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Alles nur eine Frage der Zeitung

Am Montag wurde in Dresden der Deutsche Lokaljournalistenpreis verliehen. Der erste Preis geht an die Sächsische Zeitung für ihren „Familienkompass“. Auch die anderen Blätter, die ausgezeichnet werden, haben bewiesen, was Lokaljournalismus heute alles leisten kann.

 

Zeitung lesen

Die Sächsische Zeitung ist Dresdens meistgelesene Tageszeitung. Man kann sie zu Hause am Frühstückstisch lesen – oder warum nicht auch mal bei einer Pause im Zwinger? Foto: Ronald Bonß

 

Zu den Dingen, die Deutschland dann doch irgendwie liebenswürdig machen, zählt auch seine einzigartige Zeitungslandschaft. Zwischen Dresden und Düsseldorf gibt es über 300 Lokalzeitungen mit einer Auflage von insgesamt etwa 13 Millionen. In fast jedem Ort, und sei er noch so winzig, ist es möglich, eine Zeitung zu abonnieren, die jeden Morgen frisch gedruckt im Briefkasten steckt. Von der Allgemeinen Laber Zeitung (sie heißt tatsächlich so) in der Oberpfalz über den Isar-Loisach-Boten in Wolfratshausen bis zur Zossener Rundschau – ist es nicht herrlich, in einem Land zu leben, in dem so etwas Wunderbares möglich ist?

Allein die Sächsische Zeitung hat zwischen Niesky und Döbeln 20 verschiedene Lokalredaktionen. Und weil die Reporter und Redakteure hier täglich ihr Wissen untereinander austauschen, profitieren alle Leser von diesem riesigen Netzwerk. Anders wäre auch der „Familienkompass“ in dieser Form nicht denkbar gewesen, für den die SZ nun mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet wird. Denn im Gegensatz zu einer einfachen Umfrage konnte die Zeitung überall direkt nachhaken und in jedem Ort mit den Menschen sprechen und den Problemen nachgehen, auf die Leserinnen und Leser hingewiesen haben.

Und siehe da: In vielen Orten fanden die Verantwortlichen plötzlich Lösungen. So können Lokalzeitungen mit Hilfe ihrer Leser dazu beitragen, dass sich das Leben in ihrer Region spürbar verbessert.
Da lächle noch jemand über „Provinzblätter“! Dass moderner Lokaljournalismus viel mehr kann, als von der jüngsten Schützenvereinssitzung zu berichten, haben auch die anderen Zeitungen bewiesen, die am Montag im Dresdner Albertinum mit Preisen gewürdigt wurden. Das können ganz kleine, aber besondere Ideen sein, wie die Rubrik „Fünf Minuten Stadt“ im Berliner Tagesspiegel. Oder es können aufwendige, groß angelegte Projekte sein, wie die Serie „Wohn-Wahnsinn“ der Stuttgarter Nachrichten. Das kann die gute alte Tradition der Reportage sein, auf die sich die Volontäre der Neuen Westfälischen besonnen haben. Oder es kann die intelligente Einbindung von Facebook und Twitter sein.

Überhaupt spielt das Internet gerade auch für Lokalzeitungen eine immer wichtigere Rolle. Denn wenn sich Redaktionen heute als „Anwalt der Leser“ verstehen, dann sind Online-Kanäle eine gute Möglichkeit, um mit der Redaktion schnell und unkompliziert in Kontakt zu treten. Die Sächsische Zeitung will auch mit anderen Projekten einen Beitrag für die Region leisten und dabei immer ihre Leser mit einbeziehen: „Schulnavigator“, „Krankenhausführer“, „Glücksatlas“, „Unternehmer des Jahres“, „Dresdner Reden“. Das alles kann und soll klassischen Lokaljournalismus nicht ersetzen: Nachrichten aus dem Gemeinderat, Gerichtsberichte, Theaterrezensionen, Spielanalysen aus dem Dynamo-Stadion. Aber es kann ihn bereichern und ergänzen. Jeden Tag aufs Neue, frisch gedruckt im Briefkasten. (SZ)

 

 

Wie die Arbeit einer Lokalredaktion im Detail aussieht, haben sich die Kollegen vom Forum Drehscheibe eine Woche lang bei der SZ in Bautzen angeschaut und dazu mehrere Beiträge auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Vom Praktikum zur freien Mitarbeit

Sarah Grundmann hat sich noch während ihres Praktikums bei der Sächsischen Zeitung als freie Mitarbeiterin ins Spiel gebracht. Und damit war die 24-jährige Germanistikstudentin auch erfolgreich.

