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Hamburg, meine Perle

Hamburg. Tor zur Welt, zweitschönste Stadt an der Elbe – nach Dresden natürlich – und für einen Monat die Heimat von fünf Volontären und freien Mitarbeitern der Sächsischen Zeitung und der Morgenpost. Ein kurzer Bericht über vier anstrengende, spannende, aber auch lustige Wochen an der Henri-Nannen-Schule.

Wenn es so etwas wie eine Elite-Schule für junge Journalisten in Deutschland gibt, dann ist es die Henri-Nannen-Schule (HNS) in Hamburg. Aus tausenden Bewerbern siebt eine Jury, bestehend aus bekannten Journalisten, in einem harten Auswahlverfahren die 20 Besten heraus. Die lernen dann in 18 Monaten alles, was man als guter Journalist können muss. Und zwar unter dem Motto: “Qualität kommt von Qual”. Dieser Spruch, des ehemaligen Schulleiters Wolf Schneider, ist auf einem Schild im Seminarraum für alle gut sichtbar angebracht. Doch die Qualen lohnen sich. Absolventen der HNS landen nach Abschluss beispielweise bei Spiegel, Stern, Zeit oder Geo.

Es ist also schon fast eine Ehre, hier Lernen zu dürfen - auch wenn es nur für vier Wochen ist. Dass in diesem Monat kaum Langeweile aufkommen wird, war mir spätestens beim ersten Blick auf den prall gefüllten Stundenplan klar. Unterricht in Recherche, Meldungen, Reportagen und Interviews – all das und vieles mehr erwartete mich und meine Kollegen – ein wild zusammengewürfelter Haufen aus Volontären, Freien und Redakteuren von ”SZ”, “Morgenpost”, “Spiegel Online”, “Impulse”, “Gala”, “11 Freunde” und sechs Austauschschüler aus der Schweiz.

Tagsüber lernten wir, worauf es bei einer/einem guten Meldung/ Reportage/ Interview/ Rezension/ Überschrift ankommt, brüteten über eigenen Texten und diskutierten über die aktuellen Nachrichten. Wir lachten über unsere missglückten Schreibversuche und kritisierten oder lobten die unserer Mitschüler. Abends jubelten wir den deutschen Mannschaften in der Champions League zu, schauten gemeinsam Tatort oder erkundeten Hamburg. So wurde aus dem zusammengewürfelten Haufen, schnell eine eingespielte Truppe, die diesen Monat und das in dieser Zeit Gelernte bestimmt nicht so schnell nicht vergessen wird.

von Marco Henkel

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Die Journalisten von morgen

Bild zu Bautzen(Frances)Seit knapp einem Jahr treffen sich in der SZ-Lokalredaktion Bautzen jeden Donnerstag acht Schüler. Sie haben auch genaue Vorstellungen, worüber sie berichten wollen.

Die aktuelle Ausgabe der Sächsischen Zeitung liegt in der Mitte des Tisches. Es wird gelesen, geschrieben, aber vor allem wird viel gelacht. Die Atmosphäre ist locker. So sieht ein typischer Nachmittag bei der Schüler-SZ in der Lokalredaktion Bautzen aus. „Bei uns ist es immer lustig und wir haben alle Spaß am Schreiben“, sagt die 15-jährige Gymnasiastin Nadin.

Seit etwa einem Jahr treffen sich die acht Schülerinnen und Schüler einmal in der Woche, um gemeinsam Zeitung zu machen. „Wir üben ganz unterschiedliche Dinge. Zum Beispiel schreiben wir kleine Geschichten, um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen. Das ist wichtig“, erklärt Miriam Schönbach. Sie selbst ist als freie Journalistin für die SZ tätig und steht den Jugendlichen bei Fragen zur Seite. Besonders gern erinnern die sich an die vielen Geschichten, denen sie schon nachgegangen sind. „Wir haben mal einen Artikel über Geocaching geschrieben. Das ist wie eine Art elektronische Schnitzeljagd. Das hat Spaß gemacht“, sagt die 18-jährige Josephin. Auch ein Interview mit dem Landrat Michael Harig haben einige der Schüler schon geführt. „Das war schon spannend. Es ging darum, ob man aus der Oberlausitz wegziehen oder doch bleiben sollte. Wir haben uns richtig damit auseinandergesetzt“, sagt die 18-jährige Abiturientin Jule. Sie ist an ihrer Schule bei der Schülerzeitung sogar Chefredakteurin. „Ich will, dass die Menschen mitdenken und sich engagieren. Es wäre toll, wenn ich durch meine Artikel auch etwas in der Gesellschaft bewegen könnte“, sagt sie.

