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Im Blickfeld des Angeklagten

Julia Lachmann (22) war als Praktikantin acht Wochen für die Dresdner Stadtredaktion unterwegs. Ihr letzter Tag, erzählt sie, war zugleich der spannendste:

Julia_Lachmann

Kurz vor neun Uhr morgens wartet der Gerichtsreporter Alexander Schneider schon vor dem Dresdner Amtsgericht auf mich. Zusammen gehen wir an den Sicherheitsbeauftragten vorbei, ein paar Schritte zum Schwarzen Brett. Auf verschiedenen Zetteln stehen die wichtigsten Stichwörter und Abkürzungen zu allen möglichen Prozessen: Worum es bei den jeweils anstehenden Gerichtsverhandlungen geht, wie lang der Prozess dauern soll und in welchem Saal sie stattfindet.

Nachdem Alexander Schneider mir alle Abkürzungen entschlüsselt hat, laufen wir zu einer Verhandlung. Da es sich bei diesem Fall schon um den zweiten Teil handelt, hat er mir einen Abend zuvor Artikel aus dem Archiv darüber gegeben. Damals wurde die Sitzung vertagt, weil der zuständige Richter in der Zeit verstarb. Damals wie heute geht es um einen Untreue-Fall in Tirol. Die Angeklagte war als Kassiererin an einer Tankstelle angestellt. Ihre Aufgabe war es, zur Tatzeit das eingenommene Geld zu einem Tresor zu bringen. Dort kam es aber nie an.

Ich bin ein wenig aufgeregt, als wir in der ersten Reihe Platz nehmen, um die Geschehnisse bestmöglich zu verfolgen. Die Angeklagte zeigt während des gesamten Prozesses nicht ein einziges Mal ihr Gesicht. Sie sitzt schräg zum Richter gerichtet und ihre gefärbten, blonden Haare sind mit Absicht so gelegt, dass wir sie nicht erkennen können. Wir schreiben alle wichtigen Informationen mit und gehen nach dem Urteil aus dem Saal.

Kein Kleinkrimineller auf der Anklagebank

Was ich nicht weiß, Alexander Schneider hat schon einen weiteren Prozess, der bereits läuft, im Auge. Wir rennen sofort zum nächsten Gerichtssaal. Dieser ist viel größer, weil es sich um einen schwerwiegenderen Prozess handelt. Als wir uns wieder einmal in die erste Reihe setzen, wird mir klar, dass auf der Anklagebank kein Kleinkrimineller sitzt. Er trägt Handschellen und zwei Polizisten bewachen ihn. Wie sich herausstellt, handelt es sich beim Angeklagten um einen Messerstecher. Dieser wurde nur aufgrund eines Tschechienausfluges überführt. Der Mann wollte nach seiner Tat nicht fliehen, sondern sich dort harte Drogen beschaffen. Auf den Weg dahin kam er bei einer Autobahn auf die falsche Fahrbahn. Er war also plötzlich als Geisterfahrer unterwegs.

Die zuständigen Polizeibeamten wurden auf ihn aufmerksam und verfolgten ihn. Als sie es schafften, diesen Mann zu fangen, wussten sie noch nichts von seiner schrecklichen Tat. Er hatte zuvor einen Mann bei sich zu Hause niedergestochen, weil dieser wohl eine Affäre mit seiner Frau hatte. Er setzte die Polizisten darüber nicht in Kenntnis und blieb stattdessen ganz normal. Seine blutverschmierten Klamotten erklärte er mit einer angeblich harmlosen Schlägerei. Als die Beamten aber auch einige Messer auf dem Beifahrersitz seines Autos sahen, verhafteten sie ihn.

Interviews mit Zeugen und Anwälten

Während ich das alles im Gerichtssaal mitbekomme und mir den Täter angucke, schaut er zugleich mich an – mir ist ein wenig komisch zumute. Aber plötzlich fällt das Wort „Pause“ und schon ist Alexander Schneider schon rausgerannt. Ich rannte also schnellstens hinter ihm her. Denn man führt während der Pausen Interviews mit Zeugen und Anwälten, um als Journalist jegliche Information zu bekommen, um einen fehlerfreien und informativen Artikel schreiben zu können.

Nachdem wir also während der Pause mit allen wichtigen Leuten gesprochen haben, fahren wir zur Redaktion. Dort darf ich dann den gesamten Artikel über den Untreu-Fall in Tirol schreiben. Dies ist nicht nur mein letzter Praktikumstag, nein, zugleich auch der aufregendste.

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Witzigstes Bewerbungsfoto gesucht

Messe

Direkt mit Auszubildenden und Personalreferenten der DD+V Mediengruppe ins Gespräch kommen, kannst du vom 18. bis 20. Januar auf der Karriere Start. Das ist eine Bildungs- und Jobmesse, die bereits zum 15. Mal in Dresden stattfindet.  Bei unserer Fotoaktion kannst du kostenlos dein witzigstes Bewerbungsfoto schießen lassen. Außerdem erfährst du an unserem Stand in Halle 2 auch mehr zu journalist-werden.de.

Insgesamt beantworten mehr als 370 Aussteller aus ganz Sachsen  Fragen rund um Ausbildung, Studium, Beruf oder Jobs. Außerdem gibt es viele kostenfreie Zusatzangebote wie zum Beispiel Berufsinteressentest, Bewerbungsmappencheck oder Infos zu Auslandsaufenthalten. 

