Das Haus der Presse in Dresden.
Wie geht Journalismus

Was ist ein Volontariat?

Ein Volontariat ist der Einstieg in die meisten Journalistenberufe, ob Hörfunk, Fernsehen, oder eben Zeitung. Da dieser Blog vom Berufseinstieg handelt und auch von den SZ-Volos betrieben wird, stellen wir hier in einem kurzen Video vor, wie das Volontariat bei der Sächsischen Zeitung abläuft.

Bei der SZ gibt es meist vier bis sechs Volontär*innen zeitgleich. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und man tingelt durch die meisten überregionalen Ressorts und einige Lokalredaktionen. Zwischendurch gibt es Schulungen, Workshops, Projekte und einen einmonatigen Aufenthalt an der Henri-Nannen-Schule. Der Name Volontariat kommt eigentlich von Freiwilligkeit und damit hat es wenig zu tun. Ehrliches Geld für ehrliche Arbeit gibt es, na wenn das nichts ist!

In diesem kurzen Video erklären euch die Volontäre Niels und Martin, wie das Volontariat bei der Sächsischen Zeitung abläuft.

Kamera: Marvin Graewert, Julie Lucy Haupt, Angelina Sortino
Konzept: Angelina Sortino
Schnitt: Julie Lucy Haupt, Louis Michel, Angelina Sortino

Wie geht Journalismus

Wie wir das Internet unterschätzt haben

Mirko Jakubowsky, Leiter sz-online
Mirko Jakubowsky, Leiter sz-online

Er ist hier der Chef.

Nein, er war hier der Chef. Dieser Text ist am 05. Januar 2012 erschienen. Das ist jetzt etwas mehr als sieben Jahre her. Ich bin beim Aufräumen dieses Blogs darauf gestoßen. In diesen sieben Jahren hat sich so ziemlich alles verändert, und der Text ist ungefähr so aktuell wie das Frauenbild in Kabale und Liebe. Er beschreibt damals die fast noch als Sonderling betrachtete Online-Redaktion. Inzwischen setzt die Zeitung „online first“ um, und unsere Internetseite sächsische.de ist das Hauptthema im Newsroom. Warum das hier trotzdem lesenswert ist? Weil es eine beinahe unterhaltsame Aufbruchsstimmung vermittelt. Und dann merkt man erst, wie viel sich verändert hat. Sorry Mirko, aber auch als Online-Chef der Stadtredaktion Dresden machst du einen tollen Job. Und das „keck-über-die-Schulter-gucken“ beherrschst du noch immer wie kein Zweiter. /Max

Hätte mich vor 15 Jahren jemand gefragt, ob ich nicht Journalist werden möchte, ich hätte dankend abgelehnt und gesagt, dass ich zwar schon immer über ein gewisses Mitteilungsbedürfnis verfüge, mich die sich rasant entwickelnde Computerbranche und das Internet aber viel mehr fesseln. Schließlich schraubte ich mir damals meinen ersten PC zusammen, kannte mich mit dem Netz aus. Schon während meines Studiums bot mir die Redaktion einer Suchmaschine einen Praktikumsplatz an, ich schnupperte Redaktionsluft – und bin davon nicht wieder losgekommen. Es folgte ein Job bei einem TV-Sender und als die SZ für ihr Onlineportal schließlich einen freien Mitarbeiter in meiner Heimatstadt suchte, bezog ich ein Büro im Dresdner Haus der Presse.

Jahre später, mittlerweile als Redaktionsleiter der Onliner, fasziniert mich das nicht mehr ganz so neue Medium mit all seinen Möglichkeiten zwar immer noch, vor allem bringt mich aber die Kreativität der Redaktion ins Staunen. Aus Ideen werden Geschichten gemacht – und das oft ganz schnell. Einen typischen Tag gibt es in der Onlineredaktion nicht, und doch haben die meisten etwas gemein: Sie sind spannend, oft überraschend und fast immer lang.

Das ist die Online-Redaktion

Wir sind die „jüngste“ Redaktion der Sächsischen Zeitung. Uns gibt es erst seit 1996. Damals bestand die Onlineredaktion gerade mal aus einem Mitarbeiter, ein weiterer kümmerte sich um die überschaubare Technik. Heute gibt es keine Einzelkämpfer mehr: Mittlerweile wird sz-online.de von fünf Redakteuren und mit Unterstützung freier Mitarbeiter rund um die Uhr mit neuen Inhalten „gefüttert“.

