„Mamboly hazo“ – Bäume pflanzen

Die letzten Sommerferien verbrachte Luisa mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Madagaskar, um ein Regenwaldprojekt zu unterstützen. 

Jens Weber, mein Vater, war schon fünf Wochen vor uns in dem Dorf Anjahambe (sprich Ansambee). Er ist Mitglied in dem kleinen Regenwaldverein Ranoala aus Dresden. Er betreut außerdem die Madagaskar-AG am „Glückauf“-Gymnasium Altenberg, an der auch meine Schwester Anja und ich teilnehmen. In dem vergangenem Schuljahr hatte die Madagaskar-AG einen Film über sich und ihr alltägliches Leben zusammengestellt, den wir den Kindern in Anjahambe vorführen sollten. Unsere Aufgabe war es außerdem, einen ähnlichen Film zusammen mit den madagassischen Schülern zu drehen.

Es war für mich das erste Mal, dass ich ein so fernes Land bereiste. Am Anfang war ich total überwältigt. Anjahambe ist vielleicht von der Einwohnerzahl vergleichbar mit Altenberg. Viele kleine Bambushütten drängen sich entlang der Hauptstraße. Je nachdem ob es vorher geregnet hat oder nicht, ist die Straße entweder von Staub oder Schlamm bedeckt. Und sehr, sehr, sehr viele Menschen sind unterwegs: Frauen, die ihre Einkaufstaschen auf dem Kopf ballancieren, Männer, die Zebus vor sich hertreiben und viele Kinder.  

Viele Kinder saßen auch immer vor unseren Bungalows und schauten uns zu. Denn nichts ist schließlich spannender, als ein Vazaha (madagassisch für Weißer oder Fremder), der mit einem Benzinkocher Essen macht.  Und nichts ist komischer, als ein Vazaha, der versucht mit einem winzigen Taschenmesser eine Kokosnuss zu knacken und dann die Milch fast verschüttet.

Als wir den Film aus Altenberg vorführen wollten, mussten wir eines feststellen: Egal, was man in Madagaskar plant, es fängt selten pünktlich an. Wir hatten einen Laptop und einen Beamer aus Deutschland mitgebracht. Man sagte uns, dass wir den Film  im Grundschulgebäude zeigen könnten, da es dort auch Strom gibt.  Doch als wir am Abend vor der Tür standen, war niemand da, der uns aufschließen konnte. Also mussten wir erst mal mit den Zuschauern zusammen eine halbe Stunde warten, bis jemand den Schuldirektor gefunden hatte. Die Vorführung wurde dennoch ein Erfolg. Das Klassenzimmer war sehr voll und viele Menschen drängten sich vor dem Fenster und schauten hinein. Es besitzen zwar fast alle, die Strom haben, einen Fernseher, doch Kino auf der großen Leinwand hatten sie noch nicht gesehen.

Nach der Filmvorführung begannen wir mit vielen begeisterten Schülern den Madagaskarfilm zu drehen.  So trafen wir uns zum Beispiel eines Morgens mit rund 30 Kindern, um zusammen ein Reisgericht zu kochen. Gemeinsam besuchten wir ein Fußballspiel, das einen höheren Unterhaltungswert als manches Bundesligaspiel hatte. Es hatte vorher stark geregnet und der Platz war sehr matschig. Das Wasser spritzte in alle Richtungen, wenn die Spieler durch die Pfützen rannten und der Ball blieb das ein oder andere Mal auch stecken.

