Komm, wir spielen Krieg

Ob Syrien-Krieg, die US-Präsidentschaftswahl (Obama gegen Romney), Kinder, die riesige Mengen Baumwolle ernten müssen oder Pferdefleisch im Essen: Diese Themen und noch viele weitere, die aktuell in den Nachrichten sind, greift die Internetseite Gamethenews.net auf. „GameTheNews“ (GTN) ist ein Projekt des Spieleentwicklers „Auroch Digital“. Das Projekt befindet sich momentan noch in der Testphase. Die Entwickler versuchen, aktuelle Neuigkeiten mit Videospielen bestmöglich zu verbinden – und wollen somit dafür sorgen, dass sich die Menschen intensiver über das Geschehen in der Welt informieren, sich damit befassen und ihre eigene Meinung darüber bilden können.

In dem Spiel  „Endgame: Syria“ („Endspiel: Syrien“) zum Beispiel geht es um den Krieg zwischen den Rebellen und dem Assad-Regime. Man schlüpft in die Rolle der Rebellen und muss sowohl politische als auch militärische Entscheidungen treffen, jedoch bringt jeder Entschluss Konsequenzen mit sich. Es ist jedem selbst überlassen, wie er vorgeht – ob diplomatisch oder lieber militärisch. Es gibt allerdings keine „richtigen“ Szenen des Syrien-Krieges, das Geschehen wird vielmehr wie eine Mischung aus einem Quartett- und einem Strategiespiel präsentiert. Je nachdem, welche Entscheidungen man getroffen hat, verändern sich die Nachrichten über die weiteren Geschehnisse in Syrien am Ende des Spiels.

Ein weiteres sozialkritisches Spiel der Seite ist „My Cotton Picking Life“ („Mein Leben als Baumwollpflücker“). Auch hier werden aktuelle Geschehnisse anhand eines Spiels veranschaulicht. Das Spiel bezieht sich darauf, dass Kinder in Usbekistan zu einem geringen Lohn Baumwolle pflücken müssen. Um dem User zu verdeutlichen, wie anstrengend die Arbeit für diese Kinder in der Realität ist, muss er hier 50 Kilogramm Baumwolle „pflücken“, wobei mit jedem Mausklick nur etwa ein Gramm „geerntet“ wird. Ob das die wahre Not der Kinder widerspiegelt, ist jedoch äußerst fraglich. Denn was ist ein Mausklick gegen die tagtäglichen Anstrengungen dieser Kinder?

Man kann die Seite Gamethenews.net positiv oder negativ bewerten. Positiv ist, dass vor allem Jugendliche, die bekanntlich nicht viel mit Zeitunglesen und Nachrichtenschauen am Hut haben, sich mit aktuellen Themen der Welt befassen und vielleicht nach dem Spielen doch einmal die realen Hintergründe recherchieren. Dazu ist zu jedem Spiel ein Link mit der jeweiligen Berichterstattung vorhanden. Somit wird zumindest versucht, dass sich die User damit befassen und sich eine Meinung bilden bzw. sich selbst weiter über die aktuellen Vorgänge informieren.

Als negativ kann erachtet werden, dass zum Beispiel bei dem Spiel „Endgame: Syria“ nicht der reale Verlauf der Geschehnisse widergespiegelt wird, sondern manche Spieler lediglich darauf aus sind, möglichst viele Einheiten des Gegners zu „vernichten“ – ohne Rücksicht auf Verluste. Dies kommt wohl eher einem sogenannten „Ego-Shooter“ nahe. Das wahre Ereignis gerät hier für den Nutzer wieder in den Hintergrund. Ebenfalls ist es fraglich, ob durch diese Spiele die gewollte Intention der Nachrichtenübermittlung erfüllt wird.

Auch wenn die Seite noch relativ unbekannt ist und wahrscheinlich nur von wenigen Nutzern verwendet wird, ist es zudem fraglich, ob sie wirklich etwas an dem momentanen Desinteresse vieler Menschen am Weltgeschehen verändern kann und sich somit als neue Form der Berichterstattung durchsetzen wird. Weil ich selbst ein „Gamer“ bin, also viel am Computer spiele, habe ich mich einmal ausführlicher mit diesem Thema auseinandergesetzt und bin selbst zu dem Schluss gekommen, dass diese Art der Nachrichtenübermittlung nicht die geeignetste ist.

Ein Spiel ist ein Spiel, es kann die wahren Ereignisse und das Leben nicht widerspiegeln, zumindest nicht in dem Grad, wie es zum Beispiel eine Zeitung oder eine Nachrichtensendung macht. Es ist zwar interessant, wie die Macher versuchen, vor allem junge Menschen für das Nachrichtenwesen zu interessieren. Ich persönlich ziehe jedoch die konservative Form des Zeitungslesens und des Nachrichtenschauens vor. Denn ich bin der Meinung, dass es nur so möglich ist, das aktuelle Weltgeschehen real zu verfolgen, gegebenenfalls merh dazu zu recherchieren und es zu beurteilen.

Benjamin Klahn, BSZ Kamenz, Klasse IW 11

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