Spezialistin für Mode, Show , Promis und örtliche Prominenz

Altmarktgalerie Dresden: „Gästeinformation“ steht da. Die Übersetzung ist für Anzhela Mamelkina kein Problem. Sie ist als Teenager mit ihren Eltern von Russland nach Deutschland ausgewandert. Foto: Steffen Füssel

Volontäre stellen sich vor: Anzhela Mamelkina (26) ist seit April 2012 Volontärin bei der Dresdner Morgenpost (MOPO). Vorher hat sie an der TU Dresden Kommunikations- und Politikwissenschaften studiert, bis sie während des Studiums bei Prinz Stadtmagazin angefangen hat. Danach hat Anzhela bei BILD Dresden und BILD Chemnitz, sowie einige Monate bei der SZ in der Stadtredaktion Dresden gearbeitet.

Klick gemacht hat es, … an meinem zweiten Tag bei der BILD Zeitung. Da musste ich raus nach Görlitz zur Firma Yeti. Der Gedanke, dass meine Ideen und meine Vorschläge andere Menschen interessieren, etwas bewegen und als Aufmacher in der Zeitung landen können….Daran hätte ich mich gewöhnen können und das habe ich auch getan. Es war einfach schön zu sehen, dass ich als Nicht-Muttersprachler und zum damaligen Zeitpunkt erst seit 8 Jahren in Deutschland, eine Stimme hatte.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, dass … ich in Dresden und im Journalismus wieder glücklich werden kann. Eigentlich wollte ich nach einigen Jahren weg, habe in Düsseldorf sogar eine Stelle angenommen. Doch dann haben mich Dresden und  die Leidenschaft zum Schreiben doch wieder für sich gewonnen.  Und ich glaube das ändert sich nicht so schnell wieder.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen: Ich würde jetzt für ein Russisch-Deutsches Fashion Unternehmen in Düsseldorf arbeiten. Kurz vor meinem Volontariat habe ich dort sogar schon für eine Stelle als Einkäuferin im Modebereich auf Probe gearbeitet und der Stelle zugesagt. Aber meine Entscheidung in Dresden zu bleiben habe ich bis jetzt keine einzige Minute bereut, dafür macht mir die Arbeit dann doch zu viel Spaß.

An diese Geschichte erinnere ich mich oft: Meine erste Geschichte in Görlitz nahm Jahre später leider ein schlechtes Ende. Während des Hochwassers 2010 wurde das Unternehmen überflutet und ich musste wieder darüber berichten. Über Existenzen die noch vor ein paar Jahren super erfolgreich waren und vom Wasser innerhalb von ein paar Stunden weggespült worden sind. Aber auch meinen ersten Gerichtsprozess, damals ging es um Kindesmissbrauch, werde ich so schnell nicht vergessen.

Ich bin eine Spezialistin für… alles was mit Mode, Show , Promis und örtlicher Prominenz zu tun hat. Also egal ob Angelina Jolie, Chanel oder die Dresdner Stadtfest-Chefs – Fragen zu diesen Themen sind bei mir am besten aufgehoben.

Dass ich bei der MOPO richtig bin, habe ich gemerkt, … als ich endlich im Show-Resort angekommen bin. Denn hier trage ich die Verantwortung vom ersten Wort bis zum letzten Bild. So ist jeder Tag ein neues Abenteuer – das Ende immer überraschend offen und die Spannung geht nie aus.

Die SZ in Schüler-Hand

Muss das sein? Zum Beispiel Handys in der Pause, ein Verbot der NPD oder Markenklamotten? Antworten nicht nur darauf gab es in der jüngsten SZ-Wochenendausgabe. Und zwar von Schülern.

Der Altersdurchschnitt bei der Sächsischen Zeitung war vergangenen Freitag deutlich niedriger als sonst. Etwa 80 Jugendlichen waren den ganzen Tag im Dresdner Haus der Presse und in den Lokalredaktionen im gesamten Verbreitungsgebiet zu Gast. Über Monate haben sich die Schüler mit den Projektredakteuren getroffen, recherchiert und Artikel geschrieben – und zwar zum diesjährigen Motto: „Muss das sein?“. Am Freitag konnten die 14- bis 17-Jährigen dann endlich genau verfolgen, was mit ihren Artikeln passiert, bevor sie in der Wochenendausgabe der Schüler-SZ landen – vom Layout und Foto über letzte Korrekturen und neue Überschriften. Höhepunkt war das Shooting für das Titelfoto. Da war voller Körpereinsatz gefragt. „Anstrengend – aber spannend“, sagen die Schüler.