Aber Jule ist nicht die einzige, die schon erste journalistische Erfahrungen sammeln konnte. Nadin hat bereits Artikel für die SZ geschrieben. Die 15-jährige Teresa ist ebenfalls an ihrer Schule die Chefredakteurin der Schülerzeitung. Und der 16-jährige Max aus Radibor, der der einzige Junge in der Gruppe ist, hat auch schon öfter für die sorbische Zeitung Texte verfasst.

Besonders wichtig sind den Jugendlichen dabei Themen, die sie selbst interessieren. „Ich finde es toll, über interessante Menschen zu schreiben“, sagt die 17-jährige Sophia. „Auch Kultur ist wichtig. Zum Beispiel mal eine lokale Band vorstellen. Da gibt es schon viele, die gut sind“, ergänzt Jule. Ihre Ideen können sie zum Teil in den aktuellen Ausgaben der SZ umsetzen. Denn die Schüler schreiben jede Woche die Veranstaltungstipps für die Lokalausgabe Bautzen. Und auch andere Artikel von ihnen erscheinen regelmäßig in der SZ. Zum Beispiel berichtete Max über eine Schülerin aus Jessen in Sachsen-Anhalt, die ihr „Auslandsjahr“ am Sorbischen Gymnasium macht.

Worauf die Jugendlichen bei ihren Texten achten müssen, erklärt ihnen Miriam Schönbach. „Wir besprechen vorher, welche Fragen man stellen könnte und gehen die Artikel auch noch mal gemeinsam durch, wenn sie fertig sind“, sagt sie. Die Journalistin findet das Engagement ihrer Schüler toll. „Ich ziehe meinen Hut davor, dass wirklich alle jede Woche hier auftauchen. Denn sie haben auch viele andere Verpflichtungen. Das zeigt, wie ernst sie die ganze Sache nehmen“, sagt sie.

Jule und Sophia haben gleich eine Erklärung dafür. „Wir sind hier mit Leuten zusammen, die genauso gern schreiben wie wir. Die hätten wir vielleicht so nie getroffen. Man lernt viel voneinander und wir alle kennen uns schon richtig gut. Gehen auch mal zusammen Eis essen“, sagen die beiden. Und in einem Punkt sind sich fast alle einig. Sie wollen später als Journalisten arbeiten. Von Frances Scholz

“Es gibt keine Journalisten qua Geburt”

Britta Veltzke_grVolontäre stellen sich vor: Britta Veltzke (26) ist seit März bei der SZ. Sie mag es, wenn es kontrovers wird.

Klick gemacht hat es, …

als ich gemerkt habe, dass ich beim journalistischen Arbeiten vergesse, dass ich gerade arbeite.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, …

…dass man so viel Zeit an einem Ort verbringen kann.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so aussehen, …

Wenn ich das wüsste, wäre ich vielleicht Börsianerin geworden oder professionelle Glücksspielerin. Da mir aber wenig an viel Geld liegt… Spaß bei Seite. Diese one-and-only-Theorie à la:  „Ich wusste schon immer, dass es meine Berufung ist, Journalistin zu werden“ überzeugt mich nicht. Vor allem, weil Journalismus ein Handwerk ist. Das kann man nicht einfach qua Geburt. Wie dem auch sei, ich wäre sicher auch als Restauratorin glücklich geworden. Das wollte ich nämlich mal werden. 

An diese Geschichte erinnere ich mich oft…

Sie handelte von einem kleinen Lebensmittelskandal: Erdölrückstände an trockenen Lebensmitteln, wie Reis oder Nudeln, die in Recyclingpappe verpackt sind. Der Beitrag trug die Überschrift „Spaghetti al Petrolio“. Geändert hat sich durch die Öffentlichkeit für das Thema leider nichts – aber das scheint bei Lebensmittelskandalen ja meistens so zu sein.  

