Zwischen Klicks und Kaffeetassen

Sabrina Winter verbrachte vier Wochen als Praktikantin im Newsroom der SZ. Seitdem trinkt sie mehr Kaffee, dolmetscht polizeiliches Bürokratendeutsch und weiß, was Klicks bringt.

Zuerst das Klischee: die Kaffeemaschine! Gleich zwei Kollegen fragten mich an meinem ersten Tag, ob ich wisse, wie die funktioniere. Praktikanten müssen Kaffee kochen – ist ja klar.

Doch das Klischee erfüllte sich nicht. Kaffee habe ich nur gekocht, wenn ich selbst welchen trinken wollte. Die Frage der Kollegen war nett gemeint, weil der Kaffee im Haus der Presse für alle Mitarbeiter ist. Falls ich mal nichts zu tun hatte, hieß es

Sabrina Winter

Sabrina Winter unterstützte einen Monat die SZ-Onlineredaktion.  Foto: R. Bonss

dann: „Mach dir doch erstmal einen Kaffee.“

In einer Online-Redaktion hatte ich noch nie gearbeitet. Also gab zunächst eine Menge zu lernen: Wie lege ich Artikel für die Website an? Wie erstelle ich eine Bildergalerie? Wie reagiere ich auf die Facebook-Kommentare am geschicktesten?

Besonders interessant fand ich es zu sehen, welche Artikel oft angeklickt werden. Irgendwie stehen die Leute total auf Polizeiberichte. Unfälle, Verletzte, Vermisste und Tote haben viele Klicks. Verstehen kann ich das nicht. Ich persönliche klicke nie auf Polizeiberichte. Ehrlich gesagt, wundere ich mich, dass der Facebook-Algorithmus die Artikel noch nicht aus meinem Newsfeed radiert hat. Doch da viele sz-online-Nutzer Polizeiberichte lesen, müssen sie geschrieben werden. Das ist gar nicht so einfach. Denn das Verwaltungs-Deutsch der Polizei-Pressestelle in einen lesbaren Text zu verwandeln, braucht Übung.

Mit Hashtags spielen

Zum Glück waren Polizeiberichte nicht alles. Ich konnte auch meine eigenen Themen umsetzen. So habe ich eine Reportage über die Zooscouts in Dresden und einen Bericht über die neue Service-Hotline der TU geschrieben. Beide Artikel sind sogar in der Zeitung erschienen. Einmal bin ich mit meinem Fahrrad durch Dresden gefahren und habe die öffentlichen Grillplätze fotografiert und bewertet. Der Artikel hatte viele Klicks.

Rechercheausflüge waren aber die Ausnahme. Der Alltag meiner vier Praktikumswochen sah so aus: Newsstream der Deutschen Presse-Agentur beobachten, wichtige Meldungen von unwichtigen unterscheiden, Artikel für die Website anlegen, Bilder suchen, E-Mails checken, telefonieren um Fakten zu klären oder noch ein Detail für einen Artikel zu erfragen. Und meine liebste Aufgabe: Social-Media-Kanäle betreuen. Konkret bedeutet das: Artikel auf Facebook, Twitter und Google+ posten, Kommentare moderieren, auf Tweets reagieren und so weiter. Das fiel mir leicht. Ich konnte mich ausprobieren und mit Hashtags spielen. Außerdem ist es immer eine kleine Herausforderung, Artikel so anzukündigen, dass jemand darauf klickt.

Eines Tages habe ich im Redaktionssystem die Quizfunktion entdeckt. Die musste ich natürlich ausprobieren! Herausgekommen ist das hier.

Wenn sich Kaffeebecher füllen

Die Web-Editoren sind normalerweise die ersten im Newsroom. Am Morgen ist es dort noch ruhig. Nur die Onliner sind da, tippen, klicken, sprechen sich kurz ab. Je später es wird, desto geschäftiger wird das Treiben. Die leeren Tische füllen sich, mit ihnen die Kaffebecher und das Tippen wird lauter. Schließlich erscheinen immer mehr Artikel auf den Bildschirmen, an denen die Zeitung für den nächsten Tag angezeigt wird.

Ich hatte zuvor schon einmal ein Praktikum in der Görlitzer Lokalredaktion der SZ gemacht. Das war gut so. Denn manchmal muss es schnell gehen im Onlinejournalismus. Dann hilft es zu wissen, wie man gut formuliert. Was ich auch gelernt habe: Immer Sachen anbieten und sich einbringen. Und wenn ein Kollege mit einem Thema auf dich zukommt: dankbar annehmen!

Um seine Artikel an den richtigen Mann oder an die richtige Frau zu bringen, muss man manchmal kämpfen – besonders in großen Häusern. So ging es mir mit den Printartikeln. Bevor der richtige Ansprechpartner gefunden war, musste ich mich von X nach Y telefonieren, nur um dann von Q zu erfahren, dass Z zuständig ist. Am Ende hat es sich gelohnt und die Artikel sind auch in der Zeitung erschienen.

Insgesamt waren es vier anstrengende Wochen. Denn acht Stunden am Tag zu arbeiten, ist ein Unterschied zum Studentenleben. Aber es waren auch vier schöne Wochen, in denen ich viel gelernt habe und sehr nette Kollegen um mich hatte, die mir immer geholfen haben, wenn das Redaktionssystem nicht so wollte wie ich. Und natürlich: vier Wochen mit viel Kaffee.

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