Lisa Marie Pigulla hat schon zum dritten Mal bei Schüler-SZ mitgemacht. Gemeinsam mit Lukas Oswald und Lewin Schurig ist sie der Frage nachgegangen, warum es im Fußball zuerst um Erfolg geht. Dazu haben die drei Dynamos Sportdirektor Ralf Minge interviewt.

 

Im Newsroom der SZ: Die Schüler Lewin Schurig (r.) und Lukas Oswald besprechen ihr Interview für den Sportteil mit dem stellvertretenden Chefredakteur Olaf Kittel. Foto: Robert Michael

Im Newsroom der SZ: Die Schüler Lewin Schurig (r.) und Lukas Oswald besprechen ihr Interview für den Sportteil mit dem stellvertretenden Chefredakteur Olaf Kittel. Foto: Robert Michael.

 

Am Freitagvormittag starteten die Schüler und die Projektredakteure in den Ressorts Politik, Kultur, Sport und Lokales mit der Arbeit an den Texten. In der Mittagskonferenz mit allen Ressortleitern kam die Kritik zur aktuellen SZ-Ausgabe diesmal von den Schülern. Nach der Mittagspause konnten sie vier SZ-Volontäre zu deren journalistischen Biografien befragen, bevor das Fotoshooting für die Titelseite und die letzten Korrekturen an den Schüler-Texten folgten. Zum Abschluss des Tages gab es für die Schüler und ihre Eltern eine Führung durch die Druckerei. (SZ/sca/dab)

 

SZ gewinnt Oscar der Lokalzeitungen

Die Jury des von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgeschriebenen Deutschen Lokaljournalistenpreises hat die Sieger des Preisjahrgangs 2013 bekannt gegeben. Gewinner unter den insgesamt 568 Einsendungen: Die Sächsische Zeitung mit ihrem “Familienkompass”.

Preis

 

Wie geht es den Familien in Sachsen? Wie familienfreundlich sind die Städte und Gemeinden? Über mehrere Monate hat sich die Sächsische Zeitung im vergangenen Jahr in vielen Beiträgen intensiv diesen Fragen gewidmet. Mit dem von Wissenschaftlern begleiteten „Familienkompass“ hat die SZ jetzt den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung gewonnen. In der Begründung der Jury heißt es:

Die Zeitung mache sich damit zum “Anwalt der Familien”, so die Jury in ihrer Begründung. Sie gestalte ein Thema, das für die Zukunft der Städte und Gemeinden wichtig sei wie kein anderes. Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident des Europäischen Parlaments a.D., Dr. Hans-Gert Pöttering, erklärt dazu: “Es ist beeindruckend, wie intensiv die Sächsische Zeitung sich dem wichtigen Thema Familie widmet. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret und praktisch: Wo fühlen sich Familien am wohlsten und warum? Das Ergebnis überzeugt.”

Den 2. Preis ging an die Braunschweiger Zeitung für ihre “Antworten-Seite” sowie der Zeitungsverlag Waiblingen für die Serie “Christentum heute”.

Weitere Preisträger wurden für folgende Kategorien bestimmt: Der Tagesspiegel in der Kategorie Alltag mit der Rubrik “Fünf Minuten Stadt”, die Oberhessische Presse in der Kategorie Foto für die crossmediale Serie “Ich und Ich”, die Berliner Zeitung in der Kategorie Infografik für die Rubrik “Kopf & Zahl”, Der Prignitzer in der Kategorie Katastrophenberichterstattung für die Hochwasserberichterstattung, der Nordbayerische Kurier in der Kategorie Kultur für die Berichterstattung “Wie Wagner in Bayreuth funktioniert”, die Rhein-Zeitung in der Kategorie Regionale Wirtschaft für die Aktion “Kauf lokal!” sowie der Kölner Stadt-Anzeiger in der Kategorie Stadtreport für die Serie “Auf den Punkt”. In der Kategorie Verbraucher wurden zwei Zeitungen ausgezeichnet: die Deister- und Weserzeitung für die Serie “Dewezet-Test” und die Stuttgarter Nachrichten für die Serie “Wohn-Wahnsinn Stuttgart”.

Erstmalig wurde ein Sonderpreis für Volontärsprojekte verliehen. Hier wurden die Neue Westfälische für ihre Reportagen-Serie und die Thüringer Allgemeine für ihre interaktive Wahlkampfberichterstattung von der Jury ausgezeichnet.

