Volo nur spielen

Hier müssen Sie alle durch: Der neue Newsroom der SZ. Am 23.11.18 war großer Launch von Sächsische.de.
Foto: Thomas Kretschel

Ein Volontariat ist der Einstieg in die meisten Journalistenberufe, ob Hörfunk, Fernsehen, oder eben Zeitung. Da sich dieser Blog vom Berufseinstieg handelt und auch von den SZ-Volos betrieben wird, stellen wir sie euch hier einfach mal vor.

Bei der SZ gibt es meist vier Volontär*innen zeitgleich. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und man tingelt durch die meisten überregionalen Ressorts und einige Lokalredaktionen. Zwischendurch gibt es Schulungen, Workshops, Projekte und einen einmonatigen Aufenthalt an der Henri-Nannen-Schule. Der Name Volontariat kommt eigentlich von Freiwilligkeit und damit hat es wenig zu tun. Ehrliches Geld für ehrliche Arbeit gibt es, na wenn das nichts ist! Und obwohl die gedruckte Zeitung nicht mehr unbedingt der letzte Schrei ist, sind die Plätze heiß begehrt. Hier stellen sich die aktuellen Volos gegenseitig vor.


Angelina Sortino
25 Jahre alt
Volontärin seit Jun/2020

Angelina neben dem Powerranger-Abdruck am Haus der Presse.

„Frauen? Werden bei uns nicht benachteiligt“, sagt der alte weiße Mann und lässt sich in seinen Ohrensessel sinken. Achja, Achim? Und warum wird Angelina dann ständig gefragt, ob sie die verdammte Schülerpraktikantin ist, vor allem von Männern. Und das, obwohl sie schon vor ihrem Volontariat mehr Erfahrung gesammelt hat als die meisten? Praktikum beim „vorwärts“, Praktikum bei Maischberger, drei Jahre beim Südkurier und dann auch noch beim tschechischen Radio. Was sagst du jetzt, Achim?

Das alles ging im am beschaulichen Bodensee los, allerdings am hässlichen* Teil des Bodensees. Die Powerrangers durfte sie als Kind nicht schauen, dazu sind ihre Eltern zu Öko. Dafür gab es immer selbst gemachte Ravioli, das macht es wett. Trotzdem wurde es bisschen langweilig, weshalb sie die Sommer zu Praktika in München, Berlin und Prag nutzte. Sie hat Communication, Culture und Management studiert, das klingt aufgeblasen, neun von zehn Dresdnern finden „des isses ja och“. Apropos aufgeblasen: Angelina war auch bei einem Beauty-Magazin. Muss krass gewesen sein. Aber sie hat jetzt gute Geschichten zu erzählen. Und darum geht’s ja im Journalismus. (mxh)

*von Sachsen aus könnte das anders bewertet werden

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Erik-Holm Langhof
Jünger als groß
Volontär seit Dez/2019

Erik im Auto mit Tofupresse.

Als Erik geboren wurde, fielen für wenige Minuten alle Polizeiticker Sachsens aus. Pressesprecher von Großenhain bis Graupa wussten: Etwas ist passiert. Und es sind keine Tomaten. Zwei Minuten später sprach er seinen ersten Leadsatz, dann kaufte er sich in seinem Heimatort Zittau eine Kamera, erklärte dem Verkäufer die Funktionsweise eines optischen Bildstabilisators und machte sein erstes Praktikum bei der SZ. Das war 2015. Da hatte er allerdings schon vier Jahre in der Medienwelt gearbeitet, vor allem bei Lausitznews, der Konkurrenz, weshalb das an dieser Stelle nicht weiter besprochen wird. Genauso wie das Thema Kinderarbeit.

Wichtig ist: Früh übt sich und während andere Kinder die Ziegen des Nachbarn mit Dreck bewarfen, hielt Erik das auf Kamera fest, brachte es in die Zeitung und sorgte dafür, dass die Bälger endlich ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.
Erik mag Fotografie, Theater, Reisen, Netflix, viel Zeit mit Freunden verbringen und seine Tage haben stets zwischen 37 und 49 Stunden. Er wohnt jetzt in Döbeln, das ist wie Zittau eine Stadt, außer dass man dort weniger tschechisch spricht, was für Erik egal ist, weil er’s trotzdem kann. Gibt man seinen Namen im SZ-Archiv ein, ploppen Fotos von ungefähr so vielen Unfällen auf, wie Erik Barthaare hat. Deswegen auch ERik, wegen der Maskulinität. Dazu ist er erklärter Print-Liebhaber. Schade für ihn. (mxh)


Timotheus Eimert
27 Jahre alt
Volontär seit Nov/2019

Timo haut die Leser*innen um.