Die Messe ist am Freitag von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro für Schüler, Studenten, Arbeitslose, Zivildienstleistende. Alle Informationen unter www.messe-karrierestart.de

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Kamenzerin berichtet aus Japan

Veronika Arnold aus Kamenz studiert Internationales Transportmangement und verbringt ein halbes Jahr in Japan. Die 22-Jährige schreibt nicht nur Familie und Freunden Mails aus Tokio, sondern schickt auch der Sächsischen Zeitung Auszüge aus ihrem Reisetagebuch. Hier die spannendsten Erlebnisse zum Nachlesen:

privat10.11.2012: Massen auf dem Weg zur Arbeit

Meine Fahrtzeit zum Büro beträgt 20 Minuten. 20 Minuten, um die wildesten Sachen zu erleben. Im Drei-Minutentakt kommt ein Zug, was vermuten lässt, dass die Dinger leer sind. Fehlanzeige! Der überfüllte Zug macht an meiner Station halt und ich denke mir: „Hier passt nichts mehr rein – außer ich natürlich!“ Eine Station weiter warten jedoch am Gleis mit je zwei Meter Abstand mindestens 50 Schlangen mit je 15 Leuten pro Schlange auf die Massenabfertigung.

Das erste Mal dachte ich mir: „Klar, da passen noch zwei Leute in den Zug und dann fährt das Ding weiter“. Ich wurde eines Besseren belehrt. Es wird gepresst und gequetscht bis der Letzte seinen Platz im Zug gefunden hat. Es ist schlimmer als Sardinen in einer Blechbüchse. Der Vorteil? Man muss sich nicht mehr festhalten, denn der Druck der Masse hält einen fest!

Ich habe das Glück, dass dieser Quetschmodus auf meiner Strecke nur für wenige Stationen anhält und ich mich meistens nach drei bis vier Stationen hinsetzten kann. Was sehr angenehm ist, ist der Fakt, dass man am frühen Morgen nicht vom lauten Musikgedröhne genervt wird. Es wird auch nicht geredet. Der Japaner liest im Zug. Keine Zeitung natürlich, denn im High Tech Land ist man digital unterwegs und stöbert auf Internetseiten seines Smartphones.

17.11.2012:  Klebrig süß – so nascht man in Japan
Essen ist hier unglaublich teuer. So zahlt man beispielsweise für einen Apfel umgerechnet 1,40 Euro, für vier Tomaten 4 Euro und ein halbes Kilo Müsli 10 Euro. Die Portionen sind auch eher klein, sodass es mich wundert, dass es überhaupt ein japanisches Wort für groß gibt.

Einmal hatte mich ein Japaner in ein Desserthaus eingeladen. Ich entschied mich für ein Rote-Bohnen-Püree namens Anko, was so unglaublich gezuckert war, dass der ursprüngliche Geschmack der Bohne nicht mehr zu identifizieren war. Dazu nahm ich Dango. Das sind Wachtelei große, weiße Kugeln, die aus Reismehl und Wasser hergestellt werden. Den Reisgeschmack schmeckt man nur ganz leicht im Abgang. Bei diesen Reisbällchen geht es wohl eher um die Konsistenz, als um den Geschmack, denn die Dinger kleben furchtbar zwischen, in und auf den Zähnen.

Mein Gegenüber entschied sich für Anmitsu, also Eis mit Geschmack von grünem Tee oder Azukibohnen. Dazu gab es Kaffeebohnen zum Schnurpsen und geschmacklosen, transparenten Geleewürfel (Agar), die mich an Wackelpudding erinnerten. Statt Kaffee wird übrigens ungezuckerter, grüner Tee serviert, der eher nach Wiese als alles andere schmeckt! Ansonsten gibt es unzählige Schlemmereien, wie Kidneybohnenzuckerbrei in Teigtaschen, Kekse mit eigenartigen erdnussähnlichen Bohnen und, und, und!

26.11.2012: Vergorene Enteneier probiert
Ganz wichtig: Bevor man anfängt zu essen, reinigt man sich die Hände mit einem warmen Tüchlein, welches zur Mahlzeit serviert wird und sagt „Itadakimasu“, was so viel heißt, wie „Ich empfange das Essen“ – eine Art „Guten Appetit“. Am Ende des Gerichts, schließt man mit den Worten „Gochisoosama deshita“, was sinnbildlich „Danke für das gute Essen“ heißt!

Ich habe die japanische Art der Gerichte sehr lieben gelernt, weil es von allem viele kleine Portionen gibt. Ist ein bisschen wie Tapas, wo man von allem probieren kann – nur eben auf asiatisch. Bisher habe ich außerdem Qualle, vergorene Enteneier, Muschelfleisch, unterschiedlichsten rohen Fisch, rosa gefärbte Zuckerflocken und viel Wasabi und Ingwer gegessen. Man kommt einfach nicht drum herum.

Eines der wohl absurdesten Gerichte hier ist Natto. Natto sind vergorene Sojabohnen, die unglaublich schlierig sind. Isst man Natto zum Frühstück, so wie ich es getan habe, hat man noch den ganzen Tag seinen „Spaß“ damit, denn die zwischen den Bohnen hängenden Fäden kleben einfach überall. Den ganzen Tag hatte ich das Gefühl, ich hätte Sekundenkleber zwischen meinen Fingern, dabei hatte ich die Portion mit Stäbchen gegessen.

8.12.2012: Mein erstes großes Erdbeben
Wer gestern Morgen Nachrichten gehört hat, wird von dem aktuellen Erdbeben erfahren haben. Es hatte eine Stärke von 7.4 und erreichte Tokio mit einer Stärke von etwa vier! Es fing leicht an, aber als es nach zehn Sekunden immer noch nicht aufhörte und auch nach einer Minute noch wackelte, war allen klar im Büro: Das war ein großes!

Als Unerfahrene weiß ich die Gefahrenquelle schlecht bis gar nicht einzuschätzen. Aber spätestens als mein Chef panisch wurde, wusste auch ich, dass es ein abnormal starkes Beben war. Mein Puls raste und das Schlimmste war, dass man nie wusste, ob es besser oder schlimmer wird, weil sich ein Beben auf- und wieder abbaut! Kurz darauf ging auch schon eine Tsunamiwarnung für die nordöstliche Küste heraus. Einen Meter soll die Welle hoch sein! Alle Züge standen plötzlich still. Das passiert nur bei Taifun, Erdbeben oder Suizid.

