Erfahrungsbericht

Zeitung ohne zu Schreiben – warum das?

Volontär Max ist als Editor in die SZ „hineingerutscht“. Wie das ohne Vorbildung möglich war und warum ihm manchmal vor lauter Druck die Tränen kamen, erzählt er in diesem Beitrag.

Stellv. Stadtchef Peter Hilbert gibt Editor Jorge Obst Anweisungen. Redakteurin Kay Haufe nimmt diese kritisch zur Kenntnis. Letztes Jahr hätte auch ich auf diesem Foto sitzen können. Foto: Svenniboi

Manchmal braucht man einfach ein bisschen Glück. So ging es mir auf meinem Weg ins Volontariat bei der SZ. Ende 2016 saß ich als studentischer Praktikant in der Stadtredaktion Dresden und schrieb über Einzelhandel in Pieschen, über defekte Fahrstühle in Prohlis und über das Panometer in Reick. Mein Ziel war klar: Ich muss einen Weg finden hier zu bleiben. Schließlich wollte ich seit einem Schülerpraktikum mit 14 Jahren ganz unbedingt Journalist werden. Vielleicht hat es auch mit Erziehung zu tun – schließlich ist auch meine Mutter Journalistin, allerdings im Harz.

„Max, komm mal bitte zu Claudia“ – so lautet die Einladung zu einer kleinen Audienz bei der Stadtchefin Claudia Schade. Die Redaktion stand vor einem Problem: Editor Klemens Deider sollte in wenigen Wochen Vater werden. Das bedeutete, dass er einen ganzen Monat zu Hause bleiben und danach verkürzt arbeiten würde. Da Claudia und Peter (ihr Stellvertreter) ganz zufrieden mit meiner Arbeit(seinstellung) waren, fragten sie mich, ob ich nicht als Editor arbeiten wollte. Das war zwar nicht so ganz was ich machen wollte, aber es war die Chance bei der SZ zu arbeiten, Kollegen kennenzulernen und letztlich lag mein Studium ohnehin in den letzten Zügen und ich konnte einen Job gut gebrauchen. Also sagte ich zu und wurde Werkstudent.

Ich war nun also Editor und saß am völlig überdimensionierten Dresdner Newsdesk. Die Frage „was macht denn so ein Editor?“ ist völlig berechtigt. Was die wenigsten wissen: In einer Redaktion gibt es Redakteure und Editoren. Redakteure liefern Inhalte, Editoren machen aus den Inhalten eine Zeitung. Sie gestalten die Seiten, lesen die Texte Korrektur, kümmern sich um die Bildauswahl und sind die letzten, die nochmal auf eine fertige Seite schauten. Ohne zu übertreiben, bei den ersten Malen auf den Knopf drücken, der eine Seite in die Druckerei schickte, hab ich vor lauter Anspannung fast angefangen zu heulen. Wenn jetzt irgendwo ein Fehler übersehen oder ein Bildtext vergessen wurde, wäre letztlich meine Schuld!

Neben mir saß meist Jorge Obst, der Chefeditor der Stadtredaktion, dem die unangenehme Aufgabe aufgedrückt wurde, mir alles haarklein beizubringen. Am Anfang bedeutete das für ihn verständlicherweise einigen Stress und Mehrarbeit, aber im Laufe der Zeit entwickelten wir uns zu einem echt guten Team und heute ist Jorge mein engster Freund in der Redaktion. Was für ihn bedeutet, dass ich immer, wenn ich irgendwo nicht weiter komme, zuerst ihn anrufe. Noch nimmt er es mir aber nicht übel.

Diesen Job machte ich knapp zwei Jahre neben dem Studium. Das heißt, ich machte das Studium neben dem Beruf. Denn es gibt Krankheitsfälle, Urlaube, Sonntagsdienste und Sonderschichten, die mir zu viel Arbeit aber eben auch zu einem im Endeffekt 20+ Stunden Job verholfen haben, obwohl ich nur für ein Jahr „zwei Tage die Woche“ und danach „wenn wir dich mal brauchen“ eingeteilt war. Was darauf hinauslief, dass ich, als ich abtrat um ins Volontariat einzusteigen, ein kleines Löchlein hinterließ.

