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“Zeitungmachen kann auch ruhig und entspannt sein”

Andrea_nVolontäre stellen sich vor: Andrea Schawe (29) ist seit Juni SZ-Volontärin. Vorher hat sie bereits in der Lokalredaktion in Dresden gearbeitet. Für die Ausbildung hat sie “ihren“ Stadtteil aufgegeben.

Klick gemacht hat es, … als ich 2004 zu Beginn meines ersten Praktikums bei der SZ die Lokalredaktion Pirna betreten habe. Die Hektik, das ständige Telefonklingeln und Redakteure, die wild durcheinander reden… Genau das wollte ich machen!

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, dass … Zeitungmachen auch ruhig und entspannt sein kann. Nach über zwei Jahren tagesaktueller Produktion in der Lokalredaktion Dresden und als Verantwortliche für den Dresdner Westen ist das Arbeiten Ressort Leben & Stil etwas ganz anderes.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen, … wahrscheinlich hätte ich mich für Politik-Beratung entschieden… obwohl… nein. Es bleibt bei: mit Leib und Seele Journalistin.  

An diese Geschichte erinnere ich mich oft… unzählige! Das Gute an diesem Job ist, dass man an einem Tag so viele Geschichten erleben und Menschen treffen kann, dass einem ganz schwindlig wird. Ich stand auf der Bühne der Semperoper und durfte hinter die Kulisse gucken, habe am Steuer einer Straßenbahn gesessen und sie durch Gorbitz und Löbtau gelenkt und Leute auf der Straße danach gefragt, was sie von Körperbehaarung halten.

Ich bin Spezialistin für… alle Geschichten, die mit Sätzen wie  „Das wird schwierig, aber…“, „Das Thema ist heikel…“ und „Vielleicht findest du Jemanden, der…“ beginnen.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt… als ich schon als Praktikantin Verantwortung übernehmen durfte. Ich wurde gefördert, aber auch gefordert – man merkt ziemlich schnell, ob man bei der Zeitung richtig ist oder nicht.

„In deutschen Städten fühle ich mich frei“

MélanieMélanie Gonzalez studiert Journalismus an der renommierten Pariser Universität Sorbonne. Als Praktikantin schreibt sie derzeit Artikel für die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung in Dresden. Auch in Zukunft möchte die 24-Jährige in Deutschland leben und arbeiten. Warum, erzählt sie uns im Interview.

Mélanie, du schreibst auf Französisch und Deutsch – welche ist die tollere Sprache?

Französisch. Aber einfach nur, weil ich mehr verstehe und mich besser ausdrücken kann. Im Deutschen bekomme ich noch nicht alle Feinheiten mit. Aber Deutsch ist für mich die schönste Fremdsprache, die es gibt.

Warum?

Es klingt sehr schön. Männlich irgendwie – wie eine Mischung aus Ernst und Melancholie. Wie ein starkes Gefühl. Als Frau gefällt mir das.

Was ist das Kniffligste an der deutschen Sprache?

Die Deklination. Die Fälle, also Akkusativ, Dativ, Genitiv und Nominativ. Ich muss auswendig lernen, wann es „den“ und wann es „dem guten Wein“ heißt. Das ist mühsam. Und natürlich die Artikel. Im Französischen gibt es nur „la“ und „le“, also „die“ und „der“. “Das” ist für mich einfach immer noch komisch.

Welche Hilfsmittel nutzt du, wenn du Artikel für die Sächsische Zeitung schreibst?

Ich nutze zwei Online-Wörterbücher, die immer geöffnet sind, wenn ich schreibe. Und meinen kleinen Deklinationsspicker.

Hamburg, Berlin und Frankfurt sind in Deutschland die großen Medienstädte – warum hast du dich für Dresden entschieden?

Ich habe sechs Bewerbungen nach Deutschland geschickt und vier Zusagen in Köln, Leipzig, Berlin und Dresden bekommen. Insgesamt mache ich drei Praktika. Da habe mich für die drei Städte im Osten im entschieden.

Ach so, warum?

Ich habe zwei Jahre in Hamburg gelebt und wollte noch mal was Neues kennenzulernen. Aber da steckt auch noch eine kleine Anekdote hinter. Meine erste große Liebe, mit elf Jahren (lacht!), kam aus Dresden. Damit war die Stadt für mich immer ein bisschen mysteriös. Ich wollte Dresden dann selbst gern kennenlernen. Der Hauptgrund war letztlich aber, dass ich gehört habe, dass man als Praktikantin hier, bei der Sächsischen Zeitung, viel lernen kann. Und das stimmt auch. Ich werde gut betreut und habe viel zu tun.