Ich bin Spezialistin für….

gerechte(re) Sprache. Oft wünsche ich mir da mehr Sensibilität in unserer Branche. Siehe Afrika-Berichterstattung: In den Köpfen klebt das Bild eines hoffnungslosen, rückständigen Kontinents, wie Kaugummi an Schuhsohle. Schuld daran sind vor allem wir: die Journalistinnen und Journalisten. Wir werfen das Kino in den Köpfen an. Welches Bild entsteht bei dem Begriff „Stammesführer im Süden“? Und? Sicher nicht das von Horst Seehofer. Obwohl er das ja in Deutschland ist – der Ministerpräsident in Bayern.

Apropos „hoffnungslos“: In über 90% der afrikanischen Länder bekriegt sich niemand – es herrscht Frieden!        

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt …

…als ich zum ersten Mal „nu“ nicht mehr für ein „nein“ gehalten habe.

Es gibt was Neues

Ab heute findest Du hier auch Angebote für Jobs und Praktika. Siehe oben!

Von Zuhältern und Sexpuppen

Der Lude

Wer im Lokalen arbeitet, kann morgens über eine Baustelle turnen, mittags eine Künstlerin treffen, die begeistert erzählt, wie sie aus einem Stein einen Elefanten schuf, und abends im Stadtrat sitzen, um eine hitzige Diskussion über verkaufsoffene Sonntage zu verfolgen. An den möglichsten und unmöglichsten Orten finden sich auch die Praktikanten der SZ-Redaktionen wieder. Ariane Dreisbach von einem speziellen Termin in der Dresdner Neustadt:

Ich sitze auf einer Stufe vor der Schwulenbaar “Queens”. Hier soll vor kurzem die neue Tanzbar “Der Lude” eingezogen sein. Lude ist ein veraltetes Wort für Zuhälter, habe ich gelernt. Drin ist noch alles dunkel, aber ich bin in fremden Städten auch immer zu früh bei den Terminen. Ich warte noch fünf Minuten, dann klopfe ich. Keiner da. Sicherheitshalber werfe ich einen Blick auf meinen Zettel mit Namen, Adresse, Telefonnummer und anderen überlebenswichtigen Dingen und stelle fest, dass ich hier falsch bin. Das ehemalige Queens, das ich suche, ist direkt gegenüber. Da steht auch – eigentlich nicht zu übersehen – neben einem grinsenden Gesicht mit Ganovenbärtchen, Schlapphut und Zigarre groß “Der Lude” an der Scheibe.

Nur Volljährige dürfen in die Bar. Im Vorraum steht ein Schild “Vergesst die guten Vorsätze!” Es riecht nach Rauch. Über der Tür klemmt eine Sexpuppe. Nach einem zögerlichen “Hallooo?” kommt der Inhaber Stefan Voigt aus dem Keller, wo er gerade die letzten (roten) Glühbirnen in Wandlaternen geschraubt hat. Wir setzen uns auf die roten Sitzwürfel, ich ziehe meinen Block aus der Tasche und schaue mich etwas eingeschüchtert um. “Die Sexpuppe ist noch von der Einweihungsparty”, sagt der Inhaber. Und nach einer Pause. “Nur, weil du da immer so rüberguckst.” Ertappt. Morgens um Elf bei schummrigen Licht zwischen einer Sexpuppe und goldgerahmten Bildern aus “The Big Book Of Pussy” zu sitzen, ist in der Tat etwas Neues für mich.

Auf meine Frage, ob er das Titelfoto der Bar bei facebook (ein Blick zwischen die Beine einer Frau, die sich in den Schritt greift) nicht gewagt finde, antwortet der Inhaber nur kurz: “Nö.” Er scheint ehrlich überrascht darüber, wie bieder ich bin. Doch mit jeder Frage entspannt sich die Stimmung. Ich stelle fest, dass auch “Der Lude” nur eine normale Bar mit etwas außergewöhnlichem Motto ist und Stefan Voigt kein Zuhälter. Hier heißen die Cocktails eben nicht Caipirinha oder Cuba Libre, sondern Stutenandi, Schickimickificki (“Chic, weil mit Cognac”) und Bordello. Nicht mal mehr die Tatsache, dass im Keller noch ein Darkroom entstehen soll und die Bemerkung dazu: “Bei der Einweihung haben sie schon wie wild auf den Toiletten gevögelt, die Leute sind doch hemmungslos!” kann mich da noch aus der Fassung bringen. Dieser Termin ist Lokaljournalismus hautnah.