Was ich nun kann? Ich kann Seiten bauen, habe zahllose gute journalistische Texte gelesen, kenne die Leute im Haus, kenne die Arbeitsabläufe und kann mir meine eigenen Artikel hübsch und vielleicht etwas besonders layouten. Doch ich merke auch, dass der Alltag als Schreiber etwas gänzlich anderes ist. Trotzdem kann ich jedem Volontär empfehlen, auch mal eine Zeit als Editor zu verbringen. Und ich freue mich sehr, in die Stadtredaktion Dresden zurückzukehren. Und auf Jorges Kommentare, wenn er meine Texte redigieren muss.

Erfahrungsbericht

Schreiben statt Schimmeln

Manchmal dachte Volontärin Franziska Klemenz, sie hätte gern mal wieder Zeit zum Abhängen. Dann brach sie sich einen Fuß und entlarvte ihren Irrtum.

Freizeit ohne Urlaub. Freizeit ohne die Bewilligung des Chefs. Ich liebe meinen Job, aber das habe ich manchmal vermisst. Mich an damals erinnert, an meine Zeit an der Uni. Nach fünfmaligem Ignorieren des Weckers auf die Uhr gucken und beschließen, dass es bei den eingeplanten Stationen zwischen Bett und Dusche nun ohnehin schon zu spät wäre, um noch während der akademischen Viertelstunde die letzte Reihe im Hörsaal zu erklimmen. Das mag mich einige Erkenntnisse gekostet haben. Aber es war ein Gefühl von großer Freiheit, nach zwölf Jahren der quälenden Schulpflicht entgegen meines natürlichen Rhythmus‘. Als ich morgens um acht mit Augenlidern aus Stahlbeton mathematische Höhenflüge beobachten musste, denen ich nicht folgen konnte – wollte. Es einfach nicht einsah, mich mit Dingen zu befassen, deren Nutzen sich mir damals nicht erschlossen.

Faulheit und Desinteresse ließ ich nach dem zweiten Semester an der Uni sukzessive hinter mir. Sobald ich unter Peter Hilbert, dem gutherzigen General der Stadtredaktion Dresden, mein erstes redaktionelles Praktikum absolviert hatte, glühte ich. Mit dem Journalismus hatte ich meine Passion gefunden, Faulheit kannte ich nicht mehr. Und so arbeitete ich in Dresden, Bamberg, Berlin und wieder in Sachsen in Redaktionen. Die humanen Arbeitszeiten beflügelten mich, mit Abend- und Nachtschichten hatte ich nie ein Problem. Aber manchmal kam er, der Gedanke. Während ich seit Abschluss meines Bachelors 2015 arbeite, studiert der Großteil meiner Freunde noch. Irgendwann merkte ich, dass ich plötzlich eine von „den anderen“ war. Von denen, die lange im Voraus planen müssen. Früher fremde Aliens für mich: Menschen ohne Zeit, von Montag bis Freitag. Die nur an Wochenenden Dinge tun können, keine Semesterferien mehr genießen und ihre Urlaubstage dementsprechend mit Sinnstiftendem füllen müssen. Mit Reisen. Nicht, dass ich Reisen jemals gegen Schimmeln tauschen würde, zu gierig sehne ich mich nach der ganzen Welt. Aber manchmal, dachte ich, wäre es toll, jetzt einfach ein paar Tage zum Lesen zu haben. Oder zum Nachdenken. Tagebuch schreiben. Hobbies entwickeln, tote Winkel von Dresden sehen. Alles Dinge, die so wenig Raum bekommen, fülle ich meine Freizeit doch meist mit Freunden.
Dann passierte etwas, das meinem Selbstbild fremder war als eine Sinuskurve: Ich brach mir den Fuß. Ich und ein Bruch? In meinem Weltbild zwei Schuhe, ein Ballerina und ein Stahlkappen-Treter. Als der Arzt mir erzählte, dass ich nun sechs bis zwölf Wochen ausfalle, glaubte ich, er scherzt. Ich lachte, er wartete mit einer Mischung aus Entnervtheit und Gleichgültigkeit darauf, dass die Erkenntnis durchsickerte.

Ich bin nie krank. Selbst Grippen ignoriere ich lieber. Herumliegen fühlt sich kränker an als Arbeiten, außerdem falle ich echt ungern aus. Nun hatte ich zum ersten Mal in der Geschichte meiner wenigen Erkrankungen keinen Spielraum. Ich musste operiert werden. Und still liegen. Ohne Krücken geht seit Wochen gar nix mehr.

