Erfahrungsbericht, Volontäre

VoloClass in Hannover: Die Sage der unverpassbaren U-Bahn

Nicht nur der praktische Teil gehört zum Volontariat. Auch die Theorie will gelernt sein und legt den Grundstein für den Beruf des Journalisten. Bei der dreieinhalbwöchigen VoloClass am Madsack Medien Campus in Hannover, haben wir die Grundlagen des journalistischen Handwerks gelernt.

Der Morgen im April kühl, die Stadt weitestgehend unbekannt: „Was ist dieses Hannover? Was erwartet uns hier die nächsten drei Wochen?“ Die Antwort heißt Madsack, nicht Mädsäk – ganz wichtig. Sollte man sich merken. Konkret heißt das für uns vor allem eines: back to school. Dreieinhalb Wochen lang werden wir am Madsack Medien Campus geschult.

Und das bedeutet Morgenkonferenzen, knallhartes Handwerk, Nachrichten schreiben bis zum Erbrechen. Wie überlege ich Themen, wie gehe ich sie an, wie recherchiere ich, wie pitche ich?

Damit das Ganze nicht zu trocken daherkommt, hat sich Headcoach Uwe Vetterick ein abwechslungsreiches Programm überlegt. Buzzer-Spiele inklusive – Stichwort Gamification der Lerninhalte. Ja, Mädsäk liebt Anglizismen.

Reisestrapazen in Hannover

Jeden Morgen pünktlich um kurz vor neun haben wir uns auf dem Gelände an der Alten Druckerei am Rande von Hannover eingefunden – Hannover, nicht Hänover. Hier, in den Madsack-Verlagstürmen, befindet sich der Campus. Abenteuerlich ist nicht nur die architektonische Idee hinter den beiden braunen Türmen, sondern auch der Weg dorthin. Zumindest für uns.

Jeden Morgen finden wir uns in einem Rennen gegen die Zeit wieder. Mensch gegen Maschine, Volos gegen U-Bahn, wir gegen Hannover. Und obwohl wir uns noch so anstrengen, die Bahn schlaftrunken zu verpassen: Die U-Bahn-Götter sind uns gnädig.

Sind wir pünktlich, ist die Bahn pünktlich. Haben wir Verspätung, hat die Bahn Verspätung. Ohne Fauxpas, mit weißer Weste, als personifizierte Pünktlichkeit erscheinen wir Tag für Tag am Campus.

Okay, genug Pathos. Pünktlichkeit ist schließlich wichtig und selbstverständlich. Und doch haben wir Uwe Vetterick damit eine Wette gewonnen. Denn seine Kollegen haben angezweifelt, dass „der beste Jahrgang, den er bisher hatte“ (Uwe Vetterick) es jeden Morgen pünktlich in den Campus schafft. Gern geschehen.

Gewappnet für den Start ins Journalisten-Leben

Neben den theoretischen Inhalten, den Grundlagen des Journalismus, standen jede Menge Vorträge auf dem Plan. Gestandene Reporterinnen und Reporter, eine RND-Korrespondentin, Chefredaktionen und der Madsack-CFO. Sie alle nehmen sich Zeit für uns 15 Madsack-Volos und unsere Fragen. Später wird es praktisch, für viele zum ersten Mal beim Porträt-Schreiben.

Doch die Inhalte gehen weit über das Journalistische hinaus. Wir lernen einander kennen, reden über Bedenken, Zweifel, Ängste. Und über Zynismus. Uwe Vetterick hat stets ein offenes Ohr für uns. Er weiß, welche Herausforderungen uns erwarten und erreicht mit seinen Ratschlägen weit mehr als nur unseren Verstand. Gut, genug des Kitsches.

Dreieinhalb Wochen Druckbetankung journalistischen Inputs liegen hinter uns. Sie werden uns im Laufe unseres Volontariats noch das eine oder andere Mal einholen. Bei handwerklichen Fragen und sicher auch als Hilfe bei der Antwort darauf, warum wir das Ganze eigentlich machen. Weil Journalismus geil ist.

PS: Hannover ist schöner als sein Ruf. Also klar, schon viel Beton. Doch am Maschsee, im Stadtwald Eilenriede oder in Irish Pubs in der Altstadt kann man die Zeit schon ganz gut rumkriegen.