Sarah Grundmann kommt aus Lüneburg, studiert an der TU Dresden, schreibt für die SZ – und könnte sich vorstellen, länger hier zu bleiben. Foto: Sven Ellger

 

Warum hast Du Dich für ein Praktikum bei der SZ beworben? Ich musste eins für meinen Bachelor machen. Und weil ich mir vorstellen kann, nach meinem Studium journalistisch zu arbeiten, kam in Dresden für mich nur die SZ in Frage.

Wie hast Du Dich beworben? Ich habe einfach eine Bewerbung an die SZ geschickt und innerhalb von zwei Wochen die Zusage bekommen, in der Stadtredaktion Dresden zu arbeiten.

Wie hast Du diese neun Wochen Praktikum erlebt? Ich dachte, dass ich hauptsächlich kopiere und Kaffee koche. Aber gleich in meiner ersten Woche hatte ich zwei aktuelle Aufträge. Danach ging es regelmäßig weiter. Ich habe immer neue Aufträge bekommen, musste mir Termine machen, recherchieren und die Beiträge schreiben. Mein erster Text war katastrophal, aber das ging dann immer besser. Mein Betreuer in der Redaktion, Peter Hilbert, hat mir da gute Tipps gegeben und mir sehr weitergeholfen, indem er mir erklärt hat, worauf es ankommt.

Woran erinnerst Du Dich besonders gern? An meinen ersten großen Beitrag. Der ist auf der ersten Lokalseite erschienen. Da ging es um die Fahrradfreundlichkeit an der Albertbrücke. Ich durfte sogar den Kommentar schreiben – und das als Praktikantin.

Wie hast Du den Sprung zur freien Mitarbeiterin geschafft? Gegen Ende des Praktikums hat sich Claudia Schade, die Ressortleiterin, bei mir bedankt und mir alles Gute gewünscht. Bei dieser Gelegenheit habe ich gesagt, dass ich gern weiterhin für die SZ arbeiten würde. Einen Tag später hatte ich das Angebot, als freie Mitarbeiterin für die Dresdner Stadtteile zu schreiben. Das habe ich natürlich angenommen und so bin ich Mitte Juni nahtlos vom Praktikum in die freie Mitarbeit gewechselt.

Was hat sich verändert? Ich habe mehr zu tun, muss Meldungen schreiben und dabei helfen, die Seiten zu füllen, für die ich jeweils eingeteilt bin. Dafür nehme ich jetzt auch an mehr Sitzungen in der Redaktion teil, habe mehr Verantwortung und bin besser ins Team integriert. Momentan mache ich noch viel Urlaubsvertretung und wechsle die Stadtteile. Wenn das Semester im Oktober wieder losgeht und ich mit dem Master starte, werde ich vor allem im Süden und im Westen arbeiten. Ich hoffe, dass ich dann auch mehr eigene Themen vorschlagen kann.

Welche könnten das sein? Im August habe ich zum Beispiel im Rahmen einer Ausstellung über Dresdner Lebensgeschichten einen Ur-Loschwitzer porträtiert. Das war sehr interessant, weil er viel über Dresden und seine Kindheit in der NS-Zeit erzählt hat. Ich gebe zu, dass mich solche Themen und Menschen mehr begeistern, als Bauprojekte – auch wenn ich weiß dass die meistens sehr gut gelesen werden.

Wie geht’s für Dich weiter? Jetzt kommen zwei Jahre Masterstudium und ich kann mir vorstellen, auch so lange für die SZ zu arbeiten. Vielleicht ist danach sogar eine Stelle als Volontärin drin, aber das hängt ja nicht nur von mir ab.

Wer sich für ein redaktionelles Praktikum interessiert schaut einfach auf unserer Seite unter Jobs & Praktika oder auf der Seite der DD+V Mediengruppe.