Wenn du die Sächsische Zeitung mit den Zeitungen in Frankreich vergleichst – wo liegen die Unterschiede?

Die Lokalzeitungen in Deutschland sind erfolgreicher. Oder sagen wir etablierter. Hier in der Region ist die Sächsische Zeitung das wichtigste Blatt. In Frankreich ist die Lokalpresse nicht so beliebt. Dort sind die großen nationalen Zeitungen, wie Le Monde, Libération oder Le Figaro bedeutender.

Der klassische Printjournalismus ist im Wandel: Auflagen sinken, Inhalte wandern ins Internet ab. Welche Antworten hat man darauf in Frankreich?

Mehr Lokales lautet die Antwort darauf. Die Nachrichten aus der Region findet man nicht im Internet. Wenn die Presse überleben will, muss sie sich aufs Lokale fokussieren.

Also ähnlich wie in Deutschland. Du studierst deutsch-französischen Journalismus in Paris. Woher kommt dein Interesse für Deutschland?

Meine Mutter hat selbst als junge Frau einige Zeit in Deutschland gelebt. Sie hat das Interesse für das Land an mich weitergegeben. Ich erinnere mich genau an die erste Reise nach Deutschland, als ich elf Jahre alt war. Damals sind wir nach Nürnberg gefahren. Seit meinem ersten Besuch in Deutschland bin ich jedes Jahr mindestens ein Mal nach Deutschland gekommen.

Was gefällt dir hier?

Mir gefällt die Stimmung. Die Leute nutzen die vielen Parks, die es in den Städten gibt. Sie grillen dort, spielen oder machen einfach nichts. In Frankreich sind die Städte stressiger, eng. Paris ist zwar schön, aber ich bin lieber in Hamburg oder Dresden. In deutschen Städten fühle ich mich frei.

Gibt es etwas, was du in Deutschland eigenartig findest?

Manche Deutsche lassen den Schaum nach dem Spülen am Geschirr. Das finde ich komisch. Hmmh, was noch? In einem Bett für zwei, also für ein Paar, gibt es immer zwei Bettdecken. In Frankreich gibt es immer nur eine große Decke. Blöd nur, wenn einer daran zieht.

In welchem der beiden Länder möchtest du einmal leben?

Ich will auf jeden Fall in Deutschland leben. Am liebsten in Hamburg. Ich vermisse zwar mein Dorf Nandax in der Nähe von Lyon und meine Familie, aber ich kann es mir nicht vorstellen in Frankreich zu arbeiten. Ich denke das kommt daher, dass ich in Deutschland erwachsen geworden bin. Hier habe ich angefangen zu arbeiten.

Die Fragen stellte Britta Veltzke

Info I: Mélanie Gonzalez ist Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung. Die Stiftung bietet ein Austauschprogramm für deutsche und französische Nachwuchsjournalisten an. Bewerben können sich dafür Berufsanfänger und Journalisten in Ausbildung mit guten Französischkenntnissen.

http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/5980.asp

Info II: Mélanie bloggt auch http://klecksandthecities.wordpress.com

Schreibwerkstatt I – Die Meldung

CameraZOOM-20130524130942691Was macht eigentlich eine gute Reportage aus? Wie schreib ich eine knackige Meldung? Und was war noch einmal ein Feature? In unserer neuen Serie “Schreibwerkstatt” wollen wir euch beibringen, worauf es bei den verschiedenen journalistischen Darstellungsformen ankommt. Teil I: Die Meldung.

Die Meldung, genauer gesagt die Agentur- oder Zeitungsmeldung, ist die kürzeste aller journalistischen Darstellungsformen – und sie kommt sehr häufig vor. Man findet sie überall. Egal ob im Politikressort oder im Sport, im Feuilleton und in der Wirtschaft. Meldungen schreiben gehört also zum wichtigsten Handwerkszeug eines Journalisten.

Ziel der Meldung ist es, zu informieren – kurz und knapp, sachlich und ausgewogen. Sie verzichtet auf schmückendes Beiwerk und blumige Sprache. Die Maxime lautet:  „KISS“ – keep it short and simple.