Die Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung richtet sich an Lokaljournalisten, die den größten Anteil unter den Redakteuren an deutschen Tageszeitungen stellen. Er wird seit 1980 verliehen. Die Auszeichnungen werden in diesem Jahr zusammen mit weiteren in acht Einzelkategorien im Herbst in Dresden verliehen.

Weitere Infos zum Deutschen Lokaljournalistenpreis findet ihr hier.

Mit dem direkten Draht ins Zentrum der Macht

 

Foto: Lutz Weidler

Foto: Lutz Weidler

Britta, da gibt es nicht mal ein Programmkino! Auf die Nachricht, dass ich fortan in Riesa als Lokalredakteurin arbeiten werde, reagierte mein geschätzter Kollege aus dem Kulturressort, als sei ich in die Tundra, die Walachei oder irgendeinen anderen Landstrich strafversetzt worden, den man mit Verlassenheit und kultureller Ödnis in Verbindung bringt. Dann schenkte er mir noch ein Hörbuch von zwölf Stunden Dauer zum Abschied.

Und jetzt bin ich hier. Bereits seit etwa 100 Tagen – Zeit für eine Bilanz. Die sollte es schon viel eher geben. Aber: Viel zu tun in so einer Lokalredaktion.

Dies ist die erste Stelle meines Lebens, abgesehen vom Volontariat. Sozialversicherungspflichtig und mit Betriebsrenten-Tralla-la und all dem Kram. Da kannst´de echt froh sein, sagte kürzlich eine ehemalige Kommilitonin aus dem Journalistik-Studium am Telefon zu mir. Sie selbst schlägt sich in Dortmund als Freie auf einem völlig übersättigten Markt durch.

Darüber, dass ich das nicht tun muss, bin ich auch wirklich ausgesprochen dankbar! Mit mir tauschen, würden viele Freie dennoch nicht. Riesa ist schließlich nicht München, Hamburg, Berlin oder irgendeine andere Medienmetropole. Ich habe aber schnell die Vorteile entdeckt: Wenn ich mit dem Regierungsoberhaupt sprechen muss, wühle ich in meinen Unterlagen – mein Kontakt-Management lässt noch Raum für Verbesserung – und wähle schließlich die entscheidende Handynummer. Die beiden Oppositionsführerinnen finde ich fast immer in einem kleinen Ladenlokal in der Nähe. Sie sitzen hinter konspirativ verschlossenen Lamellen-Vorhängen und versorgen mich bereitwillig mit zitierfähigen Informationen. Wenn ich den Zeitpunkt nicht verpasse, treffe ich den Regierungssprecher beim Mittagessen im Einkaufszentrum, wo es jeden Mittag das gleiche gibt – wahlweise mit kalter Sauce Hollandaise aus dem TetraPak. Dort kann ich den Sprecher noch einmal nachdrücklich an meine offenen Anfragen erinnern. Das beschleunigt die Antwortzeit – fast immer. Fußläufig ist das überschaubare Regierungsviertel von der Redaktion aus in drei Minuten erreichbar. Unsere Hauptstadt-Korrespondenten brauchen von ihrem Büro in der Bundespressekonferenz aus auf jeden Fall länger, um über die Spree ins Reichstagsgebäude zu kommen.

Politikum Blumenkübel

Ich habe als Leiterin meines Eine-Frau-Politikressorts also den direkten Draht ins Zentrum der Macht – das Riesaer Rathaus, und damit genug Stoff, um (in der Regel) nicht von Kinderfesten und Rammlerzüchtern berichten zu müssen. Dieses Klischee hält sich ja hartnäckig – mir kommt es so vor, dass es vor allem in den Köpfen von Großstädtern weiterlebt, die selbst keine Lokalzeitung lesen und sich dann plötzlich wundern. Dann nämlich, wenn die Räte das kommunale Eigentum bereits verhökert haben oder durch den teuren Tunnel unter der Stadt schon die erste S-Bahn rollt. (“Da hätte man doch protestieren müssen.”)

Gerade ist Wahlkampf. Am 25. Mai wählt Riesa einen neuen Stadtrat. Das macht sich bisher weniger in einer übermäßigen Plakate-Flut bemerkbar, als vielmehr in der Länge der Ausschusssitzungen. Im Bauausschuss entbrannte vor wenigen Tagen erst eine Diskussion über die Blumenkübel in der Innenstadt. Darin liegt noch immer das Tannengeäst vom letzten Winter. Die CDU-Fraktion will nun in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion, das Gestrüpp entfernen. Klar wollen auch die CDU-Leute wieder in den Rat – am besten mit einer so bequemen Mehrheit ausgestattet wie bisher.