Dann ein zweites Nachbeben! Und parallel dazu ein Anflug von E-Mails: „Alles ok bei euch/dir?“ Ja, bisher fand ich es immer lustig, wenn früh sechs Uhr das Bett wackelte, aber spätestens seit gestern werde ich dem Unmut der Erde mit Respekt entgegen treten, so wie es wohl die meisten Japaner machen.

28.12.2012: Es gibt hier kein Weihnachten!
Die letzten Wochen waren für mich wie ein deutscher November. Was sonst noch an die angeblich besinnlichste und schönste Zeit im Jahr erinnert, sind wohl nur die tausend und Abertausend Lichterketten. Jeder Busch funkelt hier rosa, die kahlen Bäume haben weiße Lichterkettenblüten und in den Einkaufshallen findet man weihnachtliche Figuren in Neonfarben. Wenn man Glück hat, findet man einen amerikanisch überfüllt, glitzernden Weihnachtsbaum.

Aber da hier so oder so alles das ganze Jahr über leuchtet, fällt auch das nicht wirklich auf. Unser Büro sieht aus wie immer, nur dass wir Weihnachtskarten von Kunden geschickt bekommen, die eher als Season’s Greetings als Frohe Weihnachten- Karten abgetan werden. Im Gegensatz zu der typisch deutschen Weihnachtsfete ist hier das Bounenkai üblich, eine „Lasst uns das Jahr-Vergessen-Fete“. Letztendlich ist Weihnachten in Japan wie bei uns Silvester.

Man kann sagen, dass es genau umgekehrt ist. Während wir Weihnachten in Familie verbringen, gehen die japanischen Pärchen oder Freunde feiern, was wir eher am 31. Dezember machen. Teure Geschenke werden trotzdem erwartet und verschenkt. Neujahr ist hier dafür das Fest der Familie.

Das ganze Land ist in Bewegung und auf dem Weg in die Heimat, um mit den Angehörigen zur Jahreswende einen Tempel aufzusuchen, um Glück für das kommende Jahr zu bitten. Ich mag es mir nicht vorstellen, wie Abertausende Japaner sich um einen Tempel wimmeln. Normal ist es, dass alle Flüge, Züge, Bahnen noch überfüllter sind und die Ticketpreise 30 Prozent Aufpreis haben.

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Eine Woche Berliner Luft schnuppern

Ein kleines Büro der Politikredaktion liegt außerhalb von Dresden. In Berlin arbeiten die beiden Korrespondenten Peter Heimann und Sven Siebert. In einer Sitzungswoche des Bundestages haben sie mir als Volontärin gezeigt, wie es vor und hinter den Kulissen zugeht.  

Montag

10.30 Uhr Pressekonferenz im Tagungszentrum: Die Krankenkasse Barmer und die Bertelsmann-Stiftung stellen das Ergebnis einer Umfrage vor: Der Ärztemangel ist bei den Patienten noch nicht angekommen.

11.30 Uhr Regierungspressekonferenz: Die Sprecher der Ministerien und der Regierung stehen den Journalisten für Fragen bereit: Besonders begehrt sind das Finanz- und Wirtschaftsressort. 

Dienstag

9.30 Uhr Pressefrühstück mit dem Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU: Er spricht über den Ablauf der nächsten Bundestagssitzungen und die Arbeit in den Ausschüssen.

11 Uhr Briefing zu Bundestagssitzungen II Weißwurstessen in der Bayerischen Landesvertretung: Die CSU-Spitze wird von Journalisten zu Äußerungen von Bayerns Sozialministerin gefragt. Haderthauer erntet scharfe Kritik aus eigener Partei. Die Landesgruppenchefin wirft ihr eine Sprache vor, „die nahe an die Erpressung geht“.

15 Uhr Fraktionssitzungen der Parteien I: Vor den Räumen der Fraktionsebene lungern viele Kameraleute, um einzelne Abgeordnete abzufangen und ihnen Statements für die Nachrichten abzuringen. Es geht um O-Töne zum Bombenfund am Bonner Hauptbahnhof, aber auch die Frage, was die Bundestagsmitglieder sich fürs neue Jahr vornehmen und nicht zuletzt, was sie Gotthilf Fischer zum 85. wünschen.

17 Uhr Fraktionssitzungen der Parteien II: Jetzt hocken auf der Fraktionsebene die Journalisten der Nachrichtenagenturen herum. Sie warten auf die Sprecher der Fraktion, die verraten, was sich in den Sitzungsräumen abspielt. „Unter drei sage ich Ihnen…“

Mittwoch

9.30 Uhr Journalistenrunde mit Gregor Gysi: Wird die Linke es im Januar in den niedersächsischen Landtag schaffen? Und im September in den Bundestag? Die Linken können es nicht alleine richten, Gysi macht es auch von der Bevölkerung im Land abhängig: Wenn es den Leuten gut geht, werde nicht links gewählt.

12 Uhr Gemeinsamer Auftritt von Steinbrück und Trittin:  Sie stellen einen Antrag zur Schaffung einer Bankenunion vor. Blitzlichtgewitter. Ihr Ziel: die Bändigung der Finanzmärkte die Bekräftigung der rot-grünen Wahlkampfbrüderschaft

13 Uhr Bundestagssitzung TOP 1: Gesetz zur Beschneidung. In zwei Stunden werden drei Grundrechte gegeneinander abgewogen: Was ist am wichtigsten: Kindeswohl, Religionsfreiheit oder elterliche Sorge? 

Donnerstag

9 Uhr Regierungserklärung von Angela Merkel vor dem Europäischen Rat in Brüssel:In einer sich verändernden Welt müssen wir selbst den Mut zur Veränderung haben.“ Danach ist Sigmar Gabriel dran: „Das ist doch verrückt, wie Sie Deutschland regieren.“

11.30 Uhr Interview mit Katja Kipping: Die linke Bundestagsabgeordnete aus Dresden ist den testeron-gestuerten Politikstil im Land leid.

