Frau fürs Lokale

 

Linda Barthel, SZ - Mitarbeiterin am 28.6.2013. Foto Steffen Unger Steffen Unger Tel: 0178 43 50 786 email: steffen_unger@gmx.de Besondere Hinweise : Achtung:  honorarpflichtiges Foto; alle Rechte vorbehalten lt. ¤2 UhrG, bitte Namensnennung nicht vergessen. WICHTIG: Jegliche kommerzielle Nutzung ist Honorar- und Mehrwertsteuerpflichtig! Honorar gemaess MFM. Weitergabe an Dritte nur nach vorheriger Absprache mit dem Urheber! Darstellung im INTERNET ist grundsaetzlich Honorar- und Mehrwertsteuerpflichtig, auch als 1:1 Kopie in INTERNET-Ausgaben von Tageszeitungen und Magazinen. Autoren-Nennung auch fŸr INTERNET-Darstellung gemaess ¤ 13 UrhGes.  C O M M E R Z B A N K  D R E S D E N  BLZ : 850 400 00 Konto :2036697 00 Copyright : Steffen Unger 01877 Bischofswerda, Germany; Finanzamt Bautzen, Steuernummer: 204/283/01294 (alle Bilder umsatzsteuerpflichtig bei 7%)  BITTE UM BELEGEXEMPLAR.

Volontäre stellen sich vor: Linda Barthel (24) ist seit März 2015 SZ-Volontärin. Zuvor hat sie bereits drei Jahre lang für die Lokalredaktion Dresden gearbeitet. Alles begann mit einem Praktikum, das sie während ihres Medienstudiums machte. Dafür kam sie vor sechs Jahren aus dem Erzgebirge nach Dresden.

Klick gemacht hat es eigentlich nie. Zumindest nicht so, dass ich mich daran erinnern könnte. Ich wollte immer schon Journalistin werden. Es muss es also irgendwann in meiner Kindheit Klick gemacht haben.

Vor dem Volo hätte ich nie gedacht, dass man eine Kantine vermissen kann. Man kann. Das habe ich in der Meißner Lokalredaktion ziemlich schnell gemerkt. Mittlerweile würde ich viel dafür geben, wieder jeden Tag in der Kantine im Haus der Presse essen zu können. Dort gibt es zwar keine Sterne-Küche, aber immerhin richtiges Mittagessen. Danach suche ich im Kaufland noch immer vergeblich …

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen: sicher ruhiger, dafür aber auch langweiliger. Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch, deshalb kann ich auch nur schwer sagen, wie mein Leben ohne Journalismus ausgesehen hätte. Vielleicht wäre ich wie meine Mutter Grundschullehrerin geworden – dann hätte ich zumindest Anderen das Schreiben beibringen können.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft: an meine erste Geschichte. Es war keine große Sache, eine verwilderte Brache sollte zur Freizeitanlage für Jugendliche umgestaltet werden. Dafür waren noch Ideen gefragt. Heute ist auf der Fläche ein Skatepark, an dem ich jeden Tag vorbeifahre. Oft denke ich dann: Damit hat alles angefangen.

Ich bin Spezialistin für: lokale Geschichten. Ob es dabei um ein millionenschweres Bauprojekt, verärgerte Anwohner oder eine Ladeneröffnung geht, ist egal.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt, als ich gleich am ersten Praktikumstag einen großen Themenstapel in die Hand gedrückt bekam und sofort loslegen durfte. Nicht Kaffee kochen, sondern schreiben. Ein tolles Gefühl. Das wurde auch an Praktikumstag 2 – ich musste für die Geschichte eines Kollegen im Badeanzug an einem halblegalen See posieren – und Praktikumstag 3 – an meinem Geburtstag saß ich in einer Suchtberatungsstelle – nicht getrübt.

Druck aus Leipzig

Eine neue Wochenzeitung soll die Medienlandschaft in Leipzig bereichern. Doch derzeit werben die Gründer noch um Abonnenten.

 

Von David Berndt

 

Um Journalist zu werden, oder auch zu bleiben, gibt es verschiedene Wege. In Leipzig haben jetzt Menschen “einfach” ihre eigene Zeitung gegründet, die Leipziger Zeitung (LZ), mit dem Schwerpunkt auf lokalen und regionalen Themen.