 

 

 

 

 

 

Anmeldestart für die Jugendmedientage 2014

500 Medienbegeisterte aus ganz Deutschland kommen vom 6. bis zum 9. November 2014 zu den
Jugendmedientagen in Frankfurt am Main zusammen. Beim größten Kongress für junge Medienmacher stehen
leidenschaftliche Medienarbeit, intensives Netzwerken und anregende Diskussionen auf dem Programm.

 

Logo_der_Jugendmedientage_2014

Nach Hamburg und Berlin, geht es in diesem Jahr nach Frankfurt am Main: Zum bereits 11. mal treffen sich in diesem Jahr rund 500 junge Medienmacher zwischen 16 und 27 Jahren zu den sogenannten Jugendmedientagen, dem größten Kongress für Nachwuchsjournalisten in Deutschland. Thematisch stehen die diesjährigen Jugendmedientage unter dem Titel „ZwischenWelten“. Der Schwerpunkt liegt auf interkulturellen, (hyper-)lokalen und globalen Trends im Journalismus.

Während der vier Tage gestalten die Teilnehmer etwa  unter professioneller Anleitung ihr eigenes Medienprodukt. Daneben können die Teilnehmer bei Medientouren einen Blick in Redaktionen, Rundfunkanstalten und Agenturen werfen und Redakteuren der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder des Hessischen Rundfunks beim Arbeiten über die Schulter schauen. Neben vielen Workshops gibt es außerdem die Möglichkeit, bei Podiumsdiskussionen, Vertretern aus Medien, Politik, Kultur und Gesellschaft, wie Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Georg Streiter, Stellvertretender Sprecher der Bundesregierung, und Christian Sievers, Moderator des ZDF heute-journals, auszufragen.

Die Teilnahme am gesamten Vier-Tagesprogramm der Jugendmedientage kostet inklusive Übernachtung und Verpflegung 55 Euro. Mitglieder der Jugendpresse Deutschland zahlen einen ermäßigten Beitrag von 45 Euro. Anmelden kann man sich hier. Weitere Infos unter http://www.jugendmedientage.de.

 

Spezialistin für Mode, Show , Promis und örtliche Prominenz

Altmarktgalerie Dresden: „Gästeinformation“ steht da. Die Übersetzung ist für Anzhela Mamelkina kein Problem. Sie ist als Teenager mit ihren Eltern von Russland nach Deutschland ausgewandert. Foto: Steffen Füssel

Volontäre stellen sich vor: Anzhela Mamelkina (26) ist seit April 2012 Volontärin bei der Dresdner Morgenpost (MOPO). Vorher hat sie an der TU Dresden Kommunikations- und Politikwissenschaften studiert, bis sie während des Studiums bei Prinz Stadtmagazin angefangen hat. Danach hat Anzhela bei BILD Dresden und BILD Chemnitz, sowie einige Monate bei der SZ in der Stadtredaktion Dresden gearbeitet.

Klick gemacht hat es, … an meinem zweiten Tag bei der BILD Zeitung. Da musste ich raus nach Görlitz zur Firma Yeti. Der Gedanke, dass meine Ideen und meine Vorschläge andere Menschen interessieren, etwas bewegen und als Aufmacher in der Zeitung landen können….Daran hätte ich mich gewöhnen können und das habe ich auch getan. Es war einfach schön zu sehen, dass ich als Nicht-Muttersprachler und zum damaligen Zeitpunkt erst seit 8 Jahren in Deutschland, eine Stimme hatte.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, dass … ich in Dresden und im Journalismus wieder glücklich werden kann. Eigentlich wollte ich nach einigen Jahren weg, habe in Düsseldorf sogar eine Stelle angenommen. Doch dann haben mich Dresden und  die Leidenschaft zum Schreiben doch wieder für sich gewonnen.  Und ich glaube das ändert sich nicht so schnell wieder.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen: Ich würde jetzt für ein Russisch-Deutsches Fashion Unternehmen in Düsseldorf arbeiten. Kurz vor meinem Volontariat habe ich dort sogar schon für eine Stelle als Einkäuferin im Modebereich auf Probe gearbeitet und der Stelle zugesagt. Aber meine Entscheidung in Dresden zu bleiben habe ich bis jetzt keine einzige Minute bereut, dafür macht mir die Arbeit dann doch zu viel Spaß.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft: Meine erste Geschichte in Görlitz nahm Jahre später leider ein schlechtes Ende. Während des Hochwassers 2010 wurde das Unternehmen überflutet und ich musste wieder darüber berichten. Über Existenzen die noch vor ein paar Jahren super erfolgreich waren und vom Wasser innerhalb von ein paar Stunden weggespült worden sind. Aber auch meinen ersten Gerichtsprozess, damals ging es um Kindesmissbrauch, werde ich so schnell nicht vergessen.