Meist sind wir auch diejenigen, die nicht nur ihre Rechner und Laptops einschalten, sondern auch die Kaffeemaschine im SZ-NewSZroom wecken. Denn fast immer sind wir die ersten, die hier Agenturen sichten, Fotos auswählen, Nachrichten schreiben, Meldungen auf Facebook platzieren, Aktuelles twittern und und und. Ganz oft wird der Kaffee schnell wieder kalt, weil die Zeit knapp wird: Neben dem Blick für die relevanten Webseiteninhalte gibt es für uns in Schichten arbeitenden Onliner mehrere Sitzungen und viele Absprachen mit den Kollegen aus anderen Ressorts, es werden Dutzende Telefonate mit Reportern, Pressestellen, Fotografen und Lesern geführt. Am späten Abend ist dann zumindest für unsere Newszroom-Computer Schluss, denn wir haben auch die Möglichkeit, Inhalte von jedem beliebigen Rechner auf die Website zu stellen. Und auch die Kaffeemaschine hat dann Feierabend.

So erreichst du die Online-Redaktion:

Du willst ein Praktikum in der Online-Redaktion machen, als freier Mitarbeiter arbeiten oder du hast einfach nur eine Frage? Dann schreib‘ der Redaktion eine Mail oder ruf an:

Telefon: (0351) 4864 2076
Mail: [email protected]

Wie geht Journalismus

Warum noch Journalist werden?

Diesen Monat feiert die Sächsische Zeitung ihren 70. Geburtstag. Doch wie sehen angesichts sinkender Verkaufszahlen und der zunehmenden Digitalisierung die nächsten 70 Jahre aus? Die Volontäre der SZ erklären, warum sie Journalist werden wollen – und an eine Zukunft des Mediums glauben.

Nina Schirmer (r.): Karla Kolumna fand ich ja schon immer gut. Aber selbst
rasende Reporterin werden – die Entscheidung habe ich erst nach dem Abi getroffen. Damals habe ich bei einem kleinen Radiosender gearbeitet. Anfangs war es einfach nur das Quatschen mit den verschiedensten Leuten, das mich begeistert hat. Schnell kam dann aber die Erkenntnis dazu, dass man dieses „Gequatsche“ auch aufarbeiten, verständlich darstellen und kreativ rüberbringen muss. Genau das macht diesen Beruf für mich besonders. Als Journalistin kann ich mitentscheiden, worüber die Leute wie informiert werden. Ein großes Privileg und eine noch größere Verantwortung, wie ich

Unbenannt
Die SZ-Volos: Linda Barthel, Susanne Sodan, Marleen Hollenbach, Nina Schirmer (v.l.) und Tobias Hoeflich

finde. Deshalb braucht es nach wie vor gut ausgebildete Journalisten. Im Volontariat kann ich sehr abwechslungsreich arbeiten. Mal muss ich faktenorientiert und ohne U
mschweife schreiben, dann wieder mich vorsichtig und schöngeistig einem Thema annähern. Schon ziemlich cool, wenn man damit sein Geld verdienen kann. Mir ist aber bewusst, dass ich mich jetzt im Volo noch in einer halbwegs geschützten Blase befinde. Ein bisschen blicke ich deshalb auch in eine ungewisse Zukunft. Wichtig ist, immer flexibel zu bleiben. Journalist ist nun mal kein Job, bei dem man bis zur Rente im selben Büro sitzt. Dafür ist es einer der spannendsten Berufe, den ich mir vorstellen kann.

Marleen Hollenbach (2.v.r.): Der kleine Teufel ist noch da. Die Stimme im Kopf, die mir immer mal wieder die Laune vermiest. Dann, wenn sie mich fragt, warum ich junger Mensch beim alten Medium „Zeitung“ gelandet bin und ob ich tatsächlich denke, dass Journalisten noch gebraucht werden. Und manchmal, wenn die Kaffeekanne leer und der Chef unzufrieden ist, dann ertappe ich mich dabei, wie ich dem Teufelchen zuhöre. Doch auch wenn der Pessimismus gern mal mit mir plauscht, behält er nicht die Oberhand. Journalist sein, das ist für mich ein Traumjob. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht stillsitzen kann. Schon allein bei der Vorstellung, tagein tagaus derselben Beschäftigung nachgehen zu müssen, zappeln meine Füße. Ich will raus, mich mit immer neuen Themen beschäftigen, viele interessante Menschen kennenlernen, spannende Orte besuchen, kreativ sein. Vielleicht werde ich tatsächlich meinen Enkelkindern im Museum zeigen müssen, was eine Zeitung ist. Die Presse wird es aber immer geben. Für mich sind unabhängige Journalisten ein wichtiger Teil der Demokratie und damit unverzichtbar. Einer muss doch die Politiker im Blick behalten. Einer muss im Auftrag der Bürger die brennenden Fragen stellen, die vielen Informationen sammeln und die Zusammenhänge erklären. Ob auf gedrucktem Papier oder als Online-Artikel – das ist am Ende egal.