13 Uhr Briefung zur Bundesratssitzung in der Sächsische Landesvertretung: Was ist alles im Vermittlungsausschuss hängen geblieben? Neues Vokabular: A- und B-Länder, echte und unechte Beschlüsse

Freitag

9.30 Uhr Bundesrat: Die Mehrheit der Ministerpräsidenten will die NPD „ins politische Nichts befördern“ und stimmt dem Antrag zu, ein Verbotsverfahren einzuleiten. Das ist nur einer von 70 Punkten auf der Tagesordnung.

12 Uhr NSU-Untersuchungsausschuss: Finanzminister Wolfgang Schäuble wird als Zeuge befragt, er war Innenminister, als die Mordserie in Deutschland weiterging.

Notiert von Dagny Rößler.

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Wo gibt’s den besten Unterricht?

Für den Schulnavigator der Sächsischen Zeitung wurde nicht nur online abgestimmt. Auf einer eigenen Facebook-Seite gibt es dazu alle Neuigkeiten im Überblick.

schulnavigator Zum dritten Mal in Folge wurden Eltern im Verbreitungsgebiet der Sächsischen Zeitung gebeten, die Erfahrungen mit der Schule ihres Kindes jenen Eltern zu übermitteln, die sich im Laufe dieses Schuljahrs für eine weiterführende Schule entscheiden müssen.

Nachdem im Jahr 2010 Mütter und Väter an Gymnasien und 2011 an Mittelschulen befragt wurden, wurden in diesem Jahr wieder die Eltern an den Gymnasien um ihre Meinung gebeten. In bewährter Weise hat die Forschungsgruppe Schulevaluation der TU Dresden unter der Leitung von Professor Wolfgang Melzer im Auftrag der SZ den Fragebogen entwickelt. Die Wissenschaftler werten die Umfrage auch aus. Professor Melzer erklärt, ihn überzeuge die Kontinuität dieser Erhebungen. Sein Team bekomme regelmäßig positive Rückmeldungen aus den Schulen.

In diesem Jahr erfolgte die Befragung erstmals online. Dafür haben mehr als 25.550 Eltern an 64 Gymnasien, die sich beteiligen, spezielle Zugangscodes erhalten. In der SZ-Redaktion werden die Ergebnisse jetzt aufbereitet und daraus gemeinsam mit einem Kommentar von Professor Melzer sowie einem großen Schulporträt eine Zeitungsseite für jedes Gymnasium gestaltet. Kurz nach Weihnachten wollen wir dann mit der Veröffentlichung beginnen.

Infos rund um den SZ-Schulnavigator sind auch bei Facebook zu finden. Einfach „Gefällt mir“ klicken und auf dem Laufenden bleiben.

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Zwischen Stadtrat und Spielplatz

Nicole Preuß (30) versucht, Familienleben und Redaktionsalltag zu vereinbaren. Die Bautzenerin wird dabei zum Organisationstalent.

Als mich die Tagesmutter meines Sohnes zum ersten Mal anruft, höre ich es nicht. Ich sitze im Bautzener Stadtrat. Mein Handy ist natürlich aus. Die Tagesmutter will mir sagen, dass mein Sohn Fieber hat und abgeholt werden müsste. Doch das höre ich erst viel später, als mein Mann und er schon zu Hause sind. Das ist einer der Momente, indem ich mich frage, ob ich das alles schaffe. Täglich acht Stunden arbeiten in der Bautzener Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung und gleichzeitig ein Baby betreuen.

Doch ich habe das bewusst so gewählt. Vor zwei Monaten stieg ich wieder ein. Da war mein Sohn fast ein Jahr alt. Nun bin ich wieder als Stadtredakteurin unterwegs. Ich klettere auf Baustellen herum, schaue einem Baumpfleger bei seiner Arbeit zu oder sehe mir das Baugelände für die neue Krippe an. Und ich bin glücklich darüber. Mein Traumjob. Jeden Tag etwas Neues erleben und darüber schreiben. Also versuche ich, meine Arbeit in der Redaktion und zu Hause zu verbinden.

Das geht vor allem über ein striktes Zeitmanagement. Jeden Tag um dieselbe Zeit aufstehen, egal ob die ersten Backenzähnchen meinen Sohn und mich kaum schlafen ließen oder nicht. Frühstücken und schließlich ab ins Auto und zur Tagesmutter. Dort bekommt mein Sohn dann sein Programm, in der Redaktion wartet meins. Meine Spezialgebiete sind dabei, wen wundert’s, Krippenbetreuung und junge Familien. Doch beinahe wäre es gar nicht so weit gekommen. Denn einen Betreuungsplatz finden, ist auch in Bautzen gar nicht so einfach. Schon mehrere Monate vor der Geburt fing ich an zu suchen. Ich telefonierte alle Tagesmütter der Stadt ab. Vergebens. Bis ich schließlich doch noch mit etwas Glück in der Umgebung fündig wurde. Das heißt für mich zwar morgens Autofahren. Doch für meinen Sohn bedeutet das auch Katzen, Hunde und einen kleinen Spielplatz am Haus.

Nachmittags ist dann mein Mann dran. Er holt den Kleinen ab, spielt mit ihm, gibt ihm zu Essen und badet ihn. Wenn ich keinen Termin habe, bringe ich meinen Sohn dann noch mit ins Bett. Da bleibt nicht viel Zeit für ihn. Doch ich habe eine Variante gefunden, wie sich das lösen lässt. So spielen mein Sohn und ich morgens nach dem Frühstück noch mindestens eine halbe Stunde miteinander. Dann darf er bestimmen, was ihm Spaß macht. Da wird aus und eingeräumt, ein Buch angeguckt oder durch die Wohnung gekrabbelt. Alles ohne Ablenkung. Das gelang mir fast nie, als ich noch den ganzen Tag mit ihm zuhause war. Doch jetzt klappt das ganz wunderbar. Ganz abgesehen von den Wochenenden, an denen wir Drachen steigen lassen, um den Stausee wandern oder einen Krabbelfreund besuchen.

