Dresden

Deutschland ist noch lange nicht tolerant genug

Früher war Migration in Deutschland kein großes Thema – mittlerweile sind wir tolerant. Obwohl viele mit dieser Aussage mitgehen würden, muss sie trotzdem in Frage gestellt und darf nicht für selbstverständlich gehalten werden.

Etwa 15 bis 16 Millionen Immigranten leben in Deutschland, davon besitzt ungefähr die Hälfte einen deutschen Pass. Personen mit Migrationshintergrund sind zu einem festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden.

Trotzdem sind nicht alle ihnen gegenüber offen. Schon wenn jemand die deutsche Sprache nicht oder nur bruchstückhaft beherrscht, ist das für viele ein Grund, ihn schief anzusehen. Nicht selten werden Deutsche dann verbal aggressiv und bedienen sich der untersten Schublade ihres Vokabulars.

Auch die Religion scheint ein Grund für Feindseligkeiten zu sein. Viele Einwanderer sind Anhänger des Islams oder gehören der orthodoxen Kirche an. Immer wieder liest man in den Zeitungen, dass es zu gewaltsamen Konflikten zwischen Deutschen und Immigranten gekommen ist. Mit Toleranz hat das nichts zu tun.

Obwohl Deutschland die Heimat von vielen Migranten geworden ist, gibt es doch noch häufig Benachteiligungen. Bildung ist einer der wichtigsten Punkte dabei. Viele Kinder, deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind, müssen eine Realschule besuchen, statt aufs Gymnasium gehen zu können.

Am Beispiel Dresden ist dennoch klar zu erkennen, dass viele Leute mit Migrationshintergrund auch sehr angesehene Berufe ausüben. Zum Beispiel gibt es sehr viele ausländische Professoren an der Technischen Universitäten Dresden oder am Fraunhofer-Institut.

Deutschland profitiert von Einwanderern

Allerdings besitzen nicht alle Immigranten einen hohen Bildungsstand. Es ist bekannt, dass sich unter den Personen mit Migrationshintergrund sowohl ausgesprochen gebildete befinden, aber auch einige, die nur über eine schlechte Bildung oder sogar gar keine verfügen. Zwischen diesen beiden Extremen klafft jedoch eine große Lücke. Deshalb entsteht teilweise ein falschen Eindruck, und es bilden sich Vorurteile. 

Viele Menschen in Deutschland haben völlig antiquierte Ansichten, was andere Kulturen, Religionen und Länder angeht. Durch die Vergangenheit Deutschlands sind viele Irrtümer bestehen geblieben, welche manche Leute immer noch rassistisch handeln lassen.

Was einige nicht erkennen, ist, dass Deutschland von Immigranten profitiert. Wenn man sich überlegt, wie viel neue Technologie und Forschung durch sie nach Deutschland gebracht wurde, wird deutlich, dass Deutschland ohne Einwanderer heute ein bei Weitem nicht so fortschrittliches Land wäre.

Auch was unsere Essgewohnheiten anbelangt, hat Einwanderung viel Innovation mit sich gebracht. Chinesisches Essen und Pizza gehören mittlerweile für viele zum Alltag und sind nicht mehr wegzudenken. Wenn man in die Stadt geht, kommt man zwangsläufig an vielen Restaurants vorbei, welche nur ausländische Gerichte im Angebot haben.

Im Sport wäre Deutschland ohne Sportler ausländischer Herkunft kaum so erfolgreich. Man denke nur an Fußballer wie Mesut Özil oder Lukas Podolski, die ausländische Wurzeln haben und von allen gefeiert werden.

Deutschland ist schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr nur von Deutschen bewohnt. Das Interesse, in unserem Land zu leben und zu arbeiten lässt eine gestiegene Toleranz der Deutschen erkennen. Doch zu vollständiger Akzeptanz fehlt noch vieles. Jeder sollte sich dessen bewusst sein, dass dieses Thema uns vor allem in Zukunft bewegen wird.

Elizabeth Baines und Sophie Pette, St. Benno-Gymnasium Dresden, Klasse 10a