Auf Umwegen zum Glück

396817_243357645735555_1483391235_nVolontäre stellen sich vor: Dass Marco Henkel (26) mal bei der Sächsischen Zeitung landen würde, hätte er bis vor Kurzem nicht geglaubt. Denn eigentlich war er schon in Berlin auf Wohnungssuche.

Klick gemacht hat es, …

als ich in meiner Jugendzeit zufällig mehrere Krimis in die Hand bekam, in denen Journalisten auf Verbrecherjagd gehen. Tim und Struppi lassen Grüßen. Natürlich war mir damals schon klar, dass die Realität anders aussieht. Trotzdem wollte ich seitdem unbedingt Journalist werden.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, …

dass ich dafür nach Dresden ziehen würde. Nach meinem Master in Journalismus an der Uni Mainz schrieb ich einige Bewerbungen. Erfolgreich. Schließlich unterzeichnete ich einen Volovertrag bei einer anderen Zeitung. Stationen in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Brüssel standen dort auf meinem Ausbildungsplan. Ich war schon kurz davor einen Mietvertrag zu unterschreiben. Relativ überraschend für mich wurde die Zeitung dann eingestellt. Egal. Life is what happens while you are busy making other plans.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so aussehen, …

[                                                                                              ] trist und leer.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft…

ach, da gibt es viele. So gut wie jede Geschichte hat ihren ganz eigenen Reiz. Jedesmal muss man sich in neue Sachverhalte hineindenken. Für die Uni musste ich zum Beispiel mal eine Rezension zu einer Balett-Aufführung schreiben. Davor beschränkte sich mein Ballett-Wissen auf den Film Billy Elliot - I will dance. Am Ende hat es trotzdem ganz gut funktioniert.

Ich bin Spezialist für….

Geschichten mit vielen Zahlen und harten Fakten

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt …

als ich zum Vorstellungsgespräch im Büro des stellvertretenden Chefredakteurs Olaf Kittel saß. Als er mir das Volo-Programm vorstellte, war mir schnell klar, dass das hier einfach richtig gut ist und zu mir passt. Bei vielen anderen Zeitungen werden Volontäre heutzutage leider vor allem als billige Arbeitskräfte gesehen. Das ist hier eindeutig nicht der Fall.

„Im Osten, dachte ich mir, da ist was los!“

- keine Angabe im huGO-Archivsystem -

Alte Journalisten gehen – junge kommen. Stefan Rössel war einer der Redakteure, die kurz nach der Wende in eine ostdeutsche Redaktion wechselten. Nun geht der Journalist, der für die Sächsische Zeitung zuletzt über den Dresdener Süden schrieb, in Rente. Britta Veltzke, die neue Volontärin, sprach mit ihm über seinen Start in Sachsen vor 23 Jahren sowie über den Journalistenberuf heute und früher.

Du kamst vor über 20 Jahren an einen Ort, an dem lange Zeit der Staat bestimmte, was in der Zeitung stehen darf. Musstest Du deinen neuen Kollegen erklären, wie kritischer Journalismus funktioniert?

Es gab durchaus einige, die noch in der DDR ihre Lücken gefunden haben, um sich kritisch mitzuteilen. Die Kollegen waren da sehr unterschiedlich – auch je nach Blatt. In der DDR gab es ja mehrere Zeitungen. Jede Blockpartei hatte ihre eigene. Die Sächsische Zeitung war das Organ der SED (Soziallistische Einheitspartei Deutschlands), die Dresdner Neusten Nachrichten gehörten zu der liberalen Blockpartei LDPD. Die Kollegen bei der Union, die Parteizeitung der Ost-CDU, waren da die fittesten, hatte ich den Eindruck.

Wie wurdest du von deinen neuen Kollegen empfangen? Als Bessi-Wessi?

Wir Neuankömmlinge wurden mit einigem Abstand beäugt. Diejenigen, die in dem System früh wachgeworden waren, hatten da weniger Berührungsängste.

Wie bist du denn überhaupt nach Dresden gekommen?