Ich bin eine Spezialistin für… alles was mit Mode, Show , Promis und örtlicher Prominenz zu tun hat. Also egal ob Angelina Jolie, Chanel oder die Dresdner Stadtfest-Chefs – Fragen zu diesen Themen sind bei mir am besten aufgehoben.

Dass ich bei der MOPO richtig bin, habe ich gemerkt, … als ich endlich im Show-Resort angekommen bin. Denn hier trage ich die Verantwortung vom ersten Wort bis zum letzten Bild. So ist jeder Tag ein neues Abenteuer – das Ende immer überraschend offen und die Spannung geht nie aus.

Die SZ in Schüler-Hand

Muss das sein? Zum Beispiel Handys in der Pause, ein Verbot der NPD oder Markenklamotten? Antworten nicht nur darauf gab es in der jüngsten SZ-Wochenendausgabe. Und zwar von Schülern.

Der Altersdurchschnitt bei der Sächsischen Zeitung war vergangenen Freitag deutlich niedriger als sonst. Etwa 80 Jugendlichen waren den ganzen Tag im Dresdner Haus der Presse und in den Lokalredaktionen im gesamten Verbreitungsgebiet zu Gast. Über Monate haben sich die Schüler mit den Projektredakteuren getroffen, recherchiert und Artikel geschrieben – und zwar zum diesjährigen Motto: „Muss das sein?“. Am Freitag konnten die 14- bis 17-Jährigen dann endlich genau verfolgen, was mit ihren Artikeln passiert, bevor sie in der Wochenendausgabe der Schüler-SZ landen – vom Layout und Foto über letzte Korrekturen und neue Überschriften. Höhepunkt war das Shooting für das Titelfoto. Da war voller Körpereinsatz gefragt. „Anstrengend – aber spannend“, sagen die Schüler.

Lisa Marie Pigulla hat schon zum dritten Mal bei Schüler-SZ mitgemacht. Gemeinsam mit Lukas Oswald und Lewin Schurig ist sie der Frage nachgegangen, warum es im Fußball zuerst um Erfolg geht. Dazu haben die drei Dynamos Sportdirektor Ralf Minge interviewt.

 

Im Newsroom der SZ: Die Schüler Lewin Schurig (r.) und Lukas Oswald besprechen ihr Interview für den Sportteil mit dem stellvertretenden Chefredakteur Olaf Kittel. Foto: Robert Michael

Im Newsroom der SZ: Die Schüler Lewin Schurig (r.) und Lukas Oswald besprechen ihr Interview für den Sportteil mit dem stellvertretenden Chefredakteur Olaf Kittel. Foto: Robert Michael.

 

Am Freitagvormittag starteten die Schüler und die Projektredakteure in den Ressorts Politik, Kultur, Sport und Lokales mit der Arbeit an den Texten. In der Mittagskonferenz mit allen Ressortleitern kam die Kritik zur aktuellen SZ-Ausgabe diesmal von den Schülern. Nach der Mittagspause konnten sie vier SZ-Volontäre zu deren journalistischen Biografien befragen, bevor das Fotoshooting für die Titelseite und die letzten Korrekturen an den Schüler-Texten folgten. Zum Abschluss des Tages gab es für die Schüler und ihre Eltern eine Führung durch die Druckerei. (SZ/sca/dab)

 

SZ gewinnt Oscar der Lokalzeitungen

Die Jury des von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgeschriebenen Deutschen Lokaljournalistenpreises hat die Sieger des Preisjahrgangs 2013 bekannt gegeben. Gewinner unter den insgesamt 568 Einsendungen: Die Sächsische Zeitung mit ihrem “Familienkompass”.