Mit Ausgabe Null ist am 20. März der erste Titel dieser zukünftigen Wochenzeitung erschienen; gedruckt, auf Papier, zum Anfassen und Blättern.

LZ_Titelseite

Titelseite der Ausgabe Null der Leipziger Zeitung.

 

Gerade das Format ist aber erstaunlich, in Zeiten sinkender Abo-Zahlen von Printmedien und steigendem Einfluss von Online-Medien ist dieser Schritt überraschend. Die drei Gründer und Geschäftsführer der LZ, Cesare Stercken, Robert Dobschütz und Moritz Arand, haben sich bewusst für ein Printmedium entschieden, auf der Titelseite und in einem Editorial der Ausgabe Null erklären sie ihre Motive.

So brauche Leipzig eine neue Zeitung und eine Wochenzeitung sei die ideale Form, um die dortige Medienlandschaft zu ergänzen. Die Gründung der LZ sei “nicht aus romantischer Schwärmerei [entstanden], sondern weil eine gedruckte Wochenzeitung ein Mindestmaß an Ruhe und Besinnung herstellen kann, um sich vertiefend mit Themenschwerpunkten auseinanderzusetzen”, heißt es.

Dass auch die LZ nicht allein auf eine gedruckte Wochenzeitung setzen kann, versteht sich von selbst. Durch eine Kooperation mit der Leipziger Internet Zeitung wollen die Gründer der LZ ihre Print-Inhalte ergänzen. Das Internet sei schließlich kein Ersatz des gedruckten Wortes und die LZ kein Gegner digitaler Medien. In Sachen sozialer Medien arbeitet die LZ mit Facebook und Twitter.

Die spannendsten Fragen können aber im Moment auch die Gründer der LZ nicht konkret beantworten; wie geht es weiter? Was kommt nach Ausgabe Null, und vor allem wann? Noch bis zum 30. April ist die LZ dabei, Abonnenten zu werben, um die Finanzierung der Zeitung zu sichern. Ende Mai könnte dann Ausgabe 1 erscheinen.

Über 1.100 Menschen haben bislang Ausgabe Null gekauft. Der Abozähler auf der LZ-Homepage steht bei über 780. In der Aprilausgabe des Medienmagazins journalist heißt es, dass die Zielmarke bei 5.000 Abos liege. Moritz Arand, einer der drei LZ-Gründer, sei sich sicher, “dass wir bis zum Stichtag genügend Abonnenten haben werden.”

 

 

Noch bis Ende April veranstaltet die LZ Lesekonferenzen, um mit Leipzigern und anderen Interessierten ins Gespräch zu kommen über Lokaljournalismus und die geplante Wochenzeitung. Bleiben noch 15 Tage, um über 4.200 Abos an die Leser in Leipzig zu bringen.

 

 

Volontär gesucht

Journalist werden; darum geht es ja in diesem Blog. Jetzt bietet die Sächsische Zeitung dazu die nächste Gelegenheit: Sie hat eine Volontärstelle ausgeschrieben. Im Juli geht’s los. Bewerben könnt Ihr Euch bis 15. April. Hier erfahrt Ihr nochmal alles Wissenswerte rund ums Volontariat bei der SZ. Viel Erfolg.

 

Volo-RuV

Schüler machen Zeitung

FotograSChüler SZfieren, interviewen, Reportagen schreiben, layouten – kurzum: Zeitung machen wie die Profis. Die Schüler-SZ macht’s möglich. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie spannend es ist, Zeitung zu machen, kann sich jetzt bewerben. 14- bis 18-Jährige können mitmachen.