Beim Einstellungsgespräch werden neue Volos meistens gefragt, in welches Ressort sie nicht wollen. Die Antwort ist oft uni-sono: „Auf Sport könnte ich verzichten“. Nicht so bei Timotheus, Betonung auf dem O, mit kurzem theus, falls ihr euch das gefragt habt. Der Sport ist sein Ding, hat früher schon für den Bautzner Lokalteil über Sport geschrieben und hat damit seine persönliche Nische, die er mit Bravour ausfüllt. Damit hebt er sich aus der Masse der „oh isch würde gern im Fülletong arbeiten“-Geisteswissenschaftler ab. Geile Nummer! Und neben Fußball, den er auch privat betreibt, gibt es noch eine ganze Menge mehr. Boxen zum Beispiel. Siehe Symbolbild. (mxh)


Marvin Graewert
24 Jahre alt
Volontär seit Juni/2019

Marvin testet Fahrräder und das macht ihm aber mal so richtig Spaß. Foto: Rene Meinig

Marvin kommt aus Schwaben. Und wollte gerne weg. Weil er Radfahren mag und lieber in zwielichtigen Altbauten Sekt mit Club Mate trinkt, statt den Mercedes vor dem Eigenheim zu parken. Nur teure Mieten, die spart er sich lieber. Und bevor er in Berlin zur verhassten Mehrheit im Prenzlauer Berg werden würde, zog er lieber nach Sachsen, um der verhassten Minderheit der Journalisten anzugehören. Das ist natürlich nur Spaß und Marvin hat sich so sehr in Dresden verliebt, dass er am liebsten nie wieder weg möchte. Auch nicht, wenn seine beste Freundin ihn am liebsten wieder mit nach Indien nehmen würde. Hier hat Marvin übrigens studiert, cross-medialen Journalismus, und das bedeutete auch, allen 4,676 Millionen Einwohnern von Chennai die neuesten News per SMS zu schicken. Bei Sächsische.de ist das alles ein bisschen anders. Aber Marvin schleppte schon zu Beginn seines Volos die schwersten Steine – in der harten Lokalschule in Döbeln und durfte am Ende sogar die Kreis-Seite betreuen – wahrlich ein ganzer Granitblock. Nun ist der Mann mit der sympathischen Zahnlücke mit allen Wassern gewaschen – auch gegenüber seinem neuen Vermieter, einem berühmt-berüchtigten Immobilien-Großkonzern. Viel Glück! (DzudemK)

Ehemalige Volontär*innen


Daniel Krüger
26 Jahre alt
Volontär seit Okt/2018 bis Sept/2020
Anschlussverwendung: Stadtredaktion Dresden

Daniel verdient sich etwas dazu. Oder ist nur Model für Symbolfotos. Foto: Christian Juppe

From Nürnberg with love: Mit Daniel hat es doch tatsächlich ein waschechter Bayer zur SZ geschafft. Oder Franke? Achtung, hier könnten Gefühle verletzt werden. Als andere in der Grundschule fleißig Pokémon-Karten tauschten, übte sich Daniel bereits als Radiomoderator -mit Prä-Stimmbruch vor der heimischen Hi-Fi-Anlage. Wollten die anderen Kids nicht hören, hielt Daniel aber nicht vom Traum ab, bei den Medien mitzumischen. Auf der Jagd nach Kreativität stieß er dann auf die Sächsische Zeitung. Zum Vorstellungsgespräch mietete er sich aus Versehen direkt gegenüber im Penck-Hotel ein. Das war eher semi für die Nervosität, aber offensichtlich gut für das Verkaufstalent. Denn sonst ist Dani eher Understatement-mäßig unterwegs und macht wenig Gewese um seine Person. Es sei denn, man fragt ihn nach seinen Geschichten. Denn dann blitzt ein Funken Wahnsinn in seinem Blick auf, er kommt näher, kneift seine Augen zusammen und erzählt von Taxifahrern in Meißen, Rathäusern in Dresden und Windrädern in Radebeul. Dabei holt er beängstigend selten Luft. Ein Mann mit Feuer für kleine und große Geschichten, mit guter Beobachtungsgabe und dem Hang zu einem Humor, der so trocken ist, dass [irgendein Wortspiel mit Wüste]. Daniel die Oase! (mxh)

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Maximilian Helm
26 Jahre alt
Volontär von Nov/18 bis Jun/20
Neuer Arbeitsplatz: SZ Newsroom (s.o.)