Trotz konservativer Vorherrschaft bleibt es spannend im Riesaer Wahlkampf. Besonders gespannt bin ich, ob der Kandidat der Partei den Wiedereinzug schafft, die seit der letzten Bundestagswahl nur noch in persona von Wirtschaftsminister Sven Morlok zu existieren scheint. Dem Stadtrats-Anwärter wird nachgesagt, dass er es beim letzten Mal nur geschafft hat, weil er mit dem gleichnamigen, stadtbekannten Friseur verwechselt wurde. “Hier is´ was los”, sagt mein Kollege manchmal. Meist bezieht er sich dabei auf Lokalpossen wie diese – oft aber auch auf Situationen, in denen nicht so ganz ersichtlich ist, wie wir mit so wenig Leuten, die Seiten vollschreiben sollen.

Und damit zurück in die Stadt der Programmkinos.

Vier Wochen Journalistenschule

Volontäre der Sächsischen Zeitung wechseln alle paar Monate das Ressort. Von einer Lokalredaktion geht es etwa in die Mantelressorts Politik oder Kultur und dann weiter zu SZ-Online. Einer der Höhepunkte während der Ausbildung ist aber weder in Dresden noch dem restlichen Verbreitungsgebiet der SZ: der vierwöchige Kompaktkurs an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg, zuletzt von Mitte März bis Mitte April.

Unter ständiger Beobachtung von Romy Schneider: Seminarraum der Henri-Nannen-Schule. Foto: D. Berndt

Was ist der Bundessicherheitsrat? Welche Hauptstädte liegen an den Flüssen Spree, Tiber, Donau, Nil und Tigris? Welchen Rechtsanspruch ermöglicht das Informationsfreiheitsgesetz (IFG)? Schüler des aktuellen Lehrgangs mussten diese und 49 weitere Fragen beantworten, um an der Henri-Nannen-Schule angenommen zu werden. Allerdings erst in der dreitägigen finalen Bewerbungsrunde, bei der die übrigen 80 von anfangs etwa 2000 Nachwuchs-Journalisten, neben den Fragen aus dem Wissenstest auch noch einen Bildertest, eine Textübung, das Schreiben einer Reportage und ein Auswahlgespräch bewältigen mussten. Also alles wie immer, wenn eine der angesehensten Journalistenschulen des Landes Nachwuchs sucht. Am Ende wurden die 20 besten, also gerade einmal 1 Prozent der ursprünglichen Bewerber, an der Henri-Nannen-Schule angenommen.

Die Volontäre der SZ haben es da wesentlich leichter. Dafür bleiben sie auch nur vier Wochen an der Journalistenschule und nicht 18 Monate. Gemeinsam mit anderen Volontären des Gruner+Jahr-Verlages, der Zeit und des Spiegel – diese drei großen Medienhäuser betreiben die Schule gemeinsam – werden sie in dieser Zeit von verschiedenen Dozenten geschult. Die kommen aus der Praxis, sind feste Mitarbeiter bei deutschen Print-, Online-, Rundfunk- oder TV-Medien oder arbeiten als freie Journalisten für verschiedene Auftraggeber. Jeder von Ihnen ist ein absoluter Experte auf seinem Gebiet.

In den vier Wochen kommen fast alle journalistischen Gattungen an die Reihe – von der langen Reportage, über das Interview bis hin zu Kleintexten wie Überschriften oder Bildtexten. Alle Teilnehmer des Kompaktkurses müssen oder besser dürfen Übungstexte schreiben, die dann von den Dozenten schonungslos analysiert und kritisiert werden, egal ob Nachricht, Filmkritik oder Kommentar. Dazwischen gibt es Theorie- und Praxiseinheiten zu den Themen Medienrecht, Recherche, digitale Tools und Social Media.
Viel Stoff. Und nicht immer genug Zeit ihn zu verarbeiten. Das kommt hinterher, wenn die Volontäre wieder in ihren Redaktionen sind, Texte für die nächste Ausgabe der SZ schreiben und ihre Erfahrungen mit den Kollegen teilen. (SZ/dab)

Für alle Grübler sind hier noch die Antworten auf die Fragen zu Beginn. Alle weiteren Fragen und Antworten findet ihr auf den Seiten der Journalistenschule.