Nach Jahren hatte ich mal wieder Zeit, richtig ordentlich abzuhängen. Ein paar Tage lang schimmelte ich hippelig vor mich hin, genoss die Exotik der Erfahrung. Dann hatte ich genug. „Na schön“, dachte ich trotzig. „Dann suche ich mir jetzt eben ein tolles Projekt. Lerne Mandarin oder ein Instrument oder arbeite die wichtigsten Erkenntnisse eines Politik-Studierenden durch.“ Und das sollte Schimmeln sein? Mein Kopf war gar nicht mehr dazu imstande. Ich las Zeitung, viel Zeitung. Und war müder, als ich dachte. Ich schlief, ich las, ich glotzte vom Balkon, ich konnte mich nicht bewegen. Ich guckte unendlich viele sinnlose Videos im Internet, befasste mich mit den Abgründen von 8chan und biberte mich durch die sumpfigsten Foren des Internets. Aber irgendwie ungerichtet, unbefriedigend. Nicht wie bei einer richtigen Recherche, die zu (k)einer Erkenntnis führt. Ich verlor mich in Nonsense. Ich las die Texte von KollegInnen, mir fielen Themen ein, meine Finger kribbelten, ich wollte wieder schreiben. Werde ich das noch können, wenn ich zurückkehre? Wahrscheinlich ein alberner Gedanke, der mir gleichwohl zeigt, wie sehr meine Arbeit inzwischen zu meinem Leben gehört. Mandarin spreche ich bis heute nicht und das Instrument steht auch noch im Laden. In zwei Wochen darf ich endlich wieder arbeiten. Journalistin sein bedeutet eben doch nicht einfach nur, eine von denen zu werden, von den Arbeitenden mit Bausparverträgen, die mir früher wie fremdgesteuerte Aliens erschienen. Es ist nicht einfach nur ein Job. Die Journalistin gehört zu meiner Identität. Nicht, dass ich das nicht lange ahnte. Aber ich musste mir erst den Fuß brechen, um die romantische Vorstellung des Schimmelns schließlich zu entlarven. Als eine, die im Grunde nicht mehr zu mir passt. Zumindest nicht im Übermaß.

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Wir sind ’ne Zeitung und kein Radio! Mein erster Podcast.

Go Podcasting! Ein Satz, viel Wahrheit. Denn Podcasts sind das Medium der Stunde – jeder Schauspieler, Musiker und Journalist macht einen. Und natürlich die Sächsische Zeitung. Kreativdirektor Fabian Deicke erfand Anfang des Jahres die „Drittelstunde“, ein 20-minütiges Interviewformat mit einem Gast und Fragen aus der Community. Und ich hatte schon immer Lust, das auch mal zu probieren. Schließlich bin ich ganz persönlich auch Podcast-Fanatiker. Und so nahm ich meinen Mut zusammen, sprach ihn an und er sagte ja.

„Soziale Medien“ sollten das Thema sein. Als Gesprächspartnerin schlug ich Dr. Cornelia Mothes vor, bei der ich in grauer Vorzeit meines Kommunikationswissenschafts-Studiums mal ein Tutorium besucht hatte. Frau Mothes sagte zu, alles lief glatt. Bis zum Tag vor der geplanten Aufnahme, denn da machte uns die Grippewelle einen Strich durch die Rechnung und unsere Gesprächspartnerin sagte ab. Doch sie schickte eine mindestens ebenbürtige Vertretung: Anna-Maria Schielicke, ebenfalls Kommunikationswissenschaftlerin, stand uns Rede und Antwort.

Und was soll ich sagen, es war total lässig. Das entspannte Hinsetzen und Reden hatte wenig mit einem Radio- oder Fernsehinterview zu tun. Wir sprachen ziemlich genau 20 Minuten mit eingeschaltetem Mikrofon – anschließend nochmal eine (beinahe interessantere) halbe Stunde bei ausgeschaltetem. Anschließend noch Fototermin und ein bisschen über Journalismus reden und dann konnte die Nummer online gehen.

Und beim Hören? Mal abgesehen davon, dass ich (trotz jahrelanger Schauspielerfahrung) eine absolut grottige, stammelige Aussprache habe, hat es echt Spaß gemacht. Ein Podcast ist ein lockeres Medium zum nebenbei Hören, zu viele Schnitte, Einspieler und Musik wären ohnehin ablenkend. Ich hatte das vorher für eine Ausrede gehalten, jetzt denke ich, dass durch diese Ungezwungenheit wirklich gute Gespräche zustande kommen. Und damit folgt er einen uralten, journalistischen Regel: Inhalt vor Form.