Preis

 

Wie geht es den Familien in Sachsen? Wie familienfreundlich sind die Städte und Gemeinden? Über mehrere Monate hat sich die Sächsische Zeitung im vergangenen Jahr in vielen Beiträgen intensiv diesen Fragen gewidmet. Mit dem von Wissenschaftlern begleiteten „Familienkompass“ hat die SZ jetzt den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung gewonnen. In der Begründung der Jury heißt es:

Die Zeitung mache sich damit zum “Anwalt der Familien”, so die Jury in ihrer Begründung. Sie gestalte ein Thema, das für die Zukunft der Städte und Gemeinden wichtig sei wie kein anderes. Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident des Europäischen Parlaments a.D., Dr. Hans-Gert Pöttering, erklärt dazu: “Es ist beeindruckend, wie intensiv die Sächsische Zeitung sich dem wichtigen Thema Familie widmet. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret und praktisch: Wo fühlen sich Familien am wohlsten und warum? Das Ergebnis überzeugt.”

Den 2. Preis ging an die Braunschweiger Zeitung für ihre “Antworten-Seite” sowie der Zeitungsverlag Waiblingen für die Serie “Christentum heute”.

Weitere Preisträger wurden für folgende Kategorien bestimmt: Der Tagesspiegel in der Kategorie Alltag mit der Rubrik “Fünf Minuten Stadt”, die Oberhessische Presse in der Kategorie Foto für die crossmediale Serie “Ich und Ich”, die Berliner Zeitung in der Kategorie Infografik für die Rubrik “Kopf & Zahl”, Der Prignitzer in der Kategorie Katastrophenberichterstattung für die Hochwasserberichterstattung, der Nordbayerische Kurier in der Kategorie Kultur für die Berichterstattung “Wie Wagner in Bayreuth funktioniert”, die Rhein-Zeitung in der Kategorie Regionale Wirtschaft für die Aktion “Kauf lokal!” sowie der Kölner Stadt-Anzeiger in der Kategorie Stadtreport für die Serie “Auf den Punkt”. In der Kategorie Verbraucher wurden zwei Zeitungen ausgezeichnet: die Deister- und Weserzeitung für die Serie “Dewezet-Test” und die Stuttgarter Nachrichten für die Serie “Wohn-Wahnsinn Stuttgart”.

Erstmalig wurde ein Sonderpreis für Volontärsprojekte verliehen. Hier wurden die Neue Westfälische für ihre Reportagen-Serie und die Thüringer Allgemeine für ihre interaktive Wahlkampfberichterstattung von der Jury ausgezeichnet.

Die Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung richtet sich an Lokaljournalisten, die den größten Anteil unter den Redakteuren an deutschen Tageszeitungen stellen. Er wird seit 1980 verliehen. Die Auszeichnungen werden in diesem Jahr zusammen mit weiteren in acht Einzelkategorien im Herbst in Dresden verliehen.

Weitere Infos zum Deutschen Lokaljournalistenpreis findet ihr hier.

Mit dem direkten Draht ins Zentrum der Macht

 

Foto: Lutz Weidler

Foto: Lutz Weidler

Britta, da gibt es nicht mal ein Programmkino! Auf die Nachricht, dass ich fortan in Riesa als Lokalredakteurin arbeiten werde, reagierte mein geschätzter Kollege aus dem Kulturressort, als sei ich in die Tundra, die Walachei oder irgendeinen anderen Landstrich strafversetzt worden, den man mit Verlassenheit und kultureller Ödnis in Verbindung bringt. Dann schenkte er mir noch ein Hörbuch von zwölf Stunden Dauer zum Abschied.

Und jetzt bin ich hier. Bereits seit etwa 100 Tagen – Zeit für eine Bilanz. Die sollte es schon viel eher geben. Aber: Viel zu tun in so einer Lokalredaktion.

Dies ist die erste Stelle meines Lebens, abgesehen vom Volontariat. Sozialversicherungspflichtig und mit Betriebsrenten-Tralla-la und all dem Kram. Da kannst´de echt froh sein, sagte kürzlich eine ehemalige Kommilitonin aus dem Journalistik-Studium am Telefon zu mir. Sie selbst schlägt sich in Dortmund als Freie auf einem völlig übersättigten Markt durch.

