Mein Leben mit Hörgeräten

Mittlerweile gibt es in Deutschland immer mehr Menschen, die eigentlich auf ein Hörgerät angewiesen wären. Und noch immer scheuen sich die meisten davor, einen Hörtest zu machen, obwohl bereits eine Hörschädigung bemerkbar ist. Oft verursacht durch zu laute Musik. Doch wenn die Betroffenen dann solch eine Hörhilfe bekommen, bereuen sie das nicht.

Ich werde bald 17, und für mich und meine Zwillingsschwester ist es mittlerweile Alltag, ein Hörgerät zu tragen. Mit etwa vier Jahren bekam ich mein erstes. Meine Hörschädigung wurde bemerkt, als ich zum Logopäden gehen sollte, da ich viele Wörter falsch aussprach. Dabei ist es üblich, vorher einen Hörtest zu machen. Meine Eltern waren erst einmal geschockt, denn obwohl mein älterer Bruder Hörgeräte trägt, besaßen bis dahin weder meine ältere Schwester noch andere Verwandte eine Hörhilfe.

Für mich und meine Zwillingsschwester war dies eine große Umstellung. Ich kann mich noch erinnern, dass ich die Geräte im Kindergarten in der ersten Zeit oft ablegen wollte. Auch haben die Hörgeräte damals unabsichtlich Tauchgänge in der Badewanne mitgemacht, die sie aber erstaunlicherweise unbeschadet überstanden. Im Kindergarten gab es wegen meiner Behinderung keine großen Probleme.

Eigentlich hätten wir auf eine Schule für Hörgeschädigte gehen müssen, doch durch die Weiterentwicklung der Hörgeräte und durch die Genehmigung des Schulamtes konnten wir zum Glück auf eine „normale“ Grundschule gehen. Am Anfang war es nicht ganz leicht in der Schule alles mitzuhören, aber dann bekamen wir eine Smartlink-Anlage, eine Art Mikrofon für den Lehrer, die mit unseren Hörgeräten gekoppelt ist. Nun fiel uns auch der Unterricht leichter. Die Grundschule schafften wir mühelos, was auch an den Lehrern lag, die mit großem Engagement unterrichteten. Am Ende der 4. Klasse bekamen wir die Bildungsempfehlung für das Gymnasium.

Unbegründete Ängste

Jedoch entschieden wir uns lieber für die Mittelschule in Königsbrück. Zum einen liegt sie näher an unserem Wohnort, zum anderen ist sie eine kleine gemütliche Schule, wo jeder jeden kennt. Somit fiel uns der Unterricht trotz dieser Behinderung leicht. Außerdem stellte ich mir die Frage, ob das Gymnasium nicht doch zu schwer für mich werden könnte. In meiner Wunschschule wurde extra ein Raum mit Teppichboden hergerichtet, um die Nebengeräusche auszublenden, desweiteren wurde die Klasse klein gehalten und andere Utensilien wurden angeschafft, um für uns optimale Lernbedingungen zu ermöglichen. Auch durch die hilfsbereiten und motivierten Lehrer schafften wir beide einen wirklich guten Realschulabschluss.

Nun gehen wir auf das berufliche Gymnasium. Es ist eine große Umstellung, zumal die Klasse auch größer ist und höhere Erwartungen gestellt werden. Zurzeit bin ich in manchen Fächern mit der Zensur nicht ganz zufrieden, aber ich denke und hoffe, dass wir das Abitur schaffen werden. Dabei erhalten wir von den Lehrern ihre volle Unterstützung.

Im Alltag komme ich mit den Hörgeräten ganz gut zurecht, aber manchmal traue ich mich nicht Personen anzusprechen bzw. etwas zu fragen oder zu telefonieren, da ich Angst habe, sie nicht zu verstehen. Außerdem traue ich mich ab und zu nicht noch einmal nachzuhaken, wenn ich eine Frage nicht verstehe, sondern bejahe lieber alles. Das hat schon manchmal zu Missverständnissen geführt. Ich weiß, dass diese Ängste unbegründet sind,  jedoch muss ich mich oft dazu überwinden. Manchmal kamen schon blöde Sprüche über meine Hörbehinderung, aber das ist selten und die stecke ich gut weg. Meine Freunde akzeptieren mich so wie ich bin und das freut mich sehr.

Ohne Hörgeräte könnte ich mir meinen Alltag nicht mehr vorstellen, da ich sonst nur sehr wenig hören würde und ich habe viel mehr positive als schlechte Erfahrungen damit gemacht. Es stimmt natürlich, dass sie nicht die hundertprozentige Hörleistung wiederherstellen können und auch trotzdem noch Nebengeräusche verstärkt werden. Aber damit muss ich zu recht kommen, und es ist allemal besser so zu hören, als gar nicht. Ich appelliere an alle, die das Gefühl haben schlecht zu hören: Macht einen Hörtest! Er bringt euch die Gewissheit und durch ein Hörgerät kann sich eure Lebensqualität wieder steigern.  

Laura Gierth, BSZ Kamenz, Klasse IW11

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