Drittelstunde – der SZ Podcast. Gast: Anna-Maria Schielicke
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Haute Kultür – Meine Grenzen im Feuilleton

Auf dem großen, runden Konferenztisch im fünften Stock liegt ein Hefter. „Fülledong“ steht darauf. Drinnen finden sich Texte, nach Kategorien geordnet. Sachbuch, Belletristik, Popmusik, klassische Musik, Theater und Kunst. Das ist sie also, die hochoffizielle „Kultur“. Vielleicht der Umstand, an dem ich in drei Monaten Feuilleton-Redaktion am meisten zu knabbern hatte.

Nach meinen drei Monaten im Lokalen (ich war zuvor in Pirna und Freital unterwegs) war der Aufschlag im Feuilleton denkbar schroff. Hier ist die Schlagzahl viel niedriger, die Ansprüche an die Texte aber deutlichhöher. Entsprechend rot bekritzelt ist mein erster Entwurf zum Thema Podcast. Viel zu speziell, viel zu thesenarm und sprachlich sehr unausgereift. Doch Marcus Thielking (Feuilleton-Chef) erklärt freundlich und seelenruhig jede Anmerkung. Ob meine Einlassungen nun qualitativ total unterirdisch sind, lässt sich nicht aus seinem Gesicht ablesen.

Wenig später schreibe ich meinen kleinen Leuchtturm-Text: „Die Sprachwächter*innen„. Ein Text, der zeigt, dass gendergerechte Sprache gar nicht wehtut und nebenbei der „Anti-Gender-Petition“ des Vereins für Deutsche Sprache noch einen mitgeben soll. Aus der Retrospektive hätte ich ihn gern etwas positiver und weniger defensiv geschrieben. Doch vielleicht war es auch gut so, denn auch so kamen bislang 30 Leserbriefe zum Thema an. Einige mit interessanten Anmerkungen, die mir Frauenfeindlichkeit unterstellten und denen meine Ideen nicht weit genug gingen, bis hin zu einer Dame, die mir ein Buch mit schönen deutschen Texten schenken wollte. Die meisten Briefe stammten allerdings von Männern und trafen weit unter der Gürtellinie. Das „Kuckuckskind, das sich die SZ ins Nest legte“ war einer der Tiefpunkte.

Nun, drei Monate Feuilleton. Theater, Feminismus, Veranstaltungen und Interviews, abwechslungsreich war es in jedem Fall. Auch die beiden Texte, die ich für die Wissenschaft schreiben durfte, haben Spaß gemacht. Und vor allem darf man hier noch etwas von dem „guten alten Journalismus“ kosten, der nicht jeden Tag zwei Texte verlangt, sondern es ermöglicht, sich auch mal in ein Thema einzuarbeiten, beziehungsweise Expertise auf einem Gebiet zu sammeln. Das kommt der Qualität zugute und die Fachgespräche unter den Kollegen waren wirklich bereichernd.

Schwierig hingegen wird es, wenn die fachliche Expertise in Fachtexten mündet, die Otto-Normalleser eigentlich kaum verstehen kann. Und auch die Einschränkung des Kulturbegriffs auf die oben genannten Kategorien bereitet mir Kopfzerbrechen. Ist das wirklich alles? Ich habe meine ganz persönliche Vergangenheit in den Tiefen des Amateurtheaters und dort großartige Momente erlebt. Dafür ist, genau wie für Untergrundkultur, wenig Platz. Schade, vor allem für die Online-Leserschaft. Vielleicht wäre es auch meine Aufgabe gewesen, neue Impulse hereinzugeben, mich ganz in eine neue Richtung zu werfen? Das habe ich dann leider doch versäumt, ob aus Respekt oder Faulheit. Shame! Möglicherweise ist solch eine Aufgabe aber auch zu groß für einen Journalisten in Ausbildung.

Trotzdem oder gerade deshalb habe ich sehr viel über meine eigenen Texte gelernt, nicht zuletzt, wegen der manchmal vernichtenden Blattkritik jeden Morgen. Und im Moment ist es eine sehr besondere und intensive Zeit. Schließlich findet jetzt gerade die sukzessive Umstellung auf online-first, also die Priorisierung der Artikel auf Online statt Print, statt. An dieser Verschiebung hat das Feuilleton arg zu knabbern, fachlich wie menschlich. Ich hoffe sehr, dass sie das auf die Reihe kriegen. Ich werde schließlich nicht der Einzige sein, der morgens in der Zeitung zuerst den Kulturteil liest.