Darüber, dass ich das nicht tun muss, bin ich auch wirklich ausgesprochen dankbar! Mit mir tauschen, würden viele Freie dennoch nicht. Riesa ist schließlich nicht München, Hamburg, Berlin oder irgendeine andere Medienmetropole. Ich habe aber schnell die Vorteile entdeckt: Wenn ich mit dem Regierungsoberhaupt sprechen muss, wühle ich in meinen Unterlagen – mein Kontakt-Management lässt noch Raum für Verbesserung – und wähle schließlich die entscheidende Handynummer. Die beiden Oppositionsführerinnen finde ich fast immer in einem kleinen Ladenlokal in der Nähe. Sie sitzen hinter konspirativ verschlossenen Lamellen-Vorhängen und versorgen mich bereitwillig mit zitierfähigen Informationen. Wenn ich den Zeitpunkt nicht verpasse, treffe ich den Regierungssprecher beim Mittagessen im Einkaufszentrum, wo es jeden Mittag das gleiche gibt – wahlweise mit kalter Sauce Hollandaise aus dem TetraPak. Dort kann ich den Sprecher noch einmal nachdrücklich an meine offenen Anfragen erinnern. Das beschleunigt die Antwortzeit – fast immer. Fußläufig ist das überschaubare Regierungsviertel von der Redaktion aus in drei Minuten erreichbar. Unsere Hauptstadt-Korrespondenten brauchen von ihrem Büro in der Bundespressekonferenz aus auf jeden Fall länger, um über die Spree ins Reichstagsgebäude zu kommen.

Politikum Blumenkübel

Ich habe als Leiterin meines Eine-Frau-Politikressorts also den direkten Draht ins Zentrum der Macht – das Riesaer Rathaus, und damit genug Stoff, um (in der Regel) nicht von Kinderfesten und Rammlerzüchtern berichten zu müssen. Dieses Klischee hält sich ja hartnäckig – mir kommt es so vor, dass es vor allem in den Köpfen von Großstädtern weiterlebt, die selbst keine Lokalzeitung lesen und sich dann plötzlich wundern. Dann nämlich, wenn die Räte das kommunale Eigentum bereits verhökert haben oder durch den teuren Tunnel unter der Stadt schon die erste S-Bahn rollt. (“Da hätte man doch protestieren müssen.”)

Gerade ist Wahlkampf. Am 25. Mai wählt Riesa einen neuen Stadtrat. Das macht sich bisher weniger in einer übermäßigen Plakate-Flut bemerkbar, als vielmehr in der Länge der Ausschusssitzungen. Im Bauausschuss entbrannte vor wenigen Tagen erst eine Diskussion über die Blumenkübel in der Innenstadt. Darin liegt noch immer das Tannengeäst vom letzten Winter. Die CDU-Fraktion will nun in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion, das Gestrüpp entfernen. Klar wollen auch die CDU-Leute wieder in den Rat – am besten mit einer so bequemen Mehrheit ausgestattet wie bisher.

Trotz konservativer Vorherrschaft bleibt es spannend im Riesaer Wahlkampf. Besonders gespannt bin ich, ob der Kandidat der Partei den Wiedereinzug schafft, die seit der letzten Bundestagswahl nur noch in persona von Wirtschaftsminister Sven Morlok zu existieren scheint. Dem Stadtrats-Anwärter wird nachgesagt, dass er es beim letzten Mal nur geschafft hat, weil er mit dem gleichnamigen, stadtbekannten Friseur verwechselt wurde. “Hier is´ was los”, sagt mein Kollege manchmal. Meist bezieht er sich dabei auf Lokalpossen wie diese – oft aber auch auf Situationen, in denen nicht so ganz ersichtlich ist, wie wir mit so wenig Leuten, die Seiten vollschreiben sollen.

Und damit zurück in die Stadt der Programmkinos.