Der Bundessicherheitsrat ist ein geheim tagendes Gremium der Bundesregierung, das in wichtigen sicherheits-, vor allem rüstungspolitischen Fragen entscheidet.

Spree: Berlin
Tiber: Rom
Donau: Wien, Bratislava, Belgrad, Budapest
Nil: Kairo, Khartum, Dschuba, Kigali (an einem der Quellflüsse des Nil)
Tigris: Bagdad

Das IFG gibt jeder Person das Recht, Zugang zu amtlichen Informationen bei Behörden des Bundes zu erhalten.

Regionalgruppe von ProQuote für Mitteldeutschland gegründet

Seit über zwei Jahren kämpfen Journalistinnen – und auch einige Journalisten – für eine bundesweit verbindliche Frauenquote von 30 Prozent auf allen Führungsebenen. Bis 2017 soll die Quote in allen Print- und Onlinemedien sowie TV und Radiostationen gelten. Nun haben haben sich auch einige Journalistinnen aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zusammengetan und eine Regionalgruppe gegründet.

Johanna Lemke,   Kulturredakteurin  Sächsische Zeitung

Johanna Lemke,
Kulturredakteurin
Sächsische Zeitung

Sächsische Journalistinnen haben in Dresden die  -Medien-Regionalgruppe Mitteldeutschland gegründet. Der Verein setzt sich für eine verbindliche Frauenquote von mindestens 30 Prozent auf allen Ebenen bis in die Chefredaktion ein – bis 2017. 95 Prozent der deutschen Tageszeitungen werden von Männern geführt. Auch die Online-, Radio und Fernseh-Redaktionen haben zum überwiegenden Teil männliche Chefs. An der Gründung der Regionalgruppe waren Mitarbeiterinnen der Sächsischen Zeitung, der Dresdner Neusten Nachrichten, des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer sowie des Mitteldeutschen Rundfunks beteiligt.

Britta Veltzke,  stellv. Lokalchefin  Sächsische Zeitung Riesa

Britta Veltzke,
stellv. Lokalchefin
Sächsische Zeitung Riesa

Neben der Berliner ProQuote-Gruppe in Berlin ist es die erste offizielle Vertretung in Ostdeutschland des 2012 gegründeten Vereins, dem so namhafte Journalistinnenwie Anne Will, Antonia Rados oder Lisa Ortgies angehören. „Trotz formaler Gleichstellung kämpfen Frauen immer noch gegen informelle Männerbünde an, in denen sich Kollegen mit Informationen versorgen und ihre Karrieren gegenseitig befördern. Wir wollen Frauen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ermutigen und dabei unterstützen, das auch zu tun“,  erklärt Initiatorin Johanna Lemke, Kulturredakteurin der Sächsischen Zeitung.

Bei den vierteljährlichen Treffen der Regionalgruppe soll es vor allem darum gehen, sich über Probleme in den Redaktionen auszutauschen, mit erfolgreichen Journalistinnen ins Gespräch zu kommen und Daten über das Chef-Chefinnen-Verhältnis aus den Redaktionen zusammenzutragen. Ziel ist eine Steigerung der Frauenquote auf allen Hierarchieebenen in allen mitteldeutschen Medienhäusern. Das nächste Treffen findet Ende Mai in Leipzig statt. Auch männliche Unterstützer sind willkommen. Interessentinnen und Interessenten können sich an Johanna Lemke oder Britta Veltzke wenden. 

 

Die Schüler-SZ im Netz

Am 28. Juni erscheint die diesjährige Schüler-SZ. Das Thema lautet diesem Jahr “Muss das sein?”. Doch auch vorher haben die Teilnehmer des Projekts bereits die Möglichkeit, sich journalistisch auszutoben.

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Egal ob Texte, Fotos, Zeichnungen oder kurze Videos: Im Rahmen des Projekts Schüler-SZ können die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler ihre Ideen und Einfälle zu den drei Kategorien: „Das muss sein!“, „Das muss doch nicht sein!“ und „Das muss sich ändern!“ auf viele verschiedene Arten umsetzen. Thematisch sind den Beiträgen keine Grenzen gesetzt. Egal, ob es der Stadtpark, das Wahlrecht, der Jugendklub, der Klimaschutz oder auch die Raucherecke in der Schule ist – alles ist möglich.