Erfahrungsbericht

Moin moin, Hamburg!

Zum Volontariat der Sächsischen Zeitung gehört ein vierwöchiger Lehrgang an der Henri-Nannen-Schule. Dabei herrscht ein Hauch von Klassenfahrt – auch wenn nur wenig Freizeit bleibt.

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Das Treppenhaus Stubbenhuk 10. Hier ist die Nannen-Schule zuhaus.

Wer bei der SZ ein zweijähriges Volontariat absolviert, hat das Glück, einen Teil der Ausbildung in Hamburg zu genießen. Bei einem vierwöchigen Intensivkurs an der renommierten Henri-Nannen-Schule lernen die angehenden Journalisten,  was zu einer Nachricht, Reportage oder guten Überschrift gehört. Dafür sorgen namhafte Dozenten, die zum Teil mehrere Tage in den Räumen unweit des Hamburger Hafens unterrichten.

Dieses Jahr waren vier Journalisten der SZ unter den zwanzig Lehrgangsteilnehmern. Eine Gruppe kam aus der Schweiz, weitere Teilnehmer unter anderem von Spiegel Online und Bento. Im Verlauf der vier Wochen ist aus den  zwanzig Reportern eine verschworene Gemeinschaft geworden, was nicht zuletzt an den vielen Gruppenübungen lag, die den Nannenschülern-auf-Zeit einiges abverlangte.

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Die Teilnehmer des Nannen-Kurses 2016

Auch sonst war der Stundenplan in den vier Wochen prall gefüllt. Zum normalen Unterricht kamen diverse Abendtermine hinzu, bei denen die Kursteilnehmer namhafte Größen der Medienbranche befragen konnten. Den Höhepunkt markierte jedoch das Reportage-Wochenende: Dafür begleiteten die Journalisten Studenten bei einer Obduktion, recherchierten undercover bei einer Swingerparty und ließen sich in einem Selbstversuch chemische Mittel gegen Falten spritzen.

Für durchzechte Nächte und Sightseeing blieb bei dem umfangreichen Pensum zwar wenig Zeit. Zumindest ein kühles Bierchen am Hafen war nach einem anstrengenden Tag aber drin.

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Hautnah an den schwarz-gelben Aufstiegshelden

Der 15-jährige Maximilian Selle sammelt als Praktikant bei der SZ derzeit erste journalistische Erfahrungen. Das brachte ihm ein Treffen mit den Kickern von Dynamo Dresden. Wie er den Termin erlebt hat, schildert er hier.

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SZ-Praktikant Maximilian Selle. Foto: Ronald Bonß

Am 11. Mai 2016 besuchte ich mit Cynthia Thor vom Videoteam der Sächsischen Zeitung  den Familientag mit Dynamos Aufstiegshelden im Dresdner Zoo.

Als wir im Zoo ankamen, sah ich viele Besucher. Darunter waren eine Menge Dynamofans, die ihre Mannschaft vor Saisonende noch einmal hautnah erleben wollten.

Die in Schwarz und Gelb gekleideten Fans belagerten die 13 Stationen im Zoo, an denen Dynamospieler Autogrammkarten verteilten und für Fotos posierten. Ich sah viele Familien, die ihre Kinder mit den Dynamo-Spielern fotografierten und sich Autogramme in ihre Aufstiegshefte schreiben ließen.

Jüngere Dynamofans hatten außerdem die Möglichkeit, mit den Spielern zu kicken, zu klettern, zu hüpfen, zu rätseln und zu malen. Doch durch den riesigen Andrang war es manchmal nicht möglich, dieses Programm umzusetzen.

In der Nähe des Eingangs stand ein Glücksrad, bei dem es Dynamofanartikel gab. „Glücksfee“ Janis Blaswich, einer der Torhüter von Dynamo Dresden, betreute das Gewinnspiel.

Die meisten Fans tummelten sich an den Ständen von Justin Eilers, Marvin Stefaniak und Michael Hefele. Das hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass Kapitän Hefele in der Sommerpause zum englischen Zweitligisten Huddersfield Town wechselt. Auch Justin Eilers verlässt die SGD, er spielt ab der kommenden Saison bei Werder Bremen. Es bot sich also einmal die Möglichkeit, diese Leistungsträger so nah, zusammen und in diesem speziellen Umfeld zu sehen.