Da sich der Film auch um das Aufforstungsprojekt drehen sollte, planten wir eine Bäumchenpflanzaktion. 95% des ursprünglichen Regenwaldes Madagaskars ist bereits abgeholzt. Um das Grundnahrungsmittel Reis anbauen zu können, roden die Bauern den Wald. Doch diese Flächen reichen schon nicht mehr, um die immer größer werdende Bevölkerung zu ernähren. Deshalb muss Reis aus Ländern wie Pakistan importiert werden. An den Stellen, wo der Regenwald verschwunden ist, kommt es zu starken Bodenerosionen. Viele Tiere, die nur in Madagaskar leben, sind ebenfalls bedroht. Nur an wenigen Stellen gibt es noch Restregenwald, zum Beispiel in Anjahambe. Daher versucht seit acht Jahren der Regenwaldverein Ranoala den Wald zu schützen und langsam wieder aufzuforsten. Außerdem bemühen sich Ranoala den Bauern alternative Formen der Landwirtschaft zu zeigen. Seit 2010 besteht die Partnerschaft zwischen den Schülern des Altenberger Gymnasiums und den Schülern in Anjahambe.  Um die Schüler zu der Pflanzaktion zu motivieren, stellten wir für die Teilnehmer eine Exkursion in den bekannten Andasibe National Park in Aussicht. Unter der Aufsicht einiger Waldarbeiter pflanzten wir mit 12 Schülern ca. 500 kleine Bäumchen.  

Zwei Tage später starteten wir um fünf Uhr morgens die Fahrt im Buschtaxi zum Andasibe National Park. Die Fahrt dauerte zwölf Stunden und wir saßen mit 18 Leuten in diesem Kleinbus, wo in Deutschland höchstens 8 Personen sitzen würden. Wir wären vielleicht nur acht Stunden unterwegs gewesen, wenn der Fahrer keine Umwege gemacht hätte. Dort einen Sack Reis und drei Hühner abholen, da der Tante guten Tag sagen und hier einen Sack Reis und drei Hühner wieder abgeben. Aber so ist es in Madagaskar, der Taxifahrer ist der Boss und wenn man anfängt Hektik zu machen, dauert es nur noch länger.  Doch  schließlich kamen wir gegen 17 Uhr auf dem Zeltplatz am Rande des National Parks an. Am nächsten Tag brachen wir früh zu unserer Tour durch den Regenwald auf.  Der National Park ist neben seinem wunderschönen Wald auch dafür berühmt, dass man viele Lemuren aus nächster Nähe beobachten kann. Deshalb ist Andasibe auch bei den Touristen aus aller Welt sehr beliebt. Für die Kinder aus Anjahambe war es ein großartiges Erlebnis. Noch nie hatten sie einen richtigen, intakten Regenwald gesehen. Es ist zwar sehr grün um Anjahambe herum, aber bis auf ein kleines, schwer erreichbares Stück, gibt es keinen richtigen Wald mehr. Lemuren leben schon seit 25 Jahren nicht mehr in Anjahambe. Neben den Halbaffen, beobachteten die Schüler auch die vielen europäischen Touristen sehr interessiert. Zugegeben, mit ihrer Hightech-Regenwaldausrüstung, den Hochglanz-Wanderschuhen und der weißen Schutzkleidung, gegen giftige Tiere, die es in Madagaskar gar nicht gibt, müssen sie für die Jugendlichen eher wie Marsmännchen ausgesehen haben. 

Die Exkursion hat die Schüler sehr beeindruckt. Das zeigte sich, als wir uns mit ihnen unterhielten. „Wir können in der Baumschule Unkraut jäten und beim Pflanzen helfen“, schlugen vor. Das war ein großer Fortschritt,  denn bei der Bäumchenpflanzaktion hatten sie schon nach einer Stunde leicht die Lust verloren.

Nach drei Wochen, verließen wir Anjahambe wieder. Es waren sehr spannende aber teilweise auch anstrengende Wochen für mich gewesen. Solange ohne Strom, fließendes Wasser und ohne Fernseher auszukommen ist schon schwer. Aber man schafft alles, wenn man es versucht. Heute denke ich vor allem an die vielen netten Menschen, die ich kennengelernt habe. Ich würde auf jeden Fall wieder hinfahren.

Luisa Weber, 9. Klasse, Glückauf Gymnasium, Altenberg

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