Jedoch müssen Meldungen auch ausreichend Hintergrund und Beschreibung enthalten, damit der Leser alles verstehen und einordnen kann. Als Journalist kann man sich an den sogenannten sieben  W-Fragen orientieren – auch wenn diese nicht immer alle zwingend in einer Meldung beantwortet werden müssen. Die sieben W-Fragen lauten:

Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher? (Quelle)

  • Ein Beispiel: Madrid. Trainer José Mourinho verlässt Real Madrid zum Saisonende. Das verkündete Präsident Florentino Pérez am Abend bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Mourinho hatte den spanischen Fußball-Rekordmeister knapp drei Jahre lang trainiert. Der 50-jährige Portugiese verpasste in dieser Saison die Titelverteidigung in Spanien und scheiterte das dritte Mal in Serie im Halbfinale der Champions League. Spanischen Medienberichten zufolge könnte er zu seinem Ex-Verein Chelsea nach London wechseln. (dpa) 20.05.2013 20:20 Uhr

Die klassische Meldung folgt einem strengen Aufbau. Sie beginnt mit dem “Lead” oder “Leadsatz”. In unserem Beispiel „Trainer José Mourinho verlässt Real Madrid zum Saisonende.“ Er enthält die wichtigste und neuste Information. Oft ist es überhaupt nicht so einfach, den Kern einer Nachricht zu erkennen. Dann hilft oft der sogenannte Küchenzuruf. Der erste Satz ist besonders wichtig, da Leser schon nach wenigen Sekunden entscheiden, ob eine Meldung interessant ist.

Trotz seiner Kürze von höchstens 20 Wörtern beantwortet der Leadsatz mindestens die Frage nach dem “Was?”, in den meisten Fällen auch die Frage nach dem “Wer?” ( José Mourinho). Ist zum Beispiel der Zeitpunkt eines Geschehens besonders wichtig, muss auch die Frage nach dem Wann? beantwortet werden.

Wichtig: Der Leadsatz sollte möglichst im Präsens geschrieben und aktiv (statt passiv) sein, so erhält er mehr Spannung und Tempo. Lässt sich die Vergangenheitsform nicht vermeiden, so muss der Lead im Perfekt stehen. Nicht im Imperfekt (ist gegangen, statt ging)!

Der zweite Satz, manchmal auch Detailabsatz genannt, erläutert den Leadsatz und führt ihn weiter. Spätestens hier folgt die Nennung der Quelle, also etwa die Polizei oder wie in unserem Beispiel Real-Präsident Florentino Pérez. Dafür nutzt man in der Regel das Imperfekt.

Es folgen einer oder mehrere Hintergrundsätze, die die Neuigkeiten in einen größeren Zusammenhang einordnen, damit der Leser alle wichtigen Zusammenhänge versteht. Sie beantworten so quasi die Frage nach dem Warum?.

Der letzte Satz gibt hingegen einen Ausblick auf die Zukunft oder auf die Frage „Wie geht es weiter“. Er wird deswegen auch Zukunftssatz genannt.

Fertig ist die klassische Agenturmeldung.

Marco Henkel

Hamburg, meine Perle

Hamburg. Tor zur Welt, zweitschönste Stadt an der Elbe – nach Dresden natürlich – und für einen Monat die Heimat von fünf Volontären und freien Mitarbeitern der Sächsischen Zeitung und der Morgenpost. Ein kurzer Bericht über vier anstrengende, spannende, aber auch lustige Wochen an der Henri-Nannen-Schule.

Wenn es so etwas wie eine Elite-Schule für junge Journalisten in Deutschland gibt, dann ist es die Henri-Nannen-Schule (HNS) in Hamburg. Aus tausenden Bewerbern siebt eine Jury, bestehend aus bekannten Journalisten, in einem harten Auswahlverfahren die 20 Besten heraus. Die lernen dann in 18 Monaten alles, was man als guter Journalist können muss. Und zwar unter dem Motto: “Qualität kommt von Qual”. Dieser Spruch, des ehemaligen Schulleiters Wolf Schneider, ist auf einem Schild im Seminarraum für alle gut sichtbar angebracht. Doch die Qualen lohnen sich. Absolventen der HNS landen nach Abschluss beispielweise bei Spiegel, Stern, Zeit oder Geo.

Es ist also schon fast eine Ehre, hier Lernen zu dürfen - auch wenn es nur für vier Wochen ist. Dass in diesem Monat kaum Langeweile aufkommen wird, war mir spätestens beim ersten Blick auf den prall gefüllten Stundenplan klar. Unterricht in Recherche, Meldungen, Reportagen und Interviews – all das und vieles mehr erwartete mich und meine Kollegen – ein wild zusammengewürfelter Haufen aus Volontären, Freien und Redakteuren von ”SZ”, “Morgenpost”, “Spiegel Online”, “Impulse”, “Gala”, “11 Freunde” und sechs Austauschschüler aus der Schweiz.