Nach der Fiebernachricht bin ich übrigens einige Tage mit meinem Sohn zuhause geblieben. Und das obwohl gerade viele Kollegen fehlten. Mein Chef machte mir die Entscheidung leicht. Auch mein Mann blieb ein paar Tage bei unserem Sohn. Dann war der Kleine wieder gesund und konnte zur Tagesmutter gehen. Und jetzt, bleibt mein Handy während der Stadtratssitzung tonlos auf dem Tisch liegen. Man weiß ja nie.

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Als Nachrichtenjournalist zum Universalgenie

Volontäre stellen sich vor: Sandro Rahrisch (27) schreibt gern kurz und knapp das Wesentliche auf und verbessert so im Volo seine Allgemeinbildung.

SandroKlick gemacht hat es, …

 als mich der Direktor bat, die Sanierung der Schule mit der Videokamera festzuhalten und Beiträge für die Schulhomepage zu produzieren. Ich schnappte mir die Kamera der Eltern und verfolgte die Bauarbeiter auf Schritt und Tritt. Danach wollte ich eigentlich zum Fernsehen, habe mich aber bei der Sächsischen Zeitung um ein Praktikum in Radebeul beworben und festgestellt: Hier lernst du das Schreiben gründlicher und bist beim Texten nicht so stark ans Bildmaterial gebunden.

 Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht, … 

dass man als Journalist zum Universalgenie für Käseimitate, Videoüberwachung, EU-Agrarsubventionen und Bierflaschenhälse werden kann.

 Mein Leben ohne Journalismus hätte so aussehen, …

 dass ich meine Studienrichtung, Politikwissenschaft, als Doktorand weiterverfolgen würde.

 An diese Geschichte erinnere ich mich oft…

 Ein Tornado legte 2010 viele Häuser in und um Großenhain in Schutt und Asche. Als ich wenige Tage später zwei Familien besuchte, deren Heim plötzlich nicht mehr existent war, war das eine Gratwanderung. Ich merkte schnell, dass ich mit vorbereiteten Fragen nicht weiterkam, weil diese Menschen über ihr Schicksal und ihre Erinnerungen frei erzählen wollten. Sich als Journalist zurückzuhalten und kaum Fragen zu stellen, war eine ungewohnte Situation für mich, für die beiden Geschichten aber absolut notwendig.

 Ich bin Spezialist für…

 Nachrichten, Meldungen, Berichte und Features. Sie zwingen einem, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht abzuschweifen.

 Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt …

 als ich meinen Ausbildungsplan zum ersten Mal las: Neben der vierteljährlichen Rotation von Ressort zu Ressort, wie es bei den meisten Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern üblich ist, gehört ein Lehrgang an der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und ein Aufenthalt im Berliner Korrespondentenbüro zu meinen Stationen.

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Nach Redaktionsschluss zum Holzhacken

Wulf Stibenz hat in viel von der Welt gesehen: als Stipendiat in den USA oder auf Reisen nach Ägypten oder Russland. Heute leitet er die Redaktionen Niesky und Weißwasser und liebt das Leben auf dem Land.

Wulf StibenzWulf, wie hast du dir anfangs die Region zwischen Weißwasser und Niesky vorgestellt?

Als Student war ich nur einige Male zu Eishockeyspielen in Weißwasser oder auch zu Wanderungen in Polen und der Tschechei. Die Stadt habe ich vom Durchfahren damals als trist in Erinnerung, voller DDR-Hochhäuser und ohne kulturelle Attraktionen. Niesky hingegen musste laut Buschfunk eher klein, bürgerlich und langweilig sein. Rundum gab es ja nur Tagebaue und Kraftwerke, die Neiße als Grenzfluss und im Süden die Autobahn.

Wie hat es dich nach diversen Praktika bei Medien, Firmen und Ministerien doch aufs  Land verschlagen?

Nach meinem Studium hatte ich Großstädte, das etwas Aufgesetzte, das Schnelllebige und das Überangebot satt. Ich war durch die halbe Welt gereist, aber kaum durch Sachsen. Nur durch das Volontariat bei der SZ habe ich Lokalredaktionen und die Menschen vor Ort kennengelernt. Je weiter ab vom Schuss die waren, desto interessanter habe ich das immer empfunden.

Was macht die Menschen in der Region aus?

Ein Großteil der Klischees über Weißwasser oder Niesky stimmt nicht – wie so oft bei Klischees. Ich habe Weißwasseraner kennen und schätzen gelernt, die für ihre Stadt alles geben. Menschen, die trotz der sozialen und wirtschaftlichen Probleme vor Ort nicht der Karriere wegen wegziehen, die ihre Stadt mitgestalten wollen. Das ist faszinierend. Ich behaupte, dass ein Weißwasseraner, Rothenburger oder Nieskyer sich mehr mit dem Herzen für seine Stadt einsetzt, als es ein Dresdner, Leipziger oder Cottbuser tut – weil allen klar ist, dass es oftmals keinen anderen gibt, der die nötigen Aufgaben sonst erledigt.

Wie nah bist du beim Volontariat den Menschen gekommen, so ohne Ortskenntnis und Kontakte?

Ich habe mir dank der SZ-Kollegen vor Ort immer eine Unterkunft direkt in meiner Volo-Region gesucht. Ganz absichtlich, um schnell zu den Leuten dort Kontakt aufzunehmen, ihre Träume, Sorgen und Hoffnungen zu erkunden – und um ein Gefühl dafür zu bekommen, was gerade Thema ist. Fast jeden Abend bin ich vor Ort auch privat unterwegs gewesen – und auch übers Wochenende geblieben, obwohl ich in Dresden ja eine Wohnung hatte. Von täglichen Autobahnfahrten zur Arbeit habe ich nie etwas gehalten.