Die eingereichten Arbeiten werden in diesem Jahr nicht mehr auf hier auf journalist-werden.de erscheinen, sondern erstmals auf unserem extra dafür eingerichteten Tumblr-Blog. Erreichbar ist der unter der URL http://schueler-sz.tumblr.com. Alina Gräf, Schülerin am Pestalozzi-Gymnasium in Dresden, hat mit ihrem Beitrag “Welche Medien nutzt ihr?” den Anfang gemacht und als erste einen Text eingereicht.

Bis zum Erscheinen der Schüler-SZ-Sonderausgabe am Sonnabend, dem 28. Juni, werden sicherlich noch einige weitere Interessante Beiträge folgen. Schaut doch einfach mal rein! (SZ/mah)

Traumberuf Lokaljournalist

Seinen Traumjob als Lokalredakteur würde Frank Spiegel “ums Verrecken” nicht eintauschen wollen. Warum? Wegen der “unglaublichen Nähe zum Leser”. Schreiben, Fotos schießen, Seiten bauen und gelegentlich auch noch Videos machen. Videoreporter Roman Mischel hat den leidenschaftlichen Lokaljournalisten vom Westfalen-Blatt in Höxter bei seiner Arbeit begleitet.

Der Lokalredakteur: Frank Spiegel, Westfalen-Blatt (ABZV Videoreporter Folge #8) from ABZV on Vimeo.

Schüler machen Zeitung

Die SZ lädt auch in diesem Jahr wieder Schüler ein, eine Ausgabe der Sächsischen Zeitung selbst zu gestalten. Das diesjährige Thema lautet: „Muss das sein?“ 14- bis 18-Jährige können sich bewerben.

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Fotografieren, interviewen, Reportagen schreiben, layouten – kurzum: Zeitung machen wie die Profis. Die Schüler-SZ macht’s möglich. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie spannend es ist, Zeitung zu machen, kann sich jetzt bewerben.

Wie läuft das Projekt Schüler-SZ genau ab?

Die Schüler-SZ ist eine Ausgabe der Sächsischen Zeitung, die von Schülern gestaltet wird, sowohl in den Lokalteilen, als auch in den Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur. Unter der Anleitung von Redakteuren werden die Schüler recherchieren und schreiben. Am Sonnabend, 28. Juni, landet die Schüler-SZ in den Briefkästen der Leser.

Um welche Themen geht es in diesem Jahr?

Wir wollen Themen aufgreifen, die 14- bis 18-Jährige bewegen. Das Motto heißt „Muss das sein?“ Die Artikel sollen sich darum drehen, ob alles so bleiben muss, wie es ist. Wir suchen eure Ideen zu den Kategorien: „Das muss sein!“, „Das muss doch nicht sein!“ und „Das muss sich ändern!“ Egal, ob es der Stadtpark, das Wahlrecht, der Jugendklub, der Klimaschutz oder die Raucherecke in der Schule ist.

Wer kann bei der Schüler-SZ mitmachen?

Das Projekt richtet sich an Schüler der achten bis zwölften Klassen an Mittelschulen und Gymnasien. Wer sich für das tagesaktuelle Geschehen interessiert, gerne und gut schreibt, Fragen stellt und neugierig auf die Welt schaut, ist bei der Schüler-SZ genau richtig. Außerdem suchen wir talentierte Fotografen. Auch wer auf diesem Gebiet schon Erfahrungen gesammelt hat, sollte sich jetzt bewerben.

Wie können sich Schüler für das Projekt bewerben?

Schreibe bis zum 7. März eine E-Mail an schueler-sz@dd-v.de, in der du dich kurz vorstellst (Name, Adresse, Telefonnummer, Interessen), uns sagst, warum du an dem Projekt teilnehmen willst – und in welcher Redaktion du am liebsten mitarbeiten würdest. Die erfolgreichen Kandidaten bekommen kurz darauf eine Einladung.

Wie viel Zeit müssen die Schüler dafür einplanen?

Die Treffen von Schülern mit den Projektredakteuren finden von Anfang bis Mitte April in den Redaktionen in Bautzen, Döbeln, Dresden, Görlitz, Meißen und Pirna statt. Hier werden erste Ideen für Artikel entwickelt, in den Tagen danach entsteht ein Redaktionsplan. Zwischen April und dem Erscheinungstermin im Juni finden etwa zwei Treffen pro Monat statt. Am Tag vor dem Erscheinungstermin der Schüler-SZ, also am 27. Juni, werden alle beteiligten Schüler in den Redaktionen sein und an der Redaktionskonferenz teilnehmen.