Tagsüber lernten wir, worauf es bei einer/einem guten Meldung/ Reportage/ Interview/ Rezension/ Überschrift ankommt, brüteten über eigenen Texten und diskutierten über die aktuellen Nachrichten. Wir lachten über unsere missglückten Schreibversuche und kritisierten oder lobten die unserer Mitschüler. Abends jubelten wir den deutschen Mannschaften in der Champions League zu, schauten gemeinsam Tatort oder erkundeten Hamburg. So wurde aus dem zusammengewürfelten Haufen, schnell eine eingespielte Truppe, die diesen Monat und das in dieser Zeit Gelernte bestimmt nicht so schnell vergessen wird.

von Marco Henkel

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Die Journalisten von morgen

Bild zu Bautzen(Frances)Seit knapp einem Jahr treffen sich in der SZ-Lokalredaktion Bautzen jeden Donnerstag acht Schüler. Sie haben auch genaue Vorstellungen, worüber sie berichten wollen.

Die aktuelle Ausgabe der Sächsischen Zeitung liegt in der Mitte des Tisches. Es wird gelesen, geschrieben, aber vor allem wird viel gelacht. Die Atmosphäre ist locker. So sieht ein typischer Nachmittag bei der Schüler-SZ in der Lokalredaktion Bautzen aus. „Bei uns ist es immer lustig und wir haben alle Spaß am Schreiben“, sagt die 15-jährige Gymnasiastin Nadin.

Seit etwa einem Jahr treffen sich die acht Schülerinnen und Schüler einmal in der Woche, um gemeinsam Zeitung zu machen. „Wir üben ganz unterschiedliche Dinge. Zum Beispiel schreiben wir kleine Geschichten, um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen. Das ist wichtig“, erklärt Miriam Schönbach. Sie selbst ist als freie Journalistin für die SZ tätig und steht den Jugendlichen bei Fragen zur Seite. Besonders gern erinnern die sich an die vielen Geschichten, denen sie schon nachgegangen sind. „Wir haben mal einen Artikel über Geocaching geschrieben. Das ist wie eine Art elektronische Schnitzeljagd. Das hat Spaß gemacht“, sagt die 18-jährige Josephin. Auch ein Interview mit dem Landrat Michael Harig haben einige der Schüler schon geführt. „Das war schon spannend. Es ging darum, ob man aus der Oberlausitz wegziehen oder doch bleiben sollte. Wir haben uns richtig damit auseinandergesetzt“, sagt die 18-jährige Abiturientin Jule. Sie ist an ihrer Schule bei der Schülerzeitung sogar Chefredakteurin. „Ich will, dass die Menschen mitdenken und sich engagieren. Es wäre toll, wenn ich durch meine Artikel auch etwas in der Gesellschaft bewegen könnte“, sagt sie.

Aber Jule ist nicht die einzige, die schon erste journalistische Erfahrungen sammeln konnte. Nadin hat bereits Artikel für die SZ geschrieben. Die 15-jährige Teresa ist ebenfalls an ihrer Schule die Chefredakteurin der Schülerzeitung. Und der 16-jährige Max aus Radibor, der der einzige Junge in der Gruppe ist, hat auch schon öfter für die sorbische Zeitung Texte verfasst.

Besonders wichtig sind den Jugendlichen dabei Themen, die sie selbst interessieren. „Ich finde es toll, über interessante Menschen zu schreiben“, sagt die 17-jährige Sophia. „Auch Kultur ist wichtig. Zum Beispiel mal eine lokale Band vorstellen. Da gibt es schon viele, die gut sind“, ergänzt Jule. Ihre Ideen können sie zum Teil in den aktuellen Ausgaben der SZ umsetzen. Denn die Schüler schreiben jede Woche die Veranstaltungstipps für die Lokalausgabe Bautzen. Und auch andere Artikel von ihnen erscheinen regelmäßig in der SZ. Zum Beispiel berichtete Max über eine Schülerin aus Jessen in Sachsen-Anhalt, die ihr „Auslandsjahr“ am Sorbischen Gymnasium macht.

Worauf die Jugendlichen bei ihren Texten achten müssen, erklärt ihnen Miriam Schönbach. „Wir besprechen vorher, welche Fragen man stellen könnte und gehen die Artikel auch noch mal gemeinsam durch, wenn sie fertig sind“, sagt sie. Die Journalistin findet das Engagement ihrer Schüler toll. „Ich ziehe meinen Hut davor, dass wirklich alle jede Woche hier auftauchen. Denn sie haben auch viele andere Verpflichtungen. Das zeigt, wie ernst sie die ganze Sache nehmen“, sagt sie.