Susanne Sodann (2.v.l.): Frisch aus dem Urlaub steht der Chef im Büro. „Schau mal in deine E-Mails“, sagt er. Aktivisten haben mehrere Bäume am Tagebau Nochten besetzt. Fotografen informieren, Block schnappen – los. Schließlich stapfen Fotograf und Volontärin durch den Wald, von Aktivisten keine Spur. Am Ende haben wir sie gefunden: fünf Leute auf drei Bäumen, von denen sich Vattenfall wahrscheinlich nicht sonderlich stören lässt.
Aber die Episode zeigt, was mich am Journalismus interessiert: die Dinge mit eigenen Augen sehen, neugierig sein dürfen. Eine Tageszeitung, gerade im Lokalen, hat noch eine Besonderheit: Die Themen, Debatten, Orte, Menschen, über die wir schreiben, interessieren und betreffen unsere Leser ganz direkt– weil sie vor ihrer Haustür stattfinden.
Manchmal sind auch echte Überraschungen dabei: das Anatomie-Institut an der TU Dresden, das Filmset für „Der junge Marx“ in Görlitz oder das Gefängnis Waldheim. Manchmal enden solche Überraschungen zwar in überraschend viel Stress. Aber die Vielzahl dieser Themen hat etwas, das Mut macht: Es gibt noch viel mehr als politisch motivierte Spaziergänge.

Linda Barthel (l.): Im Journalismus kann man aber auch nicht leicht Fuß fassen, oder?“, fragt mich meine Englisch-Lehrerin nach den Abi-Prüfungen. Gerade habe ich ihr von meinem Berufswunsch erzählt. Verunsichern konnte sie mich damals nicht. Der Beruf hat mich nämlich schon immer gereizt. Leute kennenlernen, ausfragen, schreiben – tolle Sache. So habe ich mir das zumindest immer vorgestellt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Na klar, manch ein Artikel ist mehr Qual als Freude, aber das passiert selten. Was ich besonders an der Arbeit mag: Es kommt nie Langeweile auf. Ich könnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als jeden Tag vor dem PC zu sitzen und immer das Gleiche zu machen. Das kommt zum Glück nie vor.  Oft bringt der Tag etwas anderes als erwartet. Das liebe ich. Was mich dagegen ärgert: In letzter Zeit werde ich häufig gefragt, warum ich bei der Lügenpresse arbeite. Meist folgt ein Lachen und „Alles nur Spaß.“ Ich bin mir aber nicht sicher, ob das so ist. Klar ist jedoch, dass ich mir den Spaß am Journalismus nicht nehmen lasse, auch wenn die Zeiten schwierig sind. Viele bezweifeln gerade nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern auch die Zukunft der Zeitung. Ich glaube aber fest daran, dass gute Texte weiterhin gelesen werden – auch in gedruckter Form. Dass es wichtig ist, dass sich die Leute informieren und keine Mir-doch-egal-Haltung haben.

Tobias Hoeflich: Ob aufgeschwatzter Handyvertrag, zugewucherter Gehweg oder gefrustete Bahnfahrer: In meiner Zeit bei der Dresdner Stadtredaktion habe ich schon über unzählige Possen und Probleme berichtet. Meist tut sich danach etwas im Sinne der Hilfesuchenden. Das Gefühl, mit seiner Arbeit etwas bewegen zu können, ist nur ein guter Grund, Journalist zu werden. Gerade im Lokalen lernt man täglich neue Menschen, ihre Arbeit und ihre Geschichten kennen. Ich war dabei, als VW in der Gläsernen Manufaktur einen Werbespot für den Superbowl drehte. Traf Dynamo-Idol Benny Kirsten beim Märchenlesen in der Grundschule. Ging mit dem Polizeichef des Striezelmarkts auf Streife. Welcher Beruf bietet noch solch eine Vielfalt? Leider spürt man, dass das Vertrauen in die Medien gelitten hat. „Meinen Namen möchte ich nicht in der Zeitung lesen“: Diesen Satz höre ich immer öfter. Zugleich bin ich davon überzeugt, dass es ausgebildete Journalisten braucht, die die Fülle an Nachrichten sichten und ordnen, komplexe Themen verständlich erklären, Regierende und Regierte verbinden. Fragwürdige, oft anonym betriebene Internetseiten können keine Alternative sein. Davon müssen wir unsere Leser jeden Tag aufs Neue überzeugen – durch größtmögliche Sorgfalt, ausgewogene Recherche und dem Bewusstsein für die Verantwortung, die wir als Medium haben.