Auch ich nutzte die Gelegenheit für ein Interview mit den drei Spielern. Allen stellte ich die Frage, was es ihnen bedeutet, mit den Fans den Tag im Zoo zu verbringen. Anschließend schnitt Cynthia die O-Töne zusammen und veröffentlichte das Video auf YouTube:

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=rwc1raR_y8o]

Meine Erwartungen, dass ich Erfahrungen beim Führen von Interviews sammle, wurden erfüllt. Mir hat gefallen, die Spieler anzusprechen und ihnen aus der Perspektive eines Reporters Fragen zu stellen – eine Situation, an die ich mich durchaus gern gewöhnen würde.

Ich möchte später einmal Journalist werden, weil ich gerne mit Menschen spreche und ich mich sehr für Sport, Politik und Wirtschaft interessiere.

Erfahrungsbericht

Bericht aus Berlin

Auch außerhalb Sachsens arbeiten Journalisten der SZ – zum Beispiel in der Bundeshauptstadt. Eine Woche lang konnte SZ-Volontär Tobias Hoeflich in den Politikbetrieb reinschnuppern.

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Gähnend leer zeigt sich die U-Bahn-Station Bundestag. Und das trotz Sitzungswoche! Nein, das liegt nicht daran, dass sämtliche Abgeordnete und deren Mitarbeiter lieber den Chaufferservice statt die öffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch nehmen. Die Kanzlerbahn, die den Bundestag später mit dem Alexanderplatz verbinden soll, ist schlichtweg noch nicht fertig. Mit Verkehrsprojekten hat es die Bundeshauptstadt ja bekanntlich auch nicht so…

Alt trifft neu am Spreeufer. Fotos: T. Hoeflich

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Gebaut wird aber auch oberirdisch jede Menge in Berlins Mitte, wo nicht nur der Reichstag über allem thront, sondern auch viele Ministerien ihren Sitz haben. Anfang Oktober konnte ich mir eine Woche lang einen Überblick über den politischen Alltag in Berlin verschaffen. Denn auch in der Hauptstadt hat die SZ mit Sven Siebert und Peter Heimann gleich zwei versierte Korrespondenten vor Ort, die bestens mit Abgeordneten, Verbänden und sonstigen Akteuren vernetzt sind unsere Leser aus dem politischen Herz Deutschlands informieren.

Die Wege in Berlin für Journalisten sind kurz – trotz Großstadt. Rings um den Bundestag wurden mehrere Neubauten errichtet, die unter anderem für die vielen Mitarbeitern im Politikbetrieb, Ausschusssitzungen und Konferenzen dienen. Ein Tag in der Hauptstadt kann für Journalisten lang sein: Plenarsitzung, Untersuchungsausschuss, Pressefrühstück: Immer steht etwas an. Klar, dass man auf den Straßen im Regierungsviertel regelmäßig auf Politiker trifft, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, wenn sie bei Jauch und Co. sitzen.

Wer die Möglichkeit hat, einmal im Korrespodentenbüro tätig zu sein, sollte nicht unbedingt erwarten, gleich über sämtliche weltpolitischen Thema zu schreiben. Vielmehr erhält man in erster Linie einen Eindruck, wie der Politikbetrieb in Berlin tickt und wie Journalisten darin eingebunden sind. Und das ist mindestens genauso spannend.


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Mehrmals pro Woche stehen Sprecher der jeweiligen Bundesministerien Journalisten der Bundespressekonferenz Rede und Antwort.

Erfahrungsbericht

Mit dem direkten Draht ins Zentrum der Macht

 

Foto: Lutz Weidler
Foto: Lutz Weidler

Britta, da gibt es nicht mal ein Programmkino! Auf die Nachricht, dass ich fortan in Riesa als Lokalredakteurin arbeiten werde, reagierte mein geschätzter Kollege aus dem Kulturressort, als sei ich in die Tundra, die Walachei oder irgendeinen anderen Landstrich strafversetzt worden, den man mit Verlassenheit und kultureller Ödnis in Verbindung bringt. Dann schenkte er mir noch ein Hörbuch von zwölf Stunden Dauer zum Abschied.

