Geschwister – Rivalen im Kinderzimmer?!

Jeder kennt sie: die berüchtigte Geschwisterliebe. Viele Kinder und Jugendliche ver­stehen sich mit ihren Geschwistern schlecht bis gar nicht. Meist liegt dies am Altersunterschied.

Wenn der Altersunterschied im Mittelmaß liegt, das heißt bei etwa 5 Jahren, ist es meist am schwersten für die Kinder. Es fängt schon damit an, dass das erstgeborene Kind bisher immer die volle Aufmerksamkeit der Eltern genoss. Doch plötzlich steht es nicht mehr im Mittelpunkt. Das Baby ist jetzt das Wichtigste für die Eltern.

Meist fühlen sich die älteren Kinder dadurch minder­wertig und vernachlässigt. Ständig wird an ihre Vernunft appelliert; sie müssen rücksichtsvoll gegenüber dem Baby sein. Das kann die „großen“ Geschwister, die ja auch noch kleine Kinder sind, schon echt überfordern. Von diesem Überforderungsstress bis zur Eifersucht ist es nur ein kleiner Schritt.

Wenn die Kinder dann älter sind, teilen sie meist we­nig gemeinsame Interessen, da einer schon Teenager mit Drang zur Selbstbestimmung ist, der andere aber noch in seiner be­hüteten Kinderwelt lebt. Dies erschwert die Sache einer guten Be­ziehung zwischen älteren und jüngeren Geschwistern enorm – zumindest für einen gewissen Zeit­raum. Denn wenn beide Ge­schwister junge Erwachsene sind, kann ihr Verhältnis zueinander durchaus sehr innig werden.

Bei einem kleineren Altersunterschied – etwa zwei Jahre -, tritt das Problem der unterschied­lichen Interessen vor allem ab dem Schulalter nicht so gravierend hervor. Zuvor ist die Auswirkung der kindlichen Eifersucht jedoch noch schwerwiegender, da das Erstgeborene noch nicht verste­hen kann, warum sich alles um das Baby dreht – und den „Eindringling“ ganz oft einfach „weg haben“ will.

Später, wenn etwa beide Geschwister das Schulalter erreicht haben, ist die körperliche und geisti­ge Entwicklung ziemlich ähnlich; sie hantieren miteinander sozusagen auf gleichem Niveau. Meist bilden sie eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie sind sich bei Schulaufgaben behilflich, helfen sich bei Problemen mit Freunden oder leisten einander Beistand bei Auseinandersetzungen mit den eigenen Eltern.

Bei einem sehr großen Altersunterschied (ab etwa zehn Jahren) haben die Geschwister meist ein sehr gutes Verhältnis. Häufig wohnt der ältere Bruder oder die ältere Schwester nicht mehr bei den Eltern, wenn das Jüngste im Schulkind-Alter ist. So sehen sich die Kinder nicht so oft. Wenn sie sich seltener sehen, freuen sie sich aufeinander; haben aber auch geringere Berührungspunkte mitein­ander. Dadurch ist das klassische Geschwisterverhältnis jedoch nicht vorhanden; die jüngeren Kinder wach­sen sozusagen als Einzelkinder auf.

Geschwister zu haben hat auch viele und wunderbare Vorteile. Man hat immer jemanden, dem man Dinge und Geheimnisse erzählen kann, die man sonst niemanden erzählen würde oder möchte. Geschwister haben eine sehr enge emotionale Bindung zueinander, da sie den größten Teil ihrer Kindheit zusammen verbringen. Dadurch kennen sie die Stärken und Schwächen voneinander auch am besten. Egal wie man sich manchmal hasst, im Grunde seines Herzens hat man sich doch immer lieb und ist stolz darauf, einen Bruder oder eine Schwester zu haben. Es ist ein unheimlich schönes Gefühl zu wissen, da ist jemand aus dem eigenen Fleisch und Blut, auf den man sich verlassen kann. Man ist nicht allein, wenn die Eltern nicht mehr da sind. Ge­schwister begleiten einen in aller Regel das ganze Leben.

Der Familienforscher Prof. Dr. Hartmut Kasten (Psychologe u. Pädagoge) berichtete in einem Interview mit der „Focus Schule online“, dass die Beziehung zu Geschwistern die längste des Lebens und in der Kindheit die Spielwiese für spätere Bindungen ist. Man lernt, sich mit dem Gegenüber zu eini­gen, Kompromisse zu finden und sich durchzusetzen. Dabei gibt es immer wieder Phasen, in de­nen sich die Heranwachsenden auseinanderleben und in denen sie sich wieder annähern. Aller­dings besteht laut Kasten bei allen Altersunterschieden die Regel: Wenn bis zu einem Alter von 15, 16 Jahren keine gute Beziehung besteht, wird es auch im Erwachsenenalter sehr schwer, wieder zueinander zu finden.

Auch die Eltern haben starken Einfluss auf die Geschwisterbeziehung. Sie tragen eine große Ver­antwortung, die Entwicklung ihrer Kinder individuell zu fördern, Interessen und Neigungen gleich­berechtigt und geschlechtsunabhängig zu unterstützen. Bei Streitereien unter den Geschwistern müssen sie gerecht agieren. Es ist ganz normal, dass immer mal ein Kind bevorzugt wird. Dies ist vor allem in „nervigen Entwicklungsphasen“ wie der Pubertät möglich. Das „weniger anstrengen­de“ Kind gibt den Eltern dann gerade mehr Grund zur Freude. Aber auch das andere Kind braucht in seiner komplizierten Situation die Liebe und Aufmerksamkeit von Mutter und Vater. Deshalb sollten Eltern darauf achten, dass dieses Verhalten nicht von Dauer ist. Ansonsten kann die Per­sönlichkeitsentwicklung des benachteiligten Kindes gestört und die Beziehung der Kinder unterein­ander negativ beeinflusst werden.

Nimmt man also die berühmt berüchtigte „Geschwisterliebe“ mal genauer unter die Lupe, erkennt man in ihr nicht nur Eifersucht, Hass, Streitereien und Konflikte, sondern auch echte liebevolle Zu­neigung und Verbundenheit. Dabei sind Geschwister Rivalen, Vertraute und Vorbilder zugleich. Also Geschwister und Eltern: Keine Panik – Streiten ist ganz normal und sogar wichtig. Von diesen Erfahrungen als Kind profitiert man sein ganzes Leben!

Jasmin Israel, Kl. 9b, F.-Sauerbruch-Gymnasium Großröhrsdorf

Geschwisterliebe

Auch wenn es manchmal schwierig ist – im Grunde haben Geschwister einander lieb, wie diese Tigerbabys im Leipziger Zoo. Foto: dpa

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