Ich war Büroleiter des Deutschen Depeschen Dienstes, ddp in Frankfurt – die Agentur, die jetzt als dapd den Bach runter geht. Als das Frankfurter Büro dicht gemacht wurde, war ich arbeitslos. Die Situation für Journalisten in Westdeutschland war zu der Zeit nicht so einfach. Und im Osten? Dachte ich mir, da ist doch was los! Also habe ich bei Gruner und Jahr angefragt. Das Verlagshaus versuchte sich gerade mit einer neuen Zeitung auf dem ostdeutschen Markt: der Morgenpost (MoPo), ein Abbild der Hamburger MoPo. Die gehörte damals noch zu Gruner und Jahr. Der Verlag bot mir also zwei Stellen an. Eine in Chemnitz und eine Dresden. Die Entscheidung zwischen Industrie- und Kulturstadt fiel mir nicht schwer. Obwohl ich vorher noch nie dort war, dachte ich mir: Dresden ist okay. Und das hat sich auch gelohnt.

Was war früher die größte Herausforderung?

Telefonieren. Telefonieren mit der Bundeshauptstadt. Die Leitungen waren einfach zu eng. Es dauerte eine Stunde, bis die Leitung nach Bonn stand. Du musst frühzeitig wissen: Hier geht alles ein bisschen langsamer, sagte ein Kollege zu mir, als ich dort anfing. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ja, die materiellen Voraussetzungen waren damals schon anders, als ich es gewöhnt war. Ansonsten war die redaktionelle Arbeit aber sehr ähnlich.

Und heute? Was hat sich geändert?

Der zeitliche Stress hat erheblich zugenommen. Wer hält heute noch seine Kernarbeitszeiten ein? Der Druck hat sich vervielfacht.

Stell Dir vor, du wärst jetzt 20 Jahre alt. Wärest du wieder Journalist geworden?

Wenn ich mir vorstelle, ich wäre 20 Jahre alt, muss ich mir auch vorstellen, ich hätte nicht die Erfahrung, die jetzt habe. Das kann ich nicht. Also, nach heutigem Verstand: nein! Ich hatte etwas Aufklärerisches im Sinn. Aber von meiner ursprünglichen Idee dieses Berufs, die Menschen über das aufzuklären, was Schlechtes passiert, ist in den letzten Jahren nicht viel übrig geblieben.

Was bleibt…

DagnyZwölf Monate bei der Sächsischen Zeitung sind nun vorüber. Nach dem Volo geht für mich zurück an die Uni, um mein Journalistikstudium zu beenden.  Ich packe meine Koffer, was nehme ich an Erfahrungen nach Leipzig mit?

Meine persönliche Schatzliste:

Döbeln. Am Wetter kommt keiner vorbei: Fast 30 Grad im April.

Sex sells: Tag der offenen Tür im Swingerclub.

Helden des Alltags entdeckt: Eine Runde mit dem Containerdienst gedreht. Eine weitere mit den Stadtgärtnerinnen.

World Wide Web.
Wiederkehrende Fragen: Was packe ich auf einen Blog, der journalist-werden.de heißt? Mit was kann ich szonline-User locken, ohne halbnackte Körper, Tierbabys und Waffen zu zeigen?

Dresden.Lokal.
Ein großer Gewinner: Ein Olympiasieger kehrt ins Bootshaus seines Heimatvereins zurück.
Verlierer: Dresdner Mieter zahlen drauf. Im Terminal des Dresdner Flughafens bleibt viel Platz für Fluggäste. Dresdner Polizisten kommen beim Kontrollieren nicht hinterher.

Freude- und Trauerspiel: Dresdner sichern sich die letzten Erinnerungsstücke des Kulturpalastes.

Am Wetter kommt keiner vorbei:  Fast 40 Grad im August.
Berlin. Sehenswert: Befragung von Wolfgang Schäuble im NSU-Untersuchungsausschuss.
Hörenswert: Bundesratsinitiative zum Verbot der NPD.
Erlebenswert: Mikrokosmos eines Korrespondentenbüros.

Sachsen. Kultur und Gesellschaft.
Xte Herausforderung: Ohne jegliche Russischkenntnisse mit russischen Gästen in Dresden für Seite 3 ins Gespräch gekommen.
Zweimal Semperoper:

  • Ball: Draußen im Regen tanzende Paare interviewen, im Trockenen opulente Ballkleider bestaunen.
  • Zuschauen: Wie der Mann, der den dritten Weltkrieg verhindert hat, den Dresdner Friedenspreis einfach auf der Bühne stehen lässt.

Von Dagny Rößler

Zeitung machen wie die Profis

Fotografieren, interviewen, Reportagen schreiben, layouten – kurzum: Zeitung machen wie die Profis. Die Schüler-SZ macht’s möglich. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie eine Zeitung entsteht und das vor allem selber ausprobieren möchte, kann sich jetzt bewerben. Die SZ erklärt, wie.

