Journalismus – eine brotlose Kunst?

Es gibt keine gute oder schlechte Kunst, denn das liegt immer im Auge des Betrachters. Dumm nur, wenn es gar keine Betrachter gibt – das kann kein Künstler wollen. Journalisten sind allesamt auch Künstler und natürlich wollen sie, dass ihre Kunst Beachtung findet. Der Maler kann sich in die Galerie stellen und den Besuchern beim Studieren seiner Bilder zuschauen, deren Gespräche belauschen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Aber wie erfahren Journalisten, ob ihre Kunst von den Betrachtern überhaupt wahrgenommen wird und wie sie bei ihnen ankommt?

Mit Lesewert. Das ist eine im Lesewert_Screenshot 18.10.2013Dresdner Druck- und Verlagshaus eigens für die Sächsische Zeitung entwickelte Messmethode. Das Prinzip ist ganz einfach: Der Leser liest seine Zeitung genau wie bisher auch. Immer, wenn er mit einem Artikel fertig ist, erfasst er kurz mit einem Scanstift vom Format eines Textmarkers die Zeile des Artikels, an der er aufgehört hat zu lesen. Diese gescannte Textzeile wird über eine Funkverbindung an ein Handy und vom Handy an die Redaktion geschickt, wo sie dem Artikel in der Zeitung wieder zugeordnet wird. So erfahren die Redakteure von Hunderten Lesern sowohl welche Artikel diese gelesenScannerset Lesewert haben als auch wie sehr sie der Text interessiert hat. So entsteht für jeden Zeitungsartikel ein Lesewert.

Bei vielen Themen haben Redakteure ihre Erfahrungswerte und werden vom Leser darin bestätigt. Aber es gibt immer wieder spannende Überraschungen, welche Themen die Leser interessieren. Das Ziel ist es, vom Leser zu lernen und die Zeitung noch stärker nach dessen Interessen zu gestalten. So werden besonders interessante Themen beispielsweise am nächsten Tag fortgesetzt und ihnen mehr Platz im Blatt gegeben. Die Methode ersetzt nie die Kreativität des Künstlers, denn gemessen werden kann natürlich nur, was in der Zeitung steht. Aber Lesewert hilft, die Zeitung für die Leser noch interessanter und relevanter zu machen. Und ganz nebenbei freuen sich Journalisten natürlich, mit ihrer Arbeit täglich noch mehr Leser zu erreichen.

In der Kunst liegt nicht nur die SchönhDenni_RM29324eit im Auge des Betrachters, sondern auch ihr Wert. Eine relevante Zeitung, ist es dem Leser wert, sie Tag für Tag zu lesen und für Qualitätsjournalismus, der Leserinteressen ernstnimmt, Geld zu bezahlen. Damit ist Lesewert ein Hilfsmittel, die Zukunft der Zeitung zu sichern, denn Journalismus ist definitiv keine brotlose Kunst.

 Von Denni Klein

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