Und jetzt bin ich hier. Bereits seit etwa 100 Tagen – Zeit für eine Bilanz. Die sollte es schon viel eher geben. Aber: Viel zu tun in so einer Lokalredaktion.

Dies ist die erste Stelle meines Lebens, abgesehen vom Volontariat. Sozialversicherungspflichtig und mit Betriebsrenten-Tralla-la und all dem Kram. Da kannst´de echt froh sein, sagte kürzlich eine ehemalige Kommilitonin aus dem Journalistik-Studium am Telefon zu mir. Sie selbst schlägt sich in Dortmund als Freie auf einem völlig übersättigten Markt durch.

Darüber, dass ich das nicht tun muss, bin ich auch wirklich ausgesprochen dankbar! Mit mir tauschen, würden viele Freie dennoch nicht. Riesa ist schließlich nicht München, Hamburg, Berlin oder irgendeine andere Medienmetropole. Ich habe aber schnell die Vorteile entdeckt: Wenn ich mit dem Regierungsoberhaupt sprechen muss, wühle ich in meinen Unterlagen – mein Kontakt-Management lässt noch Raum für Verbesserung – und wähle schließlich die entscheidende Handynummer. Die beiden Oppositionsführerinnen finde ich fast immer in einem kleinen Ladenlokal in der Nähe. Sie sitzen hinter konspirativ verschlossenen Lamellen-Vorhängen und versorgen mich bereitwillig mit zitierfähigen Informationen. Wenn ich den Zeitpunkt nicht verpasse, treffe ich den Regierungssprecher beim Mittagessen im Einkaufszentrum, wo es jeden Mittag das gleiche gibt – wahlweise mit kalter Sauce Hollandaise aus dem TetraPak. Dort kann ich den Sprecher noch einmal nachdrücklich an meine offenen Anfragen erinnern. Das beschleunigt die Antwortzeit – fast immer. Fußläufig ist das überschaubare Regierungsviertel von der Redaktion aus in drei Minuten erreichbar. Unsere Hauptstadt-Korrespondenten brauchen von ihrem Büro in der Bundespressekonferenz aus auf jeden Fall länger, um über die Spree ins Reichstagsgebäude zu kommen.

Politikum Blumenkübel

Ich habe als Leiterin meines Eine-Frau-Politikressorts also den direkten Draht ins Zentrum der Macht – das Riesaer Rathaus, und damit genug Stoff, um (in der Regel) nicht von Kinderfesten und Rammlerzüchtern berichten zu müssen. Dieses Klischee hält sich ja hartnäckig – mir kommt es so vor, dass es vor allem in den Köpfen von Großstädtern weiterlebt, die selbst keine Lokalzeitung lesen und sich dann plötzlich wundern. Dann nämlich, wenn die Räte das kommunale Eigentum bereits verhökert haben oder durch den teuren Tunnel unter der Stadt schon die erste S-Bahn rollt. („Da hätte man doch protestieren müssen.“)

Gerade ist Wahlkampf. Am 25. Mai wählt Riesa einen neuen Stadtrat. Das macht sich bisher weniger in einer übermäßigen Plakate-Flut bemerkbar, als vielmehr in der Länge der Ausschusssitzungen. Im Bauausschuss entbrannte vor wenigen Tagen erst eine Diskussion über die Blumenkübel in der Innenstadt. Darin liegt noch immer das Tannengeäst vom letzten Winter. Die CDU-Fraktion will nun in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion, das Gestrüpp entfernen. Klar wollen auch die CDU-Leute wieder in den Rat – am besten mit einer so bequemen Mehrheit ausgestattet wie bisher.

Trotz konservativer Vorherrschaft bleibt es spannend im Riesaer Wahlkampf. Besonders gespannt bin ich, ob der Kandidat der Partei den Wiedereinzug schafft, die seit der letzten Bundestagswahl nur noch in persona von Wirtschaftsminister Sven Morlok zu existieren scheint. Dem Stadtrats-Anwärter wird nachgesagt, dass er es beim letzten Mal nur geschafft hat, weil er mit dem gleichnamigen, stadtbekannten Friseur verwechselt wurde. „Hier is´ was los“, sagt mein Kollege manchmal. Meist bezieht er sich dabei auf Lokalpossen wie diese – oft aber auch auf Situationen, in denen nicht so ganz ersichtlich ist, wie wir mit so wenig Leuten, die Seiten vollschreiben sollen.

Und damit zurück in die Stadt der Programmkinos.