Eure Reise-Volos,

Benjamin und Julian

Erfahrungsbericht, Volontäre

Ein Tag in… der Sportredaktion

Jeder unserer Volos springt in einem anderen Ressort herum und wechselt es aller zwei bis drei Monate. Wir wollen euch zeigen, wie ein Alltag in den einzelnen Redaktionen aussehen kann. Olivia Daume ist gerade in der Sportredaktion.

Oftmals sind Sportredakteure auch an den Wochenenden im Einsatz – sei es, weil Dynamo Dresden mal wieder spielt, ein Marathon stattfindet oder irgendeine andere sportliche Großveranstaltung. Nichtsdestotrotz versammeln sich alle Sport-Redakteure jeden Montag um 9.30 Uhr zur Team-Sitzung. Hier wird die vergangene Woche reflektiert und auf neue Themen geschaut. Meistens hole ich mir für die Sitzung gleich zwei Tassen zu trinken, weil diese durchaus auch mal zwei Stunden in Anspruch nehmen kann – und ich will keine Kopfschmerzen riskieren. Nach dem Meeting checke ich E-Mails und Slack-Nachrichten und recherchiere Themen, die in dieser Woche anstehen. Um 12.30 Uhr habe ich einen Telefontermin mit Luc Ackermann, einem Motocross-Wunderkind, neunmaliger Weltrekordhalter und Teilnehmer bei der diesjährigen Night of the Jumps in Dresden. Danach habe ich – für ein weiteres Thema – alle Kletterschulen in der Sächsischen Schweiz abtelefoniert. Bis zum Feierabend habe ich dann noch an einem Artikel geschrieben. Abgeben musste ich heute keinen – im Sport schreiben Volos nur zwei bis drei Texte die Woche. Um 18 Uhr ging es an diesem Tag für mich nach Hause.

Erfahrungsbericht, Volontäre

Ein Tag in… der Lokalredaktion Meißen

Jeder unserer Volos springt in einem anderen Ressort herum und wechselt es aller zwei bis drei Monate. Wir wollen euch zeigen, wie ein Alltag in den einzelnen Redaktionen aussehen kann. Elisa Schulz ist gerade in der Lokalredaktion Meißen.

Mein Morgen beginnt um 6 Uhr – da klingelt bei mir wer Wecker. Kurz nach 7 Uhr verlasse ich dann das Haus und fahre erst Straßenbahn, dann weiter mit dem Zug nach Meißen.

Da komme ich so gegen 8 Uhr an, beantworte Mails und bereite schon grob den Newsletter für den nächsten Tag vor. Um 10 Uhr ist dann die erste Sitzung am Tag, danach liegt meistens ein Termin, um 12:30 Uhr gibts Mittag. 13 Uhr ist dann die Elblandschalte – eine Sitzung nur für den Landkreis Meißen.

Danach schreibe ich meinen Text fertig und kümmere mich zu Ende um den Newsletter. 17 Uhr ist dann Feierabend – oder noch ein Abendtermin – je nachdem.

Meistens bin ich dann zwischen 18 und 19 Uhr wieder Zuhause.

Erfahrungsbericht, Volontäre

Ein Tag in… der Stadtredaktion Dresden

Jeder unserer Volos springt in einem anderen Ressort herum und wechselt es aller zwei bis drei Monate. Wir wollen euch zeigen, wie ein Alltag in den einzelnen Redaktionen aussehen kann. Benjamin Woop ist gerade in der Stadtredaktion Dresden.

Nicht erschrecken: Mein Alltag schock selbst gestandene Journalisten. Wecker klingt um 05:35 Uhr, um 06:25 Uhr sitz ich im ersten Zug. In Leipzig wohlbemerkt. In Dresden bin ich dann dank regelmäßiger Verspätungen erst gegen 9 Uhr – dann lese ich Mails und telefoniere bis zur 10 Uhr Konferenz. Darauf folgt ein Termin, dann Mittag. Den restlichen Tag brauche ich für meinen Text (bin noch sehr langsam). Welchen Zug ich nach Feierabend nehme, entscheidet oft die DB – Ausfälle und Verspätungen prägen die Strecke Leipzig-Dresden täglich. Am Donnerstag habe ich die Wohnung um 06:10 Uhr verlassen und war um 22 Uhr wieder zu Hause. Eigentlich könnte ich Teilzeit Lokführer werden, mein Tag wäre genauso lang.