Wie läuft das Projekt Schüler-SZ genau ab?
Die Schüler-SZ ist eine Ausgabe der Sächsischen Zeitung, die von Schülern gestaltet wird, sowohl in den Lokalteilen als auch in den Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur. Unter der Anleitung von Redakteuren werden die Schüler recherchieren und schreiben. Am Sonnabend, 20. Juni, landet die Schüler-SZ in den Briefkästen der Leser.
Um welche Themen geht es in diesem Jahr?
Wir wollen Themen aufgreifen, die 14- bis 18-Jährige bewegen. Das Motto heißt „Alles wird besser“. Die Artikel sollen sich darum drehen, ob die Lösungen immer in der Zukunft liegen. War nicht früher alles besser? Die Erwachsenen bestimmen heute darüber, wie das Leben der Jugendlichen morgen aussieht. Aber sollten sie nicht auch die Jüngeren fragen? Egal, ob es um den Stadtpark, das Wahlrecht, den Beruf, den Klimaschutz oder die Schule geht.
Wer kann bei der Schüler-SZ mitmachen?
Das Projekt richtet sich an Schüler der achten bis zwölften Klassen an Mittelschulen und Gymnasien. Wer sich für das tagesaktuelle Geschehen interessiert, gerne und gut schreibt, Fragen stellt und neugierig auf die Welt schaut, ist bei der Schüler-SZ genau richtig. Außerdem suchen wir talentierte Fotografen.

Wie können sich Schüler für das Projekt bewerben?
Schreibe bis zum 27. Februar eine E-Mail an schueler-sz@dd-v.de, in der du dich kurz vorstellst (Name, Adresse, Telefonnummer, Interessen), uns sagst, warum du an dem Projekt teilnehmen willst – und in welcher Redaktion du am liebsten mitarbeiten würdest. Die erfolgreichen Kandidaten bekommen kurz darauf eine Einladung.

Wie viel Zeit müssen die Schüler dafür einplanen?
Die Treffen von Schülern mit den Projektredakteuren finden von Ende März bis Mitte April in den Redaktionen in Bautzen, Döbeln, Dresden, Görlitz, Meißen und Pirna statt. Hier werden erste Ideen für Artikel entwickelt. Zwischen April und dem Erscheinungstermin im Juni finden etwa zwei Treffen pro Monat statt. Am Tag vor dem Erscheinungstermin der Schüler-SZ, also am 19. Juni, werden alle beteiligten Schüler in den Redaktionen sein und an den Redaktionskonferenzen teilnehmen.

Um welche Redaktionen der Sächsischen Zeitung geht es?
Wir suchen talentierte Schüler für alle 20 Lokalredaktionen der SZ. Lokaljournalisten sind nah dran am Puls der Zeit und am Alltag der Menschen. Wer in Dresden und Umgebung wohnt, kann sich auch für eine der zentralen Redaktionen bewerben. Wer mal einen Minister mit Fragen löchern will, sollte das Politikressort als Wunsch angeben. Wer gern ins Theater geht oder über Kunst diskutiert, soll auch in der Kultur darüber schreiben dürfen. Wer verrückt nach Fußball ist, ist im Sport gut aufgehoben.

 

Du willst bei der Schüler-SZ mitmachen? Dann schreibe bis zum 27. Februar eine E-Mail an schueler-sz@dd-v.de, in der du dich kurz vorstellst (Name, Adresse, Telefonnummer, Interessen), uns sagst, warum du an dem Projekt teilnehmen willst – und in welcher Redaktion du am liebsten mitarbeiten würdest. Die erfolgreichen Kandidaten bekommen kurz darauf eine Einladung.

 

Von Andrea Schawe

Zeitung statt Theater

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVolontäre stellen sich vor: Franz Werfel (25) ist seit Oktober SZ-Volontär. Vorher hat er in Leipzig und Barcelona Theologie, Philosophie und Journalistik studiert, ein wenig Radio und viel Theater gemacht. Nebenbei schrieb er unter anderem für die Mitteldeutsche Zeitung und die Campusredaktion der Leipziger Volkszeitung. Für das Volontariat ist er mit seiner Familie in ein Mehrfamilienhaus nach Dresden-Cotta umgezogen.

Klick gemacht hat es, als … ich merkte, dass Zeitungen eine wichtige gesellschaftliche Plattform für Debatten sind. Diese Diskussionen anstoßen, sie moderieren oder voranbringen – das mag ich so an diesem Beruf.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, dass … sich die Leser in einer Stadt wie Dresden so stark mit ihrer Zeitung identifizieren. Hier finden sie – immer noch – den Ort für die Themen, die ihnen wirklich wichtig sind.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen: Dann hätte ich mein Hobby wirklich zum Beruf gemacht und wäre Schauspieler geworden…  Aber nein, Zeitung machen ist schon das Richtige.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft: Einer meiner ersten Termine für die MZ-Kulturredaktion brachte mich ins Berliner Theater des Westens. Es war ein Pressetermin zum Start des Queen-Musicals „We will Rock you“. Wahnsinnig aufgeregt hatte ich dort erst zehn Minuten mit Brian May exklusiv. Um mir anschließend vom Autor des Musicals, dem britischen Komiker Ben Elton, einen todernsten 15-minütigen Vortrag darüber anzuhören, dass er keinen Bock habe, sich sein „geiles Musical von irgendwelchen fucking critics“ zerreden zu lassen.

