Zwischen Stadtrat und Spielplatz

Nicole Preuß (30) versucht, Familienleben und Redaktionsalltag zu vereinbaren. Die Bautzenerin wird dabei zum Organisationstalent.

Als mich die Tagesmutter meines Sohnes zum ersten Mal anruft, höre ich es nicht. Ich sitze im Bautzener Stadtrat. Mein Handy ist natürlich aus. Die Tagesmutter will mir sagen, dass mein Sohn Fieber hat und abgeholt werden müsste. Doch das höre ich erst viel später, als mein Mann und er schon zu Hause sind. Das ist einer der Momente, indem ich mich frage, ob ich das alles schaffe. Täglich acht Stunden arbeiten in der Bautzener Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung und gleichzeitig ein Baby betreuen.

Doch ich habe das bewusst so gewählt. Vor zwei Monaten stieg ich wieder ein. Da war mein Sohn fast ein Jahr alt. Nun bin ich wieder als Stadtredakteurin unterwegs. Ich klettere auf Baustellen herum, schaue einem Baumpfleger bei seiner Arbeit zu oder sehe mir das Baugelände für die neue Krippe an. Und ich bin glücklich darüber. Mein Traumjob. Jeden Tag etwas Neues erleben und darüber schreiben. Also versuche ich, meine Arbeit in der Redaktion und zu Hause zu verbinden.

Das geht vor allem über ein striktes Zeitmanagement. Jeden Tag um dieselbe Zeit aufstehen, egal ob die ersten Backenzähnchen meinen Sohn und mich kaum schlafen ließen oder nicht. Frühstücken und schließlich ab ins Auto und zur Tagesmutter. Dort bekommt mein Sohn dann sein Programm, in der Redaktion wartet meins. Meine Spezialgebiete sind dabei, wen wundert’s, Krippenbetreuung und junge Familien. Doch beinahe wäre es gar nicht so weit gekommen. Denn einen Betreuungsplatz finden, ist auch in Bautzen gar nicht so einfach. Schon mehrere Monate vor der Geburt fing ich an zu suchen. Ich telefonierte alle Tagesmütter der Stadt ab. Vergebens. Bis ich schließlich doch noch mit etwas Glück in der Umgebung fündig wurde. Das heißt für mich zwar morgens Autofahren. Doch für meinen Sohn bedeutet das auch Katzen, Hunde und einen kleinen Spielplatz am Haus.

Nachmittags ist dann mein Mann dran. Er holt den Kleinen ab, spielt mit ihm, gibt ihm zu Essen und badet ihn. Wenn ich keinen Termin habe, bringe ich meinen Sohn dann noch mit ins Bett. Da bleibt nicht viel Zeit für ihn. Doch ich habe eine Variante gefunden, wie sich das lösen lässt. So spielen mein Sohn und ich morgens nach dem Frühstück noch mindestens eine halbe Stunde miteinander. Dann darf er bestimmen, was ihm Spaß macht. Da wird aus und eingeräumt, ein Buch angeguckt oder durch die Wohnung gekrabbelt. Alles ohne Ablenkung. Das gelang mir fast nie, als ich noch den ganzen Tag mit ihm zuhause war. Doch jetzt klappt das ganz wunderbar. Ganz abgesehen von den Wochenenden, an denen wir Drachen steigen lassen, um den Stausee wandern oder einen Krabbelfreund besuchen.

Nach der Fiebernachricht bin ich übrigens einige Tage mit meinem Sohn zuhause geblieben. Und das obwohl gerade viele Kollegen fehlten. Mein Chef machte mir die Entscheidung leicht. Auch mein Mann blieb ein paar Tage bei unserem Sohn. Dann war der Kleine wieder gesund und konnte zur Tagesmutter gehen. Und jetzt, bleibt mein Handy während der Stadtratssitzung tonlos auf dem Tisch liegen. Man weiß ja nie.

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