Ein Tag bei der SZ, Erfahrungsbericht, Volontäre, Wie geht Journalismus

Zwei Monate im Wirtschaftsressort: Mehr als Industrie, Arbeitsmarkt und Finanzen

Warum Wirtschaft nicht nur Industrie, Arbeitsmarkt und Finanzen beinhaltet, sondern auch außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten, psychische Gesundheit und ein Besuch beim wichtigsten Luftfahrt-Drehkreuz von DHL in Leipzig.

Eins vorneweg: Ich habe mir das Wirtschaftsressort als Station nicht ausgesucht. Meine Volo-Betreuerin hatte in meinem Lebenslauf gesehen, dass ich bei einem Crowdfunding-Unternehmen als Werkstudentin angestellt war – allerdings im Bereich Content- und Social-Media-Marketing – und dachte, meine Expertise würde dort gut reinpassen. Schauen wir mal, was wird (was wird).

Ich gebe zu, ich bin etwas ahnungslos in das Ressort gestartet. Da ich mich zuvor nicht wirklich mit dem Wirtschaftsteil unserer Zeitung beschäftigt hatte, wusste ich nicht, welche Themen mich erwarten würden. Mir war zwar klar, dass Wirtschaft nicht mehr nur Zahlen, Finanzen und weiße Männer in Anzug und Krawatte beinhaltete, die Geld scheffeln und auf konservative Art und Weise ihre Unternehmen führen. In meiner Welt gab es auch starke Frauen in Führungspositionen, klimaneutrale Start-ups sowie Gründerinnen und Gründer, die mit ihrer mentalen Gesundheit zu kämpfen hatten. Die Frage lautet also: Was interessiert unsere Leser?

Wie Schülerfirmen den Berufseinstieg erleichtern

Einer meiner ersten Artikel handelt von jungen Unternehmern in der Gastrobranche – und wenn ich jung sage, meine ich achte, neunte Klasse. Die Idee war, ein Unternehmen an einer sächsischen Schule vorzustellen, das vom Kultusministerium finanziell unterstützt wird. Meine Wahl fiel auf Funfood, eine fünfköpfige Schülerfirma an der Oberschule Weißig. Funfood wurde 2017 von Schülern gegründet und hat sich auf Catering-Aufträge und die schulinterne Pausenversorgung spezialisiert. Mit der Zubereitung von Sandwiches, Waffeln und Co. verdienen sich die Schüler zwar nichts dazu, sammeln dafür aber schon früh Erfahrung in der Unternehmensführung.

Für den Artikel habe ich mit zwei Mädels von Funfood gesprochen und war beeindruckt von deren außerschulischem Engagement. Die Schülerfirma habe den beiden schon jetzt gezeigt, dass sie auch nach der Schule selbst etwas auf die Beine stellen und kreieren wollen. Das nenne ich wirklich mal Vorbereitung aufs Leben.

Eine Nacht in einer stillgelegten Antonov in der Sächsischen Schweiz

Weil ich selbst sehr gerne unterwegs bin, habe ich mich für das nächste Thema auf die Suche nach einer außergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeit begeben – ist ja schließlich auch ein Business. Bei meiner Recherche bin ich auf ein stillgelegtes Flugzeug in der Sächsischen Schweiz gestoßen, das zu einer kleinen Wohnung ausgebaut wurde – inklusive Flugsimulator. Also habe ich Erik Herbert, den Kopf hinter allem, und seinen einmotorigen Doppeldecker in der Sächsischen Schweiz besucht.

Nach einer Tour durch die Maschine – mit angrenzender Sauna und Grillplatz – habe ich mich mit Erik unterhalten: zum Ursprung seiner Idee, zum Ausbau des Innenraums, wie oft das Angebot genutzt wird und weiteren Visionen des Hobbytüftlers. Er selbst verbringt aber kaum noch Zeit in seinem Flieger (der Preis für eine Nacht startet hier bei 300 Euro). Doch für außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten ist sich Erik nicht zu schade. Sein Traum? Eine Nacht im All.

Depression im Business: und dann?

Wir alle wissen, dass sich Stress, eine hohe Belastung und Druck von allen Seiten negativ auf die psychische Gesundheit auswirken kann – bei vielen schon in der Schule. Wie hoch dann der Mental Load bei einem Unternehmer erst sein muss, wage ich mir gar nicht vorzustellen. Trotzdem habe ich für Wirtschaft in Sachsen (die Wirtschaftszeitung der SZ) einen gefragt: Lorenz Weil ist Co-Geschäftsführer vom Impuct Hub, welches er trotz – oder besser gesagt mit – seiner Depression leitet. Seit seiner Jugend leidet Lorenz unter der psychischen Erkrankung. Viele Dinge fallen ihm dadurch schwerer, etwa Rechnungen erstellen oder ans Telefon gehen.