Ich bin Spezialist für … Kritik. Im Feuilleton und anderswo.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt, … an meinem ersten Arbeitstag in der Dresdner Stadtredaktion. Das Team hier ist sehr jung, engagiert und motiviert. Und als ich mich durch meine Arbeit hier schnell in diese Stadt verguckt habe.

Spezialistin für die Wendezeit in Bautzen

Volontäre stellen sich vor: Nancy Riegel (25) ist seit Oktober 2014 Volontärin in der Lokalredaktion Bautzen der Sächsischen Zeitung. Bevor es sie mit Katze und Kegel in die Oberlausitz zog, studierte sie Master Journalistik in Leipzig. Nebenbei schrieb sie für zwei Stadtmagazine, Onlinemagazine und war in der Campusredaktion der Leipziger Volkszeitung.

“Stress ist besser als Langeweile”, sagt Volontärin Nancy Riegel. Foto: Maria Timtschenko

 

Klick gemacht hat es, … Als mir meine  Freunde in der Schule vorwarfen, dass ich ständig Dinge hinterfragen muss. Die Neugier und die  Fähigkeit, Tatsachen von Schönfärberei zu  unterscheiden, machen für mich einen guten Journalisten aus. Meine Lehrer taten ihr Übriges indem sie mich dazu drängten, mein Talent für den Umgang mit Sprache zum Beruf zu machen.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, … Dass Stress besser ist als Langeweile. Je mehr Termine anstehen, je mehr Texte ich schreibe, desto zufriedener bin ich am Ende des Tages.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen, … Wahrscheinlich hätte ich ein Lehramtsstudium begonnen oder Veterinärmedizin studiert, nur um dann zu merken, dass ich niemals ein Tier einschläfern könnte. Eigentlich warte ich aber bis heute auf den Brief aus Hogwarts.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft… Einer meiner ersten Termine beim Volo war bei einem Agrarbetrieb, der auf erneuerbare Energien setzt. Bei der Pressekonferenz war ich nicht nur die Jüngste, sondern auch die einzige Frau. Man nahm mich nicht ernst, ich war die einzige, der der Chef nicht die Hand zur Begrüßung gab. Ich hatte mich aber gut vorbereitet und stellte ihm detaillierte Fragen. Am Ende gab er zu: “Ich hätte nicht gedacht, dass sich eine Volontärin so gut mit dem Thema auskennt.” Es kommt leider häufiger vor, dass ich wegen meines Alters und meines Geschlechts von meinen Gesprächspartnern unterschätzt werde. Umso schöner ist es zu sehen, dass ich als Berufseinsteiger überzeugen kann.

Ich bin Spezialist für… Die Wendezeit in Bautzen. Der Chefredakteur hat mir zu Beginn eine eigene Serie zu diesem Thema zugeteilt. Mittlerweile kann ich alle wichtigen Daten und Fakten herunterbeten.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt … Als ich schon in der zweiten Arbeitswoche meine ersten Aufmacher schrieb. Der Vorteil an einer Lokalredaktion wie in Bautzen ist, dass man von Anfang an als vollwertiges Mitglied gebraucht und gefordert wird.

Mehr Lokales auf sz-online

Newsdesk Bautzen neu

Im neuen Newsroom in Bautzen arbeiten die Kollegen für die Lokalredaktionen in Bautzen, Bischofswerda, Kamenz und Radeberg. Die Erklärungen zu den Ziffern stehen im Text. Foto: Uwe Soeder

 

News im Minutentakt: Die Sächsische Zeitung Bautzen hat eine neue Nachrichtenzentrale. Hier laufen die Informationen aus dem gesamten Landkreis zusammen.