Jule und Sophia haben gleich eine Erklärung dafür. „Wir sind hier mit Leuten zusammen, die genauso gern schreiben wie wir. Die hätten wir vielleicht so nie getroffen. Man lernt viel voneinander und wir alle kennen uns schon richtig gut. Gehen auch mal zusammen Eis essen“, sagen die beiden. Und in einem Punkt sind sich fast alle einig. Sie wollen später als Journalisten arbeiten. Von Frances Scholz

“Es gibt keine Journalisten qua Geburt”

Britta Veltzke_grVolontäre stellen sich vor: Britta Veltzke (26) ist seit März bei der SZ. Sie mag es, wenn es kontrovers wird.

Klick gemacht hat es, …

als ich gemerkt habe, dass ich beim journalistischen Arbeiten vergesse, dass ich gerade arbeite.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, …

…dass man so viel Zeit an einem Ort verbringen kann.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so aussehen, …

Wenn ich das wüsste, wäre ich vielleicht Börsianerin geworden oder professionelle Glücksspielerin. Da mir aber wenig an viel Geld liegt… Spaß bei Seite. Diese one-and-only-Theorie à la:  „Ich wusste schon immer, dass es meine Berufung ist, Journalistin zu werden“ überzeugt mich nicht. Vor allem, weil Journalismus ein Handwerk ist. Das kann man nicht einfach qua Geburt. Wie dem auch sei, ich wäre sicher auch als Restauratorin glücklich geworden. Das wollte ich nämlich mal werden. 

An diese Geschichte erinnere ich mich oft…

Sie handelte von einem kleinen Lebensmittelskandal: Erdölrückstände an trockenen Lebensmitteln, wie Reis oder Nudeln, die in Recyclingpappe verpackt sind. Der Beitrag trug die Überschrift „Spaghetti al Petrolio“. Geändert hat sich durch die Öffentlichkeit für das Thema leider nichts – aber das scheint bei Lebensmittelskandalen ja meistens so zu sein.  

Ich bin Spezialistin für….

gerechte(re) Sprache. Oft wünsche ich mir da mehr Sensibilität in unserer Branche. Siehe Afrika-Berichterstattung: In den Köpfen klebt das Bild eines hoffnungslosen, rückständigen Kontinents, wie Kaugummi an Schuhsohle. Schuld daran sind vor allem wir: die Journalistinnen und Journalisten. Wir werfen das Kino in den Köpfen an. Welches Bild entsteht bei dem Begriff „Stammesführer im Süden“? Und? Sicher nicht das von Horst Seehofer. Obwohl er das ja in Deutschland ist – der Ministerpräsident in Bayern.

Apropos „hoffnungslos“: In über 90% der afrikanischen Länder bekriegt sich niemand – es herrscht Frieden!        

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt …

…als ich zum ersten Mal „nu“ nicht mehr für ein „nein“ gehalten habe.

Es gibt was Neues

Ab heute findest Du hier auch Angebote für Jobs und Praktika. Siehe oben!

Von Zuhältern und Sexpuppen

Der Lude

Wer im Lokalen arbeitet, kann morgens über eine Baustelle turnen, mittags eine Künstlerin treffen, die begeistert erzählt, wie sie aus einem Stein einen Elefanten schuf, und abends im Stadtrat sitzen, um eine hitzige Diskussion über verkaufsoffene Sonntage zu verfolgen. An den möglichsten und unmöglichsten Orten finden sich auch die Praktikanten der SZ-Redaktionen wieder. Ariane Dreisbach von einem speziellen Termin in der Dresdner Neustadt:

Ich sitze auf einer Stufe vor der Schwulenbaar “Queens”. Hier soll vor kurzem die neue Tanzbar “Der Lude” eingezogen sein. Lude ist ein veraltetes Wort für Zuhälter, habe ich gelernt. Drin ist noch alles dunkel, aber ich bin in fremden Städten auch immer zu früh bei den Terminen. Ich warte noch fünf Minuten, dann klopfe ich. Keiner da. Sicherheitshalber werfe ich einen Blick auf meinen Zettel mit Namen, Adresse, Telefonnummer und anderen überlebenswichtigen Dingen und stelle fest, dass ich hier falsch bin. Das ehemalige Queens, das ich suche, ist direkt gegenüber. Da steht auch – eigentlich nicht zu übersehen – neben einem grinsenden Gesicht mit Ganovenbärtchen, Schlapphut und Zigarre groß “Der Lude” an der Scheibe.