News, Wie geht Journalismus

Mehr Lokales auf sz-online

Newsdesk Bautzen neu
Im neuen Newsroom in Bautzen arbeiten die Kollegen für die Lokalredaktionen in Bautzen, Bischofswerda, Kamenz und Radeberg. Die Erklärungen zu den Ziffern stehen im Text. Foto: Uwe Soeder

 

News im Minutentakt: Die Sächsische Zeitung Bautzen hat eine neue Nachrichtenzentrale. Hier laufen die Informationen aus dem gesamten Landkreis zusammen.

Kaum passiert – schon informiert: Die Sächsische Zeitung baut ihre Berichterstattung für die Region Bautzen aus und startet ein neues lokales Online-Angebot. Die Kollegen aus Bautzen, Kamenz, Radeberg und Bischofswerda informieren auf sz-online schneller und ausführlicher über das lokale Geschehen. Wenn der Stadtrat neue Kitagebühren beschließt, wenn es auf der Autobahn mal wieder kracht oder ein Investor neue Jobs verspricht, dann erfahren das die Leser aktuell und zuverlässig in den neuen lokalen Schaufenstern auf sz-online.

1 Fotostation: Täglich gehen hier die aktuellen Bilder ein. Ist der Fotograf nicht gerade unterwegs, kann er an diesem Platz die Bilder bearbeiten und ihnen den letzten Schliff geben. Dann sind die Redakteure an der Reihe. Sie haben die Qual der Wahl. Welches Motiv ist aussagekräftiger? Welches hat das richtige Format? Aus den vielen Fotos gilt es, das Beste auszuwählen.

2 sz-online: Neben der gedruckten Zeitung wird die Online-Ausgabe immer wichtiger. An einem Platz im Newsroom sitzt deshalb ein Online-Redakteur. Seine Aufgabe ist es, bei sz.online schnell und ausführlich über das aktuelle Geschehen in Bautzen, Kamenz, Bischofswerda und Radeberg zu berichten. Er entscheidet, welche Beiträge es auf die Internetseite schaffen.

3 Facebook: Die SZ ist auch in den sozialen Medien vertreten. Jede Lokalredaktion hat ihren eigenen Facebook-Auftritt. Die Redaktion postet Bilder und Texte und spricht die Leser direkt an. Eine Redakteurin wählt Themen aus, die für die Community interessant sind, liest sich die Kommentare genau durch. Vielleicht findet sich hier Stoff für den nächsten Artikel.

4 Spätdienst: Bis 23 Uhr ist dieser Stuhl besetzt. Der Spätdienst wirft den letzten Blick auf die Beiträge. Ist alles in Ordnung, kann der zuständige Redakteur die Seiten zur Druckerei schicken. Hektisch kann es hier aber auch zugehen. Nämlich dann, wenn am Abend noch etwas Überraschendes passiert. Dann muss der Spätdienst schnell reagieren. Die Aktualität geht vor.

5 Producer: An diesem Platz füllen sich die leeren Seiten der Zeitung. Der Producer ist für das Layout zuständig. Er ordnet Artikel und Texte so an, dass sie harmonieren. Er sorgt dafür, dass zu jedem Artikel das passende Bild erscheint. Doch das ist noch nicht alles. Der Producer schreibt Meldungen für die Redaktionen und verfasst die neuesten Polizeinachrichten.

6 Monitorwand: Die Flachbildschirme kommen gleich mehrfach zum Einsatz. Hier können die Redakteure beobachten, welche Beiträge gerade auf sz-online laufen. Oder sie schauen sich die aktuellen Seiten an. Auf die große Monitorwand passt eine ganze Ausgabe. Wie sieht die Zeitung von Morgen aus? Im Newsroom kann man das zuerst sehen.

7 Newstelefon: Egal wo im Landkreis etwas passiert, hier gehen die Informationen als Erstes ein. Das Newstelefon ist die Schaltstelle. Der Redakteur vom Dienst, der hier sitzt, sammelt die Informationen. Er hat den Überblick und muss entscheiden: In welcher der vier Lokalausgaben soll der Beitrag erscheinen? Und was muss sofort auf sz-online gestellt werden? (szo)