Kaum passiert – schon informiert: Die Sächsische Zeitung baut ihre Berichterstattung für die Region Bautzen aus und startet ein neues lokales Online-Angebot. Die Kollegen aus Bautzen, Kamenz, Radeberg und Bischofswerda informieren auf sz-online schneller und ausführlicher über das lokale Geschehen. Wenn der Stadtrat neue Kitagebühren beschließt, wenn es auf der Autobahn mal wieder kracht oder ein Investor neue Jobs verspricht, dann erfahren das die Leser aktuell und zuverlässig in den neuen lokalen Schaufenstern auf sz-online.

1 Fotostation: Täglich gehen hier die aktuellen Bilder ein. Ist der Fotograf nicht gerade unterwegs, kann er an diesem Platz die Bilder bearbeiten und ihnen den letzten Schliff geben. Dann sind die Redakteure an der Reihe. Sie haben die Qual der Wahl. Welches Motiv ist aussagekräftiger? Welches hat das richtige Format? Aus den vielen Fotos gilt es, das Beste auszuwählen.

2 sz-online: Neben der gedruckten Zeitung wird die Online-Ausgabe immer wichtiger. An einem Platz im Newsroom sitzt deshalb ein Online-Redakteur. Seine Aufgabe ist es, bei sz.online schnell und ausführlich über das aktuelle Geschehen in Bautzen, Kamenz, Bischofswerda und Radeberg zu berichten. Er entscheidet, welche Beiträge es auf die Internetseite schaffen.

3 Facebook: Die SZ ist auch in den sozialen Medien vertreten. Jede Lokalredaktion hat ihren eigenen Facebook-Auftritt. Die Redaktion postet Bilder und Texte und spricht die Leser direkt an. Eine Redakteurin wählt Themen aus, die für die Community interessant sind, liest sich die Kommentare genau durch. Vielleicht findet sich hier Stoff für den nächsten Artikel.

4 Spätdienst: Bis 23 Uhr ist dieser Stuhl besetzt. Der Spätdienst wirft den letzten Blick auf die Beiträge. Ist alles in Ordnung, kann der zuständige Redakteur die Seiten zur Druckerei schicken. Hektisch kann es hier aber auch zugehen. Nämlich dann, wenn am Abend noch etwas Überraschendes passiert. Dann muss der Spätdienst schnell reagieren. Die Aktualität geht vor.

5 Producer: An diesem Platz füllen sich die leeren Seiten der Zeitung. Der Producer ist für das Layout zuständig. Er ordnet Artikel und Texte so an, dass sie harmonieren. Er sorgt dafür, dass zu jedem Artikel das passende Bild erscheint. Doch das ist noch nicht alles. Der Producer schreibt Meldungen für die Redaktionen und verfasst die neuesten Polizeinachrichten.

6 Monitorwand: Die Flachbildschirme kommen gleich mehrfach zum Einsatz. Hier können die Redakteure beobachten, welche Beiträge gerade auf sz-online laufen. Oder sie schauen sich die aktuellen Seiten an. Auf die große Monitorwand passt eine ganze Ausgabe. Wie sieht die Zeitung von Morgen aus? Im Newsroom kann man das zuerst sehen.

7 Newstelefon: Egal wo im Landkreis etwas passiert, hier gehen die Informationen als Erstes ein. Das Newstelefon ist die Schaltstelle. Der Redakteur vom Dienst, der hier sitzt, sammelt die Informationen. Er hat den Überblick und muss entscheiden: In welcher der vier Lokalausgaben soll der Beitrag erscheinen? Und was muss sofort auf sz-online gestellt werden? (szo)

 

 

 

 

 

„Nirgends ist die Aufarbeitung schmerzlicher als auf lokaler Ebene!“

Die Stasi vor unserer Tür: Die Lokalredaktion Riesa der Sächsische Zeitung startet Serie zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS), kurz Stasi. 