Nur Volljährige dürfen in die Bar. Im Vorraum steht ein Schild “Vergesst die guten Vorsätze!” Es riecht nach Rauch. Über der Tür klemmt eine Sexpuppe. Nach einem zögerlichen “Hallooo?” kommt der Inhaber Stefan Voigt aus dem Keller, wo er gerade die letzten (roten) Glühbirnen in Wandlaternen geschraubt hat. Wir setzen uns auf die roten Sitzwürfel, ich ziehe meinen Block aus der Tasche und schaue mich etwas eingeschüchtert um. “Die Sexpuppe ist noch von der Einweihungsparty”, sagt der Inhaber. Und nach einer Pause. “Nur, weil du da immer so rüberguckst.” Ertappt. Morgens um Elf bei schummrigen Licht zwischen einer Sexpuppe und goldgerahmten Bildern aus “The Big Book Of Pussy” zu sitzen, ist in der Tat etwas Neues für mich.

Auf meine Frage, ob er das Titelfoto der Bar bei facebook (ein Blick zwischen die Beine einer Frau, die sich in den Schritt greift) nicht gewagt finde, antwortet der Inhaber nur kurz: “Nö.” Er scheint ehrlich überrascht darüber, wie bieder ich bin. Doch mit jeder Frage entspannt sich die Stimmung. Ich stelle fest, dass auch “Der Lude” nur eine normale Bar mit etwas außergewöhnlichem Motto ist und Stefan Voigt kein Zuhälter. Hier heißen die Cocktails eben nicht Caipirinha oder Cuba Libre, sondern Stutenandi, Schickimickificki (“Chic, weil mit Cognac”) und Bordello. Nicht mal mehr die Tatsache, dass im Keller noch ein Darkroom entstehen soll und die Bemerkung dazu: “Bei der Einweihung haben sie schon wie wild auf den Toiletten gevögelt, die Leute sind doch hemmungslos!” kann mich da noch aus der Fassung bringen. Dieser Termin ist Lokaljournalismus hautnah.

Auf Umwegen zum Glück

396817_243357645735555_1483391235_nVolontäre stellen sich vor: Dass Marco Henkel (26) mal bei der Sächsischen Zeitung landen würde, hätte er bis vor Kurzem nicht geglaubt. Denn eigentlich war er schon in Berlin auf Wohnungssuche.

Klick gemacht hat es, …

als ich in meiner Jugendzeit zufällig mehrere Krimis in die Hand bekam, in denen Journalisten auf Verbrecherjagd gehen. Tim und Struppi lassen Grüßen. Natürlich war mir damals schon klar, dass die Realität anders aussieht. Trotzdem wollte ich seitdem unbedingt Journalist werden.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, …

dass ich dafür nach Dresden ziehen würde. Nach meinem Master in Journalismus an der Uni Mainz schrieb ich einige Bewerbungen. Erfolgreich. Schließlich unterzeichnete ich einen Volovertrag bei einer anderen Zeitung. Stationen in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Brüssel standen dort auf meinem Ausbildungsplan. Ich war schon kurz davor einen Mietvertrag zu unterschreiben. Relativ überraschend für mich wurde die Zeitung dann eingestellt. Egal. Life is what happens while you are busy making other plans.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so aussehen, …

[                                                                                              ] trist und leer.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft…

ach, da gibt es viele. So gut wie jede Geschichte hat ihren ganz eigenen Reiz. Jedesmal muss man sich in neue Sachverhalte hineindenken. Für die Uni musste ich zum Beispiel mal eine Rezension zu einer Balett-Aufführung schreiben. Davor beschränkte sich mein Ballett-Wissen auf den Film Billy Elliot - I will dance. Am Ende hat es trotzdem ganz gut funktioniert.

Ich bin Spezialist für….

Geschichten mit vielen Zahlen und harten Fakten

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt …

als ich zum Vorstellungsgespräch im Büro des stellvertretenden Chefredakteurs Olaf Kittel saß. Als er mir das Volo-Programm vorstellte, war mir schnell klar, dass das hier einfach richtig gut ist und zu mir passt. Bei vielen anderen Zeitungen werden Volontäre heutzutage leider vor allem als billige Arbeitskräfte gesehen. Das ist hier eindeutig nicht der Fall.

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