Um welche Redaktionen der Sächsischen Zeitung geht es?

Wir suchen talentierte Schüler für alle 20 Lokalredaktionen der Sächsischen Zeitung. Lokaljournalisten sind nah dran am Puls der Zeit und am Alltag der Menschen. Wer in Dresden und Umgebung wohnt, kann sich auch für eine der zentralen Redaktionen bewerben. Wer mal einen Minister mit Fragen löchern will, sollte das Politikressort als Wunsch angeben. Wer gern ins Theater geht oder über Kunst diskutiert, soll auch in der Kultur darüber schreiben dürfen. Wer verrückt nach Fußball ist, ist im Sport gut aufgehoben. (SZ/sca/aho)

Rezension – Wer braucht so was?

Foto_nachbearbeitet

SZ-Theaterrezensentin
Johanna Lemke

Foto: Scholz/Veltzke/Müller

Gebrauchsanleitung und Plädoyer von SZ-Theaterrezensentin Johanna Lemke

Rezensionen braucht kein Mensch. Denn sie beschreiben unnötigen Luxus: Kultur. Das ist ja ganz nett, denken viele, aber man könnte auch drauf verzichten. Außerdem stehen Rezensionen immer unter dem Verdacht, selten gelesen zu werden. Mein Ansatz ist es, so zu schreiben, dass die Rezension auch von denen gelesen wird, die sich gar nicht für Theater interessieren. Und das Tolle an Theater ist ja, dass es von interessanten Dingen erzählt. Von Menschen, der Gesellschaft, von der Welt. Wenn man es schafft, genau diese Aspekte herauszuarbeiten, sollte es doch nicht so schwer sein. Wie schreibe ich also eine Rezension? Dieser Fahrplan gilt im übrigen genauso für quasi alle Rezensionen – also auch für die Kinokritik, die Kunstkritik, die Rezension einer Oper oder eines Popkonzertes.

Das Beobachten
Eigentlich ist Rezensieren nicht anders, als eine Reportage zu schreiben. Denn die Grundvoraussetzung ist das Beobachten. Ich sitze im Theater nie ohne Zettel und Stift. Ganz alte Hasen kriegen es vielleicht auch ohne Block hin, aber ich unterstelle mal, dass denen auch mal was durch die Lappen geht. Oft gucke ich hinterher gar nicht auf meine Aufzeichnungen – aber es ist wie in der Schule oder im Hörsaal: Wenn man mitschreibt, passt man besser auf.

Von meinem Sessel aus achte ich dann auf alles. Wirklich auf alles. Das Bühnenbild, das Licht, die Schauspieler. Die Sprache (laut, leise, nuschelnd), die Gesten (fahrig, übertrieben, unsicher), die Geschwindigkeit, die Stimmung im Saal, Zuschauerreaktionen… Dafür muss man schon wissen, was man da guckt. Erfahrung schult. Man sollte so oft wie möglich ins Theater gehen. Egal in welches, egal was.

Ich lache und weine im Theater, ich ärgere mich und bin angetan. Aber im nächsten Moment frage ich: Was hat das in mir ausgelöst? Welche Technik hat dazu geführt? Ich behalte immer eine gewisse Distanz. Darum stehe ich auch nicht ewig auf der Premierenparty herum und gehe Gesprächen mit Kollegen in der Pause oder hinterher meist aus dem Weg.

Es schadet übrigens nicht, sich abends noch kurz hinzusetzen und die ersten Eindrücke runterzuschreiben. Die Form kommt dann am nächsten Tag, aber das erste Gefühl ist meist viel Wert. Manche Bilder verschwinden über Nacht aus dem Kopf, es wäre schade um sie.

Das Schreiben
1) Eine Rezension muss Momentaufnahmen beschreiben, erst mal ohne Wertung. Wie ein Spot auf einzelne Szenen. Das ist die Grundlage von allem. Nicht jede Beschreibung ist eine Rezension – aber eine Rezension ist ohne Beschreibung nichts.

2) Ich frage mich dann, was hat mich beeindruckt? Was steht für das Gesamtprodukt? Was fällt auf? Was liegt auf der Hand? Was markiert Wendepunkte? Ich fokussiere die Momentaufnahmen.