03.11.2014, Riesa Jens Ostrowski, Lokalchef, SZ Riesa

Jens Ostrowski ist der Redaktionsleiter in Riesa. Foto: Sebastian Schultz

 

Zweieinhalb Jahre Arbeit, 4.000 Seiten Aktenmaterial, 8.000 gefahrene Kilometer, über 30  Interviews mit Opfern, Tätern, Stasi-Experten und Psychologen: Die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung Riesa startet am 8. November ihre Serie „Die Stasi vor unserer Tür“ und ist damit eine der wenigen Lokalredaktionen in Ostdeutschland, die sich bislang auf lokaler Ebene an das heikle Thema herangewagt haben. „Nicht wenige Menschen aus der Region wollen die Stasi-Vergangenheit lieber ruhen lassen“, sagt Redaktionsleiter Jens Ostrowski mit Blick auf Anfeindungen, die es während der Recherchen immer wieder gegeben habe. Auf offene Türen hingegen sei die Redaktion bei den Verfolgten der Staatssicherheit gestoßen. „Viele haben bis heute mit psychosomatischen Störungen zu kämpfen. Ihnen hilft es, wenn das Unrecht anerkannt wird, das ihnen widerfahren ist. Und das geht nur durch Aufarbeitung.“

 

Hier geht´s zum Trailer zur Serie

 

Das sehen auch Experten so. „Aus unserer Sicht gibt es viel Nachholbedarf, was die Aufarbeitung des Staatssicherheitsdienstes im ländlichen Raum betrifft. Denn erst durch die Kreisdienststellen der Stasi ist es dem Machtapparat möglich geworden, die Menschen so flächendeckend zu kontrollieren. Es ist eine Besonderheit, dass eine Lokalredaktion diese Aufgabe übernimmt“, sagt Karl Hafen, Geschäftsführer der Gesellschaft für Menschenrechte im Frankfurt am Main, die damals viele DDR-Bürger aus Riesa auf ihrem Weg in die Freiheit unterstützt hat.

Dagmar Hovestädt, Sprecherin der BStU, betont: „Es ist nicht alltäglich, dass eine Lokalredaktion sich der Herausforderung stellt, im Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde die Vergangenheit des eigenen Ortes zu recherchieren. ‚Die Stasi vor unserer Tür‘ ist daher ein besonderes Projekt, engagiert und umfassend recherchiert, das ein Vorreiter ist. Die Stasi-Unterlagen eignen sich auf eine ganz spezielle Art dazu, eine ‚politische Heimatgeschichte‘ zu schreiben, die gerade auch in der Lokalzeitung zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte besonders anregen kann.“

Vor allem eine Frage stellte sich der Redaktion während der Recherchen: Werden auch Namen von Tätern genannt? „Da kommen wir nicht drum herum“, sagt Jens Ostrowski. Es gehe zwar nicht darum, Offizielle und Inoffizielle Mitarbeiter flächendeckend zu enttarnen – „Wir würden uns aber lächerlich machen, von Aufarbeitung zu sprechen und gleichzeitig die wichtigsten Schlüsselfiguren in offizieller und inoffizieller Funktion nicht zu nennen“, betont er.

Rund 30 Teile umfasst die Serie, die sowohl die Strukturen des Riesaer MfS als auch ganze Operative Vorgänge offenlegt, die 25 Jahre nach der Wende so gut wie unbekannt geblieben sind. „Dass sich ein 28-jähriger Riesaer in den 70er Jahren selbstverbrannt hat; dass hier der erste Massenprotest der DDR-Geschichte ausgebrochen und anschließend brutal niedergeschlagen wurde; dass Menschen von hier zu Tausenden bespitzelt, isoliert, psychisch und teilweise sogar körperlich gefoltert wurden, sind Fakten, die zur Stadtgeschichte gehören, aber nie öffentlich geworden sind“, sagt Ostrowski. Auch heute sei die Redaktion bei ihren Recherchen noch auf eine Mauer des Schweigens gestoßen. Nicht nur bei Tätern. Roland Jahn, Chef der BStU, kennt dafür Gründe: „Nirgends ist die Aufarbeitung schmerzlicher als auf lokaler Ebene, wo sich die Menschen kennen, wo sich Täter und Opfer immer wieder begegnen. Es kann sein, dass es deshalb in der Vergangenheit bei der Aufarbeitung Hemmschwellen gab“, sagte er im Interview mit der Redaktion.