Ein Psychologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden hat mir erklärt, warum vor allem Gründer schneller an einer psychischen Störung erkranken und wie diese für bestimmte Branchen sogar hilfreich sein kann. Er sagte mir auch, dass Betroffene unter gewissen Umständen sogar die besseren Unternehmer sein können. Warum, wieso, weshalb – lest selbst!

Hinter den Kulissen des Zolls in Leipzig: Gefahren beim Schnäppchen-Kauf im Ausland

Das letzte Thema, welches ich euch vorstellen möchte, wurde mir von der Ressortleiterin höchstpersönlich zugewiesen und verschaffte mir einen Besuch beim wichtigsten Luftfahrt-Drehkreuz von DHL in Leipzig. Hinzu kam eine kostenlose Verpflegung und ein Kennenlernen mit Wirtschaftsminister Martin Dulig. Schwerpunkt dieses Tagesausflugs beim Zollamt in Leipzig war die Zollabfertigung von vermeintlich günstigen Waren aus Nicht-EU-Ländern. Warum? Diese Waren verbergen häufig Weichmacher, Gift und gefährliche Kleinteile, die immer wieder zu ernsten Verletzungen bis hin zum Tod führen.

Mein Fazit zum Wirtschaftsressort: Die Themen und Texte haben mir eigentlich echt Spaß gemacht, das Team war super entspannt und ich konnte mich in verschiedenen Formaten ein bisschen ausprobieren. Meine Themenvorschläge wurden gerne angenommen und das Feedback war meist positiv, aber immer konstruktiv.

Und merken: Wirtschaft ist mehr als nur Industrie, Arbeitsmarkt und Finanzen.😉

Podcast, Wie geht Journalismus

Journalisten im Fadenkreuz von Hate Speech

Bei ihrer Arbeit sind Journalisten häufig Anfeindungen in sozialen Medien ausgesetzt. Welche Folgen haben Hasskommentare und wie schützt man sich davor? Fragen an Resilienztrainerin Ute Korinth im Podcast „Journalismus machen“.

Hasskommentare, Bedrohungen und persönliche Angriffe gehören für viele Journalisten mittlerweile zum Alltag – eine Entwicklung, die sich auf Arbeitsbedingungen auswirkt und vor allem die mentale Gesundheit erheblich belastet. Insbesondere in sozialen Medien und unter Online-Artikeln prallen Hassbotschaften ungefiltert auf jene ein, die sich kritisch oder investigativ mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen.

Doch welche Auswirkungen hat diese dauerhafte Konfrontation mit Hate Speech auf die Psyche der Betroffenen? Und wie können sie sich effektiv schützen, ohne ihre wichtige Arbeit aufzugeben?

In der sechsten Folge des Podcast „Journalismus machen“ wurden genau diese Fragen diskutiert. Dabei spricht SZ-Redakteurin Elisa Schulz mit Ute Korinth, Journalistin, Resilienztrainerin und Autorin.

Gemeinsam beleuchten sie die Mechanismen hinter Hate Speech und deren psychologischen Folgen. Korinth erzählt von ihrem eigenen Weg und warum sie Resilienztrainerin wurde.

Doch sie spricht nicht nur über die individuelle Ebene, sondern auch die Verantwortung von Redaktionen, die Unterstützung und Schutz ihrer Mitarbeitenden sicherzustellen. Und es geht um Strategien, die dabei helfen, mit Anfeindungen umzugehen und sich nicht von Hassbotschaften entmutigen zu lassen. Dabei wird klar, wie wichtig im Journalistenberuf mentale Stärke ist.

Außerdem spricht die Trainerin über praktische Übungen zur Stressbewältigung, den Aufbau eines unterstützenden Netzwerks bis hin zu klaren Abgrenzungen im Umgang mit Hassnachrichten.

Ute Korinth arbeitet seit über 20 Jahren als stellvertretende Leitung einer Online-Redaktion. Außerdem ist sie als Trainerin und Coach tätig und gibt Workshops zu Mental Health und Resilienz. Seit November 2023 ist sie im Vorstand des Deutschen Journalisten Verband (DJV) und kümmere mich um Themen wie Mental Health, KI und die Kommission Europa. Zuvor war sie im DJV viele Jahre Bundesvorsitzende des Fachausschusses Online.