Max kauft in Freital ein. Foto: Karl-Ludwig Oberthuer.

Wenn Maximilian ein Helm wäre, bestünde er aus grobem Strick. Nicht aus Stahl, wenn Krieg ist, geht er nicht hin. Nicht aus Seide, die Dekadenz des Patriarchats ist ihm zuwider. Zuverlässig wie ein Strickpullover erweist sich Max bei Ausfällen, krisenfest als Leih-Editor noch in der wackeligsten Wahlnacht, seit Gerhard Schröder aus der Elefantenrunde torkelte. Zu einem Bier mit Putins Kumpel würde Max gleichwohl bestimmt nicht Nein sagen, geschlossene Fronten findet er noch schauriger als schiefe Layouts oder meinungsschwache Kommentare.
Die Waffe des Maxes ist sein Wort. Im Print, im Podcast, auf dem Theater-Podest. Wer ihn liest, hört ihn sprechen. Wer ihn spricht, sieht ihn fragen. Neue Medienformate vermag er seiner Zeitung ebenso zu erschließen wie ein Zeichen, das Gerechtigkeit verheißt: Das Gender-Sternchen. Max regt auf. Max bricht auf. Mit direkten Worten und Verständnis arbeitet der selbsternannte Anhaltiner sich durchs Haus. Was daraus werden soll? Prognosen traut sich wohl nicht einmal sein Gendersternchen liebender Ex-Professor zu, nur eins steht fest: Gegen Laufmaschen ist Max mindestens so gut gefeit wie seine modische Hommage an Nordpol-Tiere. (fkl)

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Franziska Springer
33 Jahre alt
Volontärin von 10/2018 bis 03/2020
Neuer Arbeitsplatz: Lokalredaktion Bautzen

Franzi testet Parkapps. Foto: Sven Ellger

Franzi hat schon so ziemlich alles gemacht. Was ja auch nicht die schlechteste Voraussetzung für eine Journalistin ist. So richtig zu Hause ist sie in Bautzen, beziehungsweise in der Nähe von Bautzen, an einem Ort von der Kategorie, dass die Sächsische Zeitung jeden Morgen per Luftpost gebracht wird. Wenn Franzi nicht gerade mit dem Nahverkehr einmal durch ganz Sachsen fährt, um eine Reportage zu schreiben (hat sie echt gemacht, ich schwöre!), baut sie gemeinsam mit ihrem Freund an ihrem eigenen Haus in besagter Schlucht irgendwie zwischen Mordor und Nordkorea.

Zur SZ kam sie über ein Praktikum in der Redaktion Bautzen, nachdem sie vorher am dortigen Theater gearbeitet hat. Als Pressesprecherin! Seitenwechsel also? Kommt für eine echte Bautznerin nur in einer Beziehung nicht in Frage: Löwensenf zu kaufen. Gibt man ihren Namen im SZ-Archiv ein, stößt man zuallerst auf ein Foto mit sechs gestapelten, zehn Kilo Bautz’ner Senfeimern. Noch Fragen? (mxh)

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Franziska Klemenz
26 Jahre alt
Volontärin von 06/2017 bis 05/2019
Neuer Arbeitsplatz: Politik-Ressort

Franzi steht im Gras und weiß jetzt auch nicht so richtig. Foto: Christian Juppe

„Wer Visionen hat soll zum Arzt gehen“, hat Helmut Schmidt mal gesagt. Wenn das stimmt, muss Franzi mal zum Arzt. Ende der Geschichte.
…vielleicht nicht so ganz, denn vielleicht ist Franzi auch nur die geborene Reporterin. Eine, die sich nicht zu schade ist, sich mal die Hände schmutzig zu machen. Und die mit einer fast absurden Portion an Idealismus diese Recherche-Stunts vor sich und anderen rechtfertigt. Natürlich, ihre Schule war hart, mehrere Jahre lang als Polizeireporterin der BILD in Berlin. Zwischen Reichsbürgern und Swingerclub-Kellern hat sie ein dickes Fell entwickelt und die Fähigkeit, aus jedem eine gute Geschichte herauszupressen. Sie findet den Wurm, auch wenn sie nicht unbedingt der frühe Vogel ist. Dafür ist sie gesellig, manchmal etwas zu meinungsstark und eine sehr genaue Zuhörerin, die nicht unbedingt so tough und bestimmt ist, wie sie im ersten Augenblick wirkt. (mxh)

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