Ganz allein werkelt man als Volo im Lokalen ja nicht …

Die Tipps der Kollegen sind immer hilfreich. Sie sind es ja, die sich mit der Materie ihrer Region auskennen. Sie können Entwicklungen und Ereignisse sofort einordnen. Klar, mit etwas Berufserfahrung kann ein guter Journalist auch ohne Ortskenntnis und Kontakte trotzdem eine gute Geschichte bringen. Aber der Mehrwert des Eindringens in die Materie ist für die persönliche Entwicklung und die Zeitung unbezahlbar. Ich habe deshalb meine Volo-Stationen als ein riesiges Geschenk empfunden. Und es hat mich vor allem Respekt vor den Leistungen der Lokalredakteure gelehrt. Selbst wenn ein Nachwuchsjournalist später in Mantelredaktionen oder bei überregionalen Publikationen tätig sein will – der Einblick ins Lokale ist meines Erachtens von enormer Bedeutung.

Wie schaffst du es zwei Lokalredaktionen zu leiten, die über 30 Kilometer auseinanderliegen?

Nicht alle Redaktionsangelegenheiten können per Telefon oder Mail koordiniert werden. Ohne Auto wäre ich komplett aufgeschmissen. Der persönliche Kontakt – das habe ich auch als einen der wichtigsten Unterschiede zur Arbeit in urban geprägten Regionen schätzen gelernt – ist nicht durch fernmündliche Verbindungen zu ersetzen. Auch die Geschichten für die Zeitung entstehen hier deshalb oft anders. Denn die Wege zu den Menschen, über die wir berichten, sind lang. Zeit ist das wertvollste Gut – also musst du dich richtig gut organisieren. Fehler sind dabei im Laufe eines Tages oft nicht zu korrigieren, dürfen also nicht passieren.

Gerade, wenn es eine Konkurrenzzeitung gibt…

Der Zeit- und Qualitätsdruck bei Tageszeitungen ist enorm und richtig – die Kunst ist es, die eigenen Ansprüche und externen Anforderungen an die Arbeit für sich positiv zu besetzen. Dann bereitet Journalismus sehr viel Freude. Positiver Stress also, der einen fordert und anregt. Umso wichtiger ist es, im Spannungsfeld den privaten Ausgleich und sein Glück zu finden. Denn nur so sind kreative und rationale, effektive und feinsinnige, aufsehenerregende und bodenständige Resultate möglich.

Was kann man denn in der Gegend nach Feierabend machen – außer, Eishockey gucken?

Die Region hat viel mehr zu bieten als eine faszinierende Landschaft. Es gibt hier natürlich auch Szenen – von Jugend- bis Hochkultur. Und die müssen sich nicht vor denen in größeren Städten verstecken. Der Unterschied ist nur in der Masse des Angebots, nicht in der Qualität. Und es hat eben auch viel Charme, wenn sich auf Veranstaltungen von Konzerten bis bildnerische Kunst, Lesungen oder Sportaktionen viele Leute kennen, weil sie sich immer wieder treffen. Das schafft eine zusätzliche Verbindung, die ich so in größeren Städten nie erlebt habe. Das Leben „auf dem Lande“ ist also tatsächlich schön, wenn man sich darauf einlässt.

Wie hast du hier dein privates Glück gefunden?

Mein Glück entsteht durch ein Wechselspiel. Ich baue ein altes Jägerhaus mitten im Wald bei Niesky aus – wo ich mit Frau, Kind, drei großen Hunden und vier Katzen lebe. Ringsum ist nichts als Wald. In der Redaktion hingegen sind wir komplett vernetzt, schnell und aktuell. Privat habe ich weder Internet, noch Telefon – nur Handy natürlich. Auf Arbeit habe ich jeden Tag mit vielen unterschiedlichen Personen zu tun. Privat habe ich im Wald normalerweise nur meine beiden Nachbarn – die 1,8 und 2,4 Kilometer entfernt, auch irgendwo im Nirgendwo einen Hof haben. In der Redaktion muss alles professionell ablaufen. Beim Hausumbau werkele ich gerne selbst rum. Es ist der Ausgleich, der große Zufriedenheit und eben auch Glück ermöglicht.

Du wohnst also ganz abgeschieden. Wie pflegst du den Kontakt zu Kollegen, die nicht am Schreibtisch nebenan sitzen?

Das Kantinengespräch mit Kollegen anderer Redaktionen fällt ja leider aus. Der Einfluss anderer Denk- und Sichtweisen ist in einer Lokalredaktion also naturgemäß kleiner. Deshalb wird viel telefoniert. Und ich pflege gerne die Kontakte zu Kollegen. Das ist mit den diversen Online-Netzwerken einfacher geworden. Nur – ersetzen können sie den persönlichen Kontakt nicht.

Besuchen dich Kollegen anderer Redaktionen eigentlich im Wald?

Einige lieb gewordene Kollegen besuchen mich mehr oder weniger regelmäßig im Waldgut. Ich glaube, das ist für viele Städter auch etwas Therapie – so ganz ohne Straße, Laternen, Post, Trinkwasserleitungen, Internet, Bus, Bahn, Kneipe oder gar Nachbarn in Sichtweite. Ich genieße die Besuche sehr, weil ich viele der SZ-Kollegen beruflich und eben auch menschlich sehr schätze. Wenn es sich einrichten lässt, revanchiere ich mich natürlich auch gerne – es ist ja nicht so, dass ich ungern in der Stadt bin. Unter dem Aspekt betrachtet ist die SZ auch eine Art Journalistenfamilie.

Die Fragen stellte Dagny Rößler.

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Ja, sie lebt noch

Zwei überregionale Blätter stehen vor dem Aus. Aber der Tod der Zeitung, den manche heraufbeschwören, ist das noch lange nicht.

Vielleicht liegt es auch bloß an dieser trüben Stimmung im Herbst. Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag, und dann noch die ARD-Themenwoche zum Thema Sterben – da kann man schon mal in Todessehnsucht verfallen. Sind wir jetzt also soweit: Ist diese Woche der Anfang vom Ende der Zeitungen? Gleich zwei Blätter stehen vor dem Aus: Die „Frankfurter Rundschau“, die in der alten Bundesrepublik das Leib-undMagen-Blatt linksliberaler Intellektueller war. Und die „Financial Times Deutschland“, gegründet im Jahr 2000, als deutscher Ableger der britischen Wirtschaftszeitung auf lachsfarbenem Papier. Hunderte Redakteure könnten ihren Arbeitsplatz verlieren.