Über diesen Podcast: „Journalismus machen“ ist der Volontärs-Podcast von Sächsische. Junge Reporterinnen und Reporter besprechen darin Fragen und Themen, die ihnen insbesondere in der journalistischen Ausbildung begegnen.

-> Alle Folgen gibt es hier.

Erfahrungsbericht

„Qualitätsluft“ schnuppern

Die Arbeit im Boulevard- und Qualitätsjournalismus ist ein krasser Gegensatz? Nein, nicht wirklich – zumindest bei den Stadtredaktionen.

Ich bin Chris, Online-Volontär beim überregionalen Newsportal TAG24 – Boulevardpresse. Innerhalb sich meines dem Ende neigenden Volos wollte ich noch einmal beim grünen „Geschwisterteil“ im Nachbargebäude vorbeischauen und die „Qualitätsluft“ schnuppern. Vier Wochen Außenpraktikum in der Stadtredaktion Dresden der Sächsischen Zeitung haben mir erneut ins Gedächtnis gerufen: Wir sind gar nicht so verschieden. Die Themen, an die ich mich „hing“, waren vergleichbar mit denen aus meiner Zeit bei der Stadtredaktion unseres Print-Pendants, der Morgenpost. Kolleg*innen bin ich immer wieder zu Presseterminen begegnet – dieses Mal nur aus „grüner Perspektive“. Für die Arbeit galt in Sachen Umgang mit Informationen die gleichen hohen Qualitätsstandards.

Die Unterschiede bemerkte ich erst beim Schreiben der Beiträge im bei der Sächsischen Zeitung neu eingeführten Redaktionssystem Arc Publishing (Fazit dazu: muss man sich dran gewöhnen). Auf kreative Wortzusammensetzungen, etwa bei Schlagzeilen, und eine allzu umgangssprachliche Ausdrucksweise habe ich lieber verzichtet. Auch die Taste für das Ausrufezeichen musste ich unangetastet lassen. Zudem hatten meine Satzkreationen deutlich mehr Raum, sich zu entfalten. Die so wesentlich längeren Beiträge habe ich selbstverständlich mit allerlei mehr Infos gepickt.

Am Ende bleibt mir nur zu sagen: Danke, dass ich mal vorbeischauen durfte! Vielen Dank an das Team der SZ-Stadtredaktion Dresden, vor allem in Sachen Hilfsbereitschaft und zwischenmenschlicher „Qualitäten“.

Ein Text von Chris Pechmann

Erfahrungsbericht, Wie geht Journalismus

Mäuse, Zaster, Knete? Egal, Hauptsache mehr Geld mit VG Wort

VG Wort ist wie ein geflügeltes Wort. Jeder kennt es irgendwie, aber keiner weiß so ganz, was eigentlich dahinter steckt. Fragt man in der Redaktion herum, ob es jemand erklären kann, dann wird öfter mit dem Kopf geschüttelt als genickt. Also klären wir hier mal auf: Was ist das? Woher kommt das Geld? Und wie funktioniert es eigentlich?

Was ist die VG Wort?

Die VG Wort (kurz für: Verwertungsgesellschaft Wort) ist eine Organisation, die die Rechte und Vergütungsansprüche von Autor*innen, Journalist*innen und anderen Urheber*innen von Texten vertritt – und damit auch von uns. Sie wurde 1958 gegründet und ist nach der GEMA und GVL die drittgrößte Verwertungsgesellschaft in Deutschland.

Warum ist die VG Wort für uns so wichtig?

  1. Zusätzliches Einkommen: Das wichtigste zuerst! Mit VG Wort erhalten Journalist*innen eine zusätzliche Vergütung für die Nutzung ihrer Texte, die sie sonst nicht bekommen würden. Wie das funktioniert, siehst du weiter unten.
  2. Schutz der Urheberrechte: Die VG Wort setzt sich für die Rechte der Urheber ein und sorgt für eine faire Vergütung.
  3. Kollektive Vertretung: Als einzelne*r Journalist*in wäre es schwierig, alle Nutzungen der eigenen Texte zu verfolgen und Vergütungen einzufordern. Die VG Wort übernimmt diese Aufgabe kollektiv.

Wie funktioniert VG Wort für Journalisten?