Klar ist aber auch, dass die Serie in der Sächsischen Zeitung nur ein Anfang der Aufarbeitung im Altkreis Riesa sein kann. „4.000 ausgewertete Seiten Aktenmaterial, das sind etwa acht Leitz-Ordner. In den Archiven der BStU schlummert zur Kreisdienststelle Riesa allerdings Material, das 18 laufende Meter umfasst und darauf wartet, aufgearbeitet zu werden“, sagt Jens Ostrowski. „Es gibt also noch viel zu tun!“

Von Kevin Schwarzbach

Alles nur eine Frage der Zeitung

Am Montag wurde in Dresden der Deutsche Lokaljournalistenpreis verliehen. Der erste Preis geht an die Sächsische Zeitung für ihren „Familienkompass“. Auch die anderen Blätter, die ausgezeichnet werden, haben bewiesen, was Lokaljournalismus heute alles leisten kann.

 

Zeitung lesen

Die Sächsische Zeitung ist Dresdens meistgelesene Tageszeitung. Man kann sie zu Hause am Frühstückstisch lesen – oder warum nicht auch mal bei einer Pause im Zwinger? Foto: Ronald Bonß

 

Zu den Dingen, die Deutschland dann doch irgendwie liebenswürdig machen, zählt auch seine einzigartige Zeitungslandschaft. Zwischen Dresden und Düsseldorf gibt es über 300 Lokalzeitungen mit einer Auflage von insgesamt etwa 13 Millionen. In fast jedem Ort, und sei er noch so winzig, ist es möglich, eine Zeitung zu abonnieren, die jeden Morgen frisch gedruckt im Briefkasten steckt. Von der Allgemeinen Laber Zeitung (sie heißt tatsächlich so) in der Oberpfalz über den Isar-Loisach-Boten in Wolfratshausen bis zur Zossener Rundschau – ist es nicht herrlich, in einem Land zu leben, in dem so etwas Wunderbares möglich ist?

Allein die Sächsische Zeitung hat zwischen Niesky und Döbeln 20 verschiedene Lokalredaktionen. Und weil die Reporter und Redakteure hier täglich ihr Wissen untereinander austauschen, profitieren alle Leser von diesem riesigen Netzwerk. Anders wäre auch der „Familienkompass“ in dieser Form nicht denkbar gewesen, für den die SZ nun mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet wird. Denn im Gegensatz zu einer einfachen Umfrage konnte die Zeitung überall direkt nachhaken und in jedem Ort mit den Menschen sprechen und den Problemen nachgehen, auf die Leserinnen und Leser hingewiesen haben.

Und siehe da: In vielen Orten fanden die Verantwortlichen plötzlich Lösungen. So können Lokalzeitungen mit Hilfe ihrer Leser dazu beitragen, dass sich das Leben in ihrer Region spürbar verbessert.
Da lächle noch jemand über „Provinzblätter“! Dass moderner Lokaljournalismus viel mehr kann, als von der jüngsten Schützenvereinssitzung zu berichten, haben auch die anderen Zeitungen bewiesen, die am Montag im Dresdner Albertinum mit Preisen gewürdigt wurden. Das können ganz kleine, aber besondere Ideen sein, wie die Rubrik „Fünf Minuten Stadt“ im Berliner Tagesspiegel. Oder es können aufwendige, groß angelegte Projekte sein, wie die Serie „Wohn-Wahnsinn“ der Stuttgarter Nachrichten. Das kann die gute alte Tradition der Reportage sein, auf die sich die Volontäre der Neuen Westfälischen besonnen haben. Oder es kann die intelligente Einbindung von Facebook und Twitter sein.

Überhaupt spielt das Internet gerade auch für Lokalzeitungen eine immer wichtigere Rolle. Denn wenn sich Redaktionen heute als „Anwalt der Leser“ verstehen, dann sind Online-Kanäle eine gute Möglichkeit, um mit der Redaktion schnell und unkompliziert in Kontakt zu treten. Die Sächsische Zeitung will auch mit anderen Projekten einen Beitrag für die Region leisten und dabei immer ihre Leser mit einbeziehen: „Schulnavigator“, „Krankenhausführer“, „Glücksatlas“, „Unternehmer des Jahres“, „Dresdner Reden“. Das alles kann und soll klassischen Lokaljournalismus nicht ersetzen: Nachrichten aus dem Gemeinderat, Gerichtsberichte, Theaterrezensionen, Spielanalysen aus dem Dynamo-Stadion. Aber es kann ihn bereichern und ergänzen. Jeden Tag aufs Neue, frisch gedruckt im Briefkasten. (SZ)

 

 

Wie die Arbeit einer Lokalredaktion im Detail aussieht, haben sich die Kollegen vom Forum Drehscheibe eine Woche lang bei der SZ in Bautzen angeschaut und dazu mehrere Beiträge auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Vom Praktikum zur freien Mitarbeit

Sarah Grundmann hat sich noch während ihres Praktikums bei der Sächsischen Zeitung als freie Mitarbeiterin ins Spiel gebracht. Und damit war die 24-jährige Germanistikstudentin auch erfolgreich.

