News

Zeitung ohne zu Schreiben – warum das?

Volontär Max ist als Editor in die SZ „hineingerutscht“. Wie das ohne Vorbildung möglich war und warum ihm manchmal vor lauter Druck die Tränen kamen, erzählt er in diesem Beitrag.

Stellv. Stadtchef Peter Hilbert gibt Editor Jorge Obst Anweisungen. Redakteurin Kay Haufe nimmt diese kritisch zur Kenntnis. Letztes Jahr hätte auch ich auf diesem Foto sitzen können. Foto: Svenniboi

Manchmal braucht man einfach ein bisschen Glück. So ging es mir auf meinem Weg ins Volontariat bei der SZ. Ende 2016 saß ich als studentischer Praktikant in der Stadtredaktion Dresden und schrieb über Einzelhandel in Pieschen, über defekte Fahrstühle in Prohlis und über das Panometer in Reick. Mein Ziel war klar: Ich muss einen Weg finden hier zu bleiben. Schließlich wollte ich seit einem Schülerpraktikum mit 14 Jahren ganz unbedingt Journalist werden. Vielleicht hat es auch mit Erziehung zu tun – schließlich ist auch meine Mutter Journalistin, allerdings im Harz.

„Max, komm mal bitte zu Claudia“ – so lautet die Einladung zu einer kleinen Audienz bei der Stadtchefin Claudia Schade. Die Redaktion stand vor einem Problem: Editor Klemens Deider sollte in wenigen Wochen Vater werden. Das bedeutete, dass er einen ganzen Monat zu Hause bleiben und danach verkürzt arbeiten würde. Da Claudia und Peter (ihr Stellvertreter) ganz zufrieden mit meiner Arbeit(seinstellung) waren, fragten sie mich, ob ich nicht als Editor arbeiten wollte. Das war zwar nicht so ganz was ich machen wollte, aber es war die Chance bei der SZ zu arbeiten, Kollegen kennenzulernen und letztlich lag mein Studium ohnehin in den letzten Zügen und ich konnte einen Job gut gebrauchen. Also sagte ich zu und wurde Werkstudent.

Ich war nun also Editor und saß am völlig überdimensionierten Dresdner Newsdesk. Die Frage „was macht denn so ein Editor?“ ist völlig berechtigt. Was die wenigsten wissen: In einer Redaktion gibt es Redakteure und Editoren. Redakteure liefern Inhalte, Editoren machen aus den Inhalten eine Zeitung. Sie gestalten die Seiten, lesen die Texte Korrektur, kümmern sich um die Bildauswahl und sind die letzten, die nochmal auf eine fertige Seite schauten. Ohne zu übertreiben, bei den ersten Malen auf den Knopf drücken, der eine Seite in die Druckerei schickte, hab ich vor lauter Anspannung fast angefangen zu heulen. Wenn jetzt irgendwo ein Fehler übersehen oder ein Bildtext vergessen wurde, wäre letztlich meine Schuld!

Neben mir saß meist Jorge Obst, der Chefeditor der Stadtredaktion, dem die unangenehme Aufgabe aufgedrückt wurde, mir alles haarklein beizubringen. Am Anfang bedeutete das für ihn verständlicherweise einigen Stress und Mehrarbeit, aber im Laufe der Zeit entwickelten wir uns zu einem echt guten Team und heute ist Jorge mein engster Freund in der Redaktion. Was für ihn bedeutet, dass ich immer, wenn ich irgendwo nicht weiter komme, zuerst ihn anrufe. Noch nimmt er es mir aber nicht übel.

Diesen Job machte ich knapp zwei Jahre neben dem Studium. Das heißt, ich machte das Studium neben dem Beruf. Denn es gibt Krankheitsfälle, Urlaube, Sonntagsdienste und Sonderschichten, die mir zu viel Arbeit aber eben auch zu einem im Endeffekt 20+ Stunden Job verholfen haben, obwohl ich nur für ein Jahr „zwei Tage die Woche“ und danach „wenn wir dich mal brauchen“ eingeteilt war. Was darauf hinauslief, dass ich, als ich abtrat um ins Volontariat einzusteigen, ein kleines Löchlein hinterließ.

Was ich nun kann? Ich kann Seiten bauen, habe zahllose gute journalistische Texte gelesen, kenne die Leute im Haus, kenne die Arbeitsabläufe und kann mir meine eigenen Artikel hübsch und vielleicht etwas besonders layouten. Doch ich merke auch, dass der Alltag als Schreiber etwas gänzlich anderes ist. Trotzdem kann ich jedem Volontär empfehlen, auch mal eine Zeit als Editor zu verbringen. Und ich freue mich sehr, in die Stadtredaktion Dresden zurückzukehren. Und auf Jorges Kommentare, wenn er meine Texte redigieren muss.