Zunächst muss man sich erstmal bei VG Wort anmelden. Dafür musst du einen Wahrnehmungsvertrag ausfüllen. Das klingt irgendwie kompliziert, ist es aber nicht – also wenn du es schaffst deinen Namen und das Datum einzutragen und es abzuschicken. Außerdem musst du angeben, welcher Berufsgruppe du zugehörst. Wenn du das hier liest, weil du irgendwie irgendwas mit Journalismus machst, dann gehörst du zur Berufsgruppe 2.

Damit es noch leichter wird: Den Wahrnehmungsvertrag findest du hinter dem Link.

Den Vertrag bekommst du irgendwann zurückgeschickt – aber das war es leider noch nicht, jetzt fängt es erst richtig an.

Grundsätzlich muss man sich im Online-Portal T. O. M. (steht für Texte Online Melden) registrieren, damit man überhaupt die eben erwähnten Arbeiten erledigen kann. Ggf. erhältst du sogar schon mit dem Wahrnehmungsvertrag Hinweise dazu. Du kannst aber auch einfach das Portal aufrufen: https://tom.vgwort.de/portal/index

Dort findest du links den Reiter „Presse“ unter dem du deine Autorenzeile und dein Kürzel bearbeiten kannst. Zudem hast du im Wahrnehmungsvertrag eine Nummer zugeschickt bekommen. Die wird bei deinem Autorenprofil bei deinem Unternehmen hinterlegt. Dadurch werden deine Artikel automatisch an VG Wort gemeldet und du musst das nicht mehr machen.

Irgendwo in diesem ganzen Spaß findest du die Abfrage, ob du ein Inkassoauftrag fürs Ausland abschließen möchtest. Die Antwort ist hier klar: JAAAA. Denn damit stellst du sicher, dass du über die VG Wort auch Gelder aus den Verwertungen deiner Nutzungsrechte im deutschsprachigen Ausland erhältst.

Zweimal im Jahr bekommst du dann eine E-Mail von VG Wort, um deine Ausschüttung vorzubereiten (Warum denke ich jetzt an Mr. Krabs? „Geld Geld Geld Geld“). Folge einfach den Anweisungen in der Mail. Dann sollte nichts mehr schiefgehen.

Woher kommt das Geld?

Das Geld der VG Wort stammt aus verschiedenen Quellen:

  1. Kopier- und Druckergebühren
  2. Vergütungen für die Nutzung von Texten in Pressespiegeln
  3. Bibliothekstantiemen
  4. Vergütungen für die Zweitverwertung von Texten

Die Verwertungsgesellschaft sammelt diese Gelder von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und anderen Institutionen, die theoretisch geistiges Eigentum der VG-Wort-Mitglieder verbreiten oder zu dessen Verbreitung beitragen.

Ganz ehrlich: Wir wissen auch nicht sooo ganz genau wie es funktioniert, aber vielleicht war das schon mal eine Hilfe, um die ersten großen Fragezeichen aus deinem Kopf streichen zu können. Hier noch was Lustiges zum Abschluss:

Ein Text von Olivia Daume und Elisa Schulz

Erfahrungsbericht, News

Cito ist tot – es lebe Arc!

Als Teil des Redaktionsnetzwerks Deutschland nutzt die Redaktion der Sächsischen Zeitung ab jetzt das Redaktionssystem Arc Publishing. Ein Tool, das von der Washington Post entwickelt wurde.

Habt ihr schon mitbekommen? Wir gehören jetzt zu Madsack. Haben wir noch gar nicht erzählt, oder? Gibt es auch nicht so viel zu erzählen. Mit dem Verkauf der Sächsischen Zeitung an den Madsack Verlag ist die Redaktion nun auch Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Zunächst hatte dies einige personelle, aber auch viele inhaltliche und technische Folgen.

Im Arbeitsablauf hat sich für uns Volos nicht viel geändert und auch sonst bleibt das meiste gleich (auch der Blog). Welche inhaltlichen Veränderungen jetzt genau auf uns zukommen, werden wir aber wahrscheinlich erst bei der Arbeit in den unterschiedlichen Ressorts merken.

Viel auffälliger für unsere Leser und Leserinnen ist aber die Optik. Auf Sächsische.de sind nun viel mehr Themen aus ganz Deutschland vertreten. Was das Lokale betrifft, können unsere Leserinnen und Leser online viel schneller Nachrichten aus ihrer Region oder den einzelnen Stadtteilen in Dresden finden. Darüber hinaus gibt es jetzt den „5 in 5 Newsletter“ der täglich über die wichtigsten Themen aus den einzelnen Lokalredaktionen informiert.