Sarah Grundmann kommt aus Lüneburg, studiert an der TU Dresden, schreibt für die SZ – und könnte sich vorstellen, länger hier zu bleiben. Foto: Sven Ellger

 

Warum hast Du Dich für ein Praktikum bei der SZ beworben? Ich musste eins für meinen Bachelor machen. Und weil ich mir vorstellen kann, nach meinem Studium journalistisch zu arbeiten, kam in Dresden für mich nur die SZ in Frage.

Wie hast Du Dich beworben? Ich habe einfach eine Bewerbung an die SZ geschickt und innerhalb von zwei Wochen die Zusage bekommen, in der Stadtredaktion Dresden zu arbeiten.

Wie hast Du diese neun Wochen Praktikum erlebt? Ich dachte, dass ich hauptsächlich kopiere und Kaffee koche. Aber gleich in meiner ersten Woche hatte ich zwei aktuelle Aufträge. Danach ging es regelmäßig weiter. Ich habe immer neue Aufträge bekommen, musste mir Termine machen, recherchieren und die Beiträge schreiben. Mein erster Text war katastrophal, aber das ging dann immer besser. Mein Betreuer in der Redaktion, Peter Hilbert, hat mir da gute Tipps gegeben und mir sehr weitergeholfen, indem er mir erklärt hat, worauf es ankommt.

Woran erinnerst Du Dich besonders gern? An meinen ersten großen Beitrag. Der ist auf der ersten Lokalseite erschienen. Da ging es um die Fahrradfreundlichkeit an der Albertbrücke. Ich durfte sogar den Kommentar schreiben – und das als Praktikantin.

Wie hast Du den Sprung zur freien Mitarbeiterin geschafft? Gegen Ende des Praktikums hat sich Claudia Schade, die Ressortleiterin, bei mir bedankt und mir alles Gute gewünscht. Bei dieser Gelegenheit habe ich gesagt, dass ich gern weiterhin für die SZ arbeiten würde. Einen Tag später hatte ich das Angebot, als freie Mitarbeiterin für die Dresdner Stadtteile zu schreiben. Das habe ich natürlich angenommen und so bin ich Mitte Juni nahtlos vom Praktikum in die freie Mitarbeit gewechselt.

Was hat sich verändert? Ich habe mehr zu tun, muss Meldungen schreiben und dabei helfen, die Seiten zu füllen, für die ich jeweils eingeteilt bin. Dafür nehme ich jetzt auch an mehr Sitzungen in der Redaktion teil, habe mehr Verantwortung und bin besser ins Team integriert. Momentan mache ich noch viel Urlaubsvertretung und wechsle die Stadtteile. Wenn das Semester im Oktober wieder losgeht und ich mit dem Master starte, werde ich vor allem im Süden und im Westen arbeiten. Ich hoffe, dass ich dann auch mehr eigene Themen vorschlagen kann.

Welche könnten das sein? Im August habe ich zum Beispiel im Rahmen einer Ausstellung über Dresdner Lebensgeschichten einen Ur-Loschwitzer porträtiert. Das war sehr interessant, weil er viel über Dresden und seine Kindheit in der NS-Zeit erzählt hat. Ich gebe zu, dass mich solche Themen und Menschen mehr begeistern, als Bauprojekte – auch wenn ich weiß dass die meistens sehr gut gelesen werden.

Wie geht’s für Dich weiter? Jetzt kommen zwei Jahre Masterstudium und ich kann mir vorstellen, auch so lange für die SZ zu arbeiten. Vielleicht ist danach sogar eine Stelle als Volontärin drin, aber das hängt ja nicht nur von mir ab.

Wer sich für ein redaktionelles Praktikum interessiert schaut einfach auf unserer Seite unter Jobs & Praktika oder auf der Seite der DD+V Mediengruppe.

 

 

 

 

 

 

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