In Ostdeutschland werden beide Zeitungen kaum gelesen. Sogar deutschlandweit haben sie zusammen weniger Auflage als etwa die Sächsische Zeitung. Auch kommt ihr Aus für Branchenkenner nicht überraschend. Die „Frankfurter Rundschau“ wurde seit Jahren mit verschiedenen Rettungsversuchen am Leben erhalten. Und die „Financial Times Deutschland“ hatte es als Neugründung von Anfang an schwer, sich auf dem Zeitungsmarkt zu behaupten.

Trotzdem tun manche so, als hätte jetzt endlich das seit vielen Jahren prophezeite Zeitungssterben begonnen. Vor allem im Internet überschlagen sich die Kommentare. Mit mehr oder weniger unverhohlener Schadenfreude spotten Blogger und Online-Autoren über die Zeitung als „Totholzmedium“. Aber auch bei Zeitungsredakteuren ist das lähmende Gefühl weit verbreitet, für ein todgeweihtes Medium zu arbeiten, das der Übermacht des Internets hilflos ausgeliefert ist. Es regt sich kaum Widerspruch, wenn jetzt davon die Rede ist, die Tageszeitung sei längst ein „fragliches journalistisches Konstrukt“. Sind also nicht nur einige Blätter am Ende, sondern überhaupt die Idee Tageszeitung?

Man muss das wohl mit Ja beantworten, wenn man unter dem Begriff „Zeitung“ nichts anderes als ein Papierprodukt versteht, für das Leser artig bezahlen, weil es jeden Morgen am Kiosk oder im Briefkasten liegt und die Neuigkeiten des vergangenen Tages erzählt. Das funktioniert im Grunde genommen schon heute nicht mehr. Aber geht es nicht auch anders? Muss es Papier sein? Muss es früh morgens sein? Muss es immer nur das sein, was gestern schon in der „Tagesschau“ war und im Internet sowieso? Zeitungen werden sich ändern müssen, aber untergehen werden sie nicht. Sie werden überleben, wenn sie sich wandeln. Dabei müssen sie nicht unbedingt schneller werden, aber anders. Und noch viel besser.

Noch sind Zeitungen die Leitmedien in dieser Gesellschaft. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern. Vieles, was auf Facebook, Twitter oder in Online-Foren diskutiert wird, wurde zuerst von Zeitungsjournalisten aufgedeckt – so zum Beispiel die Affären von Guttenberg und Wulff. Die Online-Diskussionen sind dabei oft eine Bereicherung. Es gibt im Internet viele kluge Stimmen, die sonst nicht zu Wort kämen. Aber sie bilden meist bloß die Begleitmusik zu Debatten, die im Wesentlichen von Zeitungen angestoßen und von Fernsehen und Rundfunk aufgegriffen werden. Die Presse erfüllt also nach wie vor sehr rege die Funktion, die ihr in einer Demokratie zukommt: Sie trägt zur Meinungs- und Willensbildung bei.

Auch in Zahlen betrachtet, ist die deutsche Zeitungslandschaft immer noch beeindruckend vielfältig und lebendig. Es gibt 339 verschiedene Tages- und Sonntagszeitungen. Zusammen kommen sie auf eine Gesamtauflage von über 21 Millionen Exemplaren. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger lesen sogar zwei Drittel der Erwachsenen täglich eine gedruckte Zeitung. Deutschland war und ist ein Land von Zeitungslesern, auch im Zeitalter von Smartphones und Tablet-Computern.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Auflage der Zeitungen seit vielen Jahren langsam, aber stetig sinkt. Im Jahr 2002 lag die Gesamtauflage noch bei mehr als 27 Millionen – in den letzten zehn Jahren ist die Zahl um sechs Millionen geschrumpft. Tendenz weiter sinkend. Vor allem junge Menschen lesen immer weniger Zeitung. Nur Wochenzeitungen wie „Die Zeit“ oder die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ konnten einige Leser hinzugewinnen.

Was also muss sich ändern, damit Zeitungen nicht tatsächlich einen schleichenden Tod sterben? Sicher ist, dass es künftig immer weniger gedruckte Zeitungen geben wird. Doch die Inhalte müssen nicht unbedingt wie bisher auf Papier daherkommen. Sie können auch als Onlineauftritt, PDF, App, SMS oder was auch immer auf Computer, Handy oder Tablet landen. Millionen Menschen kaufen längst keine CDs mehr, sondern laden ihre Lieblingsmusik aus dem Internet runter. So könnte es bald auch mit Zeitungsartikeln sein. Na und? Zeitungsjournalisten wollen gelesen werden. Auf welchem Weg, das kann ihnen egal sein.

Aber was es da zu lesen gibt, das ist nicht egal, das wird über die Zukunft der Zeitung entscheiden. Der Tageszeitungsrhythmus ist in der Nachrichtenflut von heute auch ein Vorteil: Einmal am Tag kann sich der Leser in Ruhe über die Hintergründe informieren, ausgeruhte Analysen, Kommentare und Reportagen lesen. Die schnellen Happen können die Zeitungen getrost dem Internet überlassen. Ihre Stärke sind ihre Redaktionen, in denen Journalisten täglich miteinander diskutieren, ihre Texte gegenseitig kritisch begutachten, Informationen hinterfragen und auswerten, Fakten recherchieren.