Und wie sich die Zeitung und die Internetseite optisch verändert, haben wir ein neues Redaktionssystem bekommen – also das, wo wir unsere Texte reintippen. Manchmal schicken wir sie auch als Worddatei oder Mail, aber wann, wo uns warum ist ein ganz anderes Thema. Vorher hatten wir Cito, jetzt ist es Arc. (So wie das Videospiel „Ark“ mit den Sauriern, wenn das einige von euch kennen – Handhabung ähnlich).

Neben unserem neuen Redaktionssystem Arc gibt es seit der Umstellung auch ein Planungssystem Kordiam. Vereinfacht gesagt, werden hier die Aufgaben des jeweiligen Tages für die einzelnen Redakteure bestimmt. Es ist genau zu sehen, wer gerade an welchem Thema arbeitet, wann die Artikel fertiggestellt werden und wann sie erscheinen sollen.

Auf den ersten Blick ist alles anders und ein wenig überfordernd. Vor allem viele bunte Farben für jeden Arbeitsschritt. Aber auch hier heißt es wohl: „learning by doing“.

Ein Text von Viktoria Langenhuizen und Elisa Schulz

Erfahrungsbericht

Von Nagetier-Männern und planschenden Kühen: Sommerloch-Themen, die (nicht) die Welt bewegen

Wenn sich die Ferienruhe über das Land legt, Politikbetrieb und Sport-Ligen sich eine Auszeit gönnen, kriechen sie aus den Untiefen der „Potenzielle-Beiträge-wenn-man-nichts-anderes-hat-Kiste“ hervor: die Sommerloch-Themen.

Sie sind verliebt, auf der Flucht oder täuschen ein ganzes Land: Tiere. Ihr Schicksal bewegt nicht selten wochenlang die ganze Nation und das dann, wenn es sowieso nichts anderes zu berichten gibt.

So sorgte im vergangenen Jahr ein Handyvideo auf Twitter für eine großangelegte Suchaktion mit hunderten Polizisten nahe Berlin. Warum dieser Aufstand? Das Video zeigte angeblich eine Löwin. Die Suche nach der mutmaßlichen Raubkatze im brandenburgischen Kleinmachnow dauerte mehr als 30 Stunden. Gefunden wurde die Löwin nie. Komisch, da es sich bei dem Tier nach Einschätzungen von Experten doch eigentlich um ein Wildschwein handelte.

Von Kühen und Schwänen

Auch Kuh Yvonne stand 2011 im Scheinwerferlicht der Medien und erhöht die Zeit einer ihr zu Ehren angelegten Suchaktion auf ganze drei Monate. Nachdem sie sich nicht zum Schlachter hatte führen lassen, türmte sie und flüchtete in Oberbayern in den Wald. Drei Monate später erwischt man Yvonne dann mit einem Betäubungspfeil und brachte sie zum Gnadenhof.

Ein ähnlich großes Aufsehen erregte Trauerschwan Petra. Mit einer ebenso niedlichen wie skurrilen Lovestory auf dem Aasee in Münster rückte der schwarze Vogel 2006 in die Aufmerksamkeit vieler Medien. Wochenlang wich Petra einem Tretboot in Schwanengestalt nicht von der Seite. Versuche, sie mit einem echten Schwan zu verkuppeln, scheiterten.

In diesem Jahr eroberte wieder eine Kuh die Schlagzeilen. Im Juni hat ein Familienvater im Blankenhainer Ortsteil Lengenfeld im Weimarer Land eine eher ungewöhnliche Entdeckung in seinem Garten gemacht: in seinem Pool badeten zwei Kühe. Es brauchte mehr als 25 Einsatzkräfte, zwei Tierärztinnen und über vier Stunden, um die beiden Rinder aus dem zwei Meter tiefen Pool zu hieven. Ende gut, alles gut.

Weniger niedlich und tollpatschig, dafür genauso tierisch geht es mit dem zweiten Sommerloch-Thema weiter: den „Hot Rodent Men“. Nagetier-Männer sollen das Sexsymbol des Sommers sein und einen Gegenentwurf zur toxischen Männlichkeit darstellen. Optisch würden die Männer an kleine Nager erinnern und das finden viele Girls der Gen Z sexy.

