Der erste Artikel von mir, der veröffentlicht wurde, war ein Gerichtsbericht. Ich habe nicht nur gelernt, wie man einen Artikel von der Überschrift bis hin zum letzten Satz gleichzeitig informativ und spannend schreibt. Mir fällt es auch leichter, einfach mal auf wildfremde Leute zuzugehen. Denn darum kommt man einfach nicht herum, wenn man für die Zeitung unterwegs ist, auch wenn man – wie ich – eigentlich eher schüchtern ist.

Wie wir unseren Praktikanten helfen:

Indem wir sie zunächst mitnehmen, das heißt, die Praktikanten begleiten einen oder mehrere Redakteure bei Terminen und Recherchen. Dann geht es mit kleinen Aufgaben weiter und wer wirklich Interesse und Talent hat, darf auch mal eine Reportage probieren.

Wie mir die Redaktion geholfen hat:

Alle in der Redaktion waren total nett und haben mir geholfen, wenn ich Fragen hatte. Am Anfang war es nämlich nicht ganz einfach, mit dem PC-Programm klarzukommen. Manchmal wusste ich auch einfach beim Textaufbau nicht weiter oder was ich am besten in die Überschrift schreiben sollte und wie ich einen interessanten Einstieg hinbekomme. Auch Frau Görlitz hat sich immer wieder interessante Aufgaben für mich überlegt.

Wie es für dich nach dem Praktikum bei uns weitergehen kann:

Bestenfalls bleiben die Praktikanten dabei und schreiben weiter für unsere Zeitung, zum Beispiel in den Ferien oder an Wochenenden. Die größten Talente erhalten von uns eine individuelle Förderung entsprechend ihrer jeweiligen Voraussetzungen.

Wie ich mit dem Döbelner Anzeiger in Kontakt geblieben bin:

Gegen Ende des  Praktikums hat Frau Görlitz mir dann gesagt, dass ich auch gern in den Ferien mal wieder ein paar Tage für den Döbelner Anzeiger arbeiten kann. Seitdem bin ich vor allem in den Ferien fleißig am Schreiben. Zum Beispiel habe ich einen Tag lang den historischen Besiedlungszug begleitet und habe später in einem Artikel meine Eindrücke geschildert.

Von Dagny Rößler

Mehr über die Ausbildungswege bei der Sächsischen Zeitung erfährst du hier.

Mittendrin im Redaktionsalltag

Kevin Schwarzbach hat bei der Schüler-SZ mitgemacht. Er erzählt, wie es nach dem Projekt für ihn in der Riesaer Redaktion weiterging.

Kevin Schwarzbach hat an der entscheidenden Stelle die Hand gehoben und schon ging es für ihn hinein in die journalistische Praxis. In Deutsch wedelte die Lehrerin mit einem Artikel der Sächsischen Zeitung und fragte, wer bei der Schüler-SZ mitmachen wolle. Kevin zögerte nicht lange und bewarb sich: „Wenige Tage später habe ich per Mail die Zusage bekommen und war glücklich“, sagt der 18-Jährige.

Erste Texte schrieb Kevin schon für seinen Fußballverein. Wöchentlich berichtete über die Spiele der SG Canitz. Bei der Schüler-SZ probierte er andere Themen und Texttypen aus: Er testete die bekanntesten Riesaer Jugendeinrichtungen und listete deren Vor- und Nachteile auf. Er interviewte Riesas Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer dazu, wie die Stadtverwaltung Jugendliche unterstützt und besprach die neue Faust-Inszenierung an seiner Schule, dem Werner-Heisenberg-Gymnasium.

Jeder Artikel hat seine eigene spannende Geschichte

Kevin fühlte sich wohl in der Redaktion, weil die Mitarbeiter auf Augenhöhe mit ihm reden. „Mir wurde sofort das Du angeboten“, erzählt der Zwölftklässler. Als letzter Jugendredakteur verließ er die Redaktion. Der Einsatz zahlte sich für Kevin aus, der Redaktionsleiter machte ihm am Ende klar, dass er ihn nicht aus den Augen verlieren wolle. Es folgten zwei Wochen Praktikum, in denen er freier arbeiten konnte als bei der Schüler-SZ.

Nun rief er selbst die Fotografen an und bestellte sie zum Termin. „Jetzt stecke ich mittendrin im Redaktionsalltag“, sagt er. Denn auch nach dem Praktikum ging es für Kevin weiter. Als freier Mitarbeiter ist er oft am Wochenende für die SZ in Riesa unterwegs. An Themen beackert er alles von A bis Z. „Jeder Artikel hat seine eigene, spannende Geschichte”, sagt er. Ob das nun die Hochzeitsmesse, das Drachenfest oder der Gullydeckeltest sei.

Kevin will Lesern die Geschichten erlebbar machen, sie dazu bringen, über bestimmte Themen nachzudenken und ihnen für Probleme Lösungen anbieten. Das Sammeln vieler Erfahrungen hat sich ausgezahlt: „Ich bekomme heute viel mehr Texte und Überschriften ohne Korrekturen durch als früher “, erzählt er. Das Wissen kann er nun an anderer Stelle weitergeben, als Chefredakteur der Schülerzeitung und der Abi-Zeitung.

Von Dagny Rößler

Hier erreichst du die Redaktion in Riesa.

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