Vier Wochen Journalistenschule

Volontäre der Sächsischen Zeitung wechseln alle paar Monate das Ressort. Von einer Lokalredaktion geht es etwa in die Mantelressorts Politik oder Kultur und dann weiter zu SZ-Online. Einer der Höhepunkte während der Ausbildung ist aber weder in Dresden noch dem restlichen Verbreitungsgebiet der SZ: der vierwöchige Kompaktkurs an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, zuletzt von Mitte März bis Mitte April.

Unter ständiger Beobachtung von Romy Schneider: Seminarraum der Henri-Nannen-Schule. Foto: D. Berndt

Was ist der Bundessicherheitsrat? Welche Hauptstädte liegen an den Flüssen Spree, Tiber, Donau, Nil und Tigris? Welchen Rechtsanspruch ermöglicht das Informationsfreiheitsgesetz (IFG)? Schüler des aktuellen Lehrgangs mussten diese und 49 weitere Fragen beantworten, um an der Henri-Nannen-Schule angenommen zu werden. Allerdings erst in der dreitägigen finalen Bewerbungsrunde, bei der die übrigen 80 von anfangs etwa 2000 Nachwuchs-Journalisten, neben den Fragen aus dem Wissenstest auch noch einen Bildertest, eine Textübung, das Schreiben einer Reportage und ein Auswahlgespräch bewältigen mussten. Also alles wie immer, wenn eine der angesehensten Journalistenschulen des Landes Nachwuchs sucht. Am Ende wurden die 20 besten, also gerade einmal 1 Prozent der ursprünglichen Bewerber, an der Henri-Nannen-Schule angenommen.

Die Volontäre der SZ haben es da wesentlich leichter. Dafür bleiben sie auch nur vier Wochen an der Journalistenschule und nicht 18 Monate. Gemeinsam mit anderen Volontären des Gruner+Jahr-Verlages, der Zeit und des Spiegel – diese drei großen Medienhäuser betreiben die Schule gemeinsam – werden sie in dieser Zeit von verschiedenen Dozenten geschult. Die kommen aus der Praxis, sind feste Mitarbeiter bei deutschen Print-, Online-, Rundfunk- oder TV-Medien oder arbeiten als freie Journalisten für verschiedene Auftraggeber. Jeder von Ihnen ist ein absoluter Experte auf seinem Gebiet.

In den vier Wochen kommen fast alle journalistischen Gattungen an die Reihe – von der langen Reportage, über das Interview bis hin zu Kleintexten wie Überschriften oder Bildtexten. Alle Teilnehmer des Kompaktkurses müssen oder besser dürfen Übungstexte schreiben, die dann von den Dozenten schonungslos analysiert und kritisiert werden, egal ob Nachricht, Filmkritik oder Kommentar. Dazwischen gibt es Theorie- und Praxiseinheiten zu den Themen Medienrecht, Recherche, digitale Tools und Social Media.
Viel Stoff. Und nicht immer genug Zeit ihn zu verarbeiten. Das kommt hinterher, wenn die Volontäre wieder in ihren Redaktionen sind, Texte für die nächste Ausgabe der SZ schreiben und ihre Erfahrungen mit den Kollegen teilen. (SZ/dab)

Für alle Grübler sind hier noch die Antworten auf die Fragen zu Beginn. Alle weiteren Fragen und Antworten findet ihr auf den Seiten der Journalistenschule.

Der Bundessicherheitsrat ist ein geheim tagendes Gremium der Bundesregierung, das in wichtigen sicherheits-, vor allem rüstungspolitischen Fragen entscheidet.

Spree: Berlin
Tiber: Rom
Donau: Wien, Bratislava, Belgrad, Budapest
Nil: Kairo, Khartum, Dschuba, Kigali (an einem der Quellflüsse des Nil)
Tigris: Bagdad

Das IFG gibt jeder Person das Recht, Zugang zu amtlichen Informationen bei Behörden des Bundes zu erhalten.

Regionalgruppe von ProQuote für Mitteldeutschland gegründet

Seit über zwei Jahren kämpfen Journalistinnen – und auch einige Journalisten – für eine bundesweit verbindliche Frauenquote von 30 Prozent auf allen Führungsebenen. Bis 2017 soll die Quote in allen Print- und Onlinemedien sowie TV und Radiostationen gelten. Nun haben haben sich auch einige Journalistinnen aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zusammengetan und eine Regionalgruppe gegründet.