Thomas KretschelWie läuft das Projekt Schüler-SZ ab?

Die Schüler-SZ ist eine Ausgabe der Sächsischen Zeitung, die zum großen Teil von Schülern gestaltet wird, sowohl in den 20 Lokalredaktionen als auch in den Zentralredaktionen in Dresden: etwa Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur. Unter der Anleitung von vielen erfahrenen Redakteuren werden die Schüler recherchieren und schreiben. Am Sonnabend, 6. Juli, landet die Schüler-SZ in den Briefkästen der Leser.

Um welche Themen geht es?

Wir wollen mit der Schüler-SZ Themen aufgreifen, die 14- bis 18-Jährige bewegen – eine Generation, die mit Internet, Handy und Smartphone aufgewachsen ist. Deshalb heißt das Motto in diesem Jahr: „Alles digital?!“ Die Artikel sollen das Leben im digitalen Zeitalter aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten, beispielsweise Schule, Freundschaft, Liebe, Gesellschaft, Beruf.

Wer kann mitmachen?

Das Projekt richtet sich an Schüler der achten bis zwölften Klassen an Mittelschulen und Gymnasien im gesamten Verbreitungsgebiet der SZ. Wer sich für das tagesaktuelle Geschehen interessiert, gerne und gut schreibt, Fragen stellt und neugierig auf die Welt schaut, ist bei der Schüler-SZ genau richtig. Außerdem suchen wir talentierte Fotografen. Auch wer auf diesem Gebiet schon Erfahrungen gesammelt hat, sollte sich jetzt bewerben.

Wie geht die Bewerbung?

Schreibe bis zum 8. März eine E-Mail an schueler-sz@dd-v.de, in der Du Dich kurz vorstellst (Name, Adresse, Telefonnummer, Interessen), uns sagst, warum du an dem Projekt teilnehmen willst – und in welcher Redaktion du am liebsten mitarbeiten würdest. Die erfolgreichen Kandidaten bekommen kurz darauf eine Einladung zur ersten Redaktionsversammlung.

Wie groß ist der zeitliche Aufwand?

Die Treffen von Schülern mit den Projektredakteuren finden Ende März bis Anfang April statt in den Redaktionen in Bautzen, Döbeln, Dresden, Görlitz, Meißen und Pirna. Hier werden erste Ideen für die Artikel entwickelt, in den Tagen danach entsteht ein Redaktionsplan. Zwischen April und dem Erscheinungstermin der Schüler-SZ im Juli finden etwa zwei Treffen pro Monat statt. Zudem benötigen die Schüler Zeit, um ihre Geschichten zu recherchieren.

Um welche Redaktionen geht es?

Wir suchen talentierte Schüler für alle 20 Lokalredaktionen der Sächsischen Zeitung. Lokaljournalisten sind nah dran am Puls der Zeit und am Alltag der Menschen. Wer in Dresden und Umgebung wohnt, kann sich auch für eine der Zentralredaktionen bewerben. Wer unbedingt mal einen Minister löchern will, sollte das Politikressort als Wunsch angeben. Wer gerne ins Theater geht oder über Kunst diskutiert, soll auch in der Kultur darüber schreiben dürfen. Wer verrückt nach Fußball ist, ist im Sport gut aufgehoben. Jeder soll sich dort verwirklichen können, wo seine Interessen liegen. Die SZ versucht, die Wünsche zu berücksichtigen.

Wie läuft der Produktionstag ab?

Am Tag vor dem Erscheinungstermin der Schüler-SZ, also am 5. Juli, werden alle beteiligten Schüler in den Redaktionen sein und an der Redaktionskonferenz teilnehmen. Abends sind die Schüler außerdem in die Druckerei der Sächsischen Zeitung eingeladen: Hier bekommen sie eine Führung durchs Haus und dürfen sich ihr persönliches Exemplar der Zeitung druckfrisch abholen.

Und nach der Schüler-SZ?

Wir wollen zeigen, wie spannend es ist, Zeitung zu machen. Außerdem sind wir auf der Suche nach Talenten. Für besonders begabte Schüler kann das Projekt Schüler-SZ Türen öffnen – für ein Praktikum, eine freie Mitarbeit oder einen Fördervertrag für journalistischen Nachwuchs.

Von Anna Hoben

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