Maus oder Mann – das ist die Frage

Angefangen hat alles im Internet. Als im April der Film „Challengers“ in den Kinos anlief, kursierten schnell die ersten Memes. Die Menschen fanden nämlich: Die Schauspieler Mike Faist und Josh O’Connor haben etwas mausartiges an sich. Schnell fanden sich weitere Stars, die Ähnlichkeiten mit Ratten, Mäusen und Eichhörnchen haben sollen: Adam Driver, Jeremy Allen White, Timothée Chalamet oder auch Harry Styles.

Am Ende ist der „Hot Rodent Men“ wohl der Versuch, ein neues Bild von Männlichkeit zu konstruieren. Warum dafür ein Vergleich mit Nagetieren hermuss, wissen wir auch nicht. Fest steht, dass damit weiterhin Menschen sexualisiert und auf ihr Äußeres reduziert werden. Und auch, wenn der Ratten-Trend ein neues Idealbild von einem Mann schaffen soll, handelt es sich bei den Vorbildern trotzdem noch um die ausgebesserte Optik von Hollywoodstars. Du willst trotzdem wissen ob du Mann oder Maus bist? Die Taz hat einen ganz wundervollen Selbsttest.

Sommerloch für Sommerthemen

Eine ganze Füllgrube an Sommerlochthemen bieten die Ratgeberseiten in Print und Netz. Das Thema bei den meisten: Sommer. Da finden sich Beiträge, wie man richtig Eis portioniert oder den Koffer richtig packt, aber auch wie das Büro oder Schlafzimmer am besten gekühlt wird. Besonders auffällig? Umso heißer die Temperaturen, desto wilder sind die Themen. Da geht es dann nicht mehr unbedingt um praktische Tipps und allgemeine Ratgeber, sondern auch schnell auch darum, ob man sich wirklich rasieren sollte oder welche Eissorte denn nun in Amerika die beliebteste ist. Das alles nur, damit die Seiten gefüllt werden.

Mittlerweile gibt es zum Sommerloch in den Redaktionen ganze PR-Teams, die daraus das Beste machen wollen. Bei einem kurzen Blick auf „die dunkle Seite der Macht“ (PR-Firmen und alle Arten der Öffentlichkeitsarbeit) fällt schnell auf, dass sie richtige Pläne entwickeln, wie man während des Sommerlochs am besten an die Medienhäuser herantritt. Bei einem Marketingblog habe ich eine ganze Anleitung dazu gefunden, was Journalisten denn gern im Sommerloch wollen. Dort heißt es dann: „Statt wie alle anderen die Füße hochzulegen, kannst du diese ruhige Zeit also nutzen, um mit einem passenden Gesprächsangebot im spärlich gefüllten Posteingang der Journalisten zu landen.“ Oder: „Egal, ob richtig gedrehtes (Service-)Thema oder passender Anlass – mit solchen kurzfristigen Vorschlägen landest du vor allem bei Tageszeitungen und Online-Magazinen einen Volltreffer.“ – sowas könnte man anzweifeln, aber wahrscheinlich haben die PR-Kollegen hier recht. Wo wir wieder bei den Ratgebern wären.

Stoppelige Angelegenheiten

Noch interessanter scheinen aber für das Sommerloch die Promis zu sein. Besonders interessant war diesen Sommer der Bart von Prinz William aus dem britischen Königshaus. Das erste Mal aufgefallen ist er nach einem Video, dass er und seine Frau Kate auf X teilten, um den Olympioniken zu gratulieren. Für den Inhalt hat sich aber nicht wirklich jemand interessiert, stattdessen für den wilden Bart vom Prinzen. Seitdem ist die stoppelige Behaarung gar nicht mehr aus der Klatschpresse wegzudenken.

Nicht weniger interessant war im Sommerloch Pop-Ikone Taylor Swift. Davon abgesehen, dass sie natürlich mit ihrer Eras-Tour einfach einen unglaublichen Aufzug gemacht hat, war es die perfekte Zeit, um Löscher im Sommerloch zu stopfen. Auf Schritt und Tritt wurde sie verfolgt, Fans befragt und jede noch so kleine Sache zu ihrer Tour wurde zu einem großen Thema. Die Marketingfirma hat vielleicht recht – man muss nur wissen, wie man sich verkauft und das Sommerloch richtig nutzt.

Ein Text von Olivia Daume und Elisa Schulz