Johanna Lemke,   Kulturredakteurin  Sächsische Zeitung

Johanna Lemke,
Kulturredakteurin
Sächsische Zeitung

Sächsische Journalistinnen haben in Dresden die  -Medien-Regionalgruppe Mitteldeutschland gegründet. Der Verein setzt sich für eine verbindliche Frauenquote von mindestens 30 Prozent auf allen Ebenen bis in die Chefredaktion ein – bis 2017. 95 Prozent der deutschen Tageszeitungen werden von Männern geführt. Auch die Online-, Radio und Fernseh-Redaktionen haben zum überwiegenden Teil männliche Chefs. An der Gründung der Regionalgruppe waren Mitarbeiterinnen der Sächsischen Zeitung, der Dresdner Neusten Nachrichten, des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer sowie des Mitteldeutschen Rundfunks beteiligt.

Britta Veltzke,  stellv. Lokalchefin  Sächsische Zeitung Riesa

Britta Veltzke,
stellv. Lokalchefin
Sächsische Zeitung Riesa

Neben der Berliner ProQuote-Gruppe in Berlin ist es die erste offizielle Vertretung in Ostdeutschland des 2012 gegründeten Vereins, dem so namhafte Journalistinnenwie Anne Will, Antonia Rados oder Lisa Ortgies angehören. „Trotz formaler Gleichstellung kämpfen Frauen immer noch gegen informelle Männerbünde an, in denen sich Kollegen mit Informationen versorgen und ihre Karrieren gegenseitig befördern. Wir wollen Frauen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ermutigen und dabei unterstützen, das auch zu tun“,  erklärt Initiatorin Johanna Lemke, Kulturredakteurin der Sächsischen Zeitung.

Bei den vierteljährlichen Treffen der Regionalgruppe soll es vor allem darum gehen, sich über Probleme in den Redaktionen auszutauschen, mit erfolgreichen Journalistinnen ins Gespräch zu kommen und Daten über das Chef-Chefinnen-Verhältnis aus den Redaktionen zusammenzutragen. Ziel ist eine Steigerung der Frauenquote auf allen Hierarchieebenen in allen mitteldeutschen Medienhäusern. Das nächste Treffen findet Ende Mai in Leipzig statt. Auch männliche Unterstützer sind willkommen. Interessentinnen und Interessenten können sich an Johanna Lemke oder Britta Veltzke wenden. 

 

Die Schüler-SZ im Netz

Am 28. Juni erscheint die diesjährige Schüler-SZ. Das Thema lautet diesem Jahr “Muss das sein?”. Doch auch vorher haben die Teilnehmer des Projekts bereits die Möglichkeit, sich journalistisch auszutoben.

FireShot Screen Capture #003 - 'Schüler-SZ' - schueler-sz_tumblr_com

Egal ob Texte, Fotos, Zeichnungen oder kurze Videos: Im Rahmen des Projekts Schüler-SZ können die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler ihre Ideen und Einfälle zu den drei Kategorien: „Das muss sein!“, „Das muss doch nicht sein!“ und „Das muss sich ändern!“ auf viele verschiedene Arten umsetzen. Thematisch sind den Beiträgen keine Grenzen gesetzt. Egal, ob es der Stadtpark, das Wahlrecht, der Jugendklub, der Klimaschutz oder auch die Raucherecke in der Schule ist – alles ist möglich.

Die eingereichten Arbeiten werden in diesem Jahr nicht mehr auf hier auf journalist-werden.de erscheinen, sondern erstmals auf unserem extra dafür eingerichteten Tumblr-Blog. Erreichbar ist der unter der URL http://schueler-sz.tumblr.com. Alina Gräf, Schülerin am Pestalozzi-Gymnasium in Dresden, hat mit ihrem Beitrag “Welche Medien nutzt ihr?” den Anfang gemacht und als erste einen Text eingereicht.

Bis zum Erscheinen der Schüler-SZ-Sonderausgabe am Sonnabend, dem 28. Juni, werden sicherlich noch einige weitere Interessante Beiträge folgen. Schaut doch einfach mal rein! (SZ/mah)

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