Journalisten sind nicht klüger als ihre Leser. Aber sie werden dafür bezahlt, dass sie Informationen prüfen, sortieren und aufbereiten. Das unterscheidet eine Zeitung von kostenlosen Online-Nachrichten. Und deshalb kostet eine Zeitung Geld. Für eine Ausgabe der Sächsischen Zeitung etwa bezahlt man 1,20 Euro. Das ist preiswerter als eine Tasse Kaffee. Warum sollten Leser nicht auch in Zukunft bereit sein, einen solchen Betrag für eine digitale Version der SZ zu bezahlen? Sie wollen ja kein Papier kaufen, sondern Inhalte.

Das Problem, mit dem die meisten Verlage heute noch kämpfen, ist die Suche nach einem funktionierenden Bezahlmodell. Und auch die Anzeigen bringen im Internet bislang deutlich weniger Geld ein als in der gedruckten Zeitung. Das ist für viele Verlage schmerzhaft. Aber letztlich sind das betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten, die nichts an der Grundbedingung für die Existenz von Zeitungen ändern: Qualitätsjournalismus wird künftig mehr gebraucht denn je – in einer Welt, die immer komplexer, rasanter und unübersichtlicher wird. Und was gebraucht wird, ist den Menschen auch Geld wert.

Dafür bekommen sie künftig noch mehr als heute geboten. Viele wollen sich nicht mehr nur Informationen auftischen lassen, sondern sich einmischen und mitreden. Oder auch mitschreiben. Bitte schön! Auch dafür können Zeitungen in Zukunft eine Plattform sein. Die Zeiten, in denen Redakteure ihre Leser in klugen Leitartikeln belehren durften, sind ohnehin längst vorbei. Journalisten sind Dienstleister und keine Oberlehrer. Diese Haltung gilt im Online-Zeitalter mehr denn je.

Gerade für Regionalzeitungen liegt hier eine Riesenchance: Sie sind näher an ihren Lesern dran als die großen überregionalen Blätter. Und sie können ihr Publikum künftig über das Internet noch stärker einbinden. Die Inhalte einer Regionalzeitung sind sowieso unersetzbar. Je lokaler ein Ereignis ist, desto schwieriger ist es, verlässliche Nachrichten kostenlos im Netz zu finden. Wer wissen will, was in seinem Wohnort passiert, ist auf eine Lokalzeitung angewiesen. Daran hat sich durch die digitale Welt nichts geändert.

Eine andere Frage ist, ob Leser künftig noch regelmäßig einen festen Preis für eine komplette Zeitung zahlen werden – oder nur noch für bestimmte Themen oder gar einzelne Artikel. In der Musikindustrie ist das längst so weit. Auf Streamingdiensten wie Spotify oder Simfy kann man gegen eine Monatsgebühr unendlich viele Titel hören. Bei iTunes und anderen Plattformen werden nicht mehr nur komplette Musikalben, sondern vor allem einzelne Songs verkauft. Nicht ausgeschlossen, dass es eines Tages mit Zeitungsartikeln ähnlich funktioniert.

Zukunftsmusik? Auch die Hardrockband AC/DC hat sich lange gegen Veränderungen gewehrt. Online-Stores würden die „Musikwirtschaft umbringen“, hatten die Altrocker gewettert. Jetzt haben sie ihren Widerstand aufgegeben. „Highway to Hell“ gibt’s neuerdings für 1,29 Euro im Netz. Daran wird der Rock ’n‘ Roll auch nicht zugrunde gehen.

Von Marcus Krämer und Heinrich Löbbers

News

Dabei sein, wenn es passiert

Volontäre stellen sich vor: Dagny Rößler (24) studiert Journalistik an der Uni Leipzig  und holt sich in einem Jahr die nötige Portion Praxis.

Klick gemacht hat es…

in meiner Bachelorzeit. Als ich bei der Düsseldorfer Unizeitung „Campus Delicti“ Woche für Woche selbst Themen setzen, Texte schreiben und Fotos machen konnte. Die fertige Ausgabe haben wir unseren Lesern sogar noch persönlich in die Hand gedrückt.

Vor dem Volo hätte ich nicht gedacht…

dass ich im Lokalen jeden Tag aufs Neue die unterschiedlichsten Themen auf dem Schreibtisch liegen habe. Für den Döbelner Anzeiger sprach ich einmal morgens im Kuhstall mit Sachsens bester Melkerin und am Nachmittag philosophierte ich mit einem Chirurgen über sein absolutes Gehör.

Mein Leben ohne Journalismus hätte so ausgesehen…

dass ich vielleicht Leute überzeugen würde, an einer Umfrage teilzunehmen – am Telefon oder in der Fußgängerzone. In meinem Bachelor ging es nämlich auch um empirische Sozialforschung. Zum Glück ließ mir das Studium viele Freiheiten, mich nach Alternativen umzuschauen.

Ich bin Spezialistin für…

Porträts über Menschen mit einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte: über eine Frau, die früher ein Mann war; über einen Paralympics-Teilnehmer, der als Kind mit seinem Pony zur Schule ritt. Gerne höre ich Leuten zu, aber noch lieber bin ich ganz nah an ihnen dran, erlebe sie, wenn etwas passiert. Ich habe für eine Zeitung schon in einem Hörsaal übernachtet, als Studenten ihn zum ersten Mal besetzten. In Dresden habe ich in der Warteschlange gestanden, als die Klappsessel des Kulturpalasts verkauft wurden – für ein Ehepaar hingen daran Erinnerungen aus 30 Jahren.

An die Geschichte erinnere ich mich oft…

Gleich in der ersten Volo-Woche konnte ich eine Frau porträtieren, die Sterbende ehrenamtlich begleitet. Das klingt nach einem deprimierenden Thema, doch die Hospizhelferin sprudelte nur so vor Lebensfreude. Ihr Motto: „Es nützt ja nichts, wenn ich traurig bin.“ Widersprüche machen das Leben erst richtig interessant.

Dass ich bei der SZ richtig bin, habe ich gemerkt als…

ich einen Blick in andere regionale Tageszeitungen geworfen habe und von vielen Mini-Meldungen oder Kurzkommentaren erschlagen wurde. Die SZ nimmt sich den Platz, den die besten Geschichten brauchen.