3) Man muss nicht Theaterwissenschaft studiert haben, um Theaterrezensionen schreiben zu können. Aber man sollte das Werk einordnen können: In seine Epoche. In die derzeitige gesellschaftliche Situation. In die Ausrichtung des Theaters (gibt’s hier immer nur seichte Komödien? Ist das hier eine Ausnahme?). In den kulturellen oder gesellschaftlichen Kontext. Dafür muss man sich gut informiert haben. Ich stehe nicht sehr darauf, zu viel mit Hintergrundwissen zu protzen – aber man muss es trotzdem haben.

4) Wie interessiere ich dann die Leser für meinen Text? Die meisten Regisseure suchen nach aktuellen Bezügen, sie zeigen etwas Generelles auf oder machen aufmerksam auf eine gesellschaftliche Situation. Die gilt es herauszuarbeiten: „An XY lässt sich ablesen, dass…“ Dann verdichten sich komplexe Vorgänge. Das hilft übrigens auch, um sich selbst einen Rahmen zu bauen. Allerdings kann man sich im Interpretieren auch verlieren. Wer immer aufs Große und Ganze abzielt, hat möglicherweise den Gegenstand nicht mehr in den Augen.

5) Für viele ist die Wertung der Grund, eine Rezension zu lesen. Sie wollen wissen, ob es sich lohnt, hinzugehen. Und: Menschen lesen gern, wenn etwas scheitert – der Verriss ist die beliebteste Wertung. Beim Werten ist mein Leitfaden: Was hat der Künstler beabsichtigt? Hat er es im Rahmen seiner Mittel erreicht? Von einem hoch-subventionierten Theater erwarte ich mehr als von einer kleinen Laienbühne. Aber auch eine Laienbühne sollte keinen Mist verzapfen.

Das Konzept
Auch eine Rezension schreibt sich nicht von allein. Auch eine Rezension braucht ein Konzept. Ich versuche, relativ früh eine These zu finden und auf diese immer wieder zurückzukommen. Dann gelingt es auch leichter, Unwichtiges rauszukürzen. Ich weiß immer vorher: Wo will ich am Ende hin. Was gern vergessen wird: Was fand wo statt und wer hat es verzapft? Das muss immer relativ früh gesagt werden.

Die Sprache
Theaterrezensionen versuchen leider viel zu oft, einen bildungsbürgerlichen Duktus nachzuahmen. Besser ist es, in seiner eigenen Sprache zu bleiben, heutig zu schreiben und verständlich. Und wichtig: Konkret schreiben, bildlich schreiben, starke Verben. Wörter wie „berührend“ oder „beeindruckend“ nur sparsam verwenden und lieber Verben finden, die diese Stimmung vermitteln. Besonders wichtig, wie bei jedem Text, ist der Einstieg. No-Go: „Am soundsovielten fand dieunddie Premiere statt…“ Da steigt jeder Leser gleich aus.

Wenn Texte leuchten – Die Beschreibung
Eine Rezension ist eigentlich nicht anders als andere Texte – aber sie darf gern ein bisschen schöner klingen als ein Rathausbericht. Darum versuche ich, meine Texte zum Leuchten zu bringen. Damit meine ich sprachliche Wendungen, die nah an der Literatur sind, ohne die Grenze zu überschreiten. Die dem Moment Sprache verleihen, von der bloßen Beschreibung abweichen und neue Formulierungen finden. Leuchtende Texte sind frei von Allgemeinplätzen oder Leerformeln, aber reich an Bildern.

Kürzen
Ich liebe Kürzen, weil es mich zwingt, Manieriertheiten auszumerzen, mich für zentrale Aussagen zu entscheiden und Sätze, die zwar schön klingen, aber keine Relevanz haben, eiskalt rauszuschmeißen. Für mich ist Kürzen wie eine Reinigung von dem Zuviel. Und man sollte bedenken: Kurze Texte sind oft dicht, klar, eindeutig in der Wertung. Bei wirklich kurzen Rezensionen versuche ich, mich auf einen Aspekt zu konzentrieren, radikal. Das tut weh, aber das Ergebnis ist oft erstaunlich knackig.

Literaturtipps:
Alfred Polgar: Das große Lesebuch. Zürich 2003.
Stephan Porombka: Kritiken schreiben. Konstanz 2006.
Marcel Reich-Ranicki: Lauter Verrisse. Stuttgart 1990.
Edmund Schalkowski: Rezension und Kritik. Konstanz 2005.
Gerhard Stademaier:Parkett, Reihe 6, Mitte. Wien 2010.

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