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Haute Kultür – Meine Grenzen im Feuilleton

Auf dem großen, runden Konferenztisch im fünften Stock liegt ein Hefter. „Fülledong“ steht darauf. Drinnen finden sich Texte, nach Kategorien geordnet. Sachbuch, Belletristik, Popmusik, klassische Musik, Theater und Kunst. Das ist sie also, die hochoffizielle „Kultur“. Vielleicht der Umstand, an dem ich in drei Monaten Feuilleton-Redaktion am meisten zu knabbern hatte.

Nach meinen drei Monaten im Lokalen (ich war zuvor in Pirna und Freital unterwegs) war der Aufschlag im Feuilleton denkbar schroff. Hier ist die Schlagzahl viel niedriger, die Ansprüche an die Texte aber deutlichhöher. Entsprechend rot bekritzelt ist mein erster Entwurf zum Thema Podcast. Viel zu speziell, viel zu thesenarm und sprachlich sehr unausgereift. Doch Marcus Thielking (Feuilleton-Chef) erklärt freundlich und seelenruhig jede Anmerkung. Ob meine Einlassungen nun qualitativ total unterirdisch sind, lässt sich nicht aus seinem Gesicht ablesen.

Wenig später schreibe ich meinen kleinen Leuchtturm-Text: „Die Sprachwächter*innen„. Ein Text, der zeigt, dass gendergerechte Sprache gar nicht wehtut und nebenbei der „Anti-Gender-Petition“ des Vereins für Deutsche Sprache noch einen mitgeben soll. Aus der Retrospektive hätte ich ihn gern etwas positiver und weniger defensiv geschrieben. Doch vielleicht war es auch gut so, denn auch so kamen bislang 30 Leserbriefe zum Thema an. Einige mit interessanten Anmerkungen, die mir Frauenfeindlichkeit unterstellten und denen meine Ideen nicht weit genug gingen, bis hin zu einer Dame, die mir ein Buch mit schönen deutschen Texten schenken wollte. Die meisten Briefe stammten allerdings von Männern und trafen weit unter der Gürtellinie. Das „Kuckuckskind, das sich die SZ ins Nest legte“ war einer der Tiefpunkte.

Nun, drei Monate Feuilleton. Theater, Feminismus, Veranstaltungen und Interviews, abwechslungsreich war es in jedem Fall. Auch die beiden Texte, die ich für die Wissenschaft schreiben durfte, haben Spaß gemacht. Und vor allem darf man hier noch etwas von dem „guten alten Journalismus“ kosten, der nicht jeden Tag zwei Texte verlangt, sondern es ermöglicht, sich auch mal in ein Thema einzuarbeiten, beziehungsweise Expertise auf einem Gebiet zu sammeln. Das kommt der Qualität zugute und die Fachgespräche unter den Kollegen waren wirklich bereichernd.

Schwierig hingegen wird es, wenn die fachliche Expertise in Fachtexten mündet, die Otto-Normalleser eigentlich kaum verstehen kann. Und auch die Einschränkung des Kulturbegriffs auf die oben genannten Kategorien bereitet mir Kopfzerbrechen. Ist das wirklich alles? Ich habe meine ganz persönliche Vergangenheit in den Tiefen des Amateurtheaters und dort großartige Momente erlebt. Dafür ist, genau wie für Untergrundkultur, wenig Platz. Schade, vor allem für die Online-Leserschaft. Vielleicht wäre es auch meine Aufgabe gewesen, neue Impulse hereinzugeben, mich ganz in eine neue Richtung zu werfen? Das habe ich dann leider doch versäumt, ob aus Respekt oder Faulheit. Shame! Möglicherweise ist solch eine Aufgabe aber auch zu groß für einen Journalisten in Ausbildung.

Trotzdem oder gerade deshalb habe ich sehr viel über meine eigenen Texte gelernt, nicht zuletzt, wegen der manchmal vernichtenden Blattkritik jeden Morgen. Und im Moment ist es eine sehr besondere und intensive Zeit. Schließlich findet jetzt gerade die sukzessive Umstellung auf online-first, also die Priorisierung der Artikel auf Online statt Print, statt. An dieser Verschiebung hat das Feuilleton arg zu knabbern, fachlich wie menschlich. Ich hoffe sehr, dass sie das auf die Reihe kriegen. Ich werde schließlich nicht der Einzige sein, der morgens in der Zeitung zuerst den Kulturteil liest.

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